Henryk M. Broder / 24.05.2017 / 14:59 / 7 / Seite ausdrucken

Jung, jüdisch und in geheimer Mission unterwegs

Gestern im "heute journal" des ZDF: Nicola Albrecht berichtet vom Trump-Besuch bei Mahmoud Abbas in Bethlehem und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Ab 26:10.  Sie fängt mit der launigen, aber offenbar relevanten Feststelllung an, der rote Teppich sei "faltenfrei ausgerollt" worden, damit US-Präsident Trump nicht "auf den letzten Metern durch das Heilige Land noch richtig stolpert". Was für ein grandioser szenischer Einstieg! Aber es wird noch besser. "Mit gezwungenem Lächeln bietet Palästinenser-Präsident Abbas dem selbst ernannten Friedensbringer die Plattform für dessen Botschaft."

Ja, ein jahrelanges Praktikum beim BR zahlt sich aus. Frau Albrecht kann nicht nur zwischen einem freiwilligen und einen gezwungenen Lächeln unterscheiden, sie weiß auch wie man "Friedensbringer" wird. Man muss für diesen Job entweder vom Papst oder vom Intendanten des BR geweiht werden. Ein selbst ernannter Friedensbringer kann nur ein Hochstapler sein, und wenn es der amerikanische Präsident ist. Kann sich jemand an einen Bericht über Obama erinnern, in dem dieser als selbst ernannter Friedensbringer bezeichnet wurde? Ich nicht.

Aber Obama war ja ein Friedensnobelpreisträger, hatte also die notwendige Lizenz, um Frieden zu bringen. Deswegen war er auch so erfolgreich.

Weiter geht es "auf der israelischen Seite". Auch hier müssen "die Gastgeber die Zähne zusammenbeißen". Da hat Frau Albrecht ganz genau hingeschaut. Nicht nur das ärmellose Kleid der First Lady war "unangemessen", sondern auch Trumps Eintrag im Gästebuch von Yad Vashem. Was hätte Nicola Albrecht an Stelle von Trump in das Gästebuch geschrieben? Vielleicht: "Die besten Falafel gibt es bei Abu Schukri in der Altstadt!" oder "Gestern Opfer, heute Täter!" Schade, dass wir es nie erfahren werden.

Schnitt. Trump mit seiner Frau Melania, hinter ihm sein Schwiegersohn. Und Frau Albrecht im Off: "Immer an Trumps Seite: Schwiegersohn Jared Kushner. 36 Jahre jung, gläubiger Jude und von Trump eigentlich als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt. Doch auf dieser Reise bleibt auch seine Nahost-Strategie ein Geheimnis."

Auch das Andeuten und Insinuieren will gelernt sein. Gläubiger Jude. Und so einer soll zwischen den Palis und den Israelis vermitteln? Woher weiß Frau Albrecht überhaupt, dass Kushner ein gläubiger Jude ist? Hat sie ihn in die Synagoge begleitet? Mit ihm koscher getafelt? Nein, das haben schon andere vor ihr geschrieben, und sie plappert es nach. So geht investigativer Journalismus. Und dann hat der Mann auch noch "ein Geheimnis", dass er mit Frau Albrecht nicht teilen möchte.

Und was hat Frau Albrecht? Einen Zettelkasten voller Phrasen und Ressentiments, die sie gerne mit anderen teilt.

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Leserpost

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Wolfgang Kaufmann / 25.05.2017

Wer etwas zu sagen hat, wird in diesen Monaten Deutschland mit Verachtung strafen. May und Trump positionieren sich für den nächsten Akt der Weltgeschichte, während deutsche Außenpolitiker im Sandkasten spielen. Unsere Presse nimmt ihren pädagogischen Auftrag furchtbar wichtig, doch die wirklichen Protagonisten ignorieren dies alles nicht mal.

Bernard Collision / 24.05.2017

Dieses unscheinbar-subtile in der Darstellung unserer öffentlich-objektiven Rundfunkanstalten ist genau das Problem.  Leider lassen sich genau dadurch viele, weniger kritische Zeitgenossen “einseifen” ohne dies wirklich zu bemerken. Lieber Herr Broder! Wenn es Sie nicht gäbe - man müsste Sie glatt erfinden. Darum gilt Ihnen mein aufrichtiger Dank, dass Sie dagegenhalten!

Stephan Profittlich / 24.05.2017

Lieber Herr Broder, am meisten bewundere ich an Ihnen, daß Sie sich den Müll aus den ÖR Medien jeden Tag antun ohne geistigen Schaden zu erleiden. Diese Gabe ist mir leider nicht gegeben, deshalb verzichte ich auf Bildung a la ARD + ZDF. liebe Grüße

Dr. Andreas Dumm / 24.05.2017

Es gibt zwei Gründe dafür, daß ich seit mehreren Jahren keine einzige Minute Radio- oder Fernsehnachrichten angehört bzw. angesehen habe, des weiteren ebenso beharrlich “Dokumentationen” des ÖR-Rundfunks und erst recht “Talk-Shows” meide und der (gefühlt) 34. Wiederholung von “Hitlers Frauen” etc. keine Beachtung schenke. Der erste Grund: Ich ertrage die propagandistische Absicht nicht, die mal offen und mal versteckt alle diese Darbietungen prägt. Nicht einmal den Wetterbericht kann man schauen/hören, weil er zu einem Klimazustandsbericht - angereichert mit Hinweisen auf menschliches Verschulden von allem Mißliebigen - verkommen ist. Der zweite Grund: Die unerträgliche Dummheit vieler “Moderatoren”, auf gleicher Höhe gefolgt von ihrer Blasiertheit. Der alltägliche Kampf gegen das Böse hat sie zu Guten, ja zu Gutesten geadelt.

Dr. Volker O. Rachui / 24.05.2017

Leider hat das Engagement so vieler DDR-Bürger 1989, für die Freiheit des Denkens und der Rede auf die Straße zu gehen, keine nachhaltige Präsenz in ganz Deutschland entfalten können. Es kommt einem so vor, als hätte sich die DDR-Denk-Diktatur am Ende doch durchgesetzt. Alte und neue Diktate ähneln sich auf verblüffende Weise - immer wieder. Das scheint dann wohl doch eine Art Naturgesetz zu sein und sollte mich/uns nicht beunruhigen. Oder doch? Es ist verdammt anstrengend!

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