Ein altes Bonmot über Volksvertreter unkt, dass, wer glaube, dass diese das Volk vertreten, auch glaube, dass Zitronenfalter Zitronen falten. So darf man getrost davon ausgehen, dass politische Jugendschützer unserer Tage zumeist alles andere im Sinne haben, als die Jugend zu schützen. Es ist durchschaubar, was der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, im Sinne hat, wenn er jungen Menschen die sozialen Medien untersagen wollte, womit er weitestgehend gescheitert ist. Gleiches gilt für den Kanzler, der sich eine Klarnamenspflicht im Internet wünscht. Auch das ist vom Tisch, aber bestenfalls vorläufig.
Es ist durchschaubar, was hinter des Kanzlers Wunsch steht, wenn schon ein Rentner, der ihn mit einer von Meister Geppetto gefertigten – respektive von Carlo Collodi erfundenen – Marionette in den wohlbekannten Sozialen Medien gleichsetzte, flugs polizeiliche Ermittlungen an der Backe hat. Man möchte dann doch am besten gleich Name und Adresse per Klick ermitteln können. Das aber ist noch lange nicht alles, was dahinter steht.
Die Gefahr der Eineindeutigkeit
Gesetzt den Fall, man möchte eine bestimmte Gruppe von Menschen aufgrund ihres Alters aus bestimmten Teilen des Internets fernhalten, dann ist dazu zwingend nötig, dass man eine eineindeutige Zuordnung zwischen der realen Person und dem virtuellen Profil auf der jeweiligen Plattform hat. Eineindeutig ist ein Begriff aus der Logik, der besagt, dass die Zuordnung nicht nur in einer Richtung funktioniert, sondern auch rückwärts eindeutig bleibt. Wer unter dem Profil postet, ist diese Person und umgekehrt, wenn diese Person postet, kann sie es nur unter diesem Profil tun. Idealerweise gilt das für jedes nur denkbare Medium im Netz. Jede nicht bidirektionale Möglichkeit erlaubt – auch wenn sie in einer Richtung eindeutig ist – keine klare Zuordnung zwischen einer Aktion und ihrem Urheber. Für mögliche Zugangsbeschränkungen taugt sie damit nur begrenzt.
Was notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen, ist eine staatlich ausgegebene digitale Identität, die allein dazu berechtigt, in bestimmten Bereichen im Internet tätig zu werden. Technisch ist es dann egal, ob es sich dabei um einen Facebook-Account, ein X-Profil, ein Tiktok-Profil, ein Kundenkonto beim Modehaus der Wahl oder das Bankkonto handelt. Praktischerweise kann man die digitale Identität auch gleich für Behördengänge verwenden, sie mit Krankenversicherung, Finanzamt und Führerschein verknüpfen. Damit wäre dann nicht nur gewährleistet, so denn alle Betreiber von Internetportalen gezwungen würden, sich an dem System zu beteiligen, dass Altersbeschränkungen sicher einzuhalten wären. Mehr noch, es wäre die totale Kontrolle aller Lebensbereiche.
Vorsicht Falle!
Die Eineindeutigkeit bedeutet nämlich, dass die Stelle, die die digitale ID ausgibt, der gegenüber man sich nachvollziehbar identifizieren muss, umgekehrt auch alles kontrollieren kann, was man denn so im Internet treibt. Das freie Internet ist, denkt man die digitale Identität zu Ende, dann Geschichte. Bei hinreichend hohem Grad der Verknüpfung kann die Krankenkasse ihren Tarif an die täglich geleisteten Stunden Sport anpassen. Zu viel auf rechten Portalen herumgetrieben? Zu oft mit der digitalen ID in der Stammkneipe gewesen und mehr als drei Bier getrunken? Mehrfach wegen anstößiger – durchaus legaler – aber bitte! – Posts auf X aufgefallen? Naja, mag Otto Normalverbraucher denken, ist doch nix passiert. Und dann…
Es wird Zeit für den Urlaub. „Ihr Zugang zum Buchungsportal ist leider nicht verfügbar.“ Moment! Aha: Ein Blick auf das persönliche Konto, nicht das Bankkonto, das Sozialpunktekonto verschafft Klarheit. Ein Urlaub kann von Ihnen auf Grund asozialer Verhaltensmuster nicht gebucht werden. Sammeln Sie soziale Wohlverhaltenspunkte und wir schalten Ihnen die benötigten Zugänge im kommenden Jahr wieder frei. Dies ist genau das chinesische System der Sozialpunkte, mit denen man sich gesellschaftliche Vor- und Nachteile einhandeln kann. Es ist nichts anderes als das Ende der Freiheit.
Zum Glück funktioniert in Deutschland derzeit nicht einmal die Bahn, von daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es kurzfristig gelingt, ein solches System technisch valide umzusetzen, nicht allzu hoch. Doch nach fünf oder zehn Jahren könnte es sogar Deutschland gelingen, ein solches System zu bauen. Europa wäre dabei nicht nur gerne mit im Boot, sondern würde sogar von Herzen gern die Vorreiterrolle übernehmen. Dann könnte man auch gleich den Euro digitalisieren und das Bargeld abschaffen.
Ein Klick, und alles aus
Mit einem Klick wäre jede befugte nationale oder europäische Behörde nach Vollendung der digitalen Identität in der Lage, einen Menschen von allen wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten abzuschalten. Mit einer deaktivierten digitalen ID kann man dann nicht einmal mehr ein Brot oder einen Sack Kartoffeln kaufen. Das! Und nichts anderes ist das Ziel hinter all den Bestrebungen, die unter dem Label Jugendschutz daherkommen. Auch wenn man den gegenwärtigen Protagonisten solches nicht unterstellen will, sie lenken die politische und technische Entwicklung genau auf diesen Weg, und darum gilt es hier wachsam zu sein und schon den anfänglichen Gefahren zu wehren.
Es ist noch der Blick auf die Jugendlichen nötig. Wir waren alle mal jung. Was taten wir, ereilten uns Verbote? Erstens ist alles verbotene besonders attraktiv, Und zweitens Wir sucht mannach einem Ausweg. Tatsächlich werden sich Jugendliche, die aus Sozialen Medien ausgeschlossen werden, sehr schnell eigene Kanäle zum sozialen Austausch schaffen. Irgendeiner kann eine App programmieren, einer weiß, wie man sie unabhängig von Google und Apple verteilen und installieren kann, und schon sind TikTok & Co. erst mal vergessen. Natürlich wird der Staat auch diese verbieten, und man wird viel von unheimlich gefährlichen illegalen Programmen hören. Doch das wird ein Hase-und-Igel-Spiel bleiben. In jeder Dystopie gibt es einen Untergrund, und in jeder Dystopie streben die Menschen nach Freiheit. Einige werden sich immer zu emanzipieren wissen. Aber ja, die große Masse wird mitschwimmen.
Echter Jugendschutz heißt Bildung
Als letztes ist noch der Aspekt des Jugendschutzes zu untersuchen. In der Tat sind diese Kleinstcomputer für die Hosentasche, mit denen man zur Not auch telefonieren kann, für junge Menschen das reine Gift. Der Leiter des Augsburger Gebetshauses Johannes Hartl ist sicher alles, aber nicht technophob. Er hat sich schon in zahlreichen Vorträgen und anderen Wortmeldungen mit dem Thema Kinder und Smartphones beschäftigt, nicht zuletzt darum findet er auf die Frage, wann ein Kind ein Smartphone bekommen solle, eine einfache und klare Antwort: dann, wenn die Eltern der Ansicht sind, dass ihr Kind vollkommen ungeschützt mit jeder Form von Pornografie und Gewalt in Berührung kommen soll.
Aus der Praxis argumentiert Silke Müller. Die Schulleiterin hat über das Thema ein Buch geschrieben. “Wissen Sie, was Ihr Kind auf seinem Smartphone sieht?”, das ist die Kernfrage, die Silke Müller den ahnungslosen Eltern auf Infoveranstaltungen ihrer Schule stellt. Sie zeigt dann Fotos, Sticker und Videos. Die Urteile der Eltern: Das ist so verstörend, dass kaum jemand hinsehen mag. Ihr Buch heißt nicht von ungefähr, wir verlieren unsere Kinder. Wer solche Bilder und Filme gesehen hat, ist kein Kind mehr.
Wer es Kindern und Jugendlichen erlaubt, ein Smartphone zu benutzen und gleichzeitig von Jugendschutz redet, ist Pinocchio nicht nur ähnlich, er wäre – könnte die Nase wachsen – geradezu der Idealtypus des Pinocchio. Verantwortungsbewusste Eltern kontrollieren heute sehr streng, wozu, wann und wie lange ihre Kinder das Smartphone nutzen. Die Chance, ihr Kind damit vor schädlichen Inhalten zu schützen, geht am Ende trotzdem gegen Null. Wem es ernst ist mit Jugendschutz, der sorgt zunächst einmal dafür, dass Pornografie aus dem Netz verschwindet. Das ist relativ leicht möglich, es braucht dafür nur ein Gesetz und technische Sperrung illegaler Seiten. Ja, auch das ist Hase und Igel, aber wenn man die Kosten für die Betreiber der Seiten hoch genug macht, dann lohnt es irgendwann nicht mehr. Gleiches gilt für Gewaltdarstellungen.
Der zweite, um ein Vielfaches wichtigere Schritt wäre Bildung. Analoge Bildung! Junge Menschen, die in der analogen Welt sicher rechnen, lesen und schreiben lernen und im Grundschulalter weitestgehend von der digitalen Welt verschont bleiben, bewegen sich später weitaus sicherer und souveräner in digitalen Kontexten, weil sich das Gehirn anders entwickelt hat. So, wie man primär lesen, schreiben und rechnen lernen muss, so, wie man Physik und Chemie lernen muss, so, wie man eine neue Sprache erlernen muss, so muss man auch den Umgang mit der digitalen Welt erlernen. Und nun wird es brutal. Das lässt sich nicht vermeiden. Um es verständlich zu machen, ein Beispiel aus einer andere Welt, dem Automobilverkehr. In der Fahrschule lernt man (hoffentlich immer noch) wie ein Zweitakter, ein Viertakter und ein Dieselmotor funktionieren. Da seinerzeit der Ro80 noch auf der Straße war, mussten wir auch den Wankelmotor erklären können. Man braucht dies Wissen, um eine grundsätzliche Vorstellung von dem zu haben, was man da unter dem Hintern hat und mit einem sanften Druck des Fußes auf eine Geschwindigkeit bringt, die kein Mensch von sich aus erreichen kann.
Der Zugang zur digitalen Welt
Für die digitale Welt ist das nicht so viel anders. Bool’sche Algebra, das Hexadezimalsystem, eine grundständige Vorstellung einer einfachen Maschinensprache – zum Beispiel die des guten alten 8080 – und einige wenige mit eigener Hand geschriebene Programmzeilen schaffen ein valides Verständnis für das, was ich da in der Hand halte. Dieses Ding nämlich bringt Informationen in einer Geschwindigkeit in meine Welt, die ich mir niemals auf anderem Wege so schnell zugänglich machen könnte. Das Auto ist eine Schnecke dagegen.
Genau darum nämlich geht es, zu verstehen, was es ist, was da in meiner Hand blinkt und blitzt und flimmert. Mit einem analog herangewachsenen frühkindlichen Hirn und einer pubertären Digitalisierung durch Bildung schafft man eine weitaus souveränere Jugend, die immer noch verführbar genug sein wird, aber vielleicht etwas verständiger. Der Gedanke eines Smartphone- oder Internetführerschein ist weitaus weniger abwegig, als mancher denken mag. Wir sind hier noch lange nicht bei KI!
Ein solches bildungsorientiertes Vorgehen jedenfalls enthält um Zehnerpotenzen mehr Jugendschutz, als Merz, Günther und von der Leyen mit ihren totalitären Zensur- und Kontrollphantasien verwirklichen könnten. Mehr noch, man braucht dazu etwas, das die Protagonisten der selbsternannten Mitte schon lange nicht mehr zu haben scheinen: den Mut zur Freiheit. Nur wer frei ist, kann darüber lachen, wenn einer einen Pinocchio heißt. Nur selbst unfreie Geister rufen dann sofort nach Zensur und Kontrolle.
„Smartphone- oder Internetführerschein“ –
Das würde dann für 79% der Ü50 und 97% der Ü60 das Internet-Aus bedeuten. Da helfen ein paar Zeilen 8080-Assemblercode aus den 80ern nicht weiter. Übrigens: der Z80¹ war viel besser. Der hatte Hidden Opcodes!
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¹) ältere Bürger neuerer Bundesländer: U880
„Wem es ernst ist mit Jugendschutz, der sorgt zunächst einmal dafür, dass Pornografie aus dem Netz verschwindet. Das ist relativ leicht möglich, es braucht dafür nur ein Gesetz und technische Sperrung illegaler Seiten.“ –
Juhu! Die gute alte Zensur. Nicht vergessen: Tor und VPN Proxys sperren. Verschlüsselung verbieten. Das Darknet beleuchten.
Kwangmyong für Alle!
„Das freie Internet ist, denkt man die digitale Identität zu Ende, dann Geschichte.“ –
Das freie Internet ist seit rund 30 Jahren Geschichte. IP-Adressen sind trackbar, Handys buchen sich in Funkzellen ein usw. usf.
Nach 9/11 war der Krieg gegen den Terror der offizielle Grund, seit ca. 2019 tritt zunehmend der Krieg gegen Kinderschänder in den Vordergrund bei den Bemühungen, alle(s) nachzuverfolgen. Auch die Vorratsdatenspeicherung ist noch lange nicht tot. Aber es ist eben nicht nur der Staat:
Wer einen SocMed-Account anlegt, muss einen Rückkanal (E-Mail, Telefonnummer) angeben, sonst geht’s nicht. Wer dabei schummelt (Wegwerf-E-Mail, ausländische, anonyme Prepaid-SIM) wird früher oder später gesperrt und muss zum Entsperren eine Ausweiskopie hochladen (bei FB bspw.). Wenn also der neu eingerichtete Account nicht gesperrt wird, darf man getrost davon ausgehen, dass die persönliche Identifizierung seitens des Anbieters erfolgreich war.
Wer anonym unterwegs sein will, muss alle Datenspuren von Anfang an und dauerhaft verwischen (z.B. nur Internet-Cafes nutzen, Handy incl. SIM nur wenige Male benutzen). Was erst recht verdächtig macht, denn Big Data analysiert auch Verhaltensmuster.
Interessenschutz von Medienkonzernen funktioniert doch hervorragend, die ganzen Streamingportale in denen man Hollywoods Produkte herunterladen kann, werden mit der vollen Härte aller Staaten verfolgt. Das klappt. Aber um Jugendschutz kümmert sich kein Mensch. Sämtliche Porno-Websites sind frei zugänglich, selbst für Kleinkinder. Nicht einzusehen.
Leider hat auch dieser Autor nur einen autoritären und totalitären (sowie auch unrealistischen) Ansatz, wenn er dafür sorgen möchte „dass Pornografie aus dem Netz verschwindet“. Natürlich durch „Sperrung illegaler Seiten“. Zunächst: Pornographie ist nicht per se illegal und darf es in einer Demokratie auch nicht sein. Es gilt jene vor Pornographie zu schützen, welche noch nicht damit umgehen können. Das Gleiche gilt für Gewaltdarstellungen. Auch solche sind nicht per se illegal. Kampfsport? Computerspiele? Kinofilme? Literatur?
Dann wäre die Frage der Definition von Pornographie und Gewaltdarstellung wichtig. Wer zieht die Grenzen zwischen Erotik und den verschiedenen Formen und Abstufungen von Pornographie und Gewalt? Wer legt das fest? Die wachsende muslimische Gemeinschaft? NGO´s welche LGBTQ+ propagieren? Völkische Akteure? Oder strenge Neo-Christliche Gruppen? Die Grünen? Die Linke?
Ein besserer Ansatz sind sicher Aufklärung, Bildung und Wissen für Eltern und Kinder. Und sicher auch elterliche Kontrolle, aber nur einhergehend mit einer vertrauensvollen, stabilen Eltern-Kind-Beziehung. Aber technisches Wissen über Programmierung und Bildbearbeitung greifen deutlich zu kurz, oder sogar völlig daneben. Das Wissen, wie genau der Videorekorder funktioniert und wie Filme gedreht werden hat früher niemanden abgehalten Filme mit Gewaltdarstellungen, Pornographie oder beidem zu schauen. Wichtiger erscheint mir, dass Kinder, wenn sie etwas gesehen haben, was sie überfordert/verstört, sie in ihren Eltern kompetente, vertrauensvolle und verlässliche Ansprechpartner haben. Der Staat kann hier nur unterstützend und beratend helfen und versuchen den Zugang für Kinder und Jugendliche zu erschweren. Dennoch teile ich die Befürchtung des Autors, dass über den Vorwand des Kinder-/und Jugendschutz autoritären/totalitären Tendenzen Vorschub geleistet werden soll.
Die Waffenverbotszonen sind gut für anlasslose Taschenkontrollen. Um zu wissen, ob jemand ein Messer mitführt, muß man ihn durchsuchen.
Die BILD jubelt heute, daß nur noch 3 Prozent der Deutschen nicht online sind. Es funktioniert, Behören, Ämter und Unternehmen drängen Mitarbeiter und Kunden ins Netz. Fast alle benutzen das Smartphone zum Fahrkartenkauf. Das sieht man bei Kontrollen.
Die angebliche Zeitersparnis der Datenübertragung mit QR-Code wird mit analoger Umständlichkeit erzwungen. Da muß man dann eine oder mehrere Stunden in der Warteschleife verharren, bis endlich ein Service-Telefon frei wird. Die Frage ist da schon, wenn doch alle auf QR-Code umgestiegen sind, wieso die Servicetelefone für halbe Ewigkeiten blockiert sind?
Wer alles mit seinem Smartphone macht, ist ein Laufroboter der Regierung. Die Totalabüberwachung ist lange da.
Die Social Mediaeinträge werden mit Suchmaschinen gecheckt. Anders sind weder die Hausdurchsuchungen, Kündigungen noch die Anzeigen begründbar. Wer da reingeht, hat doch sowieso nicht alle Latten am Zaun?
Busse, Bahnen, öffentliche Räume, Kaufhäuser, welche Platz wird nicht mit Kameras überwacht? Mit dem Smartphone und der Triangualtion ist man überall identifizierbar.
Die begründen die Überwachung mit den Krisen, für die sie selber verantwortlich sind. Muß man wirklich glauben, das machen die aus Versehen?
In der BRD mußte man kein Telefon haben. Keines zu haben, war kein Manko. In diesem Sumpfgebiet wird man zur digitalen Vollaustattung genötigt und demnächst ist das Pflicht. Wenn man sagt, man habe kein Smartphone, wird man ungläubig beäugt, als wäre man Separatist und wolle gerade die EU übernehmen.
Vor einigen Tagen kamen mir im Park zwei maskierte Polizisten in voller Kampfmontur und mit Maschinengewehren entgegen. Warum laufen schwer bewaffnete Kampftrupps in Parks zwischen Kindern herum?
Das Verbot finde ich gut, nur leider stecken dahinter falsche Gründe.
Die „sozialen Netzwerke“ sind es nicht, da köcheln nur alle im selben trüben Sumpf. Aber die heutigen Möglichkeiten, sich zu Hause Information zu beschaffen, am heimischen Bildschirm, sind derart gewachsen, ganz unglaublich. Damit gut und kompetent umzugehen muss ein wichtiges Bildungsziel sein – leider können das viele Lehrkräfte selbst nicht. Es geht also um Informationsbeschaffung und Einordnung derselben – ein schwieriges Geschäft, fürwahr. Die ständige Gefahr der Irreführung ist groß – aber auch nicht größer als ehedem, ganz im Gegenteil. Es ist kein Zufall, dass Diktatoren gerne als erstes das internet abschalten bzw. es kontrollieren und einschränken von Anfang an. Motto: Feindsender verbotten. Wie früher halt auch schon. „Schwarzhören, Tal der Ahnungslosen“ etc. Trotz leicht zugänglicher Information ist die Informiertheit der meisten Leute erschreckend niedrig, auch hier bei uns. Es greift das Phänomen der Lichtenberg’schen Blödsichtigkeit: Man sieht zwar was, begreift aber nicht, was das ist, im Hirn. An der Synapse. Porca miseria. Da ist aktives Ableugnen, Ablehnen von Information noch gar nicht dabei … . Wer das macht, der ahnt wenigstens was, dem schwant* was. Ein Hoffnungsschimmer. Dann ist Polen nicht verloren. Bildung. Alles, was man wissen muss ist ein Buch von Dietrich *Schwanitz aus dem Jahr 1999. Es bietet einen Streifzug durch Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Musik und stellt dar, was nach der Meinung des Autors zum Bildungskanon in Deutschland gehören sollte. Wikipedia
Datum der Erstveröffentlichung: 1999
Autor: Dietrich Schwanitz
Und: Die andere Bildung vermittelt auf unterhaltsame Weise jene Kenntnisse, die der gebildete Zeitgenosse braucht, um sich ein Bild von der heutigen Naturwissenschaft machen zu können. Fischer zeigt, wie spannend Naturwissenschaft sein kann und welche Bedeutung sie für das menschliche Selbstverständnis hat.
Die andere Bildung: Was man von den Naturwissenschaften. E.: 2005. Autor: Ernst Peter Fischer.