Der Präsident von Kamerun, Paul Biya, regiert seit 1982 ununterbrochen. Im Oktober 2025 ließ er sich für eine weitere siebenjährige Amtszeit wählen. Am Ende dieser 8. Amtszeit wäre er fast 100 Jahre alt. Mit 93 Jahren ist er der älteste amtierende Staatschef der Welt. Er hält sich – das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 18 Jahren – für unersetzlich. Seine monatelange Abwesenheit hat sich aufgrund seines hohen Alters und seiner gesundheitlichen Probleme weiter verlängert. Seit dem 7. Juni 2026 befindet er sich durchgehend in Genf. Seine häufigen Abwesenheiten werfen Fragen auf. Seit 2024 ist es deshalb in Kamerun offiziell verboten, über den Gesundheitszustand des Präsidenten zu spekulieren. Trotz seines hohen Alters weigert er sich, die Macht abzugeben. Die Frage einer geordneten Nachfolge bleibt ungeklärt.
Paul Biya wird in Kamerun – so war es schon zu meiner Zeit als Botschafter dort – als „L’Absent – der Abwesende“ – verspottet. Damit wird darauf angespielt, dass er einen Großteil seiner Zeit fernab der Heimat in einem Luxushotel in der Schweiz verbringt und das Land per Fernverordnung regiert oder regieren lässt. Biya und seine Frau Chantal (56) nutzen als Dauergäste das InterContinental in Genf bereits seit den 1980er Jahren als ihr temporäres Regierungsquartier. Die jeweiligen etwa 60 Begleiter belegen rund 30 bis 40 Luxuszimmer und Suiten. Die Penthouse-Residenz des Präsidenten kostet pauschal 30.000 US-Dollar. Dazu kommen noch die übrigen Hotelzimmer/Suiten für die Entourage mit 40.000 US-Dollar. Laut Wall Street Journal werden die Summen bar bezahlt, damit sie nicht im offiziellen Haushaltsplan von Kamerun auftauchen. 2018 untersuchte OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) die Ausgaben von Biya in Genf. Damals summierten sich die Hotelrechnungen für seine privaten Aufenthalte in der Schweiz bereits auf mindestens 65 Millionen US-Dollar. Seither dürften sich die Ausgaben mindestens verdoppelt haben.
Die Nachfolge-Kandidaten
Durch eine im April 2026 beschlossene Verfassungsreform wurde das Amt des Vizepräsidenten, das 1972 abgeschafft worden war, wieder eingeführt. Der Posten ist jedoch noch vakant. Die Besetzung liegt allein im Ermessen des Präsidenten. Er zögert die offizielle Ernennung auch hinaus, um ein vorzeitiges Aufbegehren der Konkurrenten zu verhindern. Da der Vizepräsident im Falle von Biyas Amtsunfähigkeit oder Tod automatisch das Präsidentenamt übernimmt, zögert Biya mit der Ernennung, da er um seine eigene politische Autorität fürchtet. Der Vizepräsident wäre mächtig, da er die Zukunft des Landes verkörpert. Wenn Biya dann lange im Ausland bleibt, steigt die Versuchung des Vizepräsidenten, die Macht komplett zu übernehmen.
Mit der Ernennung eines Vizepräsidenten kann Biya die Kontrolle über den Übergang selbst steuern, statt eine offene demokratische Nachfolge zu ermöglichen. Als „Kronprinzen“ sehen Beobachter den leiblichen Sohn des Präsidenten, Franck Biya (54). Er gilt seit Jahren als aussichtsreicher Kandidat für die Machtübernahme. Beobachter berichten von Machtpokern im inneren Zirkel, zwischen dem Lager des Sohnes und dem Einfluss der First Lady Chantal Biya.
Aus der Entourage des Präsidenten gilt Ferdinand Ngoh Ngoh (65) als mächtiger Generalsekretär des Präsidialamtes, als „Präsident im Schatten“. Er steuert den Regierungsapparat und besitzt Rückhalt im Sicherheitsapparat. Gelegentlich wird auch der Minister Louis-Paul Motaze (67), Finanzminister und Neffe des Präsidenten, genannt.
Wie der Machtkampf um die Nachfolge von Paul Biya ausgehen wird, ist völlig offen. Nach seiner diskussionswürdigen Wiederwahl und einer Verfassungsreform zur Wiedereinführung des Vizepräsidentenamtes kämpfen im Hintergrund das regierende Lager um Biyas Sohn Franck, rivalisierende Eliten und die seit 40 Jahren systematisch ausgeschaltete demokratische politische Konkurrenz – derzeit Issa Tchiroma Bakary (79), unterlegener Kandidat im Oktober 2025, lebt in Gambia im Exil, und Maurice Kamto (72), Herausforderer bei der Wahl 2018, im Vorfeld zur Wahl 2015 ausgeschlossen. Beide gelten in der Bevölkerung als Hoffnung auf ein Ende des Biya-Regimes.
Es ist eine instabile und möglicherweise gewaltsame Übergangsphase zu befürchten.

Herr B. ist da, wo sein Geld ist,in der Schweiz. Da ist er auch besser vor Attentaten geschützt.
Das Land ist ihm relativ egal, wie den meissten Regierenden.
Das alles kommt einem sehr vertraut vor, denn auch im fernen Europa gibt es bekanntlich Länder in welchen aussichtsreiche Kandidaten der Opposition im Vorfeld gleich von der Wahl ausgeschlossen werden, so z.B. in Frankreich oder Deutschland. Dies aufgrund der Anwendung eines doppelten Massstabs, dass bei der Opposition scheinbare, schlimmste Absichten bei möglichen Kandidaten hineininterpretiert werden, also ohne Rechtsgrundlage oder der andere Weg, dass allgemein als normal geltende Gepflogenheiten, nur bei der Opposition festgestellt und moniert werden. Auch in den USA sind teils schon Senile und Hochbetagte im Präsidialamt gehalten worden. Insofern scheint dieser Biya in „guter“ Gesellschaft zu sein. Deutschland mit „unserer Demokratie“ könnte sich zumindest von ihm noch abgucken, dass man eine Amtszeit auch problemlos auf 7 Jahre verlängern könnte und es für so tolle Leute kein Pensionsalter gibt. Dann hätte man noch Mutti Merkel auf dem Thron. Auch die hätte zwar weiterhin enormen Schaden angerichtet, aber wäre zumindest nicht so blöd wie Merz gewesen vor der Wahl das genaue Gegenteil beim Schuldenmachen zu versprechen und so für jeden offensichtlich als Rohrkrepierer dazustehen.