
Sehr geehrter Herr Kammer, mein Punkt ist der folgende: Das, was der von mir sehr geschätzte Helmut Norpotth macht, entspricht den Klimamodellen der Klimaforschung (nur in der Logik, nicht in der Genauigkeit, es liegt mir fern, Helmut Norpoth zu beleidigen). Unsere Rolle ist dagegen die des Thermometers. Wenn die Klimamodelle richtig sind, wird man das irgendwann am Thermometer erkennen. Wenn nicht, ist nicht das Thermometer falsch, sondern die Modelle. Das Gleiche gilt für die Wahlforschung. Wenn sich die Berechnungen von Helmut Norpoth als richtig erweisen, prima. Dann wird sich das beizeiten auch in unseren Umfragen zeigen. Ich befinde mich mit ihm nicht in einem Wettbewerb. Niemand würde auf ein Thermometer verzichten, nur weil es Klimamodelle gibt. Dass das Norpoth-Modell bisher sehr gute Voraussagen gemacht hat, liegt, wenn ich es richtig verfolge, daran, dass Helmut Norpoth ein sehr guter Beobachter und kluger Analytiker ist und auch klug genug ist, sein Modell immer wieder den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ich werde nie vergessen, wie er bei einer Tagung der “American Association for Public Opinion Research”, es muss im Jahr 1994 gewesen sein, einen Wahlsieg Clintons bei der Präsidentschaftswahl 1996 voraussagte. Der Saal brach darauf in schallendes Hohngelächter aus. Clinton war zum damaligen Zeitpunkt der unpopulärste Präsident seit den Anfangstagen der Umfrageforschung. Doch Norpoth hatte Recht. Ich habe ihm den Triumph von Herzen gegönnt, denn, wie gesagt, das Thermometer und das Klimamodell stehen nicht in einem Wettbewerb zueinander. Beste Grüße Thomas Petersen
Sehr geehrter Herr Dr. Petersen, in dem von Ihnen verlinkten Beitrag erklären Sie aber eben gerade nicht den Erfolg des Modells von Gschwend/Norpoth, sondern zweifeln lediglich seine Aussagefähigkeit für zukünftige Wahlen an, wenn ich das so zulässig verkürzen darf. Und immerhin basiert das Modell auch auf Wahlen vor 1998 und sagte das Ergebnis von 2002 exakt voraus, was Ihren Ausführungen nach ein Widerspruch darstellt. So gesehen würde es mich weiterhin interessieren, ob Sie eine Erklärung dafür haben, dass dieses Prognosemodell anscheinend (oder je nach Standpunkt: scheinbar) bessere Vorhersagen trifft als die Umfragen der Institute. Beste Grüße zurück Peter Kammer
Sehr geehrter Herr Kammer, meinen Kommentar zu den in der Tat sehr interessanten Untersuchungen von Helmut Norpoth, den ich seit vielen Jahren gut kenne und schätze, finden Sie hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/klopfzeichen_aus_der_welt_der_sozialwissenschaften_folge_20 Beste Grüße Thomas Petersen
Wenn Herr Dr. Petersen der Meinung ist, man könne einen Monat vor der Wahl keine Wahlprognose abgeben, so möge er doch einmal den Erfolg des Wahlprognosemodells von Norpoth/Gschwend erklären, die 2002 mit ihrer Vorhersage drei Monate vor der Wahl gerade einmal um 0,3% vom Wahlergebnis abwichen, 2005 die große Koalition vorher sagten, als alles von einem Wahlsieg von schwarz-gelb ausging und 2009 zumindest in der Tendenz richtig lagen.
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