Roger Letsch / 28.12.2017 / 19:53 / Foto: Uwe Aranas / 16 / Seite ausdrucken

Kandel, ein Mord, die Folgen: Wenn Wegsehen nicht mehr hilft

Es wäre zynisch und unangemessen, einen direkten Bezug zwischen dem Mord an einem 15-jährigen Mädchen in Kandel mit einigen politisch-kulturellen Aktivitäten im selben Landkreis herzustellen. Oder etwa doch nicht? Die positive Stimmung, die von den verantwortlichen Politikern dort gegenüber „Asylbegehrenden und Flüchtlingen“ gefördert und herbeigeschrieben wurde, basiert jedenfalls nachweislich auf dem Grundübel der Selbstverleugnung, das wie ein Hefeteig dick und dämpfend über dem ganzen Land liegt: dem mittlerweile institutionalisierten Kulturrelativismus.

In Kandel jedenfalls ist er längst institutionalisiert, denn es werden Seminare angeboten, die ungeniert mit Aussagen wie diesen werben. Ein Bericht in der Lokalzeitung Rheinpfalz zitiert einen örtlichen Seminarleiter der Initiative „Kandel aktiv" so:

„Ferner ist es uns ein Anliegen, eine kulturrelativistische Perspektive zu stärken. Das heißt, keine Kultur ist besser als eine andere und Grenzüberschreitungen gibt es überall“.

Was Johannes Dümler, der Seminarleiter, im Sommer 2017 (siehe Bild) als dringend zu erlernendes Wertesystem vermittelt, würde bedeuten, dass jede Gruppe, die sich „kulturell“ definiert, ihre eigenen gültigen Regeln haben darf. Scharia für die einen, Grundgesetz für die anderen – so what!

Wenn eine arabische Großfamilie also beschlösse, dass ihre unverschleierte Tochter die Ehre der Familie beschmutzt, darf sie getötet werden – der Kulturrelativist hat dafür vollstes Verständnis! Und während ein Deutscher für eine solche Tat zu recht 20 Jahre hinter Gitter muss, käme ein Araber für diese Tat mit einer freundlichen Ermahnung davon. Auf solchen Pfaden sind bekanntermaßen bereits einige Richter in diesem Lande unterwegs.

Die ignorante, hässliche Grenze

Kulturrelativisten blenden die negativen Aspekte einer „Kultur“ einfach aus, weil sie selbst damit noch nie in Berührung kamen. Doch wir essen zwar Currys, finden Saris irgendwie schick und lauschen den Klängen der Sitar – aber wir essen dennoch Rindfleisch und verbrennen unsere Witwen nicht. Wir benutzen arabische Zahlen, würzen unsere Speisen mit Muskat und Kardamom und sind fasziniert von arabischer Ornamentik und Kalligraphie – aber den Ehrbegriff arabischer Stammesgesellschaften oder deren Bekleidungsvorschriften lehnen wir dennoch kategorisch ab.

Wir dürfen keine Kulturrelativisten sein, wenn wir überleben wollen. Es ist grenzenlos naiv, sich häufende Verbrechen in einem bestimmten Milieu dadurch zu relativieren, dass so etwas anderswo auch vorkäme. Der Hinweis auf das Oktoberfest war eben keine ausreichende Erklärung für die Vorfälle in Köln an Silvester 2015.

Problematisch wird die Sache mit dem Kulturrelativismus nämlich immer dann, wenn Wegsehen nicht mehr hilft, wie im Fall der erstochenen jungen Frau aus Kandel. Hier kommt es nämlich zu Überschreitungen der „Kreise“, und der Kulturrelativismus kommt an seine ignorante, hässliche Grenze, an der er sich für die Aufgabe der Werte eines der Kultursysteme entscheiden muss. Und hier trifft sich die Agenda der Kulturrelativisten mit der linken Gewissheit, so etwas wie „deutsche Kultur“ gäbe es abseits der deutschen Sprache eigentlich gar nicht.

So dürfen wir denn auf die „Lichterketten für Toleranz und gegen Rechts“ gespannt sein, über die aus Kandel sicher bald zu berichten sein wird. Vielleicht wird das die Frage überdecken, ob der Täter wirklich erst 15 Jahre alt ist (und somit nur eingeschränkt strafmündig), und nicht vielleicht doch eher 25. Das zu prüfen gilt in Deutschland nämlich auch als Zeichen mangelhafter kultureller Toleranz.

Kulturrelativisten wie Johannes Dümler wissen bestenfalls nicht, was sie tun. Denn wenn wir nicht bereit sind, einige unserer grundlegenden Werte wie Aufklärung, Bildung, Säkularität, Rechtsstaatlichkeit, Gleichstellung der Frau und Gewaltlosigkeit im Umgang miteinander gegen andere, konträre „Werte und Kulturen”, die eigentlich unwerte Barbarei darstellen, als unverhandelbar zu verteidigen, können wir den Laden hier nämlich gleich zumachen und uns kulturrelativistisch bedingungslos ergeben.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt .

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Leserpost

netiquette:

Rudolf George / 28.12.2017

Kulturrelativismus klingt mir zu harmlos. Ich spüre eher Kulturdefätismus nach dem Motto „Hurrah, wir kapitulieren!“

Mark Schild / 28.12.2017

Unsere “bunte” Republik wird immer mehr zu einer blutroten.

Reinhold Schmidt / 28.12.2017

“...und uns kulturrelativistisch bedingungslos ergeben…“ Ist dieser Zug nicht schon längst abgefahren? Schliesslich wurde dem deutschen Volk doch schon jegliche Kultur außerhalb der Sprache abgesprochen.

Viola Heyer / 28.12.2017

Wieder jemand, der es nicht geschafft hat…

Dirk Ahlbrecht / 28.12.2017

Woher kommt denn letzten Endes das viele Geld, das es hierzulande den zahlreichen “Johannes Dümlers” erlaubt solcherlei Kurse überhaupt anzubieten, lieber Herr Letsch? Es kommt von “uns”, also dem Steuerzahler und Souverän, der das Geld (treuhänderisch) Leuten überlässt, die damit unter anderem die Dümlers dieses Landes und deren Tun bezahlen. Menschen wie den genannten Johannes Dümler, die zum eigenen Vorteil und gegen Bezahlung auch noch jeden Unsinn unters Volk bringen, die wird es immer geben. Leute, die in Form von Steuergeldern Verantwortung externalisieren und dessen Umgang und Missbrauch goutieren, wohl leider auch. Letztlich kann man nur hoffen, dass irgendwann die Geld(party) vorüber ist, bevor der angerichtete Schaden irreversibel ist. Auf die Einsicht der Beteiligten zu hoffen, ist wohl in jedem Fall vergebens.

Marcel Seiler / 28.12.2017

Der Kulturrelativismus verleugnet, dass es Eigenschaften verschiedener Kulturen gibt, die nicht auf dem gleichen Territorium praktiziert werden können, genauso wenig wie man mit Handball- und Fußballregeln gleichzeitig auf dem gleichen Spielfeld spielen kann. Im vorliegenden Fall passten die Freiheitsrechte deutsche Mädchen/Frauen und die absoluten Besitzansprüche archaisch-islamischer Männer einfach nicht zusammen; das Ergebnis ist Mord. Wer solche Inkompatibilitäten leugnet, der ist nicht einfach nur dumm (denn die kann jeder ohne Schwierigkeiten sehen), der ist mutwillig ideologisch verblendet. Solche Leute kann man nicht überzeugen, man muss sie aus ihren Machtpositionen beseitigen. Wenn wir es nicht bald selbst tun, wird es der Islam tun, wenn er erst die Macht hat.

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