Archi W. Bechlenberg / 19.06.2018 / 18:00 / 8 / Seite ausdrucken

Kämpfen, Schießen, Stürmen, Schlagen? Hilfe!

Unter allen Plagen, die sich der Mensch ohne Not selber ans Bein gebunden hat, gehört für mich Fußball. Nicht an vorderster Stelle, da liegt für immer und alle Zeit Religion, aber Fußball kommt dieser schon ziemlich nahe, inklusive Göttern. In einem Punkt schlägt das Spiel sogar alle Glauben dieser Welt: Beim Fußball geht es nämlich, anders als in der Religion, um mehr als nur um Leben und Tod.

Auf der Suche nach fußballfreien Zonen bietet in diesen Wochen nicht einmal die Achse ein Refugium. Das mag weitgehend der Tatsache geschuldet sein, dass gerade in letzter Zeit die Politik in Sachen „Jogis Jungs“ eine wesentliche Rolle übernommen hat. Ich sage nur Ö, Ö, Ü. Darüber hinaus könnte das Thema allerdings längst wieder tabu sein. Ist es aber nicht – stattdessen lesen Sie gerade einen weiteren Text rund um den Ball. Es ist zum Davonstürmen.

Doch es muss sein, denn ich habe einen wichtigen Einwurf zu machen: Von Deutschland ausgehend – wie so ziemlich jedes politische Highlight – bietet sich in Russland ein weiteres Spielfeld auf dem Weg zur weltweiten Entnationalisierung. Wettbewerbe, in denen die besten Fußballspieler zahlreicher Nationen als Nationalmannschaften gegeneinander antreten, dieses Modell hat sich überlebt. Keine Fahnen mehr, keine farbig aufgepeppten Trikots, keine Nationalmannschaften mehr.

Wenn Fahnen, dann gefälligst Regenbogen. Die Botschaft lautet: National ist rechts, gestrig, rassistisch. Und damit sich das auch in teilnehmenden Ländern wie Mexiko, Polen, Japan oder Argentinien (um nur einige exemplarisch zu nennen) ins nationale Bewusstsein einnistet, zeigt Deutschland, dass es auch anders geht. Ein Sport, in dem es um Kämpfen, Schießen, Stürmen und Schlagen geht, gehört ebenso auf den Müllhaufen der Sportgeschichte wie römische Gladiatorenkämpfe und das Kicken mit den Köpfen feindlicher Krieger.

Warum nicht Vegetarier gegen Fleischesser?

Natürlich lässt sich diese Bewusstseinsänderung nicht von heute auf morgen erreichen. Das Spiel als solches, mit seinen verwerflichen, derzeit gültigen Regeln, dürfte sich nicht einmal durch ein Machtwort von Claudia Roth abschaffen lassen. Doch die Idee von Nationen, die gegeneinander antreten, die muss auf den Prüfstand.

Und hier setzt mein Vorschlag an. Lassen wir noch für eine Übergangszeit Fußballer im Kampfmodus gegeneinander antreten. Aber die Mannschaften sollten nicht mehr nach Nationalität sortiert zusammengestellt werden. Es gibt andere Kriterien, die die Idee einer nationenfreien Welt verkörpern können. Warum lässt man nicht Vegetarier gegen Fleischesser antreten? Schwule gegen Heteros? Gläubige gegen Atheisten? Transgender gegen Geschlechtslose? Sozialarbeiter gegen Gangmitglieder? Alp-Öhis gegen Küstenbewohner? Quer über alle Kontinente, ohne einen Bezug zu der Landeszugehörigkeit, die in ihren Pässen vermerkt ist. Und nein! Schwarz gegen Weiß ginge natürlich nicht, das wäre rassistisch!

Leider hat die Mannschaft bei ihrem ersten Spiel nicht gerade überzeugend vorgeführt, dass die grau-grau-dunkelgraue Aufgabe nationaler Identität eine gute Idee ist. Es gilt jedoch gerade in diesen Wochen zu zeigen, dass der Verzicht auf Farbe im Spiel und im Auftreten nicht gleichbedeutend ist mit Verlierertum. Drüm müssen sich Jögis Jüngs von nun an deutlich motivierter betätigen. Ansonsten könnte es passieren, dass Deutschland weltweit zu einer Riesenlachnummer verkommt. 

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Leserpost (8)
Andreas Rühl / 19.06.2018

Interessant erscheint mir eher, mit welcher Treffsicherheit Frau Roth es gelingt, am falschen Ort (bayreuth) zu sein, falsch angezogen zu sein, falsches zu sagen, zu tun und vermulich auch zu denken. Es gibt Menschen, die indem sie mutiges denken und sinnvolles sagen, angefeindet werden. Frau Roth tut das Gegenteil und schafft es dennoch, dass man sie hasst oder verabscheut oder bemitleidet. Sie spricht nur ueber dinge, von denen sie keine ahnung hat und das mit einer Konsequenz, die beeindruckt. Ich bin richtig spitz drauf, worüber sich die tuerkeikennerin, wagnerspezialisten, Deutschlandexpertin demnaechst auslassen wird. Sie ist die schärfste Waffe der Opposition gegen die Opposition. Sie ist die raffiniertes 5. Kolonne des rechten Widerstands. Wer sie auf seiner Seite hat, braucht keine Feinde mehr.

Sabine Schönfelder / 19.06.2018

Süper güschrüben !!

Leo Hohensee / 19.06.2018

Herr Bechlenberg, Ihr Beitrag ist ein seltsamer Beitrag. Was wollen Sie aussagen? Ich jedenfalls bin mir klar über meinen Standpunkt: ich bin stolz auf meine Nation, auf mein Vaterland. Als Kind war ich schon Stolz auf die Stärke meines Vaters und den Schutz, den er mir bot - mitunter gegen meine Mutter - und die Liebe, die er mir entgegen brachte. Das setze ich gleich mit “Vaterland und Verantwortung” . Und unsere Nationalmannschaft, das ist mein Anspruch, diese Stärke zu zeigen! Wenigstens sollte sie zeigen, dass sie den Willen hat, dazu, dieses Land zu vertreten. Sind andere besser, dann ist es auch gut. Wer diesen Anspruch kaputt macht, hier oder dort, kann meine Begeisterung nicht bekommen und auch nicht meine Wählerstimme, kann nicht mein Freund nicht sein, und er wird mich vertreiben aus diesem Land.

Andreas Stüve / 19.06.2018

Leider haben wir den Titel mit der Lachnummer schon. Wir haben Genderisten-und Feministengesäusel, drei Geschlecher (oder doch 66?), soziale Gerechtigkeit (Was immer das ist), einen eigenen Anti-Diskiminierungsminister für jede diskriminierte Minderheitengruppe und tausende von Gleichstellungsbeauftragtinnen (?). Und jeder hat ein Menschenrecht auf alles. Was wir nicht mehr haben sind zum Beispiel Pflichten, eine funktionierende Energiewirtschaft, eine Feuerwehr, die immer kommt und löscht, eine Meinungsfreiheit, eine Demokratie ( die neue nennt sich Pluralismus ) und Freunde, die haben wir auch nicht mehr. Und der Glaube ist auch schon weg. Oftmals kann man etwas nicht mehr haben, weil man etwas anders hat. Was oder wen wohl? Danke für den tollen Beitrag

Georg Dobler / 19.06.2018

Herr Bechlenberg, jetzt muss ich Sie ausnahmsweise doch mal korrigieren.  Bitte nicht sagen, die Religion sei die Plage 1, die sich der Mensch ohne Not selber ans Bein gebunden hat, sondern hier mein Formulierungsvorschlag: “Religionen in ihrer Urform, entwickelt um die Menschen zum Miteinander und gegenseitigem Respekt anzuleiten, wurden zur Begründung von Eroberungen, Ausbeutungen, Unterwerfungen und Kriegen, kurz gesagt zu den übelsten Plagen, herangezogen.”  Beim 1. “Kreuz”-Zug, standen die “Ritter” dankbar am Grabe des Christus, im Blut watend, denn kein Bewohner Jerusalems hatte die “Befreiung” überlebt (auch nicht die koptischen Christen die in der Stadt gelebt hatten). Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass der, der 3 Tage in diesem Grab gelegen haben soll, dies niemals von seinen “Christen” erwartet hat. Die mit dem Blut an ihren Schwertern glaubten, Christen zu sein, was sie aber niemals sein konnten.

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