Peter Heller, Gastautor / 04.12.2015 / 06:30 / 4 / Seite ausdrucken

Klimaschutz: Selbstmord aus Angst vorm Tod

Von Peter Heller

Bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion, zu der ich als Quoten-Klimaskeptiker geladen war, fragte mich eine Dame aus dem Publikum sinngemäß, was denn geschehen müsse, damit ich meine Meinung ändere. Die von ihr erwartete Antwort, dies hinge von den künftigen klimatischen Entwicklungen ab, vermochte ich aber nicht zu geben. Natürlich gibt es Lücken im Kenntnisstand über die Physik der Atmosphäre und diese sind bei weitem nicht die einzigen Gründe für Zweifel an den Katastrophenszenarien einer sich unerträglich erwärmenden Erde. Aber ich hadere mit der gegenwärtigen Klimapolitik, weil sie sich gerade nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, sondern auf eine politische Handlungsmaxime.

Sicher, anläßlich der 21. UN-Klimakonferenz in Paris liest man nicht nur in politischen Stellungnahmen, sondern auch in kommentierenden Beiträgen in fast allen Medien das genaue Gegenteil. Klimaschutz im Sinne einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft sei zur Abwehr einer wissenschaftlich nachgewiesenen Gefahr für die menschliche Zivilisation das Gebot der Stunde, lautet das Mantra. Von der Schwierigkeit abgesehen, etwas “wissenschaftlich” zu belegen, was noch gar nicht stattgefunden hat, offenbart dies vor allem die Doppelzüngigkeit der hiesigen Politik bei der Instrumentalisierung naturwissenschaftlicher Forschung.

Wissenschaft nur wenns in den Kram passt

Gentechnisch optimierte Nahrungsmittel beispielsweise existieren seit Jahrzehnten auf diesem Planeten und sind direkt oder über den Umweg als Tierfutter Teil der Nahrungskette von Milliarden Menschen außerhalb Europas. Gestorben oder auch nur erkrankt ist deswegen noch niemand. Ganz im Gegenteil konnten trotz intensiver Suche in einer unüberschaubaren Vielzahl wissenschaftlicher Studien keinerlei mit dem Verzehr genetisch manipulierter Pflanzen oder Tiere verbundene Risiken identifiziert werden. Ein zweites aktuelles Thema ist die Bergbautechnologie des “Hydraulic Fracturing” oder kurz Fracking. Auch hier sind die wissenschaftlichen Belege überwältigend: Alle in der Öffentlichkeit diskutierten potentiellen Gefährdungen können in das Reich der Phantasie verwiesen werden. Wer sich als Politiker auf die Forschung beruft, hätte daher sowohl für die Grüne Gentechnik als auch für das Fracking einen gesetzlichen Rahmen zu gestalten, in dem diese Verfahren zugelassen werden können.

Stattdessen verbietet man das eine und belegt das andere mit einem Moratorium, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Die Politik orientiert sich nicht an der Wissenschaft, sondern am Vorsorgeprinzip.

Zu Papier gebracht wurde dieses Konzept erstmals in folgender Formulierung in der abschließenden Deklaration (Artikel 15) der UN-Umweltkonferenz des Jahres 1992 in Rio de Janeiro (“Earth Summit”):

“Where there are threats of serious or irreversible damage, lack of full scientific certainty shall not be used as a reason for postponing cost-effective measures to prevent environmental degradation.”

Das Vorsorgeprinzip als ideologische Allzweckwaffe

Dies ist mittlerweile nicht mehr nur die ideologische Basis der Umwelt- und Klimapolitik. Der Ansatz wurde auf nahezu alle anderen Politikfelder ausgedehnt. Solange nur ein potentieller Schaden als hoch genug angesehen wird, ist jede Maßnahme zu dessen Vermeidung gerechtfertigt. Und was ein ernsthafter oder irreversibler Schaden ist, kann beliebig definiert werden, ohne durch einen Mangel an wissenschaftlicher Sicherheit gestört zu werden. Auch ökonomische Fragen spielen keine Rolle mehr. Denn gegenüber einem Weltuntergang oder auch nur einem höherem Sterberisiko sind alle Ausgaben automatisch “cost-effective”. Letztendlich genügt die aus dem Vorsorgeprinzip abgeleitete Formulierung “solange nicht jedes Risiko zweifelsfrei ausgeschlossen ist” als Begründung jeder fortschrittsfeindlichen Regulierung.

Mitunter kann sogar gegen alle Evidenz argumentiert werden, wie die Beispiele Fracking und Gentechnik zeigen. Es bedarf lediglich einer mit dem Etikett “wissenschaftlich” versehenen Studie, die Restrisiken betont. In der staatlich finanzierten Grundlagenforschung findet sich zu jedem beliebigen Thema ein williger Verfasser solcher Untersuchungen. Dankbar greifen die Massenmedien schlechte Nachrichten auf und geben dem latenten Protestpotential der Bevölkerung ein Thema und ein Ziel. Was wiederum der Politik aktivistisches Handeln ermöglicht, das neben einer Ausweitung von Bürokratie auch der Bindung von Wählern dient. Einmal in Gang gesetzt ist diese Spirale vor allem eine Gelddruckmaschine, aus der sich Forschungseinrichtungen, NGO’s, bestimmte Wirtschaftsbranchen (man denke an Wind- und Solarenergie), Medien und die öffentliche Verwaltung freimütig bedienen können. In Paris versammeln sich mehr als 25.000 solcher Profiteure von Zukunftsängsten, die mithilfe des Vorsorgeprinzips konstruiert wurden.   
 
Gentechnik könnte uns alle krank machen? Verbieten! Kernkraftwerke könnten uns alle verstrahlen? Verbieten!  Fracking könnte uns alle vergiften? Verbieten! Wegen der Klimakatastrophe könnten wir alle wahlweise ersaufen oder verdursten?

Dekarbonisieren! Gleich was es kostet, gleich welche Gefahren heute dadurch drohen, gleich welche Entwicklungschancen wir uns und unseren Nachkommen dadurch verbauen: die Minimierung potentieller Zukunftsrisiken geht vor.

Klimaschutz ist das Gegenteil einer Versicherung

Obwohl häufig kolportiert, entspricht dies nicht unserem Alltagsverständnis von Vorsorge. Klimaschutz ist das genaue Gegenteil einer Versicherung. Letztere minimiert keine Risiken, sie schützt vor Gefahren - und das ist ein sehr wesentlicher Unterschied.
Reduziert eine Lebensversicherung das Todesrisiko? Schützen eine Feuerversicherung vor dem Feuer oder eine Diebstahlversicherung vor dem Einbruch? Nein, was man im allgemeinen Sprachgebrauch unter “Vorsorge” versteht, schützt nicht vor einem negativen Ereignis, es mindert nur dessen Folgen. Man schnallt sich nicht an, weil man einen Unfall haben wird, sondern weil man ihn haben könnte. Tatsächlich sind Airbags für fast alle Autofahrer fast immer völlig sinnlos. Sie vermeiden keine Kollisionen und reduzieren auch nicht deren Eintrittswahrscheinlichkeit. Sie helfen nur dann, wenn ein Aufprall wirklich stattfindet.

Die als Klimaschutz verstandene Dekarbonisierung der Weltwirtschft zielt nicht darauf, sich auf potentielle Folgen gefährlicher Klimaveränderungen mittels einer Versicherung, mittels - metaphorisch gesprochen - Airbags und Sicherheitsgurten einzustellen. Es geht darum, einen Unfall zu vermeiden, in dem man das Auto gar nicht erst verwendet. Es geht nicht um den Einbau von Sprinkleranlagen und Rauchmeldern, um die Folgen eines Brandes zu minimieren. Die Idee ist es, erst gar kein Haus zu bauen, denn dann kann es auch nicht in Flammen aufgehen. Es geht in Paris nicht um eine Lebensversicherung, sondern um Selbstmord aus Angst vor dem Tod. 

Peter Heller (Jahrgang 1966) ist promovierter Astrophysiker. Nach Stationen in der Softwarebranche und der Raumfahrtindustrie arbeitet er heute als Strategieberater und analysiert technologische Trends.  Siehe auch ScienceSkepticalBlog hier.     

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Leserpost

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Jürgen Fleischer / 05.12.2015

“Klimaschutz” ist für mich ein Wort ohne Sinn. Denn wie soll ich mich vor dem Klima schützen? Ein weiteres Beispiel ist der “Klimawandel” Jeder benutzt dieses Wort, diesen Begriff, ohne dass ihm bewusst wird, was das bedeutet: Deshalb sollte jeder, der dieses Wort gebraucht, sich erst mal informieren was “Klima” bedeutet. Das wird hier sehr gut beschrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Klima Spätestens dann sollte klar werden wie sinnlos dieses Wort ist. Das ist wie Atomausstieg. Atome wird es immer und überall geben,. Ein Ausstieg ist nicht möglich. Klimawandel und Atomausstieg sind die Bezeichnungen für eine Religion. Es muss nichts bewiesen, nichts logisch erklärt werden. Man muss auch nichts wissen, sondern nur glauben. Die analog gebrauchten Begriffe ” Klimaänderung, Klimawechsel oder Klimaschwankung” werden ebenso sinnlos, wenn sie als von Menschen verursacht angesehen werden. Diese Erscheinungen hat es auf der Erde schon immer gegeben. Auch als die Zahl der Menschen überhaupt keine Rolle spielte. Auch jetzt spielt der Mensch keine Rolle, weil es wesentlich mehr Insekten auf der Erde gibt als Menschen. Auch vom Gewicht her dominiert der Mensch nicht. 7 Milliarden Menschen wiegen 0,4 Milliarden Tonnen, also etwa so viel wie alle Ameisen. Wer es nicht glaubt, möge sich schlau machen: http://www.brefeld.homepage.t-online.de/leben-auf-der-erde.html (Bitte ganz nach unten rollen. Aber die anderen Angaben sind auch interessant. Lesen lohnt sich.) Aber wir verändern das Klima!?!? Sowas nennt man Hybris – Hochmut, Überheblichkeit, Größenwahn. Aber glaubt mal schön weiter. Meine Oma sagte immer: “Junge, wer glaubt wird selig; wer nicht glaubt, kommt auch in den Himmel.”

Klaus Kalweit / 04.12.2015

Ich verstehe das ganze Problem nicht. Warum bauen wir keine modernen und absolut sicheren Kernkraftwerke, bis wir 100 Prozent Energieversorgung erreicht haben? Dann noch ein paar mehr für die Elektroautos. Schon ist die Welt gerettet, falls diese in vielen Details so unlogische CO2-Theorie überhaupt stimmt. Irgendwann ersetzen wir diese Kraftwerke dann durch Fusionsreaktoren. Energie ist spottbillig und grenzenlos verfügbar. Man muß es nur wollen. Ich sage immer, unsere Kernkraftwerke sind VW-Käfer, mit Gurten und Airbags nachgerüstet. Aber wir weigern uns, einen ungleich effektiveren und sichereren Golf zu bauen, weil wir Angst vorm Autofahren haben. Diese Angst wäre ungleich rationaler als die vor der statistisch absolut unauffälligen Kernkraft. Man sieht auch hier wieder: Die Dummen regieren die Welt. Von unten wie von oben.

Martin Osterloh / 04.12.2015

Vollkommen argumentationsfrei. Stattdessen das übliche Schreckgespenst: Dekarbonisierung = Selbstmord. Einen Grund dafür liefert der Autor nur implizit: Mangels Argumenten muß er mit Angst argumentieren.

Martin Wolff / 04.12.2015

Vor allem der letzte Absatz gefällt mir. Ein sehr eingängiges Bild, das ich ab sofort benutzen werde. Mir erging es in einer Diskussion auch schon so: Glyphosat war in der Muttermilch entdeckt worden. (Ausgerechnet Muttermilch! Welch’ Symbolkraft!). Die üblichen Horrorszenarien. Meine Frage, wie hoch eigentlich der zulässige Wert für Glyphosat für den Menschen ist, irritierte. Die Antwort war sinngemäß:“solange es nicht ganz klar ist, ob es unschädlich ist, muß das Zeug verboten werden”. Der Verstand schaltet ab, Ängste gewinnen die Oberhand. German Angst - Die Deutschen gehören auf die Couch.

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