Neulich beim Onkel Doktor. Der Befund war schnell formuliert: Absurdistanitis. Die Diagnose wurde allerdings bereits im Wartezimmer gestellt. Dazu war nicht mal der Arzt nötig. Sie begann damit, dass die Sprechstunden-Assistentin etwas peinlich berührt mit dem Finger auf mich zeigte und sagte: „Würden Sie bitte kommen?“ Ich hab mich umgeschaut, um festzustellen, ob nicht jemand anderes gemeint war. War aber nicht. Niemand außer mir fühlte sich angesprochen. Also folgte ich der Frau mit dem Zeigefinger. Und fragte mich im Stillen, warum sie mich nicht, wie sonst immer, mit meinem Namen aufgerufen hat.
Im Behandlungszimmer klärte sie mich auf: Es sei wegen des neuen Datenschutzgesetzes. Dank dieser großartigen Errungenschaft ist sie offenbar angehalten, Patienten in voll besetzten Wartezimmern nicht mehr mit Namen anzusprechen. Wegen der Diskretion. Und wegen des möglichen Datenmissbrauchs durch böse Mitpatienten.
Wir sahen und an und grinsten ein Grinsen, das sagte: Ach ja, wir leben schließlich in Absurdistan. Und dann machte die Assistentin fröhlich den Vorschlag, wie man dem neuen Datenschutz gerecht werden könne: „Wir könnten Kärtchen mit Tiermotiven auszuteilen.“ Stimmt. So könnte man in der Tat wieder mit Namen arbeiten. Allerdings mit Tiernamen. Etwa so: Kamel bitte ins Sprechzimmer eins. Oder: Brillenschlange zum Doktor. Oder: Hornochse, Ihr Rezept ist fertig.
Geschichten über abstruse und teure Verrenkungen
Ja, so kann man die Arztpraxis zum Komödienstadl machen. Der Arzt selber meinte, man könnte auch Nummern ausgeben. Was er nicht sagte: Wie im Krankenhaus. Oder in der Kraftfahrzeugmeldestelle. Oder im Ministerium für politische Selbstbeglückuung. Dann werden auch Patienten endlich zu Nummern.
Die angestrebte Therapie im Umgang mit dem Datenschutz-Irresein war wohl: Einfach nicht ernst nehmen. Auch ich würde diese Therapie empfehlen, wenn da nicht diese Abmahnkanzleien wären, die bei Zuwiderhandlungen kostenpflichtig einschreiten. Verdacht: Haben die sich etwa das Monster ausgedacht?
Als ich meine Sprechstunden-Geschichte einigen Freunden erzählte, kam mir ein Schwall ähnlicher Geschichten entgegen. Geschichten über abstruse und teure Verrenkungen, die das neue Datenschutzgesetz jedem abverlangt, der irgendwie aktiv ist. Ob im medizinischen Bereich, ob in der Industrie, ob im Umgang mit Kunden. Ich habe selten erlebt, dass ein Gesetz oder eine Verordnung derart geeignet war, eine politische Einheitsfront zu erzeugen. Die einhellige Meinung: Da hat man einen Stuss verzapft, wie ihn sich nur völlig lebensfremde Politiker mit ideologischem Brett vor dem Kopf ausdenken können.
Gibt es überhaupt eine Chance, dem absurden Datenschutztheater aus dem Weg zu gehen? Ja, eine: aufs Sofa legen und sich nicht bewegen. Vielleicht einen Roman lesen. Oder besser nicht. Der muss ja irgendwie besorgt werden. Und bei dieser Besorgung wird man garantiert über eine Datenschutzfalle stolpern.
Hier ein Tipp an eventuelle Wahlkämpfer, zum Beispiel in Bayern: Nichts gegen das Flüchtlingsthema. Aber wer wirklich Stimmen gewinnen will, muss nur dafür sorgen, dass die Erfinder des neuen Datenschutzgesetzes ermittelt und unverzüglich abgeschoben werden. Sie haben ihr politisches Asyl missbraucht und müssen als nicht integrationsfähig eingestuft werden.
Wohin abschieben? Ich empfehle Amerika. Dort würde man sie so lange auslachen, bis sie roten Kopfes Abbitte leisten. Nach erwiesener Läuterung in Übersee könnten wir sie dann auf Probe wieder hereinlassen. Allerdings unter der Bedingung, dass sie die Finger von der Politik lassen.
Beitragsbild: Sergey Pesterev / Wikimedia Commons CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

@Jobst Lauterbach, Ihr Zitat "Als unregelmäßiger Leser von Achgut gewinnt man den Eindruck, hier hat sich eine Gemeinde Gleichgesinnter gefunden, die sich gegenseitig umarmt und auf die Schultern klopft. Dissens, Widerspruch, noch nicht einmal Kritik, sind nicht gewünscht". Sie verwechseln hier etwas. In Ihrem Kommentar beschreiben Sie nicht Achgut und dessen regelmäßige Leser, sondern die Interessensgemeinschaft Politiker-Mainstreammedien-NGOs-Kirchen-usw. Das trifft genauso auf Ihre Bemerkung "„Wir geben eine Meinung vor, die zur eigenen Meinung wird. Etwas DDR like." zu. Im Gegensatz zu den 95% der Medien und den meisten Politikern haben sich Achgut-Leser aufgrund eigener Beobachtungen und Analysen eine eigene Meinung zu den gegenwärtigen Ereignissen gebildet. Dass diese Meinung sehr oft mit denen von anderen Lesern und den Autoren übereinstimmt, hat damit zu tun, dass vieles, was sich derzeit bei uns tut, bei unvoreigenommener Betrachtungsweise gar nicht anders interpretiert werden kann. Wer z.B. die Energiewende mal nicht im Sinne der Medien betrachtet, sondern sich umfangreiches, unabhängiges Material besorgt, was ja im Internet-Zeitalter (noch) möglich ist, wird ganz schnell auf den Trichter kommen, dass diese "Energiewende" gar nicht umsetzbar ist, selbst wenn man dafür riesige Kollateralschäden in Kauf nimmt. Auch im Bereich Flüchtlingspolitik, Gender-"Forschung", Biotechniken usw. kommt man bei nüchterner Betrachtungsweise meist zu ganz anderen Ergebnissen wie die Mainstream-Medien, die ihre Erkenntnisse wiederum zu 90% von dpa beziehen, was ja auch nicht gerade von Meinungsvielfalt zeugt. Und noch etwas, Zensur werden Sie eher in diesen Medien wie bei Achgut finden, versuchen Sie mal, in der SZ einen nicht konformen Kommentar unterzubringen.
Das Gesetz ist hirnrissig, bürokratisch und gängelt den Bürger. Was anderes war im übrigen nicht zu erwarten. Es stammt aus der Feder eines Grünenpolitikers.
@ Leo Hohensee Das Abstimmungsverhalten der vielfach offenbar eher dümmlich und fakten- / belehrungsresistent daher kommenden sog. Volksvertreter zeigte sich doch auch zu anderen Themenfeldern . So wurden Abgeordnete z. B. nach den Abstimmungen zu den € - und Griechenland-Rettungs-Fonds von Medienvertretern danach gefragt, was sie gerade bestimmt haben. Von den Befragten konnte das keiner erklären. Erinnerlich ist mir noch, daß eine Antwort war, man könne sich nicht in allen Themenfeldern auskennen und müsse daher der Abstimmungsempfehlung des Fraktionsvorsitzes vertrauen. Erstaunlich für mich immer wieder, daß der Wähler (so Wahlen nicht inzwischen Fake-Veranstaltungen sind) dies nicht zur Kenntnis nehmen soll und diese selben "Deppen" immer wieder ins Hohe Haus wählt.
Sind Sie verrückt? Wenn die Grünen mal weg sind, dann sollten sie auch weg bleiben!
Hallo Herr Moser, „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“. Ein wirklich schöner Satz, aber ich finde ihn unzutreffend, weil dieses Gesetz ein Beispiel dafür ist, dass Böswilligkeit sehr häufig ein Attribut der Dummheit ist, die mit Macht ausgestattet wird. Insassen der untergegangenen DDR zum Beispiel kennen diese spezifische Form der bösen Dummheit. Und wir lernen sie seit Jahren auch immer besser kennen und tun nichts dagegen. Das dummdreiste Video, das hier auch erwähnt wurde und von achgut.com veröffentlicht wurde, habe ich gesehen und damals gedacht: Na, zum Glück entscheiden die nichts! Und jetzt die Frage an mich selbst: Wer war hier der Dummkopf?
@Heinrich Moser. „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist." Hanlon´s Rasiermesser funktioniert auch andersrum. Schreibe nichts der Dummheit zu, was nicht auch durch Böswilligkeit erklärbar ist." Ich denke beide Aspekte sind wichtig. Die "Böswilligkeit" der Politik gegenüber dem Volk. Und die "Dummheit" des Volkes jene trotzdem zu wählen. Zensur fällt nicht vom Himmel und Zensoren sind keine Dummköpfe. Die wissen schon warum sie was unterdrücken.
So lieben wir Deutschland! Ein grünes Pickelgesicht hält mit seinem neuen Datenschutz(!)-Gesetz Deutschland in einer völlig sinnlosen Beschäftigungsschleife, während bei der Entwicklung der künstlichen Intelligenz alle unsere Daten gesammelt und zentriert für alle zugänglich werden.( Oder wie will der Onkel Doktor sonst mit dem Kollegen via Internet fachsimpeln? ).Und das ist erst der Anfang! Tja, Her Bonhorst da heißt es, um weiteren Unannehmlichkeiten beim Arzt zu entgehen, schön auf die Gesundheit achten. An apple a day, keeps the doctor away!