
Sehr geehrter Herr Petersen, das Geheimnis bleibt bestehen, solange Sie nicht mit konkreten Daten arbeiten. Zum Beispiel mit den Rohdaten einer aktuellen Umfrage und deren Gewichtung. Ihre fiktiven Beispiele sind viel zu unterkomplex. Mit freundlichen Grüßen, Steffen Frank
Schön und gut - aber bezüglich dessen, was uns auf den Nägeln brennt, gehört das in die Kategorie: Thema verfehlt. Interessieren würde mich zum Beispiel viel mehr: - In welchem Handbuch kann man nachlesen, dass nachweislich schon einmal Daten eines Umfrageinstitutes bewusst gefälscht worden sind, um Einfluss auf eine bevorstehende Wahl zu nehmen? Anwort: das steht in keinem Handbuch, aber in der Wikipedia unter dem Stichwort “Institut für Demoskopie Allensbach”: “Für öffentliche Kritik sorgten Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992 und Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996, bei denen das Institut die Umfragewerte der Partei Die Republikaner viel zu niedrig ansetzte. Allensbach prognostizierte 4,5 bzw. 4 Prozent Stimmenanteil. Die tatsächlichen Wahlergebnis der Republikaner lagen jedoch bei 10,9 und 9,1 Prozent. In einem Interview zu den Vorfällen räumte Renate Köcher ein, dass sie der Partei keine Plattform bieten wolle und daher die im Vorfeld der Wahl ihr bekannten höheren Umfragewerte nicht veröffentlicht hatte. Dieses Vorgehen stieß in der Publizistik und Wissenschaft auf Kritik.”
Hallo Dr. Petersen, es ist wohltuend, einen Beitrag zu lesen, der Geheimnisse lüftet, die gar keine sind, aber in Zeiten frei flottierender Begrifflichkeit, ist eben auch eine Gewichtung, die simple Multiplikation von Daten ein Geheimnis. Was mir in dem Beitrag allerdings fehlt, ist etwas Kritisches zur Gewichtung, soll doch per Gewichtung wie von Zauberhand aus einer verzerrten Stichprobe eine Stichprobe werden, die für die Gesamtbevölkerung repräsentativ ist und dazu sind eben nicht nur die letzten Wahlen, sondern auch z.B. die Alters-, Geschlechts-, Einkommens- und oder Berufsverteilungen notwendig. Soweit ich mich erinnere, ist der Gewichtungskoeffizient bei der Forschungsgruppe Wahlen, den Wolfgang Gibowski als deren Mitgründer offensichtlich und zwischenzeitlich vergessen hat, ein solches konglomeriertes Maß, mit dem aus 125 Arbeitern, die über 40 Jahre als sind eben einmal 250 Arbeiter über 40 Jahre werden, nicht im Datensatz aber im Anteil. Für mich ist Gewichtung dem Rühren des Hexentrunks vergleichbar, besonders deutlich bei Europa-Gewichten, wie sie im Eurobarometer genutzt werden, um von 300 befragten Luxemburgern noch 4 übrig zuhaben, die dem Gewicht Luxemburgs in der EU entsprechend, während aus 1000 Deutschen, wie von Zauberhand geführt, rund 4000 werden. Der Magie des Gewichtens sind keine Grenzen gesetzt und entsprechend gibt Gewichtung in Wahlumfragen eine Reihe von Möglichkeiten, um das Endergebnis fast nach Belieben zu berechnen. Man ergänzt hier ein paar Arbeiter, nimmt dort ein paar Kirchgänger hinzu und schon ist man bei höheren Prozentwerten für SPD und CDU und, nicht zu vergessen, die ganze Gewichtung ist sehr konservativ. Wie sich in der Vergangenheit regelmäßig gezeigt hat, bei den Reps, den Grünen, werden neue Parteien generell zu gering gewichtet, was auch nicht verwunderlich ist, weil man ja nicht weiß, wer die neuen Parteien wählt und entsprechend neue Parteien gar nicht gewichten kann. Kurz: Gewichtung ist kein Geheimnis, aber auch keine wissenschaftliche Methode. Gewichtung ist eine symbolische Tätigkeit, mit der der Anschein erweckt werden soll, man könne aus 1000 Befragten eine für die deutsche Bevölkerung repräsentative Grundgesamtheit zimmern, und nichtzuletzt ist die Gewichtung ein Verfahren, dem ich schon deshalb spektisch gegenüberstehe, weil es alle möglichen Tripps und Kniffe erlaubt, um Parteien gut oder schlecht zu rechnen. Die in der Zunft hinlänglich bekannten “Differenzen in den Ergebnissen” zwischen Forsa und Infas und Emnid mögen als Beispiel dafür genügen.
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