Kolumne von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT am 22.08.2008
Eines unserer Lieblingsbücher von Ephraim Kishon heißt „Der Fuchs im Hühnerstall“. Es geht um den rastlosen Politiker Amitz Dulnikker, der sich nach einer Herzattacke erholen muss und dafür in das abgeschiedene Dorf Kimmelquell reist. In Kimmelquell nimmt das Leben seit Jahren einen ruhigen Lauf, man arrangiert sich und hat eine selbstverständliche Ordnung geschaffen, die keinem weiter auffällt. Das kann Dulnikker, kaum hat er sich erholt, nicht ertragen. Er führt die Politik in Kimmelquell ein und das Elend nimmt seinen Lauf.
Ähnliches bahnt sich in der schönsten Parkanlage Deutschlands an, dem Englischen Garten in München. Seit vielen Jahren gehen wir dort gern spazieren, essen und trinken, liegen im Gras oder spielen Frisbee mit dem Hund. Bisher hatten wir dabei immer das Gefühl, uns in einem kleinen Paradies zu bewegen. Sicherlich ist manchmal ein Bongo-Spieler zu laut, nicht jeder Nackte ist ein ästhetischer Genuss, und manche Hunde sollten besser nicht frei rumlaufen. Aber in de Regel sorgen schon die anderen Hundebesitzer dafür, dass übellaunige Vierbeiner an die Leine kommen. Auch sieht man hin und wieder pöbelnde Saufnasen in den Biergärten und Heroindealer auf dem Monopteros. Dafür gibt es die Polizei, die auch außerhalb des Englischen Gartens für solche Fälle zuständig ist.
Doch Kimmelquell ist überall. Wenn sich etwas von selbst regelt, kommt unter Politiker ein Gefühl von Nutzlosigkeit auf. So entsteht Handlungsbedarf. CSU und SPD haben das „Landesstraf- und Verordnungsgesetz“ so abgeändert, dass in Zukunft für kleine Ordnungswidrigkeiten im Englischen Garten Bußgelder erhoben werden können. Denn es komme, heißt es in der Begründung, zu „erheblichen Konflikten und sicherheitsrechtlich relevanten Problemen.“ Beamte des Finanzministeriums arbeiten an einem Bußgeldkatalog, der festlegt, was künftig alles verboten werden soll.
Das Thema erregt in München natürlich die Gemüter, am heftigsten die der Kommunalpolitiker. Und es ist hoch interessant mit welchen Begründungen die bayerischen Dulnikkers aufwarten, um den Englischen Garten als neues Betätigungsfeld für sich zu akquirieren. Petra Piloty von der SPD mahnt beispielsweise die Rehe seien verschwunden. Ihre Parteifreundin Gunhilde Peter findet, dass die Natur um Vordergrund stehen solle „und nicht das Interesse der Menschen“. Leider gestaltet die Natur keine Gärten. Stadtparks wurden im 19. Jahrhundert von Menschen für Menschen angelegt. Und was die Rehe angeht: Sie sind in ganz Deutschland so häufig ist wie nie zuvor, also nicht gerade ein Notfall des Naturschutzes.
Bis die Interessen der Natur mit Bußgeldbescheiden durchgesetzt werden, wird noch ein Weilchen vergehen. Denn die weise Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung will das neue Regelwerk zunächst im Schlosspark Bayreuth testen. Eine vorzügliche Idee. Könnte man nicht alle neuen Einfälle von Politikern erstmal im Schlosspark Bayreuth ausprobieren?
