Harte Zeiten dürften auf Cem Özdemir zukommen. Die EU hat ihm – und seiner grünen Partei – nicht wie erhofft den Gefallen getan, dem in der Landwirtschaft eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat europaweit die Zulassung zu entziehen. Seit rund 20 Jahren wird das harmlose Pflanzenschutzmittel durch die Ökoszene verteufelt.
Es geht immerhin um den Stoff, der bei den Aktivisten der Biolandwirtschaft ähnliche Beliebtheit genießt wie beim Teufel das Weihwasser. Die Zulassung wurde verlängert, und das gleich für zehn Jahre. Entzogen wurde nicht die Zulassung, weggezogen vielmehr der Boden für das feste Versprechen der Ampelkoalition, das Herbizid in Deutschland aus dem Verkehr zu ziehen. Eine Zusage, für die sich vor allem die Grünen im Koalitionsvertrag stark gemacht hatten. Zwar gäbe es – theoretisch – noch ein Hintertürchen, durch das Glyphosat womöglich doch noch den Bauern entrissen werden könnte: Für die Zulassung der einzelnen Produkte im Handel, in denen der Wirkstoff enthalten ist, sind die jeweiligen Behörden der Mitgliedsländer zuständig.
Doch nachdem nun durch den positiven Grundsatzbeschluss in Brüssel von dort die ersehnte Hilfestellung beim Glyphosat-Aus fehlt und die Landwirte in den anderen EU-Ländern das seit 50 Jahren bewährte Mittel weiterhin einsetzen dürften, wird es kaum möglich sein, dem deutschen Ackerbau hier durch Verbot einen immensen Wettbewerbsnachteil zuzumuten und das auch noch durch die Gerichtsinstanzen zu bringen.
Glyphosat wurde ein Mythos übergestülpt
Dennoch: Entsprechende Forderungen aus der Ökoszene und von Naturschützern werden auf Özdemir und auf die Bundesregierung absehbar als Dauerfeuer einprasseln. Grund ist die aberwitzig überhöhte Symbolkraft, die Sinnbildlichkeit, ja der Mythos, der dem verteufelten Stoff von der Umweltbewegung übergestülpt wurde im Kampf gegen den konventionellen Ackerbau, oder, wie es in der Frontberichterstattung der Bio-Krieger heißt: gegen die Agrochemie, die „Industrielle Landwirtschaft“, die Chemielobby.
Eines steht fest: Glyphosat ist der umstrittenste Stoff, der in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Über keinen anderen finden in der Öffentlichkeit so leidenschaftliche und ausführliche Kontroversen statt. Allerdings: Irrtümlich, bisweilen auch mit voller Absicht, wird der Begriff „umstritten“ gleichgesetzt mit der Bedeutung „problematisch“ (oder auch gleich „giftig“). Der – eigentlich ja nur gefühlte – Mangel an Trennschärfe zwischen den Bezeichnungen wird dabei von interessierter Seite immer wieder mit Vorliebe ausgenutzt, und damit für den Sprachgebrauch auch wohlüberlegt gepflegt, gefestigt. „Umstritten“ – das reicht.
Der Begriff fehlt denn auch in keinem gedruckten oder gesprochenen Beitrag über das Unkrautvernichtungsmittel. Er gehört zu ihm wie das y und das ph. Aber ist der Einsatz des Stoffes, wie all dies offenbar insinuieren soll, auch tatsächlich problematisch, wirklich gefährlich, giftig? Gar krebserregend, wie es jetzt wieder lautstark durch den Blätterwald und den Äther rauscht? Ist er verantwortlich für den Artenschwund, gefährlich für Flora und Fauna? Oder steht das nur so in den Zeitungen, weil die Leute es lesen und die Redaktionen auf der sicheren Seite bleiben wollen?
Viele tausend Studien
Noch ein zweiter Superlativ gilt für Glyphosat: Er ist das wissenschaftlich und medizinisch mit Abstand am besten und sattsamsten erforschte Hilfsmittel für den Ackerbau. Viele tausend Studien, Kohortenstudien, Kontrollstudien, Metastudien, Monitorings, Analysen, Statistiken liegen dazu vor, über mögliche Toxizität, Neurotoxizität, Reproduktionstoxität, über Mutagenität, Kanzerogenität, Leberkrebs, Schilddrüsenadenome, über Konsequenzen auf die Artenvielfalt und die Insekten, über seine Verbreitungseigenschaften, seine Flüchtigkeit, Halbwertzeiten und hundert mal hundert weitere Fragestellungen, mindestens. Es wäre unmöglich, hier ein Querschnittsresümee dieser Arbeiten zu ziehen. Wer sich ins Einzelne hineinvertiefen will, dem sei der besonders ausführliche Eintrag zum Stichwort „Glyphosat“ im Internet-Lexikon „Wikipedia“ empfohlen, der ständig auf dem neuesten Stand gehalten wird. Und bei dem – besonders in Fällen wie diesem – die konträren Autoren einander wie Schießhunde kontrollieren und im Zweifel zupacken.
Die Diskussion um Glyphosat hält seit dem Millennium an, kocht immer wieder hoch bei anstehenden Verlängerungen seiner Zulassung, wie zuletzt in der EU 2016/17. Seither hat sich auf wissenschaftlicher Ebene wenig getan. In jene Zeit fiel auch die letzte große, eine der umfassendsten Forschungsarbeiten überhaupt zum Thema. Ein Zitat dazu sei deshalb dann doch aus Wikipedia angeführt:
„Eine im November 2017 publizierte umfassende prospektive Kohortenstudie von knapp 45.000 Glyphosatanwendern kam zu dem Ergebnis, dass kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Glyphosat und dem Auftreten solider Tumoren bzw. maligner Lymphome besteht. Nach Review der ECHA (Chemikalienagentur der EU) und EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) ist die Exposition von Glyphosat nicht mit dem Auftreten krebsbezogener Gesundheitsauswirkungen assoziiert.“
Die WHO ist sich selbst nicht einig
Die Glyphosat-Gegner sind um den Eindruck einer mehrheitlichen oder gar einmütigen Ablehnung des Stoffes aus dem umwelt- und medizinwissenschaftlichen Wissenschaftsbetrieb bemüht. Eher das Gegenteil ist indes der Fall. Auf Behördenebene werden sie allein von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt, deren Einstufung („wahrscheinlich krebserregend“) im Jahr 2015 deshalb so heftig einschlug in die Debatte, weil dies nach all den jahrzehntelangen gründlichen Forschungen die erste gewichtige Stimme war, die man für ein Verbot in Stellung bringen konnte. Gewichtig, weil es sich immerhin um eine UN-Instanz handelte.
Dass dann allerdings dieselbe WHO schon kurz darauf im Rahmen des gemeinsamen Ausschusses mit der UN-Partnerorganisation für Landwirtschaft, FAO, dem „Joint Meeting on Pestcide Residues“ (JMPR), zu dem Ergebnis kam, es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme ein gesundheitliches Risiko darstelle, und von einem Glyphosat-Verbot nichts wissen wollte – dies fiel in der allgemeinen öffentlichen Aufregung über die anstehende EU-Entscheidung über die weitere Zulassung weitgehend unter den Tisch, es interessierte kaum jemand.
Wie aber kam die unterschiedliche Einstufung zustande? Hat die Bauernlobby aus der FAO bei den gemeinsamen Beratungen die Gesundheitsverantwortlichen in der WHO über den Tisch gezogen? Keineswegs. Weder die kritische IARC der WHO noch das gemeinsame JMPR-Komitee mit der FAO haben eigene Untersuchungen angestellt. Der Unterschied in der Beurteilung resultiert weitgehend daraus, dass die IARC sich auf Studien berufen hatte, die allein eine theoretische Krebs-Gefahr durch Glyphosat konstatierten. Und sei diese auch durch unsinnig hohe Dosierungen in den Versuchen oder andere, dem menschlichen Verzehr meilenweit entfernte Bedingungen hervorgerufen. Während WHO und FAO bei ihren Empfehlungen sich an realen Bedingungen orientierten.
Eliminierung chemischer Hilfsmittel in der Landwirtschaft
Diese Vorliebe der IARC für rein theoretische Aussagen, völlig unabhängig von der benutzten Menge oder der Intensität, durchzieht grundsätzlich ihre Einstufung von möglicher Kanzerogenität. Deshalb kamen da auch Artikel des täglichen Verzehrs, wie Fleisch, Wurst oder auch Kaffee sowie Tätigkeiten wie Friseur- oder Schichtarbeit auf den Index. Kaffee wurde im Zuge der großen Glyphosat-Debatte 2016 wieder gestrichen. Womöglich, um der vielbeachteten Diskussion um das Herbizid nicht unnötig durch lächerliche Parallelbeispiele zu schaden?
Bei den Zulassungsbehörden jedenfalls herrscht weltweit große Einhelligkeit: Es wäre unverhältnismäßig, Glyphosat aus dem Verkehr zu ziehen. Darüber kann alle Skandalisierung der Brüsseler Verfügung hierzulande nicht hinwegtäuschen. Verantwortlich entscheiden heißt hierbei schließlich nicht nur, unrealistische Versuchsbedingungen in der Bewertung als solche kenntlich zu machen, sondern auch die Alternativen eines zu prüfenden Stoffes und deren Folgen abzuwägen.
Hierbei nämlich gelangt man zügig zu der Erkenntnis, dass Glyphosat nicht etwa wegen besonderer Giftigkeit im Zentrum der Debatte steht, sondern weil es das am weitesten verbreitete Mittel zur Unkrautbekämpfung ist. Eines, das unerwünschte Pflanzen vom Acker fernhält, die Tierwelt dagegen, auch Insekten, weitgehend unbehelligt lässt, sich in ihnen schon gar nicht anreichert. Ganz offensichtlich ist es als Hebel gedacht zur Eliminierung jeglicher chemischer Hilfsmittel in der Landwirtschaft. Denn wenn dieses erst einmal „geschafft“ ist, sind die Alternativen – durchweg erheblich „giftiger“ – argumentativ schon gar nicht mehr zu rechtfertigen.
Biolandbau darf Schwermetalle spritzen
Wer sich einmal die anderen zugelassenen Herbizide anschaut, die potenziellen Ersatzstoffe für Glyphosat, deren Gebrauch merkwürdigerweise nicht inkriminiert ist, wird sich vergleichsweise im Gruselkabinett wähnen: 2,4-D und MCPA etwa, das beim Entlaubungsmittel Agent Orange der USA im Vietnamkrieg zur Mixtur gehörte und das Nervensystem angreift; Eisen(II)-Sulfate, die den Magen-Darm-Trakt, die Leber und das Herz angreifen; Maleinsäurehydrazid, Metaldehyd – wohl bekomm’s! Nur nebenbei bemerkt: Selbst diese Stoffe, deren Gebrauch um ein Vielfaches verfänglicher ist, richten offenbar nicht ausreichend Schaden an, um ähnlich skandalisiert zu werden.
Richtig absurd wird es, wenn man vergleichsweise die im Biolandbau zugelassenen Stoffe für Pflanzenschutz ins Spiel bringt: Da ist zum Beispiel Kupfer, ein Schwermetall, das ausgebracht wird, um schädliche Pilze vom sprießenden Ökowein und anderen „chemiefreien“ Nahrungspflanzen fernzuhalten. Schon in geringsten Mengen vergiftet es Mikroorganismen und Weichtiere, reichert sich im Boden an, landet in Bächen und Flüssen, schädigt Fische. Ein Drittel allen Kupfers in der Landwirtschaft wird vom Biolandbau ausgebracht, obwohl er nur 10 Prozent der Fläche ausmacht. Zugelassen dafür ist Kupfer nicht etwa wegen besonderer Harmlosigkeit, sondern weil es nicht synthetisch hergestellt ist, ein Kriterium, das weder gesundheitlich noch ökologisch zu rechtfertigen ist. Das Ziel der Bio-Szene, die chemiefreie Landwirtschaft auf 100 Prozent ausdehnen, würde auf eine Verzehnfachung der heutigen Kupferausbringung hinauslaufen.
Zurück zum Glyphosat und seinen Gegnern. Da es aufgrund der besonderen Eigenschaften schwerfällt, die Auswirkungen des Stoffes auf die Tierwelt, auch auf Insekten und Kleinlebewesen, auf den unmittelbaren Kontakt zurückzuführen, wird über Bande argumentiert: Die Vernichtung unerwünschter Nebengewächse auf dem Acker führe zu Monokulturen, heißt es deshalb, auf denen kein Gras wachse und sich deshalb auch keine Insekten oder Vögel tummelten. Das stimmt insoweit, als seit Jahrzehnten allseits Einigkeit darüber herrscht, dass vor allem die Landwirtschaft den Lebensraum der heimischen Wildfauna gefährdet, die Artenvielfalt. Unberechtigt ist allerdings der dabei meist mitschwingende Unterton, dies gelte allein für die konventionelle Landwirtschaft. Warum sollte das auch so sein?
Natürlich ist auch die Gentechnik im Visier
Als ob der Öko-Landmann sein Unkraut schätzen und päppeln würde, nur weil er es liebevoll „Ackerwildkraut“ nennt. Nein, auch er will es mit Stumpf und Stiel heraushaben, entfernt es mühevoll händisch. Oder, meist, mit dem Pflug, was wiederum die Erosion fördert, die Mikrofauna schädigt, auch noch eigentlich doch verpönte Traktorfahrten kostet. Und was die Wildtiere aufs Ganze gesehen schon rein rechnerisch stärker in Mitleidenschaft zöge: Da der Biolandbau einen um – mindestens – ein Drittel geringeren Ertrag pro Hektar abwirft, müsste, um dasselbe Ergebnis zu erzielen, die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland um eben dieses Verhältnis anwachsen. Um so mehr litte der Artenschutz, um so weniger bliebe als Ausgleichsfläche, als Ackerrandstreifen übrig.
Natürlich spielt auch hier wieder die Gentechnik mit in die Debatte hinein, die die Ökoszene mit Glyphosat gleich mit erledigen will, noch bevor sie überhaupt in der Nahrungsproduktion zum Einsatz kommt. Die Gentechnologie hängt tatsächlich mit dem Einsatz dieses speziellen Herbizides zusammen: In den USA, wo Glyphosat von Monsanto entwickelt wurde und in dem Mittel „Roundup“ zum Einsatz kommt, beseitigt es nach dem Ausbringen ausschließlich das unerwünschte Unkraut, nicht aber die Nutzpflanzen wie etwa den Mais. Weil der durch gentechnische Eingriffe dagegen gewappnet ist.
Dieser Zusammenhang wird immer wieder auch als in Deutschland gegeben insinuiert, bewusst oder vom Hörensagen in Unkenntnis der Tatsache, dass Gentechnik in der Landwirtschaft hierzulande nach wie vor verboten ist. In Deutschland wird Glyphosat deshalb einige Zeit vor der Aussaat gespritzt, beseitigt frühzeitig unerwünschte Nebengewächse – und hat durch seine kurze Halbwertzeit auf die später gedeihenden Nutzpflanzen keine schädlichen Auswirkungen mehr. Auch dies ist ein Zeichen für die Treffsicherheit seiner eingebauten Eigenschaften.
Die Debatte um das gebräuchlichste Pflanzenschutzmittel – „Schutz“ bezogen auf die Nutzpflanzen, auf die kommt es schließlich an – wird weiter anhalten. Außer den bereits genannten Instanzen sind daran eine ganze Reihe weiterer Behörden beteiligt, auch in verantwortlicher Position. So zum Beispiel das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das für die deutsche Haltung ausschlaggebend ist und durchgehend grünes Licht gab. Oder auch das Umweltbundesamt, das sich kritischer gibt, seine Skepsis allerdings auf den Verlust von Wildkräutern stützt, den ja letztlich wie beschrieben auch die Biolandwirtschaft betreiben muss.
Aussicht auf baldige Befriedung der Debatte besteht erst mal nicht, dafür kocht sie auch nach dem Brüsseler Entscheid weiterhin zu hoch. Verdächtigungen, Unterstellungen spielen seit langem mit hinein, von beiden Seiten. Gegner werfen den Befürwortern wie auch den Zulassungsbehörden vor, sie verwendeten für ihr Urteil auch wissenschaftliche Studien, die vom Hersteller Monsanto selbst erstellt wurden. Dazu sind sie allerdings verpflichtet, wie auch umgekehrt der Konzern, seine Erhebungen zur Verfügung zu stellen.
Eine der schwersten Wissenschafts-Betrügereien
Auf der anderen Seite lassen sich Wissenschaftler von Greenpeace bezahlen für kritische Studien, legen Papiere gegen Glyphosat und Gentechnik vor, die in Presse, Funk und Fernsehen – vor allem auch in Deutschland – große Wellen schlagen, obwohl sie von anderen Forschern schon kurz darauf nach Strich und Faden zerpflückt werden. Wie etwa bei Gilles-Éric Séralini und seinen Versuchsratten, die er direkt mit Glyphosat fütterte, und haarsträubenden wissenschaftlichen Unzulänglichkeiten, nicht nur versehentliche. Seralinis Papier sahen wegen des großen Echos manche schon als das Todesurteil für Gentechnik und Agro-Chemie, bevor die publizierende Zeitschrift Food and Chemical Toxicology sich gezwungen sah, es kleinlaut wieder zurückzuziehen. Der Wissenschafts-Journalist Volker Stollorz hat die „Seralini-Affäre“ für die Diskussions-Plattform der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, „Gegenworte“, trefflich eingeordnet. Als drei Journalisten die Affäre als „eine der schwersten Wissenschafts-Betrügereien der letzten zehn Jahre“ bezeichneten, verklagte Seralini sie auf Unterlassung und Schadenersatz. Das Gericht sprach die Journalisten frei.
Ganz so einfach ist es nicht, Kritiker der großen Hatz auf Glyphosat mundtot zu machen. Als der Autor dieser Zeilen vor Jahren einen Beitrag in der Welt über den Stoff veröffentlicht hatte, wurde wegen der Überschrift „Ein harmloses Herbizid soll geopfert werden“ der Presserat eingeschaltet mit dem Antrag, eine Rüge zu erteilen. Der Rat wies das Ansinnen zurück.
Bleiben noch die zahlreichen Prozesse in den USA, bei denen der Chemiekonzern Bayer verurteilt wurde zu Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe, nachdem er den amerikanischen Pharmakonzern Monsanto übernommen hatte. Die Kläger hatten geltend gemacht, dass sie an Krebs erkrankt seien, nachdem sie dem glyphosathaltigen, von Monsanto entwickelten Pflanzenschutzmittel „Roundup“ ausgesetzt gewesen waren. Können die Urteile ein indirektes Indiz sein für die tatsächliche Kanzerogenität? Überraschend zwar, aber völlig zu Recht, flossen sie kaum in die wissenschaftliche Debatte ein.
Allzu bekannt schließlich sind die ganz eigenen Gesetze, nach denen US-Gerichte aus rätselhaften Logiken Schadenersatz zusprechen, und dies auch noch in phantastischen Höhen. Allerdings scheint der Einfluss auch umgekehrt nicht zu laufen: Auf harte wissenschaftliche Beweise für die Verursachung der Krankheiten konnten sich die Kläger schließlich nicht berufen. Und auch wenn gerade wieder die Jury eines Gerichtes in Missouri den Konzern erstinstanzlich dazu verdonnerte, drei Klägern 1,5 Milliarden Dollar zu bezahlen – in letzter Zeit gab es dann auch Urteile zugunsten von Bayer, zudem wurden ursprünglich ähnlich horrende Summen an Schadensersatz auf einen Bruchteil zusammengestrichen.
Bayer selbst scheint optimistisch zu bleiben, was die künftige Beurteilung der gesundheitlichen Auswirkungen von Glyphosat angeht. Seine milliardenschweren Verluste durch die Gerichtsentscheidungen haben den Konzern nicht daran denken lassen, die Produktion von „Roundup“ einzustellen, die derzeitige Krise des Konzerns ist anderen Problemen geschuldet. Von daher also darf Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir keine Unterstützung erwarten, keinen Schub in dem Gegenwind, dem er nun, nach der weiteren Zulassung aus Brüssel, in der weiteren Diskussion über Glyphosat ausgesetzt sein wird.
Ulli Kulke ist Journalist und Buchautor. Zu seinen journalistischen Stationen zählen unter anderem die „taz“, „mare“, „Welt“ und „Welt am Sonntag“, er schrieb Reportagen und Essays für „Zeit-Magazin“ und „SZ-Magazin“, auch Titelgeschichten für „National Geographic“, und veröffentlichte mehrere Bücher zu historischen Themen.

Als gewerbsmäßiger ehemaliger Anwender von Glyphosat in der Freilandgemüseproduktion empfehle ich allen, sich einmal für 10 Tage auf einem mit bspw. Roundup besprühten Acker zu setzen und zu schauen, was passiert. Zum Zeitpunkt vor dem Ausbringen des Unkrautvernichters liegt das Feld, frisch mit der Kultur, bspw. diversen Kopfkohlarten, eingesät völlig bewuchslos schwarz vor einem. Keine Biene weit und breit, warum auch, blüht ja nichts. Wegen der unterschiedlichen Keimzeiten zeigen sich zuerst die Unkräuter, bspw. die Vogelmiere. Da das Glyphosat ein Kontaktherbizid ist, bei dem nur die Teile absterben, die auch vom Aerosol getroffen werden ( weswegen es bei Wurzelunkräutern nur zeitweise am ausgetriebenen Laub wirkt, aus den Wurzeln sofort wieder ein Neuaustrieb beginnt, bspw. Distel oder Löwenzahn ) wird nun gespritzt. Die auflaufende Unkräuter werden getroffen und im sensiblen Zustand der frischen Blattbildung quasi erschlagen. Eine Woche später zeigen sich die Sämlinge der Kulturpflanzen, und oh Wunder, keinerlei Herbizidwirkung. Die wachsen einfach munter weiter. Hm? Verweise auf Glyphosat in Fleisch oder Milch oder Gemüse sind schon aus logischer Sicht völliger Blödsinn. Wenn eine Planze Glyphosat intus hätte, dann würde es sie einfach nicht mehr geben. Und zwar umgehend. Wie soll sie es in den Supermarkt schaffen?! Was müßten Kühe fressen, um Glyphosat in ihrer Milch zu haben ? Nicht mehr existierendes Gras ? Wenn es grün ist, kann kein Glyphosat drin sein !!! Die Diskussion ist so schlicht und intellektuell unterbelichtet wie dieses ganze Land. Die einzige Möglichkeit, weltweit, an Glyphosat zu sterben, ist, jeden Tag ein Glas Konzentrat zu trinken. Man möchte es den Verbotswollern einfach nur anraten, es zu tun, damit sie im Selbstversuch beweisen können, wie richtig ihr langes Tun war. Tut es doch endlich. Bitte. Vielleicht kann man dann später wieder vernunftbasiert diskutieren.
Das die EU die Zulassung gab, liegt daran das die Firma Bayer AG mit Lauterkrach-Drosten Anhang, die gerne Menschenversuche an Kindern in Portugal durchführt, die Blackwater Firma Monsanto kaufte. Wer sonst, wenn nicht die EU Bürger sollen deren aber zig Milliarden Dollar Verluste aufessen? „Glyphosat-Klagen US-Regierung stellt sich gegen Bayer.“ Alleine die Übernahme war und ist immer noch ein gigantisches Desaster. Sollte Glyphosat verboten werden, würde die Bayer AG wohl die EU verlassen. Geld oder Leben. Wenn ich schon den Begriff „Nutzpflanzen“ lese bekomme ich Pickel. Jedes Jahr gibt es neue Kartoffelsorten dank den DNA Crisp Gen-/Saatgutpanscher. Heutige Massen-Nutzpflanzen haben weder Vitamine, Spurenelemente noch irgendwelche lebensnotwendige Stoffe für den Menschen. Und noch weniger Geschmack. Einfach mal den Begriff Biofortifikation nachgehen. Dahinter versteckt sich der Trick wie GMO Obst-Gemüse BIO wird. Die doppelte DNA Panscherei. P.S. In Brot findet sich immer mehr Wasser, von 10 bis sogar 50%. Gemahlenes Gras, Stroh, inzwischen teil einer Nutzpflanze, wird von Nestle als Frühstückscerealien verkauft. Einfach mal das Kleingedruckte auf den Verpackungen genau lesen. Für den verhausschweinten Mensch die richtige Nahrung, Stroh genannt. Demnächst Maden, Ratten und Kakerlaken, sind auch Proteine.
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man es hier mit einem pawlowschen Reflex zu tun hat: die Grünen sind gegen etwas, also sind wir für dieses Etwas, nur um gegen die Grünen zu sein…
Dass es sich bei dieser Glyphosatgeschichte einfach nur um ein Feigenblatt für die Grünen handelt, die natürlich gegen ein Verbot von Glyphosat sind, weil nämlich ihre Vorgesetzten in der EU, bei Monsanto/ Bayer usw. das so wollen…? Ist noch niemand drauf gekommen, bei der Achse. Naja.
Ich vertraue da lieber auf diese alte Doku von 2015 mit dem dänischen Schweinezüchter, die ausnahmsweise (damals gab es ausnahmsweise noch guten Journalismus im ÖRR) sehr gut und seriös gemacht war, statt den unzähligen vom Hersteller finanzierten Reinwasch-Studien.
Ach ja: und das andere Zeug (Agent Orange etc) wird natürlich nicht STATT Glyphosat sondern ZUSAMMEN mit Glyphosat auf die Felder gestreut. Also ist es nicht so, wie der Artikel suggerieren möchte, dass nach Glyphosat noch etwas viel schlimmeres droht, denn es ist schon da.
Tja, dann ist es eben nicht verboten. Ein Grund zur Freude, weil die Grünen gescheitert sind (wollten sie scheitern?) ist es vielleicht – in der Sache ganz sicher nicht.
Es kommt hier eher selten vor, aber dies ist dann doch mal ein Artikel, dem ich überhaupt nicht zustimmen kann.
Ich denke, so groß ict der Unterschied gar nicht, zwischen globalen Konzernen, die hochwirksame Gifte in Megatonnen herstellen und auf der anderen Seite den Konzernen, die hochwirksame Gentherapeutika für 7 Milliarden Menschen herstellen. Letztendlich ist ein großer Teil der „Pharma-Riesen“ aus den „Chemie-Giganten“ hervorgegangen. Und es soll auch niemand sagen, es hätte keine fruchtbringende geschäftliche Zusammenarbeit zwischen Hollerith-IBM und I.G.Farben gegeben. Nur Verschwörungs-Theoretiker und Diskreditierer des Staates haben das damals vertuschen wollen. Und was mich betrifft, so glaube ich, eine Praxis, die ganz ohne Theorie auskommt, kann nur falsch sein. Der Homo sapiens weiß was er tut, im statistischen Mittel wenigstens. Wir sind doch keine Ameisen oder Bienen. Wenn wir arbeiten, wissen wir warum. Aber wenn wir nicht arbeiten, wissen wir es auch. Also eigentlich wäre die Bezeichnung Homo faber sapiens richtig. Vielleicht kann man da an dem zuständigen Chromosom bald mal was machen. Schaumermal. Ich habe Popcorn aus genetisch verstärktem Mais. Oder aus was machen die das wirklich?
meine Mutter ist nach jahrelangem Gebrauch von „roundup“ an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt…ganz knapp überlebt…
Der Artikel ist aus mindestens zwei Gründen dumm. Erstens hat die zumindest erklärte Alleinentscheidung der EU zur Weiterzulassung von Glyphosat Özdemir entlastet. Er kann jetzt sagen, er wurde nicht beteiligt. Und zweitens ist Glyphosat notwendig für die agrarindustrielle, konventionelle Wirtschaftsweise. Und die Grünen unterstützen dies, allerdings mit der Forderung von 30% agrarindustrielem Bioanbau.