Anuradha Mittal, die mutmaßliche Hauptverantwortliche für eine Anti-Israel-Kampagne des Eiscremeherstellers Ben & Jerry’s und bisherige Vorstandsvorsitzende der Firma, ist im Zuge der Einführung einer Amtszeitbegrenzung nicht erneut zur Wahl zugelassen worden. Dies geschah im Zusammenhang mit der Abspaltung des Eiscremegeschäfts des Unilever-Konzerns, zu dem Ben & Jerry’s gehört. Es läuft nun unter dem Namen Magnum Ice Cream Company und ist am 8. Dezember an die Londoner Börse gebracht worden.
Durch die Amtszeitbegrenzung von neun Jahren sind alle Direktoren, die länger im Amt waren, nicht mehr zur Wiederwahl berechtigt, was Mittal, aber auch zwei weitere langjährige Mitglieder betrifft. Mittal hat ihren Posten mit sofortiger Wirkung verloren. Sie war seit 2007 Mitglied des unabhängigen Vorstands von Ben & Jerry’s und hatte den Posten der Vorsitzenden seit 2018 inne.
Die Maßnahme folgte auf interne Überprüfungen und einen langjährigen Konflikt über Governance und die Ausrichtung des Unternehmens zwischen dem Marken-Management und der früheren Muttergesellschaft mit dem Ziel, die Leitung des unabhängigen Vorstands zu stärken und die Corporate-Governance-Strukturen zu modernisieren.
Ben & Jerry’s hatte im Juli 2021 mit der Ankündigung Schlagzeilen gemacht, kein Eis mehr im „besetzten, palästinensischen Territorium“ verkaufen zu wollen, da dies nicht in Einklang mit den „Werten“ des Unternehmens stehe. Es blieb unklar, wie Ben & Jerry’s seine Politik in der Praxis umsetzen und die Maßnahmen vor Ort überwachen wollte. Auch war der Schritt offenbar weder mit dem Mutterkonzern Unilever noch mit dem israelischen Franchisenehmer abgestimmt. Unilever-Chef Alan Jope bekräftigte damals in einer Telefonkonferenz, das Unternehmen bekenne sich voll zu seinem Geschäft in Israel und wolle die Marke dort weiterführen, auch wenn Ben & Jerry’s selbst den Verkauf in den Siedlungen nicht fortsetze – eine klare Abgrenzung von der aktivistischen Position der Tochtermarke.
Unilever versuchte zudem, wirtschaftliche und politische Risiken – etwa die Gefahr von Sanktionen in den USA – zu begrenzen, indem es die Debatte um den Boykott nicht mittrug und die Kontinuität der Marke in Israel sicherstellte. 2021 verkaufte Unilever die israelische Tochterfirma an den lokalen Lizenznehmer American Quality Products (AQP). Dieser lokale Betreiber führt die Marke in Israel und dem Westjordanland weiter, wenn auch unter einer anderen rechtlichen Struktur. Ben & Jerry’s selbst kritisierte diese Transaktion, weil sie seiner Ansicht nach den ursprünglichen „Werten“ und der boykottbezogenen Politik widerspreche.
Im Juli 2021 bezeichnete die pro-israelische Organisation Stop Antisemitism Anuradha Mittal als ihre „Antisemitin der Woche“. Die Website nannte Mittal die treibende Kraft hinter der Entscheidung von Ben & Jerry’s, den Vertrieb ihrer Produkte in israelischen Siedlungen in Gebieten einzustellen, deren Souveränitätsstatus zwischen dem Staat Israel und den palästinensischen Arabern umstritten ist. Stop Antisemitism warf Mittal außerdem vor, „seit Langem antisemitische Anliegen zu unterstützen“. Die Organisation zitierte Berichte, in denen Mittal Israel der „Apartheid“, des „Kolonialismus“ und der „Landnahme“ beschuldigt.
Ein Institut gegen Israel
Anuradha Mittal gründete 2004 das Oakland Institute, dessen Executive Director sie ist. Vordergründig sind ihre Themen Land, Agrarpolitik und Ernährung. Doch wie ihr X-Account zeigt, ist dies nur Fassade für ihr eigentliches Steckenpferd, den Kampf gegen Israel, das sie als „kolonialistisches Apartheidregime“ dämonisiert und ihre meisten Tweets widmet.
Das Oakland Institute produziert Studien, Reports und Policy Papers, die an Regierungen, UN-Organisationen und Medien gerichtet sind. Man kann von einer Narrativ-Maschine sprechen. In die Sprache von Menschenrechten verpackt, unterstützt das Oakland Institute die antisemitische Boykottkampagne gegen Israel.
Das hatte auch Einfluss auf Ben & Jerry’s. 2018 brachte das Unternehmen eine Eiscreme mit dem Namen „PeCAN Resist!“ auf den Markt. Mit dem Erlös sollten Anti-Trump-Gruppen unterstützt werden, unter ihnen der Women’s March, zu deren Co-Vorsitzenden damals noch Linda Sarsour und Tamika Mallory gehörten, die später wegen ihres Antisemitismus ausgeschlossen wurden. Beide rufen zum Boykott Israels auf und verteidigen Louis Farrakhan, den Hitler-Verehrer und Chef der offen antisemitischen Organisation Nation of Islam. Vorgestellt wurde die neue Eissorte im Beisein von Linda Sarsour.
Mittal war auch eine frühe Unterstützerin von Zohran Mamdani, dem künftigen New Yorker Bürgermeister, der den jüdischen Staat ablehnt. Das Oakland Institute hat Mittal in den Jahren 2017 und 2018 laut New York Post insgesamt 156.000 Dollar Gehalt überwiesen und soll im selben Zeitraum 100.000 Dollar von der Ben & Jerry’s Foundation erhalten haben. Das ist nicht illegal, wirkt aber, wenn der Bericht stimmt, als hätte Mittal Ben & Jerry’s benutzt, um ihr eigenes Institut zu stärken und so indirekt in die eigene Tasche gewirtschaftet.
Darüber hinaus wird Mittal vorgeworfen, ihre Rolle in der Ben & Jerry’s Foundation zu benutzen, um extremistische Projekte zu finanzieren wie etwa das Badil Resource Center for Palestinian Residency and Refugee Rights, das Israel des „Kolonialismus“ und der „Apartheid“ bezichtigt. Eine von Badil veröffentlichte Karikatur im Stürmer-Stil zeigt eine Figur, die ein ultraorthodoxer Jude sein soll; schwarz gekleidet, mit Hut und Schläfenlocken. Er hat eine Hakennase wie in den Stürmer-Karikaturen und blickt wie in diesen grimmig und mit gefletschten Zähnen. Er steht auf einem Fundament, das die Jahreszahl 1948 und zwei Davidsterne zeigt.
In der linken Hand hält er etwas, das aussieht wie der Dreizack in Darstellungen des Teufels, aber auch eine Menorah ist, an deren Spitzen Blut klebt. In der rechten Hand hat er moderne Haustürschlüssel, auf denen „USA“ und „Großbritannien“ steht. Unter dem Fundament sieht man Sterbende und Totenschädel. Eine Frau mit Kopftuch, die offenbar eine Palästinenserin darstellen soll, hält mit letzter Kraft einen großen Schlüssel, auf dem der arabische Schriftzug „al-ʿawda“ steht, was „Rückkehr“ heißt. Juden werden also zum einen in klassisch-antisemitischer Manier dargestellt und mit dem Teufel in Beziehung gesetzt. Zudem wird suggeriert, der Staat Israel sei auf den Gebeinen von Menschen errichtet, die die Juden – identifiziert mit Amerika und Großbritannien – ermordet hätten, und habe keinerlei Existenzrecht.
Das Badil Resource Center erhält seit 2019 keine Mittel mehr von der Europäischen Union, da es sich weigerte, sich von Terrorismus zu distanzieren.
Eis mit Wassermelonengeschmack
Anuradha Mittal hatte noch kürzlich erklärt, keine Pläne zu einem Rücktritt zu haben und bezeichnete die Bemühungen, sie zu entfernen, als einen Versuch von Unilever, „die Autorität des Vorstands selbst zu untergraben“. Ben Cohen, einer der Gründer von Ben & Jerry’s, hat die Muttergesellschaft Magnum Ice Cream Company scharf kritisiert und ihr in einem Interview mit CNBC vorgeworfen, die Marke zu „zerstören“.
Der von Unilever eingesetzte Ben-&-Jerry’s-CEO Jochanan Senf hatte erklärt, Änderungen an den Bedingungen für den Verwaltungsrat – darunter die Amtszeitbegrenzung auf neun Jahre, die Einführung fester Abläufe und Protokolle für die Zusammenarbeit sowie die Verpflichtung zur Einhaltung des Magnum-Kodex für geschäftliche Integrität – würden Unternehmensführung und Transparenz stärken. Cohen hingegen bezeichnete die Stellungnahme Magnums zu diesen Governance-Änderungen als „orwellianisch“. „Sie sagen, sie stärkten die soziale Mission, während sie diese in Wirklichkeit zerstören. Sie sagen, sie machten den Verwaltungsrat zukunftsfest, während sie ihn tatsächlich zerschlagen. Das ist ein weiterer verzweifelter Machtgriff“, so Cohen gegenüber CNBC.
Cohen kritisierte das Management der Marke und erklärte, dieses verkenne, dass der wirtschaftliche Wert von Ben & Jerry’s eng mit seiner Rolle als Unternehmen verbunden sei, das sich ausdrücklich am Gemeinwohl und nicht ausschließlich an Gewinnmaximierung orientiere. Ben & Jerry’s erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Dollar und war damit der drittgrößte Umsatzträger unter den mehr als hundert Marken des Konzerns.
Ben Cohen vertrat zugleich die Auffassung, die Investoren könnten wirtschaftlich besser gestellt sein, wenn die Magnum Ice Cream Company die Marke Ben & Jerry’s veräußern und das Kapital in den Erwerb anderer Firmen im mittleren Preissegment investieren würde, da dies dem Kerngeschäft des Unternehmens entspreche. Unilever und Magnum haben wiederholt erklärt, dass Ben & Jerry’s nicht zum Verkauf steht. Cohen und Mitgründer Jerry Greenfield unterstützen jedoch die Initiative #FreeBenAndJerrys, mit der sie das Unternehmen auffordern, die Marke an eine Investorengruppe zu verkaufen, welche die „soziale Mission“ von Ben & Jerry’s respektiere.
Auch im vergangenen Sommer gab es bei Ben & Jerry’s einen Nahostkonflikt. Cohen erklärte, dass Unilever und dessen Ausgründung, die Magnum Ice Cream Company, Ben & Jerry’s daran gehindert hätten, eine „Eissorte für Palästina“ zu entwickeln. „Also mache ich das, was sie nicht konnten“, sagte er, während er in einem auf X veröffentlichten Video Wassermelonen zu Saft zerdrückte. „Ich stelle ein Eis mit Wassermelonengeschmack her, das zu dauerhaftem Frieden in Palästina aufruft und dazu, alle dort verursachten Schäden zu reparieren.“ Cohen forderte Unterstützer dazu auf, Vorschläge für Zutaten und das Design von Eisbechern einzureichen. Der Gewinner werde erleben, dass seine Geschmacksrichtung produziert und das entsprechende Design gedruckt werde.
Ein Sprecher der Magnum Ice Cream Company bestätigte, Mitglieder des unabhängigen Vorstands der Marke hätten die Entwicklung einer Eissorte zur Würdigung der Palästinenser vorgeschlagen. Der Vorstand sei jedoch nicht für die kommerzielle Strategie von Ben & Jerry’s verantwortlich. „Empfehlungen werden von der Führung von Ben & Jerry’s geprüft, und das Management von Ben & Jerry’s ist zu dem Schluss gekommen, dass es derzeit nicht der richtige Zeitpunkt ist, in die Entwicklung dieses Produkts zu investieren“, sagte der Sprecher gegenüber der Washington Post. Weiters hieß es, Ben & Jerry’s engagiere sich in anderen politischen Kampagnen, etwa für die bessere Unterbringung von Flüchtlingen in Großbritannien sowie für den Schutz der Meinungsfreiheit in den USA.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf MENA-Watch.

Werter Herr Frank, stehe voll hinter Ihrem Artikel, denn wer aus politischen Gründen kein Business macht, ist ein gesichert Linksextremer. Aber irgendwie erinnert mich das fatal an die Vorgänger des Jüdischen Weltkongresses in 1933, die mit „Boycott over Nazi-Germany“ loszogen, Sie nicht auch?
Danke, lieber Herr Frank für diesen Artikel. Danke an Unilever für diese erfreuliche Entwicklung.
Linker Gratismut. „Das deutsche Migrationssystem ist rassistisch!“ steht auf der Homepage. Und auch sonst wird kein Stereotyp westlicher Verwirrung ausgelassene. Typisch fünfte Kolonne. „Russia threatens Ukraine with its troops, so Ben & Jerry’s blames the U.S.“
Wie jetzt? Politische Eiscreme? Bis dato dachte ich, dass man allgemein auf der Vorstandsebene vor Allem sein wichtiges Gesicht bei Nah – und Fernreisen auf anödenden Konferenzen zu Markte trüge. Dass die sich aber derartig langweilen, hätt ich nicht gedacht. Wenn dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis. Go woke , get broke.
Ganz einfach: es gibt zum Glück andere Speiseeis-Hersteller. Bessere ohnehin.