Vor sechs Jahren, genau fünf Tage vor dem zweiten Coronalockdown, schrieb ich einen Artikel (hier), über die in der Energiepolitik überall durchscheinende Dummheit, die in sinnloser Verschwendung mündet und tieftraurig macht. Eigentlich wollte ich eine Komödie schreiben, da der Stoff eine absurde Posse beschrieb. Aber es wurde eine Tragikomödie. Damals kannte noch niemand den Ausgang der Story. Ich nahm sicher an, dass das Kraftwerk Moorburg in die Leistungsreserve überführt würde. Ich dachte, eine solche Anlage zerstören – das können die doch nicht machen. Wie habe ich mich geirrt. Es ist wie bei den Bundeskanzlern seit der Rautenkanzlerin, wo ich auch meinte, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Wie habe ich mich geirrt.
Mein Beitrag begann mit der Betrachtung, was man mit 3.000 Millionen Euro so alles machen könnte. Ich schrieb das, weil ich dunkel ahnte, dass viele Menschen sich unter dem Begriff Milliarde nicht viel vorstellen können. 2020 waren drei Milliarden – also 3.000 Millionen – auch für deutsche Regierung noch allerhand Geld. Das hat sich geändert. Heute zahlt Deutschland allein für die angehäuften Staatsschulden und „Sondervermögen“ pro Jahr 50.000 Millionen Zinsen pro Jahr.
Ab 2007 wurde in Hamburg ein neues Kraftwerk gebaut, eine Doppelblockanlage mit rund 2 × 800 MW, das Steinkohlekraftwerk Moorburg. Eigentümer war der schwedische Staatskonzern Vattenfall. Es ging 2015 in Betrieb, kostete rund 3 Milliarden Euro. Moorburg galt als eines der modernsten Kraftwerke Europas, das ganz Hamburg einschließlich der dazugehörigen Industrie mit Strom versorgte. Die hochmoderne Anlage verursachte bei voller Leistung rund ein Viertel weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Steinkohlekraftwerken. Das Kraftwerk erreichte den sensationellen Wirkungsgrad von 46,5 Prozent und war konstruktiv aufwändig so gebaut, dass es schnelle Lastwechsel zum Ausgleich der schwankenden Windenergieeinspeisung durchführen konnte.

Grenzwerte einfach herabgesetzt
Die politischen Begleitumstände um das Steinkohlekraftwerk im Hamburger Süden sind typisch für die deutsche Industriepolitik. Kraftwerke sind ungeliebte, ja gehasste Kinder. Behördenwillkür, Schikane und Prozesshanselei begleitete die gesamte Bauphase. Mitten im Bauprozess wurden die Umweltauflagen massiv verschärft. Die Vattenfall-Ingenieure hatten nämlich alle Werte des Bundesimmissionschutzgesetzes unterboten. Die Behörde senkte einfach die Grenzwerte der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung unter die beantragten Werte. Doch schafften es die Ingenieure, unter enormem Aufwand, auch die verschärften Werte zu erreichen. Dann wurde Vattenfall die Nutzung von Elbwasser zur Kühlung untersagt, also musste ein Kühlturm gebaut werden. Der durfte aber nicht zu sehen sein. Also musste Vattenfall einen niedrigeren, aber zwangsbelüfteten Kühlturm bauen. Dieser verbrauchte für seine Gebläse die elektrische Leistung einer Kleinstadt.
Das Kraftwerk sollte auch die Fernwärmeversorgung von Hamburg übernehmen und wurde aufwändig dafür ausgerüstet. Um die Fernwärmeauskopplung zu nutzen, musste natürlich das Kraftwerk an das Fernwärmenetz von Hamburg angeschlossen werden. Die dafür nötige Fernwärmeleitung wurde auf Druck von Bürgerinitiativen und BUND nicht genehmigt. Es hätten nämlich 400 Bäume gefällt werden müssen. 300 Millionen futsch, sprichwörtlich durch den Schornstein gejagt. Als wäre das alles noch nicht genug, mussten Teile der Anlage – 36.000 Quadratmeter mit speziellem Muster für 15 Millionen Euro – von außen verklinkert werden. „Damit sie sich ins Stadtbild von Moorburg einfügen“. Auf dem Foto sieht man deutlich, wie sinnvoll diese politische Forderung war.

Am 18. November 2015 weihte Olaf Scholz, das supermoderne Kraftwerk Moorburg ein. Es sollte jetzt mindestens 25 Jahre bis 2040 laufen, um dann modernisiert zu werden. Der Umgang der Hamburger Politik mit Moorburg war gekennzeichnet durch grobe Fahrlässigkeit. Weder verfolgte der Senat jemals eine nachvollziehbare Energiepolitik, noch hatte die Stadt irgendeine ökologisch vernünftige Alternative zu Moorburg. Die kostentreibenden Betriebsbehinderungen zeigten ihre Wirkung. Auch die Vorrang-Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom führte dazu, dass Moorburg im ersten Halbjahr 2020 über 800 Millionen Euro Verluste schrieb. Dazu kam die Aussicht auf weitere Zusatzkosten durch die neue CO2-Steuer ab 2021.
Schikaniert und ruiniert
Die Manager von Vattenfall zogen die Reißleine. Die Rotgrünen hatten Vattenfall jahrelang derartig schikaniert und ruiniert, dass das Unternehmen offenbar keinen anderen Ausweg als die Stilllegung mehr sah. Vattenfall nahm mit Moorburg am Ausschreibungsverfahren zur Reduzierung der Verstromung von Steinkohleanlagen und Braunkohle-Kleinanlagen zum Gebotstermin 1. September 2020 teil. Am 1. Dezember 2020 wurde das Ergebnis des Verfahrens gemäß § 24 Abs. 1 Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) von der Bundesnetzagentur öffentlich bekanntgegeben. Beide Moorburg-Blöcke erhielten neben neun weiteren Kohleblöcken einen Zuschlag, wodurch das Vermarktungsverbot am 1. Januar 2021 und das Kohleverstromungsverbot für diese Blöcke im Juli 2021 in Kraft traten. Einen Zuschlag für zwei Verbote, wenn das nicht ein Euphemismus ist?
Moorburg war zum Zeitpunkt seiner Abschaltung gerade mal sechs Jahre alt. Es war sozusagen ein Kraftwerks-Teenager, der ermordet wurde. Es hätte gut und gerne noch 50 Jahre Strom erzeugen können. Jedes andere Land der Welt hätte sich glücklich geschätzt, so ein Kraftwerk zu haben.
Doch Hamburgs grüner Umweltsenator Jens Kerstan bejubelt die Stilllegung. „Das Kraftwerk Moorburg war von Anfang an überdimensioniert, unwirtschaftlich und aus der Zeit gefallen. Es ist für den Klimaschutz eine gute Nachricht, wenn es jetzt deutlich früher vom Netz geht als ursprünglich geplant. Mit der Stilllegung Moorburgs werde der Kohleausstieg in Hamburg nun nicht nur in der Wärme deutlich früher vollzogen als im Rest der Republik. Wir schaffen so auch den gesamten Kohleausstieg in Hamburg bis spätestens 2030."
Ich lebte 2020 noch in dem Wahn, dass wenigstens ein Minimum von Vernunft dazu führen würde, dass die Netzbetreiber Moorburg als „Systemkraftwerk“ einstufen und das Kraftwerk als Notreserve stehen bliebe, wenn auch der Steuerzahler das künftige Stand-by teuer bezahlen muss. Wie habe ich mich wieder geirrt.
Die Vandalensekte leistete ganze Arbeit. Im November 2024 wurde der 140 Meter hohe Doppelschornstein gesprengt. Dann kamen die Kesselhäuser dran. Die waren so solide, dass der erste Sprengversuch im März 2025 scheiterte. Nur eines der beiden Kesselhäuser fiel. Der zweite Versuch am 30. April 2025 war erfolgreich, wobei die Sprengsätze an den äußeren Trägern des rund 100 Meter hohen Kesselhauses detonierten. Im Juli 2025 wurden die beiden massiven Kohlekreislager gesprengt. Diese waren zentrale Bestandteile der früheren Kohlelogistik und mit dem Anlandehafen und den Kesselhäusern durch Förderbandbrücken verbunden.

Die Abschalter und Indieluftsprenger haben jedes Maß verloren
Nun sollen als Ersatz ganz viele Gaskraftwerke gebaut werden. Diese Gaskraftwerke müssen allerdings von irgendwem, irgendwie und irgendwo gebaut werden. Aber auf Steuerzahlerkosten, denn kein Investor, der bei Trost ist, wird das Risiko eingehen, ein Gaskraftwerk zu bauen, dass nur laufen soll, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Außerdem hat sich gerade der Gaspreis vervierfacht.
Die Abschalter und Indieluftsprenger haben jedes Maß verloren. 2022 ging das Kernkraftwerk Brokdorf mit seinen 1.500 MW vom Netz. Da fehlten schon 3.100 Megawatt im Nordnetz, und weitere zweitausend Millionen Euro waren vernichtet. Und in Niedersachsen gingen die Kernkraftwerke Grohnde mit 1.500 MW und Emsland mit 1.500 MW vom Netz. Dazu kamen im Süden die KKW Isar und Gundremmingen mit zusammen weiteren 2.900 MW. Glaubt irgendwer, dass diese 9.000 Megawatt Erzeugungsleistung für Grundlast im deutschen Netz nicht fehlen? Und weitere acht Milliarden Wert wurden – grob geschätzt – vernichtet.
Die Abschaltorgie geht ungebremst weiter. Schon heute kann Deutschland sich nicht mehr in jeder Situation selbst mit Strom versorgen und ist auf teure Stromimporte angewiesen. Es gab Tage, wo mehrere französische Kernkraftwerke ausschließlich für Deutschland Strom produzierten.
Auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg wird ein 100-MW-Elektrolyseur zur Wasserstoff-Erzeugung gebaut, der 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr erzeugen soll. Wenn man den grünen Wasserstoff aus Moorburg wieder in einer Gasturbine verstromt, kostet die erzeugte Kilowattstunde Strom realistisch etwa 25–45 ct/kWh. Der Grund dafür ist der schlechte Wirkungsgrad der Erzeugungskette. Im Resultat könnten – wenn alles klappt – in Moorburg statt 1.600 MW für ca. 3 bis 5 ct/kWh dann 100 MW zum Preis von 25 bis 45 ct/kWh erzeugt werden.
Kein anderes Land auf der Welt tut so etwas Dummes. Kein Land der Welt schüttet seine existierenden Brunnen zu, bevor die neu zu grabenden Brunnen Wasser geben.
Teil 1: Der Tod eines Kernkraftwerkes
Teil 2: Wie die Energiewende unsere Kraftwerke frisst: Mülheim-Kärlich
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mal überlegen …
In Saldo bis jetzt durch Subwirtschaft 53 Bill. € Volksvermögen zerstört oder abgeschrieben.
Das sind mehr Verluste als durch Krieg und Reparationszahlen, und freiwillig in die Asche gehen.
Ironie ende
Der Industriestandort Hamburg wäre mit dem Kohlekraftwerk Moorburg heute international wettbewerbsfähig, weil preislich unabhängig von Erdöl. Die Kriege der Russen und der USA wären für die Industrie Hamburgs bedeutungslos. Moorburg hätte sie mit einer Preisdifferenz von lässigen 50% abgefedert. Wie wir wissen wurde daraus nichts. Der Industriestandort Hamburg wird stattdessen abgewrackt, und Haushalte müssen den doppelten Preis für Fernwärme zahlen. Seitdem hat China über 300 neue KohleKraftwerke ans Netz gebracht, die technisch allesamt Moorburg weit unterlegen sind. Ich war persönlich betroffen von der Sprengung Moorburgs, sowohl beruflich (Hafen Hamburg), als auch privat (Wohnort Hamburg West). ich hatte mich zum Thema mehrfach geäußert, siehe hier: achgut com leserkommentar_der_woche_die_kraftwerkssprengung_war_schlimmer
Es sei darauf hingewiesen, daß die Vandalen zwar in Rom gehaust haben mögen, aber sie zum einen danach nach Hause fuhren, wo sie einen funktionierenden Staat unterhielten, zum anderen Rom darob nicht untergegangen ist. Wo die Grünen gehaust haben, werden nur Ruinen übrig bleiben und es wird nichts mehr funktionieren.
Die Geister, die ich rief, werd‚ ich nun nicht mehr los. Jetzt ist die Subkultur die Hauptkultur, das Miesmachen, Schleifenlassen, Rummotzen. War das das Ziel der Veranstaltung?
Die haben in diesen Kreisen nur eine Idee. Irgendwie kommen mir die Altfreaks vor, als wären die stehen geblieben, vielleicht auf einer AKW-Demo. Oder haben einen Stein an den KOpf gekriegt. Oder einem Festival mit 800 Dezibel Lärm. Vielleicht kam es da zur geistigen Kernschmelze? Und das haben die weiter gegeben an ihre Kinder. Die sind geistig irgendwie auch eingefroren. Vielleicht sind die auch von ihrer Propaganda blöde geworden. Zu viel davon, macht garantiert blöde. Hat das mal jemand untersucht? Wer nur in Parolen denkt, denkt der überhaupt?
Die haben den Anspruch, daß die Wirtschaft sozial ist. Die halten die Privatunternehmen für ein Sozialamt. Früher hat man den Witz gemacht, der Strom kommt aus der Steckdose. Tragischerweise wird genau das von solchen Grufti-Parteien wie Grüne, Linke und SPD kolportiert. Reichtum für alle.
Die Wirtschaftsthesen auf den Plakaten zeigen keine hohe Intelligenz. Eher einen Quotienten unter dem Meeresspiegel.
Der Kunde will umsonst Bahn fahren, aber der Fahrer soll 3 bis 5000 Euro verdienen.
Bei der SPD entschied den Wahlkampf wieder das Wir, aber seit LeBon wissen wir, daß der Mensch in der Masse blöder wird. Der IQ sackt in der Gruppe ab. Deshalb kommt es zu Kurzschlüssen wie: Oleee, oleoleole … oleee, oleee.
@Hierndl Lothar
Hamburg ist eine versiffte Stadt in der immer weniger funktioniert. Das Stadtpanorama zeigt noch das schöne Hamburg, wer näher tritt sieht den Verfall. Und Hamburg wird bewohnt von ahnungslosen, nichts wissenden Schäfchen, die die für dieses Verbrechens von Moorburg Verantwortlichen immer wieder wählen. Schlaf weiter du Schöne!
Ein in den Details noch einmal informativer und erschütternder Artikel.
Das Problem an dieser Geschichte ist: sie existiert für die meisten Menschen gar nicht. Alles gut, der „Umstieg auf die Erneuerbaren“ geht ja voran. Die Realität, auf die ich anspiele ist die, wo man z.B. sich nicht damit befasst, dass die Gasspeicher mal wieder recht leer sind und wir die höchsten Energiepreise aller G20-Staaten haben und ein Industriebetrieb nach dem anderen hier die Tore schließt – die Realität von ÖRR-Konsumenten u.ä. Aberwitziges Detail: die Umfragewerte der Grünen verbessern sich (!), langsam zwar, aber stetig.
Was stimmt mit den Leuten hierzulande eigentlich nicht? Es geht nicht um komplexes Insiderwissen, sondern um einfache Mathematik und glasklare Fakten. Und sie kriegen doch alle auch die Energiepreise um die Ohren geballert – und schließlich kann man doch mal ein klein wenig realisieren, dass es überall auf der Welt anders läuft!
Hamburg ist keine Stadt, in der nur Schwachsinnige und Charakterlose leben. Es ist auch keine prinzipiell „versiffte“ Stadt. Hamburg ist nicht Pittsburgh oder Dallas oder Marseilles. Hamburg ist nicht nur Udo Lindenberg. Hamburg ist nicht nur GRÜNE und der FC Sankt Pauli. Ein grundlegendes Problem ist es, dass eine fehlgeleitete (nicht per se „dumme“) Minderheit verbohrter Grünlinker die perfide Kraft haben kann, sehr Schlechtes und Zerstörerisches zu bewirken. So etwas widerspiegelt letztlich evolutionsbiologisch uraltes Rudeldenken (Rudel-Freund-Feind) und das Potential zum Hass, der leider in uns allen lauert. Bei mancher Minderheit kommt so etwas nur besonders stark durch. Möge ihnen irgendwann Weisheit und Gnade zuteil werden. Betet also auch für solche.