Peter Grimm / 01.04.2022 / 11:00 / Foto: Martin Kraft / 86 / Seite ausdrucken

Karl Lauterbachs Aprilscherz

Der Minister kann uns heute am 1. April endlich ein fröhliches „April, April“ zurufen, und alle sind eingeladen, darüber mitzulachen, wie viele Menschen hierzulande auf seinen Rekord-Aprilscherz hereingefallen sind.

Früher, also in einer Zeit, als die meisten deutschen Journalisten ein gewisses Mindestmaß an Recherche für unerlässlich hielten und den Unterschied zwischen Berichterstattung und Kommentar noch kannten, gab es in den meisten Zeitungsredaktionen einen etwas hausbackenen Brauch. Am 1. April wurde ein Aprilscherz in Artikelform verpackt und gedruckt. Der durfte natürlich nicht zu heikel sein, schließlich sollte kein Schaden entstehen, falls leichtgläubigere Leser die Aprilscherz-Meldung für echt halten sollten.

Ich weiß gar nicht, wie weit verbreitet dieser Brauch in deutschen Redaktionen noch ist, aber in Zeiten von Framing und Fake-News stelle ich mir das schwierig vor. In Zeiten eines Journalismus, in dem es falsch sein kann, einfach das zu berichten, was ist, weil es den „Falschen“ Argumente liefern würde, ist es schwer, eine Scherz-Falschmeldung zu fabrizieren. Wie soll man unterhaltsam sein, aber nirgends anecken? Ich kenne keine statistische Erhebung zum journalistischen Aprilscherz, würde aber aufgrund eigener Beobachtung vermuten, dass selbiger langsam ausstirbt.

Schabernack mit Ungeimpften

An manchen Stellen haben aber namhafte Politiker die Aufgabe übernommen, für die Verbreitung von Aprilscherzen in den Medien zu sorgen. Damit das auch klappt, haben die größten Aprilscherz-Strategen ihr diesjähriges „April, April“ schon im letzten Herbst vorbereitet.

Ende Oktober 2021, die Bundestagswahl war vorüber und einige der künftig regierenden Ampelmännchen und -weibchen, die ihrer Regierungsbildung entgegenfieberten, kündigten vollmundig an, dass bis Ende März 2022 alle Corona-Restriktionen fallen müssten.

Wem der Corona-Notstand wesentlicher Lebensinhalt und/oder wichtige Einkommensquelle geworden war, konnte dieser Ankündigung naturgemäß nicht viel abgewinnen. Insbesondere diejenigen, die die vielen teuren Impfstoffe, die neben einer begrenzten Haltbarkeit auch nur über eine bedingte Zulassung verfügten, in die Arme der Bewohner Deutschlands injizieren lassen wollten, waren nicht amüsiert. Ehe nun diese Ungeimpften triumphierten – blöderweise war es erst kurze Zeit her, dass die wesentlichen Verantwortungsträger eine Impfpflicht kategorisch ausgeschlossen hatten –, wollten zwei humorvolle Rheinländer wenigstens noch etwas Schabernack mit ihnen treiben. So erfanden sie einen vorgezogenen Aprilscherz, den man schon im Herbst in die Welt setzen, aber erst am 1. April auflösen konnte. Dann nämlich, so die beiden Rheinländer, würde es keine Ungeimpften mehr geben, die diese eine Krankheit nicht erwischt hätte. Geimpft, genesen oder tot wären Ende März 2022 all jene, die den staatlichen Vorgaben nicht folgen wollten, hieß es aus berufenem Munde. Zuerst sagte der damals noch zukünftige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD):

“Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer“.

Der längste Aprilscherz?

Jawoll! Wer wollte angesichts dieser Aussage nicht sofort die Hacken zusammenschlagen und zum nächsten Impfzentrum marschieren? Und für diejenigen, die hier keinen Spaß verstanden, erklärte es Lauterbachs Vorgänger Jens Spahn noch einmal in leichter Sprache: Ende des Winters seien alle "geimpft, genesen oder gestorben“.

Heute nun zeigen alle, die noch umgeimpft und uninfiziert sind, dass sich die beiden Gesundheitsminister einfach einen guten Aprilscherz erlaubt haben. Vielleicht war es sogar der bislang längste Aprilscherz im deutschsprachigen Raum? Wer weiß das schon?

Immerhin dürfen sie uns heute am 1. April endlich ihr fröhliches „April, April“ zurufen, und alle sind eingeladen, darüber mitzulachen, wie viele Menschen hierzulande auf diesen Rekord-Aprilscherz hereingefallen sind.

Das war jetzt nicht lustig? Ist es natürlich auch nicht. Zumal in einer Zeit, da die Medien uns immer noch Geschichten aus dem politischen Corona-Absurdistan erzählen, während es einen echten Krieg vor unserer Haustür und echte rasant wachsende Krisen im Hause gibt. Aber man kann es am 1. April ja wenigstens mal versuchen.

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PALLA Manfred / 01.04.2022

+ + + Als KOFFER-Träger in der Politik (“90er” Jahre) habe Ich NOCH etliche “ernsthafte” POLITIKER kennengelernt - WAS sich HIER und HEUTE in VER-ANTWORTUNG “a u f s p i e l t” , ist mit POLITEUREN und POLITEUSEN wohl treffender beschrieben !?!  ;-)

G. Bohn / 01.04.2022

Zur Maskenpflicht: Wenn diese ab kommenden Montag in den meisten (?) Bundesländern aufgehoben wird, haben laut den heutigen Radionachrichten 58 % der Deutschen ein Problem damit. Herr Klabautermann und der Ministerpräsident des größten Bundeslandes Wüst haben “natürlich” ein besonderes großes damit. Und wenn die breite Masse nicht bereit ist, endlich mal wieder “Gesicht zu zeigen”, sind Hopfen und Malz verloren. Man kann zu hundert Prozent davon ausgehen, daß in der kommenden Woche die umerzogene, brave Masse dem Aufruf ihres “beliebtesten” Politiker dieses Landes weiterhin mit großer Mehrheit folgen wird. Alles andere wäre wohl unrealistisch. Ich beneide schon seit vielen Wochen meine Nachbarn, die Niederländer: Um wenigstens einen Hauch von Freiheit zu genießen, fahren wir in das für uns nur 10 Minuten entfernte NL, derzeit vollkommen maskenbefreit. Die letzten Wahlen im Saarland haben wieder einmal das Untertanenverhalten des Volkes gezeigt: Bloß keine Alternative(n) wählen. DE ist ein hoffnungsloser Fall und wenn ab Montag bei ALDI und Co. zudem die angekündigten massiven Preiserhöhungen durchschlagen, geht das Leben bestenfalls mit einigem Murren weiter wie bisher. Ein in jeder Hinsicht armes Land.

Christoph Kaiser / 01.04.2022

@ Heiko Stadler : Kann der PCR überhaupt Totheit bestimmen, und wie genau?.......... Am Ende ist man ‘falsch-tot’.....

W. Renner / 01.04.2022

Wer nach 2 Jahren merkt, dass er ein totes Pferd geritten hat, steigt ab und reitet auf einem toten Esel weiter. Und wer Pferde tot spritzt, macht vor Eseln schon garnicht halt.

Johannes S. Herbst / 01.04.2022

War heute im Beerdigungs-Institut um mich von Covid freitesten zu lassen. Tja wenn keiner mehr sterben will, nehmen die auch ihr Geld von den Lebenden. War tatsächlich negativ und dahr für die nächsten drei Monate immun. Was man/frau als durchaus positiv empfinden kann….

jutta schnell / 01.04.2022

Danke Herr Grimm für das schöne alte Wort Schabernack. Klingt ja irgendwie freundlich. Auch gibt es auf der Insel Rügen ein Ort gleichen Namens, und das ist kein Aprilscherz.

Johannes Schumann / 01.04.2022

Folglich braucht man keine Zertifikate mehr, denn es gibt ja nur noch Geimpfte und Genesene. Da ich noch lebe, die Spritze nie bekam, muss ja zwangsläufig die stille Feiung durchgemacht haben.

Klaus Keller / 01.04.2022

Kein Aprilscherz: Zitat faz: Bei seinem Besuch in Berlin hat der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko auch Bundeskanzler Olaf Scholz getroffen. - Verhaftet wurde er aber nicht. Ggf traf er ihn nicht unverdient.

T. Merkens / 01.04.2022

Ich stimme T. Schneegaß zu, dass es hier “365 mal pro Jahr einen 1. April” gibt. Mein erster Gedanke war allerdings eher der 364-malige “Nicht-Geburtstag” bzw. “Un-Birthday” aus Disneys Alice im Wunderland. Es ist eben 364-mal pro Jahr totaler Quark angesagt, dafür allerdings auch 1-mal tödlicher Ernst. Wer nach “A Very Merry Unbirthday to You! (yes, you) - YouTube” sucht, kann sich die 3-minütige, uralte Trickfilmszene ansehen. Lauterbach und Spahn kommen auch darin vor, sie wurden aber englisch synchronisiert.

Silas Loy / 01.04.2022

@ Petra Bücher - Apropos: Schauen Sie doch mal nach dankefueralles.de, da können Sie sich nochmal bedanken!

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