News-Redaktion / 28.10.2020 / 12:45 / 0 / Seite ausdrucken

Kassenärzte und Virologen fordern Corona-Strategiewechsel

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Ärzte und Wissenschaftler haben ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet. Sie empfehlen eine Änderung der Corona-Strategie, eine Abkehr vom Lockdown-Kurs und die Lagebewertung anhand anderer Zahlen, berichtet u.a. aerztezeitung.de. Wörtlich heißt es in dem Positionspapier:

Wir müssen uns ehrlich eingestehen: Dieses Virus wird uns die nächsten Jahre begleiten. Auch ein Impfstoff wird nur ein Mittel unter vielen zur Bekämpfung der Pandemie sein. Bisher konnte erst einmal ein Virus durch einen Impfstoff über jahrzehntelange Impfkampagnen ausgerottet werden. Deshalb müssen wir viel stärker darüber sprechen, wie das Zusammenleben trotz des Virus in größtmöglicher Freiheit stattfinden kann. Ein achtsamerer Umgang miteinander, als wir ihn bisher vielleicht gelebt haben, ist hierfür erforderlich. Wir setzen auf Gebote anstelle von Verboten, auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung. Verbote oder Bevormundung haben eine kurze Halbwertszeit und entsprechen nicht unserem Verständnis einer freiheitlich demokratischen Grundordnung.“

Sinnvoll sei die Abkehr von der Eindämmung der Infektionen mit dem Coronavirus allein durch die Kontaktnachverfolgung der Gesundheitsämter. Sinnvoll wäre auch die Einführung eines Ampelsystems auf Bundes- und Kreisebene, die Fokussierung der Ressourcen auf vulnerable Bevölkerungsgruppen und eine Risikokommunikation, die auf Gebotskultur statt auf Verbotskultur setze.

Unterzeichnet hätten das Positionspapier die Virologen Professor Hendrik Streeck (Universität Bonn) und Professor Jonas Schmidt-Chanasit (Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg) sowie die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Für die Autoren sei unstrittig, dass der Schutz von Risikogruppen im weiteren Verlauf der Pandemie ganz oben stehen müsse. Eine erneute Isolation der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen dürfe daraus aber nicht entstehen. Erforderlich seien Schnelltests für Besucher vor Betreten von Heimen und Krankenhäusern, regelmäßige Tests für das ärztliche, pflegerische und reinigende Personal, das Tragen von FFP2-Masken in diesen Einrichtungen und der Aufbau von Nachbarschaftshilfen für Menschen in Quarantäne. Die Autoren würden zudem die AHA-Regeln plus Lüften und das Nutzen der Corona-App befürworten.

Soziale Begegnungen in öffentlichen Räumen sind besser

Ein Ampelsystem müsse alle relevanten Kennzahlen, also auch die Anzahl von Tests sowie die stationären und intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten enthalten. Wissenschaft, Gesundheitsbehörden und Verwaltungen würden über ausreichend Daten verfügen, anhand derer das Pandemiegeschehen regional verfolgt und eingeschätzt werden könne.

Wieder auf Lockdown zu setzen, könnte eine „reflexartige Konsequenz“ aus der Entwicklung sein, schreiben Wissenschaftler und KBV in dem Positionspapier. „Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen“, mahnen die Autoren des Papiers. Sobald sich Anordnungen als widersprüchlich, unlogisch und für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellten oder von Gerichten außer Kraft gesetzt würden, entstehe ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Um wieder Veranstaltungen zulassen zu können, schlagen Streeck, Schmidt-Chanasit und die KBV-Vertreter eine wissenschaftliche und von den Gesundheitsämtern begleitete Untersuchung von Veranstaltungen mit Hygienekonzepten und Teststrategien vor. Ziel sei es, herauszufinden, ob das Risiko einer Virusübertragung dabei überhaupt in relevantem Umfang bestehe.

Hintergrund der Überlegung sei, dass soziale Begegnungen in öffentlichen Räumen unter klar definierten Hygienekonzepten „gesellschaftlich und infektionsepidemiologisch“ besser seien als in weniger sicheren privaten Innenräumen.

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