Roland Jeske, Gastautor / 21.08.2021 / 10:00 / Foto: Pixabay / 25 / Seite ausdrucken

Klapperstörche, Kinder, Kausalität und Korrelation

Bringt der Klapperstorch die Kinder, bewahrt Lippenstift vor Prostatakrebs und schützen Beamtentum oder berufliche Selbstständigkeit vor allzu frühem Tod? Ein Beispiel für Scheinkorrelation.

Von Roland Jeske.

Zumindest die letzte Frage glaubt mancher aufgrund einer unlängst erschienenen Pressemeldung des Sozialverbands VdK Deutschland zu bejahen:

„Studie des DIW Berlin im Auftrag des VdK: Menschen in belastenden Berufen mit niedrigen Einkommen leben kürzer als etwa Beamte

[…] Die Studie auf Basis des am DIW Berlin angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt unter anderem, dass die Lebenserwartung von Arbeitern im Vergleich etwa zu Beamten rund vier Jahre geringer ist. Auch eine hohe berufliche Belastung wirkt sich auf die Lebenserwartung aus: Rentner, die in Berufen mit hoher Belastung gearbeitet haben, leben drei Jahre kürzer im Vergleich zu jenen, bei denen die Belastung geringer war.“ (VdK, 16.08.2021)

Zahlreiche Leitmedien der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender und Printmedien taten ein Übriges dazu, diese Meldung im Sinne des VdK zu verbreiten, exemplarisch etwa:

„Wer hart arbeitet, bekommt weniger Rente und stirbt früher
Eine bislang unveröffentlichte Untersuchung zeigt: Arbeiter haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als Angestellte und Beamte. Sollte das Renteneintrittsalter nach Berufen festgelegt werden?“ (Cornelia Schmergel in: Spiegel 33/2021)

oder

Doch wie viele Jahre man das Rentnerdasein tatsächlich genießen kann, hängt ganz entscheidend davon ab, in welcher Art von Beruf man zuvor tätig war. Das belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Sozialverbands VdK, die am Montag vorgestellt wurde. Demnach leben Beamte – gemessen an Arbeitern – im Schnitt mehr als vier Jahre länger.“ (Hendrik Munsberg in Süddeutsche Zeitung, 16.08.21)

oder

Schock-Statistik: Jetzt ist’s amtlich: SO viele Jahre leben Beamte länger als Arbeiter! Offenbar haben Beamte doch ein entspannteres Leben als Beschäftigte, die hart für ihren Lohn schuften müssen: Denn eine Studie fand jetzt heraus, dass verbeamtete Männer in Deutschland im Schnitt mehr als fünf Jahre länger leben als Arbeiter. Das berichtete der „Spiegel“ am Freitag unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).“ (Berliner Kurier, 13.08.2021)

Auch Tagesschau, Deutschlandfunk, Frankfurter Rundschau, TAZ und weitere Medien sorgten dafür, dass im Zuge der VdK-Aktion zur Bundestagswahl 2021 dessen Hirtenbrief an die Wähler ging.

Aber gibt es tatsächlich wissenschaftliche Belege dafür, dass der deutsche Malocher durch seine harte Knochenarbeit Lebensjahre verliert, während der deutsche Beamte eine lockere Kugel schiebt und sich so einen Lebensbonus zu Pensionszeiten sichert? Auch der Gruppe der Selbstständigen bescheinigt die DIW-Studie eine längere Lebenserwartung, der Auftraggeber VdK hat sich zusammen mit den Medien als Prügelknaben jedoch offenkundig die Gruppe der Beamten ausgesucht.

Laien sitzen der Scheinkorrelation auf

Korrelation und Kausalität beschreiben Zusammenhänge, die statistische Laien nur allzu oft gleichsetzen und dabei dem Phänomen der sog. Scheinkorrelation aufsitzen.

Betrachtet man zwei metrische Größen entweder im zeitlichen Verlauf (Längsschnittdaten) oder über mehrere Untersuchungseinheiten hinweg (Querschnittsdaten), so stellt man häufig Zusammenhänge fest: Mal steigen beide Größen tendenziell gemeinsam an (positiver Zusammenhang), mal fällt die eine, während die andere wächst (negative Korrelation). Diese Kenngrößen können, müssen aber nicht von einem kausalen Zusammenhang herrühren.

Um diesen Effekt zu erhellen, wird in einschlägigen Statistik-Vorlesungen gern die Korrelation zwischen der Anzahl der Geburten in Deutschland und der Anzahl der Weißstörche – im Volksmund auch Klapperstorch genannt – angeführt. Über lange Zeiten hinweg sind beide Zahlen tendenziell gesunken und ergaben damit eine wertmäßig verblüffende stark positive Korrelation. Aber beeinflussen sich daher die beiden Größen? Bringt gemäß der Kindermär der Klapperstorch die Kinder und löste aufgrund seiner Dezimierung einen Geburtenrückgang aus?

Nehmen wir ein weiteres Beispiel, das den Effekt auch bei nichtmetrischen Merkmalen offenbart: Sie erheben eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung und erfassen u.a. die beiden Merkmale „Ist oder war die befragte Person an Prostata-Krebs erkrankt?“ sowie „Verwendet die Person regelmäßig Lippenstift zur Körperpflege?“ Sie werden feststellen, dass unter den Lippenstiftnutzern kaum Prostatakrebsfälle festzustellen sind, in der Gruppe der Lippenstiftverweigerer jedoch ein erheblich größeres, bei entsprechendem Stichprobenumfang hochsignifikantes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, auftritt. Sollte man daraus schlussfolgern, dass Andrologen zukünftig ihren Patienten zum Schutz vor Prostatakrebs Lippenstifte verschreiben sollten?

Ernsthaft wird niemand an die beiden zuvor ermittelten vermeintlichen Zusammenhänge glauben. Statistisch entsteht eine sogenannte Scheinkorrelation, die zwar einen rein zahlenmäßig beachtlichen Wert aufweist, aber eben keinen kausalen Zusammenhang beschreibt, weil beide Größen jeweils für sich genommen lediglich einen tatsächlich kausalen Zusammenhang zu einer gemeinsamen Drittvariablen besitzen und über diese Drittvariable eine scheinbare Korrelation vorgegaukelt wird. Im Fall der Klapperstörche ist es der zeitliche Trend. Egal, welche trendbehafteten Zeitreihen man betrachtet, wird man ohne vorherige Trendbereinigung stets eine starke Korrelation berechnen. Beim Prostatakrebs besteht der wahre Zusammenhang natürlich über das Geschlecht: Frauen verwenden viel häufiger Lippenstift als Männer, erkranken aber eben nicht an Prostatakrebs. Das männliche Geschlecht wird sich also durch den regelmäßigen Einsatz von Lippenstiften bei der Körperpflege kaum vor Prostatakrebs schützen können.

Der deutsche Beamte riskiert nicht gerne Kopf und Kragen

Wie sieht es aber bei der Lebenszeit und den Berufsgruppen aus? Gibt es dort kausale Zusammenhänge, wie sie etwa Süddeutsche Zeitung oder Berliner Kurier sehen? Man könnte die Frage zur Lebenszeit auch nach anderen Kriterien untergliedern: Leben blonde Arbeiter länger als schwarzhaarige? Leben im Sternzeichen Widder Geborene länger als Skorpione? Leben Hundebesitzer länger als Katzenfreunde? Leben Mercedes-Fahrer länger als Toyota-Fahrer? Nichts ist unmöglich, wenn es um die Unterteilung in solche Subpopulationen geht. Und auch in den zuvor genannten Untergruppen werden sich möglicherweise verblüffende Unterschiede erkennen lassen. Einen kausalen Zusammenhang begründen diese Unterschiede von vornherein jedoch auch hier nicht.

Vielmehr lehrt die anerkannte medizinische Forschung, dass die Risiken einer Lebenszeitverkürzung im Wesentlichen durch Faktoren des Lebenswandels beschrieben werden: Rauchen, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum und andere negative Verhaltensmuster, wie etwa eine Studie der Erasmus-Universitätsklinik Rotterdam aufzeigt (vgl. Nusselder und Valverde, 2018) und die, nebenbei bemerkt, in der DIW-Studie komplett unberücksichtigt blieben. Und genau diese Drittvariable des Lebenswandels dürfte der wesentliche Grund für die empirisch längere Lebenszeit von Beamten sein: der deutsche Beamte – egal ob in der Amtsstube, der Schul- und Hochschullehre oder auf dem Richterstuhl tätig – ist nicht bekannt dafür, dass er bei Straßenrennen Kopf und Kragen riskiert, regelmäßig zum Bungeejumping geht oder sich 30 Meter von Acapulcos Klippen in die Tiefe stürzt. Gemeinhin ist er auch nicht dafür berüchtigt, dass er sich sturzbetrunken Schlägereien oder anderen gesundheitlichen Risiken aussetzt. Zeitgenossen mit derartigen auffälligen persönlichen Verhaltensmustern sind halt mehrheitlich unter den Arbeitern zu finden und verkürzen dort im statistischen Mittel auch die Lebenserwartung.

Im Übrigen verfügt die Versicherungswirtschaft seit Langem über entsprechende Erfahrungswerte und bietet Beamten wie auch anderen Berufsgruppen, etwa Freiberuflern, beispielsweise bei Haftpflichtversicherungen vergünstigte Tarife an. Nein, der deutsche Durchschnitts-Beamte – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – spart auf sein Häuschen, legt beim Autokauf mehr Wert auf Sicherheit als auf Schnelligkeit und beachtet nicht nur die Straßenverkehrsregeln, sondern auch alle anderen von seinen Artgenossen etablierten Verordnungen peinlichst genau – entsprechend vorbildhaftes Verhalten verlangt sein Dienstherr im Übrigen auch von ihm. Und ganz nebenbei bemerkt, erfolgt bei der Verbeamtung neben einem Extremismus-Ausschluss auch eine Positivselektion durch den Dienstherrn in Form ausgiebiger Gesundheitsuntersuchungen. Chronisch Kranke, etwa Diabetiker, Adipöse oder anderweitig Vorerkrankte, welche in anderen Gruppen die mittlere Lebenszeit verkürzen, werden nicht ins Beamtenverhältnis aufgenommen, auch der notorische Alkoholiker nicht. Die öffentliche Hand leistet sich damit lediglich ein eigenes Sozialversicherungssystem, das effizient Risiken in den eigenen Reihen verringert und diese stattdessen der Allgemeinheit auferlegt. Das Personalbudget der öffentlichen Hand wird damit geschont.

Falsche kausale Schlüsse gezogen

Und selbst wenn britische Daten nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden können, offenbart doch die Untersuchung von Thompson und Pirmohamed (2021), in welchen Berufsgruppen mehr oder weniger Alkoholiker zu finden sind, die letztendlich für ihre Gruppe im Mittel lebenszeitverkürzend oder -verlängernd wirken: Berufssparten, die typischen Beamtenberufen, etwa Lehrern, zuzuordnen sind, zeichnen sich durch einen weit unterdurchschnittlichen Anteil an übermäßig Alkohol Konsumierenden aus, typische Arbeiterberufe hingegen einen weit überdurchschnittlichen Anteil. Das wird auch in Deutschland nicht komplett anders sein, selbst wenn man im datengeschützten Deutschland eine solche Analyse als Tabu ansehen dürfte.

Eigentlich ist die Erkenntnis, dass Beamte wie auch Selbstständige länger leben als der Durchschnittsbürger, daher kein Wunder. Unterliegen die Autoren des DIW also ahnungslos dem Phänomen der Scheinkorrelation, weil sie die Lebensführung ausblenden? Das muss man eindeutig verneinen, denn die Autoren selbst unterstreichen in Ihrem Bericht unverkennbar:

„Es soll an dieser Stelle nochmals betont werden, dass es sich bei der vorliegenden Studie um eine rein deskriptive Analyse der Heterogenität in den ferneren Lebenserwartungen unterschiedlicher sozioökonomischer Gruppen und der differenzierten Muster in deren Sterblichkeitsprofilen handelt. Es können hierbei keine Kausaleffekte statistisch identifiziert werden.“ (Haan und Schaller, 2021, S.16)

Andererseits hat man das DIW und seine Forscher nach nunmehr etlichen Tagen voller Medienmeldungen über ihre Studie auch nicht laut dementieren hören, dass VdK oder die Medien die rein deskriptiven Ergebnisse überstrapazieren würden. Nach dem Prinzip des Pontius Pilatus waschen sie ihre Hände in Unschuld, indem sie eine formal korrekte Beschreibung abliefern und scheinbar unberührt davon sind, was Auftraggeber und Medien an falschen kausalen Schlüssen aus der Studie ziehen, um Lobbyarbeit in einem der wichtigsten Bundestagswahlkämpfen Deutschlands zu leisten.

Haben Journalisten 3.949 Seiten Weltklimabericht gelesen?

Mit ihrer Forderung „Wer etwa ein Leben lang in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen gearbeitet hat, muss früher in Rente gehen können, und zwar ohne Abschläge auch schon mit 63“ (vgl. Pressemeldung des VdK, 2021) scheint die Präsidentin des VdK die vermeintlichen vier Jahre längere Lebenserwartung der Beamten durch eine frühzeitige Verrentung ihrer eigenen Klientel kompensieren zu wollen. Und auch Journalistin Schmergal vom Spiegel wirft ja unverblümt die Frage auf, ob das Renteneintrittsalter vom Beruf abhängig gemacht werden sollte. Ungeachtet der Tatsache, dass die vier Jahre Vorsprung bei den Beamten im Einzelfall ja gar nicht existieren, denn der Arbeiter mit solider Lebensführung wird – vermutlich ähnlich lange wie ein Beamter – auch deutlich länger leben als sein Kollege mit Lotterleben, wäre eine solche Forderung ja wohl auch die Abkehr vom Solidaritätsprinzip, wenn man wie ein KFZ-Versicherer Risikoverhalten bestimmter Gruppen für Auf- und Abschläge bei der Lebensarbeitszeit verwenden würde:

  • Soll der kettenrauchende Trinker, der nach Nusselder und Valverde (2018) eine im Mittel um 3 Jahre geringere Lebenserwartung hat, mit einem 3 Jahre früheren Renteneintritt belohnt werden, weil er und seine Gesinnungsgenossen andernfalls im Mittel zu wenig aus der Rentenkasse ziehen würden?
  • Und sollen stattdessen Mormonen und andere bekennende Nichtraucher und Antialkoholiker 3 Jahre länger arbeiten, weil sie mit ihren Brüdern und Schwestern sonst mit ihrer drei Jahre erhöhten Lebenserwartung die Rentensysteme allzu sehr belasten würden?

Und würde man diesen Gedankengang weiterverfolgen, so kann man aus der DIW-Studie immerhin ja auch herauslesen, dass Beamtinnen eine um 2 Jahre längere Lebenserwartung als Beamte haben und Arbeiterinnen gar 4,6 Jahre länger leben als Arbeiter. Möchten Spiegel und VdK auch hier Gerechtigkeit erwirken, indem sie Beamtinnen 2 Jahre und Arbeiterinnen 4,6 Jahre länger arbeiten lassen als ihre jeweiligen männlichen Kollegen?

Und spätestens bei der letzten Frage kommt man als aufrechter Bürger und Wissenschaftler im gentrifizierten und sich klimaneutralisierenden neuen Deutschland ins Grübeln: Wäre das nun eigentlich gendermäßig politisch korrekt oder inkorrekt? Und kann gerecht vielleicht politisch unkorrekt oder gar politisch korrekt ungerecht sein?

Und eine weitere Frage erfüllt den kritischen Statistiker: Haben die Journalisten der zuvor genannten Medien den 3.949-seitigen sechsten Weltklimabericht bei der Verfassung ihrer unlängst furchterfüllenden Berichte über die dort wissenschaftlich bewiesene Klimaerwärmung genauso so detailliert gelesen wie die 53 Seiten der DIW-Studie?

 

Roland Jeske ist Professor für Quantitative Methoden an der Hochschule Kempten. In seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Statistiken aus schwierigen Verhältnissen“ zeigt er pointiert weitere statistische Irrtümer in Gesellschaft, Politik und Medien auf. Bestellmöglichkeit hier.

 

Quellen:

Berliner Kurier (13.08.2021, 12:05): Schock-Statistik: Jetzt ist’s amtlich: SO viele Jahre leben Beamte länger als Arbeiter! hier:

Haan, Peter und Maximilian Schaller (2021): Heterogene Lebenserwartung, DIW Berlin, Politikberatung kompakt 171; hier 

Munsberg, Hendrik (16.08.2021, 13:41): Wer hart arbeitet, hat viel weniger von der Rente in Süddeutsche Zeitung; hier 

Nusselder, Wilma J. und Jose Rubio Valverde (2018): Impact of individual risk factors on German life expectancy, ERASMUS-Universitätsklinik; hier 

Schmergal, Cornelia (2021): Neue Studie enthüllt doppelte Ungerechtigkeit: Wer hart arbeitet, bekommt weniger Rente und stirbt früher in Spiegel 33/2021

Thompson, Andrew und Munir Pirmohamed (2021): Associations between occupation and heavy alcohol consumption in UKadults ages 40-69 years: a cross sectional study using the UK Biobank, BMC Public Health; hier 

VdK (2021): VdK-Studie: Sozialverband warnt vor sozialer Spaltung der älteren Bevölkerung, Pressemeldung von 16.08.2021, Berlin; hier 

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Hans-Peter Dollhopf / 21.08.2021

Es gibt reale Werte schaffende, materiellen Reichtum erzeugende Tätigkeiten, die für die Reproduktion aller Menschen von existenzieller Bedeutung sind. Paradebeispiel Bauer. Hier sehe ich den Maßstab bei der Verrentungsdiskussion. Welchen Sinn machte es, dass eine vollkommen unproduktive Gendergequatschebeauftragte etwa länger “arbeiten” täte? Nun, indem sie für ihre unproduktive Tätigkeit länger Lohnsteuer zahlt. Nur ist dieses Geld in der Kasse des Staates durch keinen sinnvollen real existierenden, materiellen Gegenwert gedeckt. Es ist faktisch eine Luftbuchung. Da kann sie genausogut früher in Rente gehen.

Rainer Niersberger / 21.08.2021

Ein klassischer Fall einer etwas undifferenzierten Prüfung, in Teilen mit dem richtigen Ergebnis, in Teilen nicht, weil die beeinfluessenden Faktoren nicht ganz vollständig erfasst wurden. Abgesehen von der zutreffend beschriebenen Life style - Komponente gibt es durchaus gewisse berufliche Unterschiede, je nachdem, in welchem Status und bei welchem Arbeitgeber man beruflich taetig ist.  Eine Regelbefoerderung kennt die freie Wirtschaft nicht, ebenso die Besitzstandswahrungsregeln und Absicherung gegen die Unbill des Lebens bis in das Rentenalter hinein. Man duerfte als Beamter grundsaetzlich etwas stressfreier vor sich hin verwalten, als in der freien Wirtschaft. Ob ein gewisser durchaus schädlicher Lebenswandel in der freien Wirtschaft nicht exakt mit der objektiv natuerlich falschen Kompensation von Stressfaktoren zu tun hat, waere zu pruefen. Es ist auch etwas leichter, den gesundheitsfördernde Aktivitäten nachzugehen, wenn man nach einer ueberwiegend entspannt verlaufenden Regelarbeitszeit nach Hause kommt.  Bei einem durchaus stress - oder genauer druckvollen 12 +x stundentag sieht die Welt danach etwas anders aus, denn die Sache verschwindet nicht mit dem Feierabend. Die Sehnsucht der Angestellten nach einer Verbeamtung kommt sicher nicht von ungefähr. Fazit : Was die Korrelations- oder Kausalitaetsproblematik betrifft, volle Zustimmung.  Was die Einflussfaktoren im Einzelnen betrifft, waere zumindest in diesem Punkt etwas mehr Differenzierung anzuraten, uebrigens auch, was das Bild des Arbeiters betrifft, das durchaus in den letzten 50 Jahren eine Entwicklung erfahren hat, vor allem was das “Saufen und Rauchen” betrifft.

Kenneth Gund / 21.08.2021

Man könnte Beamte und Arbeiter auch ohne herabwürdigende Klischees vergleichen: Berufe, die eine hohe körperliche Belastung mit sich bringen, finden sich so gut wie gar nicht im Staatsdienst. Beamte arbeiten in der Verwaltung, in der Justiz, in Schulen und bei Polizei und Bundeswehr. Straßenbauer, Dachdecker, Maurer und andere riskante Berufe sind fast ausschließlich in der Privatwirtschaft zu finden, seit der Privatisierung von Bahn und Post gibt es auch keine Rangierer, Gleisarbeiter und Briefträger mit Beamtenstatus mehr. So einfach. Da muss man keine Mutmaßungen zu Neigungen über Schlägereien, Sauferei etc. anstellen. Aus vielen Jahren im Krankenhaus kann ich außerdem festhalten, dass auch das juste milieu weiß, wie man feiert. Statt Bier und Zigaretten fröhnt man eher Koks, Gras und Steroiden - und gesoffen wird überall.

Sirius Bellt / 21.08.2021

Ich verbringe lieber Abende mit schwer schuftenden und “saufenden” Arbeitern als mit überheblichen Akademikern, die sich ellenlang mit strunzlangweiliger Statistik befassen.

G. Böhm / 21.08.2021

Mit Korrelation kann man auch den menschengemachten Klimawandel erklären. Man braucht nur das Weltbevölkerungswachstum (WbW) und die Weltdurchschnittstemperatur (WdT) zu einander in Beziehung zu setzen. Man kann sogar sehen, daß die Toten im Verlaufe des II. WKs zu einem temporärem Abfall der WdT führten.

Emmanuel Precht / 21.08.2021

Also zumindest ist die räumliche Nähe vom Lippenstift zur Prostata von Männern durchaus als erfreuliche Dienstleistung hochwillkommen hingenommen. Wohlan…

S.Wietzke / 21.08.2021

Die Idee der Rente, also die Idee das man von anderen finanziert wird, erfordert per se die Bestrafung von Langlebigkeit. Schließlich erhöht das die Belastung des produktiven Teils der Bevölkerung. Eine hohe Lebenserwartung stellt nämlich hier ein Risiko und damit ein unerwünschtes Ereignis dar. Folglich sind die Forderungen nach Belohnung lebensverkürzenden Verhaltens absolut stringent und zu begrüßen. Und wie wir an Impfwahn und Klimapolitik der grünen Khmer sehen hat die Politik dies erkannt und ist gerade dabei dieses Problem durch Nordkoreanisierung des Landes final zu lösen. Tja, die politische Elite ist eben doch viel schlauer als gemeinhin angenommen wird.

Boris Kotchoubey / 21.08.2021

Dass Beamte länger leben als Arbeiter, ist allgemein bekannt und steht in jedem Lehrbuch über Medizinische Soziologie. Das war vor 150 Jahren so, und warum solte es heute anders sein? Während aber an diesem Fakt nur ein notorischer Faktenleugner zweifeln kann, sind die Ursachen weitgehend unklar, da sehr verschiedenartig. Es fängt ja damit an, dass Kinder, die später Arbeiter oder Beamte werden, in verschiedenen Familien zur Welt kommen, verschiedene Erziehungsstile erleben, für das gleiche Regelverstösse unterschiedlich bestraft (oder nicht bestraft) werden, verschiedene Lehrer haben, verschiedene Bücher lesen (wenn sie überhaupt welche lesen) und viel, sehr viel anderes.

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