Künstliche Intelligenz hat der Forschung neue Wege eröffnet, die Kommunikation von Tieren zu entschlüsseln und auf sie zu reagieren. KI-Modelle haben individuelle Anreden bei Elefanten und Krallenaffen entdeckt und bislang unbekannte Strukturen in den Klickfolgen von Pottwalen sichtbar gemacht. Ein generatives KI-Modell führt bereits Rufwechsel mit Zebrafinken in Echtzeit. Google hat mit DolphinGemma ein Modell vorgestellt, das Lautfolgen von Delfinen analysiert und selbst delfinähnliche Sequenzen erzeugen kann. Von einem Übersetzungsprogramm für eine echte Kommunikation mit Tieren ist die Forschung weit entfernt. Gelungen ist aber der erste Schritt vom Zuhören zum Austausch.
Der britische Schriftsteller Hugh Lofting hatte sich einen solchen Durchbruch schon vor mehr als hundert Jahren vorgestellt. In seinem 1920 erschienenen Kinderbuch „The Story of Doctor Dolittle“ sitzt der Arzt John Dolittle eines verregneten Nachmittags in seiner Küche. Der Papagei Polynesia eröffnet ihm, dass Tiere sehr wohl miteinander sprechen. Dolittle will ihre Sprache lernen. Der Unterricht beginnt damit, dass Polynesia ihn zunächst das Vogelalphabet aufschreiben lässt.
Anschließend macht sie ihn darauf aufmerksam, dass Tiere keineswegs nur mit Lauten kommunizieren. Ohren, Füße, Schwänze und selbst Bewegungen der Nase können Signale übertragen. Dolittle beobachtet, notiert und übt. Später lernt er, selbst zu antworten. Im zweiten Kapitel beschreibt Lofting ein Lernprogramm für Dr. Dolittle, das in einigen Punkten erstaunlich nahe an der heutigen KI-gestützten Tierkommunikationsforschung liegt.
Einen entscheidenden Vorteil hat der Romanheld gegenüber heutigen Forschern. Polynesia kennt die Übersetzung. Sie kann Dolittle einen Vogellaut beibringen und ihm zugleich sagen, was er bedeutet. Der heutigen Forschung fehlt genau dieser Teil. Eine KI kann in Millionen Lauten Muster entdecken. Sie kann sogar erkennen, wer ruft, wer der Adressat ist und in welcher Situation gerufen wird.
Ob ein bestimmtes Geräusch aber tatsächlich „Komm her“, „Gefahr“ oder den Namen eines Artgenossen bedeutet, kann allenfalls aus dem Verhalten der Tiere abgeleitet werden. In vielen Fällen stehen die Forscher vor unauflösbaren Chiffren, weil ihnen der Schlüssel fehlt, sozusagen das Vogelalphabet von Dr. Dolittle.
Elefanten und Affen reagieren auf Anrede
Wie weit man dennoch kommen kann, haben Forscher bei afrikanischen Savannenelefanten gezeigt. Sie analysierten deren tieffrequente Rufe mit maschinellem Lernen. Das Modell fand akustische Merkmale, die mit dem jeweiligen Adressaten zusammenhingen. Anschließend spielten die Wissenschaftler wilden Elefanten Aufnahmen vor, die ursprünglich entweder an sie selbst oder an andere Tiere gerichtet gewesen waren.
Die Elefanten reagierten deutlich stärker auf Rufe, die ihnen selbst gegolten hatten. Die Forscher folgerten in ihrer 2024 veröffentlichten Nature-Studie, dass die Tiere ihre Familienmitglieder mit individuell spezifischen, namensähnlichen Rufen ansprechen.
Ähnliches fanden Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem bei Weißbüschelaffen. Die kleinen Krallenaffen führen regelrechte Rufwechsel mit ihren Artgenossen. Eine in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass sogenannte Phee-Rufe, langgezogene hochfrequente Kontaktrufe, Informationen darüber enthalten, an welches Tier sie gerichtet sind.
Familienmitglieder verwendeten ähnliche akustische Merkmale, wenn sie denselben Artgenossen ansprachen. Die Affen reagierten zudem zuverlässiger auf Rufe, die ihnen galten.
Ob man in beiden Fällen bereits von Namen sprechen darf, ist umstritten. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung mahnt zu größerer Vorsicht. Ein Name müsse nicht nur ein Individuum bezeichnen. Das Signal müsse auch symbolischen Charakter haben und seine Bedeutung von mehreren Mitgliedern der Gruppe geteilt werden.
Ein Name müsste zudem funktionieren, wenn das Individuum nicht direkt angesprochen wird, sondern andere über dieses Tier kommunizieren.
Ein Alphabet ohne Wörterbuch
Bei Pottwalen liegt das Problem noch deutlicher vor Augen. Sie kommunizieren unter Wasser mit kurzen rhythmischen Klickfolgen, sogenannten Codas. Forscher des Project CETI, der Cetacean Translation Initiative zur Erforschung der Kommunikation von Walen, und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) untersuchten 8.719 solcher Codas einer Pottwalpopulation in der östlichen Karibik.
Die KI-gestützte Analyse zeigte, dass die Wale ihre Klickfolgen entlang von mindestens vier Merkmalen verändern. In der 2024 erschienenen Untersuchung sprechen die Forscher von einem phonetischen Alphabet der Pottwale. Ein Alphabet ist allerdings noch kein Wörterbuch. Die akustischen Bausteine lassen sich inzwischen recht genau beschreiben. Bei vielen Codas ist weiterhin unbekannt, welche Information sie übertragen.
Project CETI sammelt deshalb nicht nur Töne, sondern auch Daten über die Tiere, ihre Bewegungen und sozialen Interaktionen. Durch die Kombination dieser Informationen versuchen die Forscher, einen Schlüssel zur Sprache der Wale zu finden.
Die KI plaudert mit Zebrafinken
Einen Schritt weiter geht ein Experiment mit Zebrafinken. Forscher um Sarah Woolley von der Columbia University in New York und Mitarbeiter des gemeinnützigen Earth Species Project werteten mehr als 1,5 Millionen Rufe weiblicher Zebrafinken aus. Dabei zeigte sich, dass die Vögel während eines Rufwechsels nicht einfach ein festes Repertoire abspulen. Zeitpunkt und akustische Struktur ihrer Laute verändern sich abhängig von den Äußerungen des Gegenübers.
Die Forscher bauten daraufhin ein generatives Audio-Sprachmodell namens ZF-AIM. Die KI hört den Ruf eines Vogels und erzeugt darauf in Echtzeit einen neuen Laut. Zebrafinken reagierten auf das System mit Rufmustern, die in wichtigen Punkten natürlichen Unterhaltungen mit Artgenossen ähnelten. Zeitpunkt und Struktur der KI-Antwort beeinflussten wiederum die Reaktion des Vogels.
Damit ist bereits ein geschlossener Kommunikationskreis entstanden. Der Vogel ruft. Die KI verarbeitet den Ruf. Sie antwortet. Der Vogel reagiert darauf und beeinflusst damit die nächste Antwort der KI. Was fehlt, ist die semantische Ebene. Die Forscher können zeigen, dass die Tiere die künstliche Stimme als Interaktionspartner behandeln. Sie können noch nicht sagen, worüber sich Vogel und Maschine unterhalten.
Ein künstliches Vokabular für Delfine
Bei Delfinen laufen beide Forschungsrichtungen zusammen. Google hat gemeinsam mit dem Wild Dolphin Project, einem US-Forschungsprojekt zur Untersuchung freilebender Delfine, und dem Georgia Institute of Technology das Modell DolphinGemma entwickelt. Es verarbeitet Aufnahmen wilder atlantischer Fleckendelfine und soll lernen, welche Lautfolge wahrscheinlich auf eine andere folgt. DolphinGemma kann bereits neue delfinähnliche Lautfolgen erzeugen.
Parallel versuchen die Forscher seit Jahren, mit den Tieren ein winziges gemeinsames Vokabular aufzubauen. Bestimmte künstliche Signale wurden Gegenständen zugeordnet, mit denen Delfine spielen, darunter eine Schnur, ein Tuch und Sargassum-Algen. Menschen verwenden den entsprechenden Pfiff, wenn sie sich den Gegenstand gegenseitig reichen. Die Delfine sollen die Verbindung lernen und den Laut schließlich selbst verwenden, wenn sie einen Gegenstand haben möchten.
Ein Delfin erzeugte während eines Versuchs tatsächlich einen Laut, den die KI als Signal für Sargassum erkannte. Das Wild Dolphin Project spricht dennoch nicht von Kommunikation. Das Tier könnte den Pfiff lediglich imitiert haben. Es gab keinen Hinweis darauf, dass der Delfin tatsächlich nach Sargassum verlangte. Genau hier verläuft die Grenze zwischen einem nachgeahmten Geräusch und einem verstandenen Wort. Ersteres lässt sich nachweisen, letzteres noch nicht.
Die Bienen sind schon weiter
Wie echte Kommunikation vom Menschen zum Tier aussehen kann, zeigt ausgerechnet ein Experiment, das ohne moderne generative KI auskam. Forscher der Freien Universität Berlin entwickelten eine Roboterbiene, die den Schwänzeltanz von Honigbienen nachahmen konnte. Mit diesem Tanz teilen Bienen ihren Artgenossen Richtung und Entfernung einer Futterquelle mit.
Der Roboter führte einen vom Menschen festgelegten Tanz auf. Lebende Bienen folgten ihm und verließen anschließend den Stock. Sie flogen in die Richtung, die ihnen der Roboter übermittelt hatte. Damit hatte der Mensch eine Botschaft in einem natürlichen Kommunikationssystem der Tiere erzeugt und ihr Verhalten gezielt verändert.
Was bei Bienen wegen des vergleichsweise gut verstandenen Schwänzeltanzes möglich ist, versuchen KI-Forscher für wesentlich komplexere Kommunikationssysteme vorzubereiten. Das Earth Species Project bezeichnet das entstehende Forschungsgebiet seit diesem Jahr als Animal Language Processing. Sein Modell NatureLM-audio wurde speziell für Bioakustik entwickelt. Es kann Tierlaute erkennen, klassifizieren und auch bei bislang ungesehenen Arten Strukturen erfassen. Die Forscher erhoffen sich daraus weitere Erkenntnisse für die Kommunikation mit Tieren.
Doctor Dolittle machte dank Polynesia seine ersten Fortschritte an einem verregneten Nachmittag. Ihm reichten ein Notizbuch und ein geduldiger Papagei. Die heutige Forschung verfügt über Millionen Aufnahmen, Sensoren, hochentwickelte Sprachmodelle und gewaltige Rechenleistung. Was fehlt, ist tatsächlich eine Polynesia. Bis dahin muss jede vermutete Bedeutung am Verhalten der Tiere überprüft werden.
Erst wenn ein künstlich erzeugtes Signal nachweislich und reproduzierbar eine vorhergesagte Reaktion auslöst und das Tier seinerseits verständlich antwortet, kann man von Kommunikation reden. Solange das nicht gelingt, hat Hugh Loftings Dr. Dolittle das Monopol auf die Unterhaltung mit Tieren.
Dieser Artikel erschien zuerst in englischer Sprache auf statement.com
Also ungefähr so, als wenn man den Fritz oder den Lars interviewt.
Nach langen, intensiven Studien habe ich feststellen müssen, dass manche Tiere die nonverbale Kommunikation bevorzugen. Ich kann so oft ich will versuchen, meine Katze oder meinen Hund dazu zu bewegen, auf die Laute: Komm her! zu reagieren. Die Katze geht einfach weiter, der Hund bleibt sitzen, schaut mich an und spricht nonverbal mit mir: Häh, meinst du mich? Lediglich das Geräusch einer sich öffnenden Kühlschranktür lässt alle übrigen Kommunikationsdefizite vergessen!
Richtig lustig wird es, wenn dann die KI am Ende nicht nur den Protest des Hausschweins übersetzen kann, sondern auch irgendwann zudem die Sprache der Pflanzen versteht. Es stehen Vegetariern harte Zeiten ins Haus.
Ich wünsche mir zunächst eine menschliche, zutiefst natürliche Intelligenz, die es vorurteilsfrei und gesetzeskonform ermöglicht, Corona-Verbrecher und Kriegstreiber dingfest zu machen und einer gerechten Strafe zuzuführen. Bisher hat es die sogenannte „künstliche Intelligenz“ lediglich geschafft, Zweifelhaftes und Gefährliches für Mensch und Tier hervorzubringen. Sie ist schon jetzt zu einer Gefahr geworden, weil allein eines dieser notwendigen Computerfarm-Monster nachhaltig den Energieverbrauch einer Kleinstadt und Unmengen Kühlwasser benötigt. Komischerweise heult niemand aus der grün-woken Community auf. Wahrscheinlich hofft sie, aus dieser Technologie, wie auch immer, auch nur ein Fünkchen „Intelligenz“ zu schöpfen, um ihr Weiterleben an der 5%-Klausel irgendwie zu ermöglichen. Umwelt- und Klimaschutz sind dabei scheissegal.
Meine Katze zwinkert zurück, wenn ich sie anzwinkere.
Kein Gespräch, aber sehr vertraut.
Kultur, der Gegensatz zur Natur schlechthin, ist ja, wenn man will, doch auch so eine Art out-gesourcte Evolution, eine DNA die uns im Kern ausmacht, halt nur nicht im Kern unserer Keimzellen/Zellen überhaupt, sondern in den sehr vulnerablen Kulturräumen unserer Gattungsgesellschaften eben aufbewahrt. Oder eben grad nicht aufbewahrt. Bringt’s die Gesellschaft nimmer, die erklommene Kulurart/-höhe zu unterhalten, zu pflegen, zu mehren, stirbt uns diese Kultur-dna aus, und wahrscheinlich schneller als unnütze Allele auf unseren Doppelhelices, welche immerhin noch Proteine kodieren, die sie mit unserer Zucht-Gerste und -Weizen gemeinsam noch haben. Auch Kultur ist ähnlich der DNA so ein Transportmittel über den einzelnen Vermögen hinweg und in die Zukunft hinein, dass nicht unbedingt immer das Genie-Bewusstsein ihrer einzelnen Träger en detail erforderte für die je einzelnen genialen Kulturleistung. Um ein tool-making animal zu sein, genügt es, sich einfach einen tierisch-geilen Spieltrieb zu erhalten und etwas besser als der Rest der Primatenbande im Nachäffen der Sippe zu sein. Und um ein Autofahrendes Wesen zu sein musste darum nicht jeder das Rad neu erfinden. Sprechen, dann Schreiben und Lesen, dann Ackerbau, Kupferbergbau, Eisen-Schmiedekunst, Hebel-, Gravitaionsgesetze und Allgem. Relativitätstheorie unf Quanten-Physik machen dass jeder Simpel heut ein HÄNDY nuzten kann, selbst wenn er meint, Händy sei englisch. Aber eben die Gefahr, dass alle, oder die Masse, das glaubt über sein Mobile, dass alle plötzlich nicht mehr schreiben und lesen können, dass die Mehrheit unsrer Grundschüler weder die deutsche noch sonst eine Sprache richtig spricht, dann hat die Evolution, die kulturelle schneller als die der Natur, den Rückwärtsgang eingelegt. Und wie man an „Kultur“-Hervorbringung wie der Gewaltislam-RELIGION erleben muss weltweit, geht der Abwärtstrip runter bis in die atavistischsten Höllen des Natur-Ur-Bösen. Und letztlich landet das in der DNA sogar wieder.
Tiere sind ja nicht blöd und haben einen enormen Wortschatz untereinander, gerade wurde das bei Tüpfelhyänen festgestellt, die eines der komplexesten Lautrepertoires besitzen und einige Tiere sind schlauer als mancher Zweibeiner und da KI von letzterer Art gefüttert wird mit Informationen kann nix Gescheites dabei rauskommen.