
Ich habe seit meinem 18. Lebensjahr keine Wahl verpasst. Mein Vorschlag zur seit Jahren sinkenden Wahlbeteiligung: Sollte bei der nächsten Wahl (egal ob Bund oder Land) die Wahlbeteiligung unter zwei Drittel der möglichen Wähler fallen, bleibt die jeweilige Regierung im Amt.
Der Nichtwähler, der inzwischen mehr Stimmen vorenthält, als anschließend manche Koalitionen zusammenbringen, hat allem Anschein nach den Glauben verloren etwas in der Politik beeinflussen zu können. Hauptgrund dafür wird wohl die Tatsache sein, das die persönlichen Interessen dieser Nichtwähler von den zur Wahl anstehenden Parteien nicht wirklich vertreten werden. Wenn sich die werbenden Parteien in ihren Grundzügen kaum noch wesentlich unterscheiden, und sie den Wähler in Wirklichkeit nur im Wahlkampf umschmeicheln, ihn aber sonst gemeinschaftlich für dumm verkaufen und ausnehmen, dann fehlte dem Nichtwähler bisher doch nur eine Alternative, wo er gegen die etablierten, von ihm für nicht vertrauenswürdig erachteten Parteien seine Kreuze machen kann. Eine erhebliche Verunsicherung der Wahlprognosen entsteht mit den steigenden Chancen einer erneuten Wahlbeteiligung dieser vormaligen Nichtwähler, die theoretisch ein zweistelliges Potenzial aufbringen können. Die Angst der etablierten Parteien vor dramatischen Einbußen ist durchaus berechtigt, denn echte Opposition belebt die Demokratie im Interesse der wählenden Bevölkerung.
Sehr geehrter Herr Petersen, m.E. machen Sie einen kleinen, aber bedeutsamen Denkfehler: Sie sprechen von “Politikverdrossenheit” - der eigentlich diskussionswürdige Begriff ist aber “Politikerverdrossenheit”. Wieviel Spaß macht es denn noch auszusuchen von wem man vielleicht etwas weniger angelogen bzw. - sorry - beschissen wird? Mit freundlichen Grüßen Werner Lange
“Wer die 70er Jahre bewusst erlebt hat, wird sich daran erinnern, wie aufgeheizt die politische Atmosphäre damals war. Folgerichtig hält es die Generation, die in dieser Zeit geprägt wurde und die heute in der öffentlichen Diskussion den Ton angibt, für undenkbar, sich nicht an einer Wahl zu beteiligen.” Wer Ihre Klopfzeichenserie gelesen hat, wurde dahingehend belehrt, daß obige Aussage eine subjektive Empfindung und nicht sozial-“wissenschaftlich” nachweisbar ist. “Bemerkenswert ist nun, dass in der gleichen Zeit, in der die Wahlbeteiligung zurückging, die Zahl derer, die bürgerschaftlich engagiert sind, deutlich zugenommen hat. Die Akzeptanz demokratischer Spielregeln ist eher gewachsen, und mehr Menschen als zuvor sagen, sie glaubten daran, dass man als Bürger durchaus auf politische Entscheidungen Einfluss habe, wenn man nur wolle.” Beispiel: 100 Bürger = 100% Wahlbeteiligung 5 Bürger engagieren sich bürgerschaftlich = 5% Nun erfolgt eine 100 % ige Zunahme der Bürgerbeteiligung = 10 Bürger, d.h. ein ganz toller Erfolg Die Wahlbeteiligung sinkt auf 70% = 70 Bürger Da deklarieren wir mal einfach 70 Bürger = 100% Der Anteil der bürgerschaftlich engagierten Bürger erhöht sich somit auf 14%. Das Umfrageergebnis lautet: Der Anteil der bürgerschaftlich engagierten Bürger hat sich annähernd verdreifacht. Die Wahrheit lautet: Von hundert Bürgern haben sich 30 Bürger = 30 % aus dem demokratischen Engagement ausgeklinkt. “Nichts spricht zurzeit dafür, dass die Demokratie durch wachsende Resignation der Bürger ausgehöhlt wird.” Als Hobby-Sozialwissenschaftler / Statistiker kann ich nur sagen, daß 0% Wahlbeteiligung eine 0 %ige Demokratie bedeutet. Vielleicht kann mir ja ein Sozialwissenschaftler erklären, ob es sich bei diesem Phänomen um einen analogen oder kausalen Zusammenhang handelt.
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