Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2024“ (Achgut berichtete) zeigt: Junge Deutsche wählen „rechter“ als noch vor wenigen Jahren. Sie sind der Elefant im Raum, der nicht in den Plan passt – zumal sie an der Europawahl teilnehmen dürfen.
Manfred Güllner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa warf der Studie „methodische Mängel“ und ein „völlig falsches Ergebnis“ vor. Seine Begründung: „AfD-Anhänger sind im Netz aktiver als Sympathisanten anderer Parteien. Deshalb sind sie auch in sogenannten Online-Panels, wo man sich selbst als Teilnehmer anmelden kann, generell überrepräsentiert. Durch diese Verzerrung sind auch die jungen, mithilfe eines solchen Panels Befragten überdurchschnittlich häufig Anhänger der AfD.“
Auch der Umstand, dass man insgesamt nur auf 99 Prozent käme, wurde von ihm bemängelt. Forsa führte selbst eine Umfrage durch und kam zu dem Ergebnis, dass Grüne und CSU/CDU bei Wählern im Alter von 18 bis 29 Jahren auf jeweils 21 Prozent der Stimmen kamen. Die AfD erhielt lediglich 14 Prozent. Die Studie wurde in den Monaten Januar bis April mit 4.570 Menschen durchgeführt. Zum Vergleich: bei der Trendstudie „Jugend in Deutschland“ wurden 2.024 Personen befragt. Das Alter der Befragten lag dort zwischen 14 und 29 Jahren. Angesichts der bevorstehenden Europawahl, bei der erstmals ab 16 gewählt werden darf, bekommt das Ergebnis im Hinblick auf das Alter der Teilnehmer der ebengenannten Studie möglicherweise eine höhere Bedeutung zu als erwünscht.
Einige jüngere Politiker haben zum sogenannten „Rechtsruck“ einiges zu sagen. So zum Beispiel Andreas Mehltretter, der erklärte:
„Wir müssen gemeinsam als Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Medien klarmachen, dass nur unser Grundgesetz genau diese Lebensweise in Freiheit und Demokratie garantiert, und dass rechte Parteien wie die AfD all das und den Wohlstand in unserem Land gefährden.“
Warum? Weil sie angeblich Wählern schadet, die ein geringeres Einkommen haben und dem Staat die Gelder für Umverteilung durch Steuersenkungen kürzen will. Geringere Steuern bedeuten weniger Wohlstand – für den Staat. Der Arbeitnehmer freut sich, wenn mehr von seinem Gehalt übrig bleibt. Johannes Becher, Landtagsabgeordneter der Grünen, sagte:
„Das Wahlrecht ab 16 Jahren ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen mehr politische Beteiligung junger Menschen, denn sie haben auch am längsten die Konsequenzen unserer politischen Entscheidungen zu tragen. Große Sorge macht mir aber, dass das rechtsextreme Gedankengut der AfD in den letzten Jahren auch bei jüngeren Wählerschichten zunehmend verfängt.“
Er erklärt sich diese Entwicklung mit der Social Media Präsenz der AfD, die „scheinbar einfache Lösungen“ präsentiere. Bestimmt nicht irrelevant, aber nicht unbedingt ausschlaggebend. So haben sich die Grünen die Durchsetzung des Wahlrechts ab 16 sicherlich nicht vorgestellt. Im Jahr 2022 setzten sich für ein heruntergesetztes Wahlalter und für „Generationengerechtigkeit“ ein.
Vor fünf Jahren – am 08.05.2019 im Bayerischen Landtag – wirkte Johannes Becher selbst enthusiastischer als heute. Er erklärte, dass die Angst vor dem Nichtgewähltwerden kein Argument sei, das Wahlalter nicht abzusenken. Stattdessen sollte man „sich lieber selber überlegen, warum man von der kommenden Generation nicht die Unterstützung bekommt. Dann muss man vielleicht die Politik ändern, aber nicht Jugendliche ausschließen.“ Dass die Grünen ihre Politik ändern, wird wohl ein unerfüllter Wunschtraum bleiben.
Erfolg trotz Skandalen
Ergänzend zur Trend-Jugendstudie hat die TUI-Stiftung nachgelegt. Im März wurden 5.874 Europäer in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Polen zwischen 16 und 26 Jahren befragt. Das Ergebnis: die Kategorie „Migration und Asyl“ erreichte mit 36 Prozent den Platz eins im Ranking der wichtigsten Themen. 34 Prozent wollten „eingeschränkte Zuzugsmöglichkeiten“, während 23 Prozent „erleichterte Zuzugsmöglichkeiten in die EU“ befürworteten. Deutschland bildete mit 46 Prozent die größte Prozentzahl innerhalb der einzelnen Länder für diese Oberkategorie. Kein Wunder, die Angst vor Straftaten und die fehlende Integration werden für diese Wandlung eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Kriminalstatistik 2023 zeigte 17,8 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige, laut der Berliner Zeitung trägt jeder fünfte Jugendliche ein Messer, und allein in Berlin wurden 2023 111 Gruppenvergewaltigungen registriert. Die Liste lässt sich mühelos fortsetzen.
„Umwelt-und Klimaschutz“ musste deswegen auf Platz zwei weichen, wobei „Wirtschafts-und Finanzpolitik“ ebenfalls 26 Prozent aufwies. Prof. Thorsten Faas von der FU Berlin, der die Studie wissenschaftlich begleitete, äußerste zum Ergebnis, „dass es nicht die eine homogene Gruppe junger Menschen gibt, die eine einheitliche Position vertritt“ und versuchte so scheinbar das Ergebnis hinsichtlich des Migrationsthemas zu relativieren.
Faas betonte: „Bald schon könnte ein anderes Thema auf der Agenda ganz oben stehen und sich vorteilhaft für manche, eher nachteilig für andere Parteien auswirken.“ Er hat nicht unrecht, aber entscheidend ist die aktuelle Tendenz. Und aufgrund dieser kann man folgern, dass sie sich positiv für rechte Parteien auswirken wird. Ob eine erneute Wandlung bis zur Europawahl vollzogen wird, darf man bezweifeln. Bei der Wahlumfrage von INSA vom 25.05.2024 hat die AfD immer noch 17 Prozent der Stimmen – trotz medial aufgeblasener Skandale.
Marie Wiesner, geb. 1999 in Sachsen, ist gelernte Ergotherapeutin.