Stefan Frank / 20.05.2017 / 10:52 / 1 / Seite ausdrucken

Katastrophen-Alarm im ZDF - die Nakba

Wenn das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) über Israel berichtet, geht es nicht immer mit rechten Dingen zu. Letztes Jahr hatte der – von allen Deutschen über eine Zwangsgebühr finanzierte – Sender in einer Programmankündigung behauptet, israelische Schulbücher würden die Kinder zum „Töten“ animieren.

In dem betreffenden Beitrag der Korrespondentin Nicole Diekmann wurde die bekannte Anti-Israel-Aktivistin Nurit Peled-Elhanan (sie ist Gründerin des „Russell-Tribunals Palästina und nennt Israel einen „Apartheidsstaat“) interviewt, die unwidersprochen behauptete, israelische Schulbücher seien „rassistisch“. In der Schule, in den Nachrichten und auf der Straße“ werde israelischen Kinder gelehrt, „dass Palästinenser keine Menschen sind, mit denen man in Frieden leben oder gar befreundet sein kann“.

Für keine der Anschuldigungen wurde irgendein Beleg präsentiert. Wie auch im Fall der skandalösen WDR-Dokumentation über Geert Wilders und der von Markus Rosch in der ARD verbreiteten Wasserlüge wurde eine einzelne radikale Anti-Israel-Aktivistin als glaubwürdige Expertin vorgestellt, deren Urteil der Zuschauer vertrauen soll (bzw. muss, denn eine andere Meinung wird sicherheitshalber erst gar nicht zugelassen).

Mittlerweile begeht das ZDF auch den „Nakba-Tag“. Am 15. Mai kommentierte der Sender den Jahrestag der israelischen Staatsgründung auf Twitter mit einem Kurzfilm, und weil der Anlass so traurig war, dass es einem die Sprache verschlägt, wurden die Kommentare nicht gesprochen, sondern eingeblendet:

Zahlreiche Palästinenser haben heute mit Märschen an den Verlust ihrer Heimat nach der Staatsgründungs Israels 1948 erinnert #Nakba. Diese Schlüssel symbolisieren die verlassenen Häuser, die ihre Vorfahren zurücklassen mussten. ‚Rückkehr nach Palästinas‘. Seit 1948 erinnern die Palästinenser an jedem 15. Mai an die ‚Katastrophe‘. Damals wurde der Staat Israel gegründet. Für die Palästinenser war es ein Tag der Katastrophe. Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden 700.000 Palästinenser vertrieben. Israel schließt eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in das israelische Kernland aus, weil dies die jüdische Mehrheit im Land gefährden würde.

Don’t mention the war“, sagt John Cleese als Hotelbesitzer Basil Fawlty in der Comedyserie „Fawlty Towers“ immer wieder zu seinen Angestellten, als er Deutsche zu Besuch hat. Das scheint auch die Devise des ZDF zu sein. Liest man den Text, gewinnt man den folgenden Eindruck: Bis zu jenem 15. Mai 1948 herrschte Frieden zwischen Juden und Arabern. Dann kamen die Juden auf die Idee, einen eigenen Staat zu gründen und vertrieben aus heiterem Himmel „700.000 Palästinenser“.

Die Wirklichkeit war freilich völlig anders. An jenem 15. Mai war der Krieg, von dem das ZDF nichts wissen will, bereits in vollem Gange, und die Juden – denen die Briten, anders als den Arabern den Besitz von Waffen verboten hatten –  waren überall in der Defensive und vielerorts umzingelt. Einige politisch wichtige Daten:

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Marcel Seiler / 20.05.2017

Diese Israelfeindlichkeit ist nur zu erklären aus der Selbstfeindlichkeit der Deutschen und des Westens überhaupt. Anstatt stolz zu sein auf unsere Errungenschaften, sieht der Zeitgeist der medialen Klasse nur das Negative unserer westlichen Welt. Das ersehnte Positive wird dagegen hemmungslos auf die Völker der Dritten Welt projiziert. Und Israel ist in diesem Punkt einfach ein westliches Land (also “schlecht”) und die arabische Bevölkerung, hier die selbsternannten Palästinenser, sind “gut”. Es ist Irrsinn, doch es hat Methode.—Aus dieser Perspektive ist Israelhass übrigens nicht unbedingt Antisemitismus, sondern der Selbsthass der Intellektuellen der westlichen Kultur.

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