Von Peter Holzer.
Alle wissen, dass es nicht mehr funktioniert – aber niemand will es sagen. Statt ehrlicher Reformen gibt’s Beruhigungspillen im Koalitionsvertrag. Willkommen im deutschen Ruhestandstheater: teuer, ungerecht, unausweichlich.
Wissen Sie noch, was die neuen Regierungsparteien im Koalitionsvertrag zur Rente beschlossen haben? Im Prinzip: Es soll alles bleiben, wie es ist.
Das Rentenniveau soll bis 2031 stabil und die Rente mit 63 erhalten bleiben, das Eintrittsalter nicht über 67 steigen. Zwar wurde eine Reformkommission eingesetzt – aber das wirkt eher wie Hinhaltetaktik.
Seit Jahren kündigt sich beim Thema Rente ein soziales Erdbeben an. Doch niemand wagt, es beim Namen zu nennen.
Die Rente markiert einen neuen Lebensabschnitt. Nachdem das Arbeitseinkommen weggefallen ist, finanziert sie den Lebensunterhalt. Doch wie lange dauert dieser dritte Abschnitt? 1960 bezogen Männer im Schnitt zehn Jahre lang Rente. Heute ist es weit mehr – in Westdeutschland hat sich die Bezugsdauer seit 1960 mehr als verdoppelt.
Dieser Trend wird sich fortsetzen, denn die Menschen werden immer älter. So stellt sich die Frage: Wie lange soll – oder muss – man arbeiten? Ab wann ist der Eintritt ins Rentenalter gerecht?
Wäre das Rentensystem kapitalgedeckt – jeder würde für sich selbst sparen – ließe sich der Rentenbeginn individuell gestalten. So ähnlich machen es Selbstständige, die meist nicht gesetzlich abgesichert sind. Wenn jeder seinen eigenen Rententopf füllt, kann auch jeder selbst entscheiden, wann genug genug ist.
Doch das deutsche Modell funktioniert anders: Wer heute arbeitet, zahlt für die, die bereits im Ruhestand sind. Und verlässt sich im Gegenzug darauf, dass spätere Generationen für ihn zahlen. Ein System, das auf Solidarität beruht – und auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Einzahlern und Empfängern.
Doch dieses Gleichgewicht gerät ins Wanken. Der demografische Wandel lässt die Last auf immer weniger Schultern wachsen. Die Rentenkasse kommt ohne staatliche Hilfe schon lange nicht mehr aus. 2016 musste der Staat knapp 70 Milliarden Euro zuschießen. Für 2025 sind es laut Haushaltsplanung fast 98 Milliarden – ein Plus von rund 40 Prozent in nur neun Jahren.
Klingt nobel, ist aber gefährlich
Einige Menschen sagen: „Wir müssen eben bescheidener leben.“ Klingt nobel, ist aber gefährlich. Gesellschaften brauchen wirtschaftlichen Erfolg, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wohlstand darf kein Zufall sein. Und doch wird dieser in der Rente immer schwerer erreichbar: Das Rentenniveau – also die Durchschnittsrente im Verhältnis zum Durchschnittslohn – sinkt seit Jahren. Von 54 Prozent (1997) auf knapp 48 Prozent (2017), Prognosen sehen 2035 weniger als 46 Prozent.
Sozialabgaben sind zur Selbstverständlichkeit geworden – man gewöhnt sich daran, dass fast 40 Prozent vom Lohn abgehen. Laut Prognos könnten es bis 2040 sogar 46 Prozent werden. Gleichzeitig heißt es: Die Rente wird nicht reichen. Warum keine Revolte? Vielleicht, weil der Deutsche Leid zäh erträgt. Doch das schmerzhafte Erwachen aus dem jahrzehntelangen Wegschauen wird kommen.
Beim Problem der Rente geht es um weit mehr als die Rente an sich. Es ist ein Teufelskreis, in dem wir uns befinden. Mehr Rentner, weniger Einzahler, steigende Beiträge – das macht den Standort Deutschland unattraktiv. Fachkräfte wandern ab, junge Menschen fehlen, Sozialausgaben steigen – etwa 42,6 Mrd. Euro „Bürgergeld“, davon fast die Hälfte an ausländische Empfänger. Die Spirale dreht sich. Deutschland muss handeln – jetzt.
Lösungen? Mehr Frauen in Vollzeit. Mehr qualifizierte Zuwanderung von integrationswilligen und -fähigen Zuwanderern. Mehr Kinder. Späterer Renteneintritt. Doch all das braucht Voraussetzungen: Betreuung, Integration, Planung. Und wenn es um längeres Arbeiten geht, stellen sich ebenfalls Fragen: Wie lange hält der Körper eines Bauarbeiters durch?
Die ernüchternde Wahrheit ist: Selbst wenn all diese Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden, wird es nicht reichen. 2021 betrug die Durchschnittsrente für Männer in Westdeutschland 1.218 Euro, für Frauen 809 Euro. Und das Rentenniveau sinkt weiter. Altersarmut ist keine dystopische Zukunft – sie ist Realität.
Das System lebt nur noch durch staatliche Subventionen. Es war nie auf 20 oder mehr Jahre Ruhestand ausgelegt. Wir brauchen keine Kosmetik, sondern einen grundlegenden Umbau. Andernfalls steigen die Beiträge bald auf 25 Prozent – heute liegen sie bei 18,6 Prozent.
Von Kapitalmärkten profitieren
Deutschland muss die Menschen in ihrer Eigenverantwortung stärken und dafür die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Eine wichtige Säule muss die private Vorsorge werden. Wir dürfen nicht auf den „starken fürsorglichen” Staat setzen.
Grundvoraussetzung ist eine Banalität: Unsere Wirtschaft muss laufen und die Menschen brauchen angemessen gut bezahlte Arbeit. Um die Rente auf solidere Beine zu stellen, müssen wir das Konzept der betrieblichen Altersvorsorge ausbauen. So können die Beitragszahlungen von den Sozialabgaben befreit werden.
Bestehende Formate wie die Riester-Rente müssen dringend reformiert werden. Stand heute kann ein Rentner aus einem Riester-Vertrag nur 30 Prozent als Einmalauszahlung erhalten; der Rest muss monatlich ausgezahlt werden. Warum entmündigen wir erwachsende Menschen? Sie müssen selbst entscheiden dürfen, wie viel sie wann von ihrem Geld ausgezahlt bekommen möchten.
Zudem versuchen die Rentenkonzepte das Unmögliche: garantierte Sicherheit und attraktive Rendite. Das funktioniert jedoch nicht. Garantie frisst immer die Rendite auf. Junge Beitragszahler sollten viel mehr von der Renditekraft der Kapitalmärkte profitieren können.
Doch die Versicherungsprodukte sind heute viel zu unrentabel. Wir brauchen Lösungen, die vor allem eines sicherstellen: Wer spart und einzahlt, muss von hohen Renditen und einer attraktiven Rente profitieren!
Der Handlungsdruck steigt von zwei Seiten: Kosten explodieren, Rentner werden zur stärksten Wählergruppe. Reformen? Kaum durchsetzbar, wenn sie die eigene Klientel betreffen. Politiker versprechen lieber das, was Stimmen bringt. Doch Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – nicht, jedem gefallen zu wollen. Das Durchwurschteln muss aufhören. Noch ist Zeit. Aber nicht mehr viel.
Peter Holzer ist seit 2009 Sparringspartner für Familienunternehmen. Als Berater und Redner fokussiert er sich auf Führung, Generationswechsel und Veränderungsprozesse. Zuvor leitete er den Vertrieb eines Mittelstandsfonds. Er studierte BWL und Wirtschaftsinformatik in Oestrich-Winkel, Auckland und Chicago.
Sein neuestes Buch heißt „Aufstand der Leistungsträger“ und ist unter folgendem Link bestellbar.
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Sie haben das Wichtigste vergessen: Die Rente ist nicht zweckgebunden. Aus diesem Topf wird alles mitfinanziert. Der Topf war 89 so voll dass, so berichtete mir eine langjährige Mitarbeiterin dieses Ladens in der Höheren Etage, die Deutschen 3 Jahren hätten nicht arbeiten brauchen, wohlgemerkt vor ÜBERNAHME der Ostzone und 2015. Schade eigentlich, dass hier niemand diese Finazierungen nicht nur nicht aufdeckt, sondern auch mit Zahlen belegt.
Achja Frau Landmesser, das kommt noch hinzu.Danke dafür.
Ne, die Kapitalrente ist nicht die Lösung, sie scheitert regelmäßig. Wären 2008 keine Banken von meinen Steuern gerettet worden, hätte es die private Altersorsorge von zig tausenden dahingerafft. Leider hat man den Markt da nicht machen lassen, dann wäre die immer gleiche, falsche Diskussion zu Ende.
Auf der anderen Seite muss man die Umlagerente natürlich bewusst falsch darstellen, auch der Autor betreibt hier Rabulistik.
„Die Rentenkasse kommt ohne staatliche Hilfe schon lange nicht mehr aus. 2016 musste der Staat knapp 70 Milliarden Euro zuschießen“
Es ist keine Hilfe, es sind versicherungsfremde Leistungen und die bezahlt der Staat nicht zu 100%, wie es vereinbart ist, sondern überlässt ein Defizit nur den Einzahlern. Es ist Diebstahl, keine Hilfe!
Volle Zustimmung @Rolf Menzen!
Der Generationenvertrag hätte schon vor Jahrzehnten (seit dem „Pillenknick“) abgeschafft werden müssen, die Regierenden haben das Problem schlichtweg nicht anpacken wollen. Hinzu kam, dass Rentenbeiträge zweckfremd verschleudert wurden, oftmals sogar an der deutschen Bevölkerung vorbei. Die „Lösung“ der deutschen Rentenkasse wird in der nahenden Währungsreform liegen, welche infolge der irrsinnigen Neuverschuldung unvermeidlich sein wird: die neue Währung wird derart gegenüber DM und sogar EUR abgewertet werden, dass künftige Renten bereits vom Geldwert her nur noch einen minimalen Bruchteil dessen ausmachen werden, was die Beitragszahler einst einzahlen mussten.
Wenn ich das richtig berechne, sollen Frauen und Familienmütter zukünftig alle in Vollzeit arbeiten und in die Kassen einzahlen, damit Männer ordentliche Renten bekommen. Denn Rentnerinnen bekommen nur 2/3 der Rente männlicher Rentner. Die Idee, Frauen in die Berufstätigkeit zu zwingen und ihre Kinder staatsbetreut aufwachsen zu lassen, war schon immer eine Lösung sozialistischer Art, die nie wirklich funktionierte. Die Folgekosten durch stressbedingte Erkrankungen der Mütter und Kinder, durch Bindungsproblematiken aber auch durch überforderte und weniger produktive Männer und schließlich durch höhere Scheidungsquoten, sind viel höher als der Nutzen der Zwangsmaßnahme.
„Seit Jahren kündigt sich beim Thema Rente ein soziales Erdbeben an. Doch niemand wagt, es beim Namen zu nennen.“ -> So ist das, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf. Am Ende gilt allerdings auch die bittere Wahrheit: Geliefert, wie gewählt. Die Wähler sind selbst Schuld, wenn sie jährlich Abermilliarden für Klima„schutz“ (linksgrüne Klima-Mafia) und „Flüchtlinge“ (linksgrüne Asyl- und Sozial-Mafia) anstatt für ihre Rente ausgeben. Jeder gräbt sich eben sein eigenes Grab.
Eigenverantwortung nicht gut.
Hatte Kollegen die, die Gewerkschaft als schlecht verurteilten, denn es sollte jeder selbst verhandeln. Was würde damit passieren gleicher Arbeitsplatz 100 verschiedene Löhne.
Rente selber organisieren 100 legen ihr Geld an, einer bekommt 120% die anderen gehen leer aus weil ihre Anlagen pleite gingen. Also wieder Rentner die nichts haben.
Oder die einfach nichts tun und dann im Alter nach dem Staat rufen.
Siehe viele unseren Stars die jetzt rufen sie bekommen nichts.