Henryk M. Broder / 22.01.2011 / 21:13 / 0 / Seite ausdrucken

„Kiezkaraoke zu Nikolausi“

Staunend und ratlos stehen wir vor der Tatsache, dass immer mehr Geld für die Bekämpfung der Armut ausgegeben wird, was zur Folge hat, dass die Armut nicht ab- sondern zunimmt. Denn das Geld kommt nicht den Armen zugute, sondern ihren Betreuern. Und je mehr Arme es gibt, desto mehr Betreuer müssen eingestellt werden. Das System funktioniert in Berlin besonders gut, wie ein Artikel aus dem TS von heute zeigt:

“Da gab es ‘Kiezkaraoke zu Nikolausi’ für ‘Kiezrapper’ und eine Veranstaltungsreihe für Operettenfans, Förderung für eine Laufgruppe und für die Herausgabe einer Kiezzeitung – laut Meyer mit 60 000 Euro gefördert. Quartiersmanager organisierten eine Ausstellung über Satellitenschüsseln, eine Christbaumparade oder sie förderten die Installation von Fahrradständern.”

1999 gab es in Berlin 15 Problemkieze -  „Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf“ -, zehn Jahre später waren es schon 39. Ein Riesenerfolg für die Berliner Sozialpolitik, können doch in 39 Problemkiezen viel mehr Sozialarbeiter beschäftigt werden als in 15. Und wenn in zehn oder 15 Jahren die ganze Stadt aus „Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf“ bestehen wird, in denen Tausende von Kiezmanagern Karaoke-Partys organisieren, wird das “Berliner Modell - Armut für alle” optimal funktionieren.

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