Der deutschen Medien Lieblingsthema sind wohl die Klima-Girls Greta, Luisa und Carola. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht nicht über Greta Thunberg, ihre deutsche Abklatschversion, Luisa Neubauer und – seit Kurzem – über die ans Festland gestrandete Ex-Kapitänin Carola Rackete, euphorisierend berichtet wird.
Ein Mädchen mit Asperger-Syndrom, eine Grünen-Aktivistin und eine Frau mit Dreadlocks. Sie bringen Deutschlands Redaktionen in emotionale Wallung und schwärmerische Idiolatrie. Was sagt diese Wahl der neuen medialen „Superhelden“ über die psychologische Struktur ihrer Bewunderer aus? So einiges. Und genau hier liegt das Problem.
Dass sich ein guter Journalist nicht mit einer Sache gemein macht, gilt seit Hanns Joachim Friedrichs Bonmot als Qualitätssignum. Dass es hierzu bestimmter Eigenschaften bedarf, wie etwa Analysefähigkeit, Urteilsfähigkeit und Kritikfähigkeit, muss auch nicht besonders betont werden. Sie sind essenziell, nicht nur für die Profession des Journalisten an sich, sondern des Intellektuellen par excellence.
Bekenntnis zum Anti-Intellektualismus
Und gerade diese Trias der intellektuellen Fähigkeiten ist es, die das Feuerwerk der Leidenschaften lenkt. Doch gerade diese Verve hält in der gewöhnlich-medialen Berichterstattung die Zügel. Und gerade hier zeigt sich die mediale Antinomie, die Unvereinbarkeit von Heldentum und Intellektualismus. Weil dem Bewunderer stets die Flamme des Juvenilen, der unreifen Glut anhaftet, ist er nicht imstande, zugleich vernunftgeleitet zu urteilen und eine eigene Position zu beziehen. Stattdessen heißt es: Carola hier, Carola dort. Nicht der Journalist leitet, sondern er lässt sich navigieren.
Was folgt aus all dem für einen großen Teil der deutschen Journalistenzunft? Spricht es für die Unfähigkeit oder die Inkompetenz, für die Karrierebesessenheit oder die Gemütlichkeit, für die Leidenschaft oder den Unwillen? Alles und nichts. Denn wie man es wendet und dreht, dringend folgt hieraus ein Bekenntnis, namentlich dasjenige zum Anti-Intellektualismus. Oder im hiesigen Journalistenjargon formuliert: die Entscheidung zur „Gala“-Berichterstattung für Intellektuelle.
Nicht die Ambition, zu den Besten gehören zu wollen, vielmehr die breite Masse zu erreichen, der Klatsch und der Tratsch, spornen sie an. Sie wollen nicht „bravouieren“, sondern Anerkennung und Sensation. Sie wollen nicht denken, sondern fühlen und brennen. Die deutsche Berichterstattung um das Klima-Dream-Team Greta, Luisa und Carola spricht hier Bände. Nicht um die Sache des Klimawandels geht es, sondern um einen Personenkult.
Die intellektuelle Schweigespirale
Bereits der streitbare österreichische Journalist und Pionier der Medienkritik Karl Kraus (1874-1936) behauptete, dass es die Mission der Presse sei, Geist zu verbreiten und die Aufnahmefähigkeit zu zerstören. Greta, Luisa und Carola zeigen, dass es sogar noch weiter gekommen ist. Letztendlich befindet sich nun die Aufnahmefähigkeit vieler Medienschaffender im Zerstörungsmodus. Wie das?
Analog zur Schweigespirale der Medienwissenschaftlerin und Gründerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach Elisabeth Noelle-Neumann kann von einer intellektuellen Schweigespirale gesprochen werden. Statt kritisch zu reflektieren und zu berichten, verfällt der journalistische Wortakrobateur seinen niederen Instinkten. Weil es nicht zum Lifestyle vieler Edelfedern gehört, intellektuell zu sein, verstummen die wenigen, sich im Medienbetrieb tummelnden, intellektuellen Stimmen.
Das ist auch gut so. Für den gemeinen Journalisten und seine Leserschaft. Für ihre Unterhaltung. Doch für den Intellektuellen ist es ein Desaster. Statt seine Stimme wiederholt zu erheben, eine letzte Bastion der Vernunft zu erheben, muss er sich in sein stilles Kämmerlein verkriechen. Nicht gedruckt, nicht gelesen, nicht gehört, muss er notgedrungen seinen tratschenden Kollegen den Vorzug überlassen. Dass viele Verleger, Chefredakteure und Ressortleiter diese desaströse Lage tolerieren und unterstützen, sagt einiges.
So oder so. Es ist die Geburtsstunde eines anti-intellektualistischen Personenkults, der das Durchschnittliche, Normale, Uninteressante im Intellektuellen fördert. Vom Klatsch über Gretas Atlantiküberquerung bis hin zum Funkflur über Boris Johnsons nächtliche Auseinandersetzung mit seiner Lebensgefährtin. Wechselte man Greta mit Angela Merkel oder den britischen Premierminister mit Rezo aus, an der Berichterstattung würde sich nicht viel ändern. Und offen gesagt: Wer nun über Kim Kardashian oder Greta Thunberg gleichermaßen berichtet, unterscheidet sich nicht wirklich hinsichtlich seiner intellektuellen Schwere, oder?
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Es gibt zwei Typen von Menschen. Die einen denken taktisch und sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus. Sie lutschen ein Paradigma aus bis zum Gehtnichtmehr, surfen auf der Welle eines Hypes und leiten das Wasser des Zeitgeists auf ihre Mühlen, koste es was es wolle. Im Vordergrund steht der kurzfristige Profit. – Die anderen denken strategisch, sie präferieren kooperative Spielstrategien und bewirken auch mal einen Paradigmenwechsel. Im Vordergrund steht der langfristige Nutzen für das große Ganze. – Eine Ochlokratie fördert erstere, eine gebildete Gesellschaft letzere. Nach Adam Smith und seiner unsichtbaren Hand wäre das in der liberalen Gesellschaft egal, doch unsere Neigung zum Tugendterror behindert den freien Markt der Meinungen. Messianismus ist das Gegenteil von Aufklärung.
"Wes' Brot ich ess', des Lied ich (mit)sing !" Alte bis uralte Sprüche gelten weiter, weil die Schwächen der Menschen gleich sind: Angst vor Ausgrenzung aus der Horde, nachfolgend Verhungern. Auch nur annähernd an das Risiko erinnert, melden sich nur noch wenige freiwillig. Wer Mut und Selbstbewusstsein hat, geht in die Alternativen, fremd. Das kann auch dem Ingenieur passieren. Wenn er das Lithium-Auto für brandgefährlich hält, während es der Vorstand bauen will. Weil der Vorstand es mit Merkel nicht verderben kann und darf. Der Ingenieur macht dann garantiert den "Otto", sein ähnlich denkender Kollege den "Max". Übrigens, in Brand geratene Lithium-Akkus, selbst bei Fahrrädern, bei Zellenschäden, sind konventionell nicht löschbar. Es muss tagelang "gekühlt" werden. So geht Elektrochemie.
Frau Viola@Heyer, ich drücke ganz fest die Daumen, daß das Töchterchen des Rüstungslobbyisten Rackete (der fühlte sich wohl von seinem Namen verpflichtet) Recht behält, und diese wohlstandsdebile Jugend für immer aus unser aller Leben verschwindet, sie in einem großen Segelboot mit Rackete am Steuer, bis an das Ende der Welt segelt und dort alle gemeinsam, ihrem kleinen irren Weltbild entsprechend, einfach die Erdscheibe auf Nimmerwiedersehen hinten herunterplumpsen! Habe noch eine kleine Liste mit Personen aus der Politik-und Medienlandschaft vorbereitet, die ich gerne bei diesem Vorhaben auf dem Schiff unterbringen möchte. Rackete, vor Beginn des Törns bitte melden! ( Frank@Holdergrün....und Kompetenzsimulant Thevesen steht mit Sicherheit drauf)
Ich stimme dem Verfasser zu, aber die Analyse geht mir nicht tief genug. Der Beitrag kratzt nur an der Oberfläche. Die meisten Journalisten sind Bestandteil des kulturmarxistischen Umerziehungsbetriebes, der seit den 68ern die wahnhaften Ideen des Marxismus wieder in die Gesellschaft hineinschreibt und sendet. Diejenigen, für die sie Schreiben, sind allerdings in marxscher Logik die Bourgeoisen. Die Besiter der wenigen großen Verlagshäuser sind letztlich Großkapitalisten. Dieser Widerspruch löst sich aber in der neuen Logik der neomarxistischen Kräfte auf, denn es geht nicht mehr um den Arbeiter, der gegen den Kapitalisten und seine Ausbeutung ankämpft. Die angeblich Diskriminierten und Unterdrückten, wie etwa Feministinnen, Transsexuelle, Migranten und sonstige Minderheiten, sind die neue Arbeiterklasse und diese gilt es gegen das konserative Bürgertum in Stellung zu bringen. Die antisozialen Großkapitalisten (globalisierter Geldadel) sind nicht mehr die Gegener, sondern die Förderer dieser kulturmarxistischen Revolution. Die Universitäten dienen als Brutkasten für die intellektuell verwahrlosten Enkel der 68er. Ihr Wahlspruch ist frei nach Ulrich Schacht "Konsumenten aller Länder vereinigt euch!". Ihr Ziel ist die Zerstörung aller gewachsenen Strukturen, wie Famile, Religion und Bürgertum. Ihre Idiologie ist geschichtsvergessen, im Grunde menschenverachtend und somit toxisch für unser Gemeinwesen. Es wird langsam Zeit, die roten Socken als das zu enttaren, was sie wirklich sind, nämlich menschenverachtend, machtgeil, zerstörungswillig und asozial. Sie wollen die Welt brennen sehen, um sich am Feuerschein zu erfreuen und das Feuerholz dafür wird in den Redaktionsstuben zusammengeschrieben - von journalistischen Brandstiftern.
@ S. Schönfelder: Da die Nachbarin nicht zu wissen scheint, dass in jeder Hinsicht Welten zwischen dem Ehemann von Madeleine von Schweden und Habeck liegen, muss sie wohl unterbelichtet sein. Es gab Zeiten im alten Hellas, da durften solche Leute schlicht und einfach nicht an die Urne. Aber wir wollen es nicht verschreien, sonst verbietet man noch Klimakritikern den Urnengang.
Ins Schwarze getroffen Frau Stein. Es wird immer platter, inhaltsleerer, Spaß gesellschaftlicher. Ich freue mich, wenn ich mal kein grinsendes Gesicht sehe und keine Plattitüden höre und lese. Es wird zwar in Ansätzen spürbar besser, aber irgendeiner kippt dann doch wieder um. Es ist wie in der Schule, die Aufmerksamkeitsspanne nimmt sichtbar ab. Es liegt an der Reizüberflutung, was auch jeder Neuropsychologe sofort bestätigen würde. Aber wie gegen steuern? Vielleicht mal einen wissenschaftlichen fundierten Artikel mit einem Mediziner verfassen.
Ich möchte nicht in der Haut eines Journalisten stecken - allgemein zu Zeiten, als die Medien noch regierungskritisch waren, und noch weniger in einer Zeit, in der die meisten Medien regierungskriechisch sind. Es ist sicherlich nicht leicht, Vorgänge, die seit tausenden von Jahren passieren, immer wieder als aktuell darzustellen. Auch Interpretationen sind oft nicht so neu und waren bzw. sind je nach realem Zustand des Staates - ob demokratisch oder diktatorisch - im Streit oder vertraten bzw. vertreten die Auffassung der Regierung - die politische Korrektheit. Ich behaupte sogar, dass der Anteil an politischer Korrektheit in den Medien ein Gradmesser für die Position eines Staates auf der Diktaturskala ist.