Heute nachmittag in brisant, dem Nachrichtenmagazin der ARD: Gauck verteilt Essen an Obdachlose. Der Alt-Bundespräsident habe zusammen mit seiner Lebensgefährtin die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo besucht. "Dort halfen beide bei der Essensausgsbe."
Es war kein spontaner "Besuch" nach einem Bummel über den Kurfürstendamm. Das Event wurde sorgfältig vorbereitet. Die gesamte Berliner Medienwelt schaute den Obdachlosen beim Essenfassen zu. Fotografen und Kameraleute hielten jeden Augenblick fest. Der Leiter der Einrichtung, vor kurzem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, erzählte, dass er Schlafsäcke an Obdachlose verteilt, damit diese nachts im Tiergarten nicht frieren müssen. Die Frage, warum die Stadt nicht eines der in die Jahre gekommen Hotels anmietet, damit niemand im Freien übernachten muss, wurde weder gestellt noch beantwortet, auch nicht vom Alt-Bundespräsidenten. Ungesagt blieb auch, warum man nicht wenigstens einen Flügel des geräumigen Schlosses Bellevue den Obdachlosen zur Verfügung stellt, damit der Bundespräsident das Haus nicht verlassen muss, wenn er bei der Essensausgabe helfen möchte.
Das wäre bestimmt im Sinne des Alt-Bundespräsidenten. "Sie merken es an meinem Gesicht oder an meiner Betriebstemperatur, dass es mir gut tut, hier im Verein mit anderen Leuten... zu helfen."
Was unsereiner schon lange geahnt hat: Die Helfer helfen nicht, um zu helfen, sondern weil es ihnen "gut tut". Das ist zumindest ehrlich. Nach einer Stunde hatte Gauck genug Gutes getan. Bevor seine Betriebstemperatur den Siedepunkt erreicht hatte, verließ er die Bahnhofsmission und drohte den Obdachlosen, er werde vielleicht wieder kommen, wolle sich aber nicht festlegen.

Lustig. Andererseits wäre man froh, weder hier noch sonst wo, von diesem Herren je wieder etwas hören oder sehen zu müssen. Der auch mal tapfer sagte dass er "soziale Unterschiede gut aushalten könne". Da diese es ihm erlauben ein oder zweimal im Jahr sich beim Gutes tun in Medienaufmerksamkeit zu sonnen ist das verständlich. So kann er sich rundum wohl fühlen als Elitenmensch.
Der gute Eigennutz Warum engagieren sich Menschen in der sogenannten Flüchtlingshilfe? Sicher tun das Wenige selbstlos. Die Meisten sind wahrscheinlich haltlos auf der Suche nach Anerkennung und Liebe. Oder sie kämpfen einen inneren Ablasshandel und wähnen sich bereits im Himmel, umschwirrt von Gutengeln. Liebe Leute. Es genügt ein rechtschaffender Bürger zu sein. Das seid ihr oft nicht.
Stell Dir vor, Gauck tut Gutes und keiner guckt zu.
Dieser Grüßaugust
Ja, sehn Sie, früher hieß es: "Tue Gutes und sprich 'drüber." Heute heißt es: "Tue Gutes und mach'nen Film 'drüber." Und was Joachim I. auch genannt, "der Helldeutsche" angeht: Er hat große Sympathien mit Menschen die sein gleiches trauriges Schicksal teilen, denn seit man ihm den Rokokostuhl vor das Schloss gestellt hat, kommt ihm schließlich jede andere, bescheidenere Unterkunft wie das Nachtlager eines Clochards unter der Spreebrücke vor.
Oh my God ,wie peinlich das Ganze Geschwurbel!Fehlt ihm die große Bühne?
Herr Broder, mal wieder punktgenau und treffend, vielen Dank.