
Lieber Dr. Petersen, Vielen Dank für ihre erleuchtenden Kommentare, die mir ihr Fachgebiet, im Gegensatz z. Bsp. zur Psychoanalyse, die ich zu den esoterischen Künsten zähle, als Wissenschaft verständlich machen. Und so schlage ich in Bezug auf die sog. Energiewende die folgenden Fragen an verantwortliche Staatsdiener (Kanzleramt, Umwelt, Wirtschaft, Finanzen) vor: -Denken sie, dass der Mensch der Zukunft keinerlei Innovationskraft mehr hervorbringt? -Sind sie der Meinung, am Ende wissenschaftlicher Forschungen zu sein? -Halten sie es für nowendig, von nun an sämtliche Resourcen der Welt unter staatliche Verwaltung zu stellen? - Glauben sie an einen langfristigen Erfolg von Gesellschaftsexperimenten wie Sozialismus oder Ökologismus?
Die Hundefutter-Frage ist genial. Aus früherer Zeit ist mir noch die Schwarzmeer-Frage in Erinnerung, um die Stärke des Nationalbewußtseins zu ermitteln. Die Indikator-Methode ist eine Allensbacher Spezialität und gleichzeitig das Problem. Das sei hier einmal ganz grundsätzlich beleuchtet, so wie Sie ihr Publikum ja auch gerne sozialwissenschaftlich belehren. Die Indikator-Methode erinnert methodisch stark an die problematische Faschismus-Skala aus dem Projekt “Autoritären Persönlichkeit”, das natürlich soziologischer Blödsinn war (und ist), weil es mehr über die Vorurteile und Abneigungen der Fragenden, als über die Befragten selbst aussagte. Auf ähnlichen Niveau befinden sich die jährlichen FES-Studien, die uns weißmachen wollen, dass die Ausländerfeindlichkeit, der Antisemitismus, der Rassismus, der Antifeminismus, der Nationalismus oder was auch immer, in der “Mitte der Gesellschaft” angekommen sind. Das ernährt eine ganze Denuniazions-Industrie. Wissenschaft möchte man das nicht nennen. Adorno konnte ja auch einen Antisemiten auf Anhieb erkennen. Denn jeder, dem seine Art unangenehm war, war natürlich Antisemit, auch wenn er es noch gar nicht wußte. Am Beispiel Golo Manns ist diese “ich weiß mehr, als der Mensch selbst” auch der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Art der Argumentation waren nicht alleine persönliche Interessen und den Charaktermängeln Adornos geschuldet, sondern war Ausfluss einer bestimmten Methode. Auch Philosemiten können dann leicht als verdsteckte Antisemiten entlarvt werden, wenn es notwendig ist. Es ist, wissenschaftstheoretisch gesprochen, ein holisitisches Modell, das nicht aus sich heraus widerlegt werden kann, aber Anspruch auf übergreifende Wahrheit erhebt. Für mich ist das ein Grund, Allensbach-Umfragen, und insbesondere den hauseigenen Interpretationen, grundsätzlich zu mißtrauen. Je weiter die Indikator-Fragen von der Sache weg sind, umso größer das Problem der Selbstbezüglichkeit, der nachträglichen Interpretation und der Relevanz. Für manche Tatbestände eignen sie sich ganz hervorragend, für andere weniger. Die Politik gehört zu den Sachgebieten, für die sie sich eher weniger eignet. Gut für die kurzfristige Politikberatung. Wenn man mehr möchte, wird man mit leeren Händen da stehen. Allgemein wirken Meinungsumfragen in Deutschland manipulativ, indem sie ein Meinungsklima voraussetzen, das sie zu erforschen vorgeben. Das erklärt vielleicht ihre Beliebtheit. Die Fragebogen werden so konstruiert, dass sie vorgegebenen Meinungsschemata entsprechen, nicht den Meinungen der Befragten. Der Wert der Ergebnisse liegt ausschließlich darin, dass sich die Befragten sowohl bei der Umfrage, wie auch im politischen Verhalten diesen Meinungsschemata anpassen. Den meisten Befragten ist dieser Mechanismus nicht bewußt, aber er ist für den Wert der Ergebnisse relevant. Was die Umfragen auf keinen Fall wissen möchten, ist die Meinung der Befragten jenseits diese Kontextes. Ich habe früher oft an Telefonumfragen teilgenommen. Spätestens nach 10 Fragen machte ich mir um die geistige Gesundheit des Fragebogenerstellers sorgen und begann die Arbeitssklaven am Telefon zu bedauern. Enstprechend wenig aussagekräftig sind dies Ergebnisse, wenn man sie aus dem vorgegebenen Meinungskontext herausnimmt. Die größere Volatilität der Wahlumfragen ist nicht nur der größeren Stimmungsabhängigkeit des Wahlverhaltens geschuldet. Es kommt darin vor allem ein fundamentales Nichtwissen über die Meinungsbildung selbst zum Vorschein. Wenn man bessere Ergebnisse haben wollte, müsste man auch einmal über andere Herangehensweisen der Wahlforschung nachdenken. Inzwischen kommt der Effekt hinzu, dass die Meinungsumfragen größere Gruppen der Gesellschaft nicht mehr erreichen. Repräsentative Umfragen gibt es praktisch nicht mehr. Die statistische Korrektur beruhigt das wissenschaftliche Gewissen, macht die Daten aber nicht besser. Deshalb verbieten sich meiner Ansicht nach auch die weitreichenden Interpretationen, die oft mit politischen Umfragen verbunden sind, von selbst. Vom wahrscheinlich unvermeidlichen Schönreden der Ergebnisse zugunsten der Auftraggebenr, wie man es regelmäßig in der FAZ lesen kann, einmal ganz abgesehen. Was mir im Gedächtnis geblieben ist. Vor einiger Zeit war das Ergebnis einer Alllensbach-Umfrage (FAZ), dass über 70% der Befragten die europäische Rettungspolitik ablehnten. Entgegen einer früheren Umfrage waren die Werte leicht verbessert. Die Überschrift des Artikels hatte DDR 2.0 Charakter: Zustimmung zur europäischen Rettungspolitik steigt. Solche Artikel werden bei mir nicht einmal mehr als Belege aufbehalten.
Ich hab’s schon immer geahnt: Demoskopie ist eine der sinnlosesten Freizeitbeschäftigungen.
Vielleicht sollten Sie zur Klarstellung ergänzen, dass Sie nicht die typischen “Umfragen” in Zeitungen meinen, deren Ergebnisse schon durch die Fragestellung feststehen. (“Ja, ich unterstütze die vernünftige Aussage, dass eine große Koalition alternativlos ist.” Oder: “Nein, ich möchte, dass Deutschland untergeht.” ... etwas übertrieben. )
Sehr geehrter Herr Peters, ab jetzt können Menschen, die Ihre Ausführungen gelesen haben, gar nicht mehr an Umfragen teilnehmen, weil sie bei Indikatorfragen ewig grübeln, was über diesen indirekten Weg herausgefunden werden soll ;) Bereits Ihre Hundegeburtsfrage ist für mich ein (bisher ungelöstes) Sudoku. Kann es sein, dass die Folgefrage dann war: Wenn ja, was schenken sie ihm?
Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.