News-Redaktion / 03.01.2020 / 17:00 / 0 / Seite ausdrucken

Klimaschützer demonstrierten gegen den Atomausstieg

Im Rahmen einer Protestaktion gegen die Anbschaltung des Kernkraftwerkes Philippsburg II brachten Redner der Organisationen Nuklearia und FOTA4Climate ihren Protest und ihre Argumente gegen den Atomausstieg in mehreren Ansprachen zum Ausdruck.

Die Reden stehen nun als Aufzeichnung auf YouTube zur Verfügung:

  • Nuklearia-Mitglied Simeon Preuß, der die Klimademo maßgeblich organisiert hatte, erläuterte, warum Deutschland allein mit Wind- und Solarenergie seine Klimaziele nicht erreichen kann. Preuß: »Frankreich ist dank Kernenergie schon seit 30 Jahren dort, wo Deutschland erst 2030 sein will.« Er bedauert, dass die Atomkraftgegner die Einladung der Nuklearia zu einer Podiumsdiskussion nicht angenommen haben: »Wir hätten mit ihnen gerne darüber gesprochen, wie man Kernreaktoren so sicher bauen kann, dass man ohne Bedenken eine unbeaufsichtigte, wildgewordene Horde Siebtklässler im Kontrollraum an den Knöpfen herumspielen lassen kann – ja, das ist möglich.«
  • Adam Błażowski, Mitgründer von FOTA4Climate, verlas einen Offenen Brief polnischer Wissenschaftler und Klimaschützer an die Bundesregierung. Die Unterzeichner fordern eine Aussetzung des Atomausstiegs, solange noch fossile Energieträger zum Einsatz kommen.
  • Dr. Anna Veronika Wendland, Vorstandsmitglied der Nuklearia und ehemalige militante Atomkraftgegnerin, erzählte ihre persönliche Geschichte. Durch ihr Studium in der Ukraine »vor den Toren von Tschernobyl«, durch Kontakte mit vom Reaktorunglück Betroffenen und durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kernkraft wandelte sich ihre Einstellung zur Kernenergie. Sie ist damit nicht allein: »Es gibt Grüne, die mir im privaten Gespräch und hinter vorgehaltener Hand sagen: ›Veronika, du hast ja Recht, aber wenn ich das laut sage, verliere ich mein Mandat‹«, so Dr. Wendland.
  • Dr. Björn Peters ist Nuklearia-Mitglied und Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Arbeitgeberverbands. Er erläutert, warum andere Länder die deutsche Energiewende nicht übernehmen. Saubere Energie müsse billiger sein als Kohle, um sich weltweit durchzusetzen. Dazu setzt Peters auf die neuen Reaktoren der Generationen 4 und 5. »Dann können wir auch wieder eine Energieform exportieren, dann sind wir auch wieder Vorreiter.«
  • Johannes Güntert, Nuklearia-Mitglied und Aufsichtsrat der Bürgerenergiegenossenschaft Südbaden eG, war noch bis 2018 Atomkraftgegner. Dann waren es Zahlen und Fakten, die ihn von der Kernenergie überzeugten. Heute favorisiert Güntert die Ökomoderne als neuen Denkansatz für eine nachhaltige Zukunft. Güntert: »Der Mensch muss sich von der Abhängigkeit von der Natur lösen, um sie zu bewahren. Wir brauchen genügend saubere Energie für einen geschlossenen Rohstoffkreislauf, dann wird ein Planet B überflüssig. Deswegen brauchen wir global künftig mehr Energie statt weniger.«
  • Nuklearia-Vorsitzender Rainer Klute forderte dazu auf, Chancen und Risiken der Kernenergie nüchtern abzuwägen: »Der Atomausstieg reduziert das Risiko eines Nuklearunfalls von fast null auf null. Aber wir erkaufen uns diese Risikoreduzierung mit einem hohen Preis.« Klimawandel und Stromausfälle könnten viel mehr Menschen das Leben kosten als Nuklearunfälle, so Klute.
  • Mathijs Beckers, Videoblogger aus den Niederlanden, klagt die Bundesregierung an, mit dem Atomausstieg den Tod von Menschen in Kauf zu nehmen. Statt des emissionsfreien Kernkraftwerks Philippsburg hätte Deutschland besser das Braunkohlekraftwerk Weisweiler stillgelegt, das CO2 und krankmachende Luftschadstoffe ausstößt. »Deutschland hat sich dazu entschieden, Menschen sterben zu lassen«, ist Beckers fassungslos.

Nun laufen nur noch sechs Kernkraftwerke in Deutschland. Die nächsten drei Anlagen sollen Ende 2021 vom Netz gehen. Zeit genug für die Nuklearia, entsprechende Aktionen vorzubereiten. Ob es eine Großdemonstration an einem der Kernkraftwerke Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen geben wird oder kleinere Demonstrationen an allen dreien, ist noch offen. Die Zahl der Kernkraftbefürworter wächst jedenfalls, und das mache vieles möglich, ist Rainer Klute, Vorsitzender von Nuklearia" optimistisch. »Und wer weiß, vielleicht kehrt bei der Bundesregierung ja doch noch Vernunft ein, und die letzten Anlagen bleiben am Netz«, gibt er einer leisen Hoffnung Ausdruck. Eine wenn auch nicht repräsentative Online-Abstimmung der Süddeutschen Zeitung sieht er als Bestätigung: Weniger als ein Drittel befürworten die Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg.

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