Roger Letsch / 25.02.2018 / 15:00 / Foto: Tim Maxeiner / 7 / Seite ausdrucken

Justin Trudeau und das Kostüm-Fiasko

Der von den Medien hochgejazzte Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, hat bei seinem mehrtägigen Staatsbesuch in Indien offensichtlich einen neuen Rekord im „sich zum Affen machen“ aufgestellt. Darüber findet sich leider, leider mal wieder nichts in Spiegel, FAZ oder SZ. Man muss schon in die „Washington Post“ schauen. Nicht allein, dass Trudeau bei öffentlichen Auftritten im Gastland so oft in verschiedene indische Kostümierungen schlüpfte, dass es den Gastgebern schon peinlich war.

Es waren wohl auch eher unangemessene Designs dabei, die man in Indien nur als Bräutigam bei einer traditionellen Hochzeit trägt. Auf den meisten Fotos sieht er allerdings eher aus wie ein Pirat, der sich am Set von „Fluch der Karibik“ verlaufen hat. Schwamm drüber, das kann man ja alles noch irgendwie lustig finden, wobei natürlich alle Trudeau-Fans darauf hoffen, dass ihr Idol demnächst nach Papua-Neuguinea reist, um dort nackt mit Baströckchen und Penisköcher in die Kameras zu lächeln.

Doch wie weit darf ein Staatschef seiner Gefallsucht nachgeben, wenn er zu einem mehrtägigen Staatsbesuch aufbricht? Dass Trudeau nämlich ein Blender ist, der glaubt, dass sein Auftreten seine Unkenntnis locker überstrahlt, bewies sein Besuchsprogramm und die Auswahl der Gäste eines Essens, welches er gab.

Regel Nummer eins bei einem Videodreh: Pass auf, dass im Hintergrund nirgendwo ein totes Pferd herumliegt. Regel Nummer eins bei einem Staatsbankett: Achte darauf, dass kein Terrorist auf der Gästeliste steht, der bei deinen Gastgebern schon reichlich Blut hat fließen lassen. Diese Regel ist besonders dann wichtig, wenn man anschließend den Staatschef des Gastlandes treffen will.

Wandlung vom Hoffnungsträger zum Volldeppen

Jaspal Atwal heißt das Malheur, das der kanadischen Diplomatie in Indien zu einer kleinen Eiszeit verhalf. Der Sikh-Nationalist hat so einiges auf dem Kerbholz, und ihn einzuladen, empfanden die Inder in etwa so lustig, wie wenn ein Staatsbesuch in Deutschland mit einem Umtrunk bei der NPD-Ortsgruppe Klein-Pusemuckel begönne. Die indische Regierung kochte jedenfalls ein scharfes diplomatisches Curry, da halfen wohl auch die lustigen Kostümierungen des Kanadischen MP’s nicht. Der Staatsbesuch Trudeaus geriet zum totalen Fiasko.

Staatsbesuche, besonders, wenn sie mehrere Tage dauern, sind potenziell gefährlich. Besonders dann, wenn ein aufgeblasenes Ego wie das des kanadischen MP’s mitreist. Diese Mischung aus Unkenntnis und Selbstüberschätzung, wie sie heute ohne Unterlass Donald Trump vorgeworfen wird, wohnt aber, wie man sieht, besonders in jenen „progressiven“ Politikern, deren Weltbild vor allem von der eigenen Sonne beleuchtet wird. Ich erinnere hier nur knapp an den Besuch Sigmar Gabriels in Israel und dessen Treffen mit der NGO „Breaking the Silence“, die sich vor allem durch antiisraelische Propaganda hervortat. Die Begeisterung der israelischen Regierung lag etwa auf dem Level, auf dem sich die Begeisterung der indischen Regierung heute befindet.

Trudeau sollte, statt wie Kaiser Willhelm II. in einem Kostümverleih zu leben und Worte wie „mankind“ genderkonform in „peoplekind“ umzudichten, einen Grundkurs in Diplomatie besuchen oder endlich nach Neuguinea aufbrechen, um seine Wandlung vom Hoffnungsträger zum Volldeppen zu vollenden. Alternativ könnte Kanada zur Repräsentation wieder auf das Original zurückgreifen und diesen Job der Queen überlassen. Die versucht wenigstens, dem Land (oder dem Commonwealth), das sie vertritt, den Anschein von Würde und Größe zu geben, statt sich anzubiedern und dadurch klein zu machen.

Addenum: Ein Leser weist mich darauf hin, dass es zum Besuch eines Sikh-Tempel gehört, sich ein oranges Tuch um den Kopf zu binden. Dieser Teil geht also in Ordnung. Der Rest des Outfits – und die Kostüme der anderen Gelegenheiten – sind jedoch eher einem Papagei angemessen, als einem Kanadischen MP.

Dieser Beitrag erschien auch auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (7)
Karla Kuhn / 25.02.2018

“....wobei natürlich alle Trudeau-Fans darauf hoffen, dass ihr Idol demnächst nach Papua-Neuguinea reist, um dort nackt mit Baströckchen und Penisköcher in die Kameras zu lächeln.  In Papua-Neuguinea soll es auch noch Menschenfresser geben, ein Schelm ...!!  “... einen Grundkurs in Diplomatie besuchen… ” Da kann er Gabriel gleich mitnehemen. Vielleicht melden sich aber auch noch andere der “Politelite” mit an ??

Fritz Kolb / 25.02.2018

Eine herrlich geschriebene Geschichte aus der Reihe „des Kaisers neue Kleider“. Solche Betrachtungen reduzieren die von Beratern inszenierten Marketingfiguren wie Trudeau, Macron und Konsorten aufs Normalmaß, auch für den Betrachter aus dem Volk. Das ist gut so und ein Vorteil der heutigen Medienwelt. Die Anhängerschaft wird weiterhin in ihrem ekstatischen Zustand verharren, ähnlich der historischen Vorlage. Ich befürchte, dass daran selbst ein Baströckchen nichts ändern würde.

Viola Heyer / 25.02.2018

Und was lernen wir daraus? Traue niemals einem Politiker, der sich selbst als Feministen bezeichnet. Oder sagte er sogar, dass er Feministin sei?

Stefan Lanz / 25.02.2018

Der gute alte Trudeau gibt sich ja immer besonders weltoffen und tolerant. Und dafür lässt er sich ja auch ausgiebig feiern bzw. die Mainstreammedien nehmen diese Vorlage dankbar an, um Trudeau zu hypen. Da lässt man dann als politisch korrektes Medium gerne unter den Tisch fallen, dass Kanada eines der striktesten Einwanderungsgesetze der Welt besitzt Damit ist Trudeau alles andere als weltoffen und tolerant im Sinne Merkelscher Willkommenskultur. Gefeiert wird Trudeau von den links angehauchten Mainstreammedien trotzdem, man ist ja um jeden noch so lächerlichen verkleideten Strohhalm dankbar, Hauptsache er vermittelt die richtige Botschaft…

Peter Zentner / 25.02.2018

Der skurrile Justin entstammt ja einem lustigen Elternhaus: Schon Papa Pierre (kanadischer Premier von 1968 bis 1984, mit einer kurzen Unterbrechung)  und besonders Mama Margaret Trudeau sorgten für schallende Lachsalven im In- und Ausland.  Ist doch wunderschön, wenn ein Sohn die Familientradition bewahrt, oddärr?

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