Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie bekommen eine Einladung zu einer Sex-Party am Rande eines Kirchentages. Oder zu einem Spanferkelessen in einer Moschee zum Ausklang des Fastenmonats Ramadan. Noch geiler wäre nur eine Feierstunde zum Todestag von Adolf Hitler in einer Synagoge. Unmöglich, werden Sie sagen, wer denkt sich denn so was aus?
Ja, wer wohl? Es ist das Leben. In diesen irren Tagen muss man auf alles gefasst sein.
Ich zum Beispiel habe soeben eine Einladung zu der „Gründungsversammlung einer jüdischen Bundesvereinigung innerhalb der AfD“ bekommen. Zuerst dachte ich, das kann nur ein Scherz sein, jemand will mich auf den Arm nehmen. Dann aber überlegte ich: Es gibt einen „Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten“ in der SPD, einen „Bund jüdischer Soldaten“ in der Bundeswehr, sogar einen „Bundesverband jüdischer Ärzte“, obwohl es keine spezifisch jüdische Medizin gibt.
Jo mei, was soll’s?
Warum soll es keine jüdische Gruppe in der AfD geben? Nur weil es ein paar bekennende aber nicht praktizierende Antisemiten in der AfD gibt? Jo mei, sagt man dazu in Bayern, was soll’s?
Ich habe keine Ahnung, ob und wie viele Juden der AfD beigetreten sind und warum sie sich jetzt als „Juden in der AfD“ organisieren wollen. Ich finde nur: Unter allen Problemen, mit denen Juden derzeit zu tun haben, sind ein paar AfD-Mitglieder das kleinste. Charlotte Knobloch, die unermüdliche Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in München, hat da allerdings eine andere Haltung: Es sei ihr „unverständlich“, sagt sie, „wie jüdische Menschen ihre Mitgliedschaft in einer solchen Partei vor sich selber rechtfertigen können“.
Reine Spekulation
Nun, ich hätte da eine Erklärung anzubieten, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass es sich um reine Spekulation handelt.
Die „jüdischen Menschen“, deren Verhalten Frau Knobloch „unverständlich“ ist, könnten „U-Boote“ sein, welche die AfD unterwandern wollen. In der SPD ist das eine alte und erfolgreiche Technik, um ganze Ortsvereine zu übernehmen.
Sie könnte auch bei der AfD zum Ziel führen. Insofern wäre das Verhalten der „jüdischen Menschen“ sehr verständlich. Und ein Beleg dafür, dass sie aus der Geschichte gelernt haben. Im Gegensatz zu Frau Knobloch, die immer noch glaubt, mit ihrer „das-darf-es-nicht-geben-Rhetorik“ etwas erreichen zu können.
Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche
Beitragsbild: U.S. D.D. Flickr via Wikimedia Commons

Ich verstehe nicht, dass da so ein Theater gemacht wird, außer die Antifa erblödet sich, diesmal Juden anzugreifen, deren Häuser zu beschädigen und Autos anzuzünden. Obwohl... wenn sogar Frau Knobloch und andere Granden sich derart äußern, könnte die Antifa vielleicht nicht doch mit Applaus rechnen?.... ansonsten erklärt der alte Spruch „2 Juden 20 Meinungen“ alles. Warum sollen nicht ein paar zur AFD gehen? Mir kommt das so moralgeprägt vor, wie wenn sich vor 20 Jahren ein Politiker als schwul geoutet hätte. Warum also nicht gleich: ICH BIN JUDE UND DAS IST GUT SO
Soll dieser Beitrag Satire sein? ich weiss mit diesem Beitrag nichts anzufangen. Unter der Menge/Zahl AfD-Wähler ist ein Anteil AfD-Mitglieder, von diesem ist ein weiterer Anteil Antisemitisch eingestellt (wie in anderen Parteien), ein anderer Anteil ist Jüdisch (wie in anderen Parteien). Die Partei bzw. die Parteien (gilt ja grundsätzlich für alle im Politikzirkus) haben kein Patent auf das Label "Antisemitisch" oder "Prosemitisch" (nicht zu verwechseln mit Pro-Israelisch oder Antimuslimisch). Dass es also organisierte Juden neben orgenisierten Antisemiten in einer Dachorganisation gibt, ist nicht ungewöhnlich, und erinnert mich an die Pro/Kontra-Interventionismus Flügelkämpfe innerhalb der Grünen oder die Pro/Kontra GroKo/RoKo-Kämpfe in der SPD. Das nennt sich demokratischer Diskurs, ist also ganz normal. (Sollte es zuminddest sein) Weshalb dieser Beitrag für mich den Charakter einer Satire hat: komplett Farbenblind wird das Bild der "Jüdischen Infiltratoren" aufgebaut, welches schon in der Sovietunion, der NSDAP und neurechten Verschwörungstheoretikern aufgebaut wird. Als sei das "Jüdische U-Boot", dass mittels Intrige und Verschwörung von Innen heraus das Ziel der Zersetzung verfolgt, die Norm. Quasi wie Elstern, die halt glitzernde Dinge klauen, um ihr Nest zu schmücken, wird die U-Boot Theorie mit einem "So ist es halt normalerweise" in den Raum geworfen. Anderen Autoren würde ich hier eine tiefgreifende Paranoia unterstellen, aber bei Broder muss es Satire sein. Oder? (Bitte lass es Satire sein!)
Frau Knobloch dringend zur Ansicht empfohlen: Sag mir wo die Nazis sind, vor genau einem Jahr auf der Achse publiziert von der ungemein sympathischen Orit Arfa.