Seit etwa einem Jahr propagiert der iranische Staatspräsident
Ahmadinedschad in aller Offenheit eine “Welt ohne Zionismus”, stellt den
Holocaust als historisches Phänomen grundsätzlich in Frage und droht mit
der atomaren Auslöschung des “zionistischen Gebildes” im Nahen Osten.
Nachdem die Bundesregierung zunächst vergeblich versucht hatte,
gemeinsam mit Amerikanern, Engländern, Franzosen und Russen die Mullahs in
Teheran von ihren atomaren Aufrüstungsplänen abzubringen, indem man
ihnen unter anderem mit einem drastischen Einfuhrverbot für iranische
Erdnüsse und mit demonstrativen Gesten der Nichtachtung anläßlich der
Fußball-WM in Deutschland gedroht hatte, während der eigentlich in
diesen Fragen zuständige UN-Sicherheitsrat bislang zumindest “außen
vor” blieb, versucht Berlin nunmehr wirklich ernsthaft Ahmadinedschad von
der für den 11./12. Dezember 2006 geplanten Holocaust-Konferenz
abzubringen und Teheran, wenn auch mit leichter, ca. halbjähriger
Verspätung, endlich die gelbe Karte zu zeigen.
“Die Bundesrepublik steht zu ihrer historischen Verantwortung für die
Verbrechen Nazi-Deutschlands und empfindet die besondere Pflicht, das
Andenken an alle Opfer des Nationalsozialismus zu wahren”, so ein
Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA). “Insofern verurteilen wir alle
zurückliegenden und zukünftigen Versuche, denjenigen, die den Holocaust
relativieren oder in Frage stellen wollen, eine Plattform zu geben”, hieß
es weiter in der Stellungnahme des AA vom 08.12.2006.
Versuchten die Nazis einst als Täter das Geschäft des millionenfachen
Judenmordes in Europa mit deutscher Gründlichkeit zu betreiben, wobei
Millionen Juden den Tod fanden, die Mission an sich jedoch
unvollendet blieb, so versuchen nunmehr die mittlerweile geläuterten,
rechtschaffenen Kinder der Täter von einst das Copyright ihrer
Nazi-Väter auf den “wahren Holocaust” offenbar “mit Zähnen und Klauen” zu
verteidigen, indem sie die Irren in Teheran nachdrücklich vor einer
eventuellen nicht nur unbotmäßigen, sondern ganz und gar unzulässigen
“Verletzung der Urheberrechte” warnen.
Zu diesem Zwecke wollten ursprünglich sogar Oskar Lafontaine und
Norman Paech als Vertreter der “Linkspartei” in einer Art “überparteilicher
Mission” nach Teheran reisen, um dort ggf. brauchbare sog.
“Schnittmengen” mit dem Islam im Hinblick auf eine möglichst gerechte “Endlösung
der Nahostfrage” auszuloten und bei dieser Gelegenheit vielleicht sogar
mit Ahmadinedschad über eine mögliche “Perfektionierung der
Vorgehensweise” im Hinblick auf eine möglichst baldige Verwirklichung des
Selbstbestimmungsrechtes für die Palästinenser sowie für mittlerweile ca.
3 Millionen palästinensische Flüchtlinge als “eigentliche Opfer des
Holocausts” nach 1945 zu beraten.
Schade, daß es letztlich nicht dazu kam, denn aus diesem Anlaß wären
Oskar Lafontaine und Norman Paech im Rahmen eines sog.
“herrschaftsfreien, ergebnisoffenen Diskurses” über die Existenz der Gaskammern im
Dritten Reich eventuell auch mit dem früheren APO-Anwalt Horst Mahler
zusammengetroffen, der den “Holocaust” ebenfalls fuer einen
“Mythos” hält. Dabei hätten die Vertreter der
Achtundsechzigergeneration bei einer Portion Humus und Falafel in
Erinnerungen an frühere Tage schwelgen können.
Schließlich wäre es ja auch noch schöner, wenn sich die Täter von
einst ohne angemessene Beratung durch ihre eigenen Kinder von heute
womöglich von den Tätern von morgen in puncto “deutsche Gründlichkeit
und Effektivität” tendenziell übertreffen ließen, reicht doch der
Boden der deutschen Geschichte bekanntlich bis nach Palästina, weshalb den
heute noch in Israel lebenden Juden letztendlich wohl leider nichts
anderes übrig bleiben wird, als sozusagen “freiwillig” das Feld zu
räumen und in ihre angestammten Heimatländer zurückzukehren,
damit endlich das lang ersehnte Selbstbestimmungsrecht für die
eigentlichen Opfer des Holocausts, die Palästinenser und deren Nachkommen, in
den Grenzen des historischen Palästinas verwirklicht werden kann.