Volker Seitz / 08.12.2019 / 15:00 / Foto: Pixabay / 10 / Seite ausdrucken

Klimawandel positiv für Afrika?

Die häufigen Demonstrationen zur „Rettung der Welt“ schaffen politischen Druck und Aufmerksamkeit, führen aber kaum zu einer rationalen Umweltpolitik. Zu viel Wichtiges und Unwichtiges wird auf der Straße gefordert. Wer anstrebt, in kurzer Zeit auf nationaler Ebene CO2-Neutralität zu erreichen und dafür exorbitante Milliardenbeträge einsetzen sowie den Niedergang ganzer Industriezweige hinnehmen will, kann damit vielleicht die Welt moralisch belehren. Aber wir sollten uns nicht als moralische Leitnation aufspielen. Der Anstieg der Erderwärmung lässt sich so nicht verhindern, wenn anderswo die CO2-Emissionen ständig gesteigert werden.

Während heutzutage viele Wissenschaftler die Grenze zum Alarmismus überschreiten und selbst zu „Aktivisten“ werden, gibt es renommierte Forscher, die der Zeitgeist nicht als „Klimaleugner“ diffamieren kann. Hans von Storch, bis Ende 2015 Direktor am Institut für Küstenforschung in Geesthacht und Professor an der Universität Hamburg, gilt als einer der wichtigsten Klimaforscher Deutschlands. Er hat auch in China gelehrt.

Von Storch zweifelt nicht am Klimawandel, aber er tritt den üblichen Dramatisierungen entgegen. Diese sollen Aufmerksamkeit für den Klimawandel schaffen. Aber er fragt, wo die notwendige Aufklärung endet und der Alarmismus beginnt. Vor allem werde die Vorbildfunktion Europas überbewertet. Alles würde übertrieben. Ohne China und die USA sei das Ziel Klimaneutralität nicht zu erreichen. Panik und Denkverbote aber seien miserable Ratgeber bei diesem Thema, sagte von Storch am 3. Dezember 2019 beim Klimatalk der TV Sendung „Hart aber fair.“

Die Bundesregierung lernt nicht aus ihren Fehlern

China und Indien sind zu sehr auf ihre wirtschaftliche Entwicklung konzentriert, als dass sie schon jetzt Emissionen senken würden. Warum sollte China in der Klimapolitik etwas tun, was in unserem und nicht im eigenen Interesse liegt? So finanziert China im In- und Ausland neue Kohlekraftwerke und setzt weltweit auf fossil basierte Stromsysteme. Ist es nicht ein Ausdruck unserer Selbstüberschätzung, wenn wir glauben, dass ein Land wie China sich durch „Entwicklungshilfe“ in unsere Klima- und Umweltvorstellungen einbinden lässt? (Vergleiche Achgut.com „Warum kriegt China immer noch deutsche Entwicklungshilfe?“) Das eigentlich Traurige bleibt, dass die Bundesregierung überhaupt nicht aus ihren Fehlern lernt. Wozu man einem Land Entwicklungshilfe leisten muss, das im Gegensatz zu Deutschland nicht nur in der Lage ist, Großflughäfen zu bauen, sondern auch führend bei modernster Kerntechnologie ist und ein Weltraumprogramm unterhält, ist schlicht nicht zu verstehen. Allein die Europäer mit ihrem sinkenden Anteil von lediglich noch neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden das Klima nicht retten können.

Wenn es um den Klimawandel geht, ist selten von positiven Effekten die Rede. Höhere Temperaturen des Mittelmeers sind die Hauptursache dafür, dass mehr feuchte Luft aus dem östlichen Mittelmeer an den Südrand der Sahara gelangt.

Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI) um den Leiter Martin Claußen haben seit einigen Jahren das Wechselspiel von Klima und Vegetation simuliert. Sie sind zu der Einschätzung gekommen, die Erderwärmung könnte positive Auswirkungen auf Afrika haben. Unter der Überschrift „Die Wüste grünt“ schreiben die Wissenschaftler: „In der Sahara könnten sich bei einer mäßigen Erderwärmung Pflanzen ausbreiten – so wie es auch in der Vergangenheit ab und an geschah.“ Durch die Erderwärmung werde „die Verdunstung wie unter einem Kochtopfdeckel zunehmen“, was wiederum zu höheren Niederschlägen führe.

Untersuchungen der Wüste haben ergeben, dass es dort immer wieder feuchtere Perioden gegeben hat. Erst vor rund 5.500 Jahren wurde es dann wieder trockener. In den letzten Jahren ist eine Zunahme der Vegetation im Süden erkennbar. Thilo Thielke zitiert Martin Claußen in der Frankfurter Allgemeinen Woche 49/2019: „Der Feind dieser Entwicklung sei gerade nicht der Klimawandel, sondern die Überbevölkerung. Überweidung und falsches Landmanagement könnten die Vegetation schnell wieder vernichten.“

Vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen

Auch der Geograph Stefan Kröpelin konnte bereits beobachten, dass der Klimawandel die Sahara offenbar sehr viel früher wieder ergrünen lässt, als es allein nach dem natürlichen Zyklus der Fall wäre. Kröpelin ist Wissenschaftler an der Forschungsstelle Afrika des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln und kennt die Sahara so gut wie kaum ein anderer. „Ich fahre jedes Jahr in die gleichen Gebiete. Sie liegen abseits von Siedlungen und werden nicht mal mehr von Nomaden genutzt. Und da ist seit Ende der 1980er Jahre ein vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen der Sahara auszumachen“, sagte er im Gespräch mit n-tv am 8. November 2017. „Die Niederschläge nehmen völlig zweifelsfrei zu. Der Grasbewuchs kommt wieder. Später kommen die Mäuse und Vögel, dann gibt es mehr Weiden, und schließlich kehren die Gazellen zurück.“

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Zwei Nachauflagen folgten 2019. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Foto: Pixabay

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Frank Volkmar / 08.12.2019

Ein hochinteressanter Vortrag von Herrn Kröplin bei EIKE, der auch kurz das Thema “Kippunkte” anspricht ! Man würde eigentlich erwarten, das Herr Kröplin mit seinen Forschungsergebnissen aus der Südsahara einmal Beachtung findet bei den ÖR-Medien hierzulande, zumal er an der Uni Köln beheimatet ist und dort u.a. auch der DLF beheimatet sitzt. An der Tatsache, das das nicht der Fall ist, lässt sich das ganze Dilemma der nicht mehr vorhandenen öffentlichen Diskussion und Information durch die ideologisch durchgefärbten Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erkennen. Vielleicht hat das ja damit zu tun, das sein Name jetzt “verbrannt” ist, weil er es gewagt hat, bei den “Klimaleugnern” aufzutreten !

Dr. Gerhard Giesemann / 08.12.2019

Im Klartext: Durch die menschengemachte CO2-Produktion verschafft sich der Mensch das nötige viele Fressen. Die stellv. UN-Generalsekretärin heißt übrigens Amina Mohammed – noch Fragen? Das befeuert die Bev.-Explosion – eine Art perpetuum mobile. Mehr Mensch, mehr CO2, ergibt mehr Pflanz, sodass mehr Mensch was zu fressen hat, dann wird’s wärmer, der Mensch rennt nackert durch die warme Gegend, es gibt dadurch noch mehr Mensch, noch mehr CO2, noch mehr Pflanz, noch mehr Fressen – ad infinitum. Wo ist das Problem? Wo aber bleibt die Moral? Und was hat das mit der Story vom Pferd zu tun? Hätte der/die/das Mensch einen längeren Hals, so könnte er/sie/es sich selber in den Arsch beißen. Da hat die Evolution versagt. Wie soll man das Alles noch ernst nehmen?

Peer Munk / 08.12.2019

Wie schon mehrfach erwähnt, gehr es den Klimakämpfern nicht um Umweltschutz und auch nicht ums Klima, sondern um die “große Transformation”, den Umbau der Gesellschaft. Der Sozialismus soll endlich die Weltherrschaft antreten. Deswegen wird stets der Kapitalismus verantwortlich gemacht für CO2 und Erderwärmung. Insofern dürfte es diese Leute auch nicht interessieren, ob die Wüste durch Erwärmung grüner wird.

Karsten Dörre / 08.12.2019

Bald sind z.B trockene Witze, Wäschetrocknung und Kochwasser auf dem Küchenherd Beweise für die Vernichtung des Menschenverstandes durch Klimawandel.

A. Ostrovsky / 08.12.2019

Nach meiner Kenntnis liegt die Sahara in einer Ostwindzone. Der Wind ist deshalb so trocken, weil er über Nordindien seine Feuchtigkeit längst verloren hat und die Wasserflächen dazwischen nicht ausreichen, wieder genug Feuchtigkeit aufzunehmen. Der Schlüssel zur Sahara liegt in Somalia Äthiopien und Ägypten. Sicher ist aber, dass Wasser nicht ausreichen wird, weil es keine Humusschicht gibt. Haben da die Experten irgendeine Idee? Nur auf mehr Niderschlage zu hoffen, reicht sicher wenn man zweitausend Jahre Zeit hat. Was wären andere Länder bereit zu tun, um Libyen oder Mali einen Nutzen zu bringen, von der POLISARIO in der Westsahars nicht zu sprechen, die seit einem halben Menschenalter von der UNO an der Nase herumgeführt werden. Ich meine, würde irgendwer in Ostafrika einen einzigen Finger krumm machen, wenn es anderen nützt? Letztendlich ist das aber nicht mein Problem. Ich habe zwar in meiner Ahnenreihe keinen Plantagenbesitzer, Sklavenhalter, Sklavenhändler, kaiserlichen Beamten oder Söldner, aber ich bin der böse weiße alte Mann, der gefälligst seine Schuld bekennen muß. Ich glaube ein Großonkel hatte mal einen Kolonialwarenladen. Das reicht für die Guillotine. Rechnet nicht mit mir! Sprecht mal die anderen an.

Anna Sophia von Velasco / 08.12.2019

Wenn wir Menschen unterm Strich wenig zum angeblich verderblichen CO2 Anstieg in der Atmosphäre beitragen, die Erderwärmung inklusive verstärktem Regenaufkommen egal wodurch bedingt wirklich vorangeht, dann freut mich das für u. a. Indien und Afrika. Unsere Bemühungen um Senkung werden diesen Ländern nicht schaden. Abgesehen davon eben auch nicht die wünschenswerte Modernisiirung der dortigen Energieversorger. Nur grundlastfähig müssen sie sein, damit die wirtschaftliche Entwicklung vorangeht. Und damit auch die bevölkerungspolitische und gesellschaftlich politische.

Lef Kalender / 08.12.2019

Was nützt die Wiedergrünung der Sahara, wenn die Population noch mehr wächst? Wenn - wie es ja wohl wirklich ist - die Erderwärmung zur Zeit nur eine kurze Phase des statistischen Klimawandels ist, werden diese Menschen dann nicht meh versorgt werden, geschweige denn sich selbst versorgen können. Zu Zeiten Roms war Nordafrika “Kornkammer”, also klimatisch sehr günstig. Solche Klimaveränderungen geschehen aber alle 1000 Jahre. Solange sich das Denken in Afrika nicht ändert, sind solche Positivmeldungen eher beängstigend, was die Zukunft betrifft. Diese Bewusstseinsänderung sehe ich eher nicht.

Wolfgang Kaufmann / 08.12.2019

Für die großen Landmassen der Nordhalbkugel könnte eine Erwärmung mehr Fruchtbarkeit bedeuten, mehr Landwirtschaft, mehr Nahrungsmittel. Freilich verbieten wir immer mehr landwirtschaftliche Technologien, obwohl gerade die Eisenunverträglichkeit in Deutschland bedeutend mehr Opfer gefordert hat als Glyphosat und Glutamat, Gluten und Glukose zusammen. Aber die deutsche Angst gilt ja nicht nur der Fruchtbarkeit, sondern überhaupt dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. – Nun gut, unser infantiler Hedonismus macht uns entbehrlich; in die Lücke, die der Deutsche hinterlässt, werden gereiftere Männer stoßen. Und zwar mit der größten Befriedigung beider Beteiligter. Er bekommt sein Heimchen und sie ihren Herd, und alle sind zufrieden.

Dr. Gerhard Giesemann / 08.12.2019

Klar ausgedrückt: Wir haben nur EIN Problem, die Überbevölkerung. Wenn das zur Invasion von Kerlen mit Mordabsichten bei und an uns führt, dann ist Schicht im Schacht. Diesbezüglich ist Panik angebracht, sofort einverstanden. Mal sehen, wann die Jungen, die fff-kids, die XRs usw das merken und Konsequenzen fordern. Denn es ist ihre Zukunft, die da versaut wird. Und das Klima ist daran nicht schuld.

Rolf Lindner / 08.12.2019

Für all diese Erkenntnisse braucht man die genannten Klimakoryphäen eigentlich nicht, sondern nur den Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Die Daten zu den positiven Effekten der Klimaerwärmung sind seit längerem im Umlauf. Vielleicht ist es jedoch ausnahmsweise hilfreich, wenn Realitäten von Experten verkündet werden, die dann von gewissen vorwiegend Politikerinnen und Aktivistinnen als nicht besonders hilfreich eingeschätzt oder empfunden werden. Schon allein der Name von Storch lässt auf eine Nähe der Klimarealitäten zum Rechtspopulismus schließen, was generell für Realitäten auch auf anderen Gebieten zutrifft.

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