Peter Grimm / 14.11.2019 / 14:30 / Foto: Pixabay / 6 / Seite ausdrucken

Kein Anschluss in Berlin

Manchmal fragt man sich, ob diese ewige Nörgelei über das Land Berlin als failed state der Bundesrepublik nicht etwas überzogen ist. Als Leidtragender am Nichtfunktionieren der Berliner Verwaltung übersieht man vielleicht, dass es woanders auch nicht besser ist. Gut, ich habe selbst erlebt, dass die Ausstellung eines Personalausweises in Leipzig ohne die in Berlin übliche vorherige nervenzehrende Terminreservierung Monate im Voraus beantragt werden kann. Dort ging es einfach mit Wartemarke, kaum Wartezeit an einem Samstag-Nachmittag bei freundlichen Mitarbeiterinnen – also für Berliner Bürger quasi paradiesische Bedingungen, die einen schon ins Verwaltungs-Exil locken können. Auch, wenn das behördliche Fremdgehen einen kleinen Aufpreis kostet.

Aber gut, man will ja nicht ungerecht sein. Bei den vielen, vielen Erlebnissen des Staatsverfalls in der heimischen Hauptstadt und den positiven Erlebnissen im Leipziger Bürgeramt kann es sich ja um Einzelfälle handeln. Doch kaum ist man einmal in einer versöhnlichen Phase im Hinblick auf die multiple Versagenskultur im Land Berlin, drängt sich die nächste Nachricht auf, mit der alle schlechten Erfahrungswerte wieder offizielle Bestätigung finden. So teilt der Deutsche Bundestag mit, was das Bundesministerium der Finanzen der FDP-Fraktion auf die Frage nach dem Zustand des abgesicherten Netzwerks für Videokonferenzen der Finanzverwaltungen von Bund und Ländern geantwortet hat:

„Dieses geschlossene abgesicherte Netzwerk ermögliche über eine vorhandene Infrastruktur die Zusammenschaltung von bis zu 30 Teilnehmern. Das Land Berlin verfüge derzeit über keinen Anschluss an das Verbindungsnetz, teilt die Bundesregierung weiter mit.“

Damit sei – diese Information enthielt die Bundestagsmitteilung schon in der Überschrift – das Land Berlin das einzige der deutschen Länder ohne diesen Anschluss. Die deutsche Hauptstadt ist offenbar doch ein ganz besonderer Einzelfall.

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Dr. Karl Wolf / 14.11.2019

Berlin ist die Hauptstadt - der Verdreckung, Vermuellung, Versifftheit. Mahnmal importierter Gewalt und unfähiger politischer Führung. Berlin ist nicht sexy sondern eine Schande für ein sogenanntes Hightecland.

Wolfgang Kaufmann / 14.11.2019

@Dragan Isakovic — In der Tat hält sich der Deutsche schon für weltläufig, weil er mal einen Tango getanzt oder eine Pizza gegessen hat. Seit der Wiedervereinigung ist dieses Völkchen aber verhockter und spießiger, bräsiger und narzisstischer denn je. Alle Informationen der Welt sind mit drei Klicks erreichbar; aber wo informiert sich der Michel und die Micheline? In der Aktuellen Kamera und im Stürmer. Auch wenn diese inzwischen anders heißen.

Wilfried Cremer / 14.11.2019

Zeitsprung: Zwischen Stadt und Speckgürtel befindet sich ein breiter Streifen, wo die Slums gewachsen sind, der Megamerkelhambi von Berlin.

Rudhart M. H. / 14.11.2019

Wie gesagt, ich bin für die Wiedererrichtung der Mauer, nur diesmal nicht querdurch, nein diesmal außen rundherum.

Sabine Lotus / 14.11.2019

Nicht ans Netzwerk angeschlossen. Hmm…leben die dort wohl in einer Blase? Schickt doch mal eine Brieftaube hin, vielleicht wird dann um 5:45 Uhr zurückgetrommelt.

Dragan Isakovic / 14.11.2019

Seit meiner Emigration nach Südamerika erkenne ich immer besser, das Deutschland der Sonderfall ist. Der aufgebohrte Lokalpatriotismus, die Verschmähung der eigenen Nationalfahne, die politisch geförderte Beschimpfung Ost-West, die Verachtung der Hauptstadt usw. Und alle fühlen sich dabei im Recht, haben sich ihre eigene Moral zusammen geschnitzt, als ob das ein oder andere hämische Wort vor den Konsequenzen der schlechten Bundes- und Landesregierungen schützen würde. Also von außen Betrachtet: Nicht Berlin, Deutschland. Und zwar alle zusammen, wie sie diesen Weg so gehen.

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