Rainer Bonhorst / 13.07.2020 / 11:00 / Foto: DonkeyHotey / 24 / Seite ausdrucken

Joe Biden, Trumps netter älterer Bruder

Stellen wir uns mal vor, Joe Biden wird Präsident und macht dann das Gleiche wie Donald Trump, nur etwas netter. Quatsch? Kein Quatsch. Der Kandidat der Demokraten hat dieser Tage sein Wirtschaftsprogramm vorgestellt, und es hat einen starken Hauch von Trumpismus.

Der Hauch ist 700 Milliarden Dollar stark. Mit dem Geld will Biden Amerikas Industrie und die etwas verkommene Infrastruktur wieder aufrichten. Also jede Menge traditionelle Arbeitsplätze neu schaffen. Genau das hat auch Donald Trump getan, bevor ihm Corona seine eindrucksvolle Arbeitsplatz-Bilanz wieder versaut hat. 

Joe Biden also ein Trump im demokratischen Gewand? Ja und nein. Das Gewand ist schon wichtig. Der Donald hat seine Millionen neuer Arbeitsplätze durch radikale Steuersenkungen und Entrümpelung des Regulierungsnetzes auf die Wege gebracht. Also, wenn man so will: kreative Befreiung durch Staatsverschuldung. Joe Biden will nicht die Steuern senken. Das wäre so undemokratisch, wie Steuersenkungen ja auch undeutsch sind. Er setzt die Staatsgelder nicht indirekt, sondern direkt ein. Also wenn man so will: Aufschwung dank staatlicher Zuwendung. Schulden bedeutet das ebenfalls, daran ändert auch sein Plan nichts, den Reichen mehr Geld abzunehmen. Das bisschen wird’s dann doch nicht bringen.

Ist Joe Biden also doch kein Donald Trump? Naja, es gibt schon noch eine Schnittmenge. Auf Trumps „America first“ antwortet er mit dem etwas traditioneller klingenden „buy American“. Biden will – wie Trump – erreichen, dass die Amerikaner die staatliche Stütze, ob direkt oder über Steuersenkungen, auch im eigenen Land nutzen und sich nicht auf Einkaufs- oder Investitions-Tour in der Welt der Globalisierung begeben. Beider Herz schlägt protektionistisch. Auch wenn Biden das „America first“ seines Gegners etwas zurückhaltender formuliert, während Donald Trump das „buy American“ Bidens mit Kirmes-Lautstärke in die Welt hinaus ruft.

Wo bleiben also die Unterschiede?

Wer spaßeshalber einen kurzen Blick in die Vergangenheit wirft, wird auf das Thema stoßen: Wer neigt eigentlich eher zum Protektionismus, die Republikaner oder die Demokraten? Es sind eindeutig die Demokraten. Die Republikaner vor Trump sind tendenziell Protagonisten eines freieren Handels gewesen. Donald Trump hat, was den Protektionismus betrifft, die eher am Business orientierten Republikaner ein ganzes Stück in Richtung Protektionismus gestoßen. Hat ihnen also ein paar populäre Kleidungsstücke demokratischen Zuschnitts übergestülpt.

Wo bleiben also die Unterschiede? Es gibt schon einige. So stellt Joe Biden besonders heraus, dass er in guter alter Demokraten-Tradition die verschiedenen Volksgruppen und weltanschaulichen Minderheiten nicht gegeneinander aufhetzen, sondern zusammenführen will. Versöhnen statt spalten, um den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau zu zitieren. Zweifellos ein Kontrastprogramm zum streitlustigen Präsidenten. 

Aber auch hier lässt sich eine überraschende Schnittmenge finden. Donald Trump hat immer gerne, fast stolz, betont, dass er mit seinem indirekten Arbeitsbeschaffungs-Programm „mehr schwarze Amerikaner als je zuvor“ in Lohn und Brot gebracht hat. Wenn man so will: Ganz nebenbei und ohne große Absicht war das ein wesentlicher Beitrag zum Wohlergehen seiner afroamerikanischen Mitbürger. Diesen Bonus hat ihm dann allerdings nicht nur das Virus, sondern auch der Mord an George Floyd in Minneapolis und sein ruppiger Umgang mit der Krise zerschlagen.

Biden wird der für Deutschland peinlichen Erinnerungs-Tradition treu bleiben

Bleibt noch das Trumpsche „German Bashing“. Da macht Joe Biden nicht mit. Jedenfalls nicht verbal. Aber die Forderung, Deutschland möge endlich seinen schon lange zugesagten NATO-Verpflichtungen nachkommen, würde mit der Wahl des Demokraten ins Weiße Haus keinen Millimeter weit von der Agenda verschwinden. Diese nachvollziehbare Forderung ist keine Erfindung Trumps. Republikaner und Demokraten haben vor ihm immer wieder an das Berliner Versäumnis erinnert. Auch Biden wird dieser für Deutschland peinlichen Erinnerungs-Tradition treu bleiben.

Soll ich noch Afghanistan erwähnen? Der so friedlose Donald Trump zieht endlich, nach fast 20 Jahren Krieg am Hindukusch, als erster US-Präsident die Konsequenz aus der Tatsache, dass dort kein Blumentopf zu gewinnen ist. Er leitet den längst überfälligen Truppenabzug ein. Und was wird wohl Joe Biden tun? Er wird nicht auf Knien, aber in aller Stille Trump danken, dass er ihm diese Entscheidung abgenommen hat und wie er die Boys und Girls nach Hause holen.

Was also wird Joe Biden in all den Punkten, in denen er eine bemerkenswerte Wahlverwandtschaft mit dem amtierenden Präsidenten aufweist, doch anders machen? Er wird diplomatischer, freundlicher und in vollständigen Sätzen formulieren, auch wo er fast das Gleiche sagt wie Donald Trump. Mit seinen 77 Jahren könnte man ihn als einen reiferen, kultivierteren, traditioneller gekämmten älteren Bruder des mit seinen 74 Jahren noch voll in den Flegeljahren befindlichen Heißsporns im Weißen Haus betrachten.      

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Chris P. Bacon / 13.07.2020

Was haben Biden und Trump gemein? Beides sind alte Demokraten. Mit denen haben die aktuellen Demokraten (und Biden) aber nichts mehr zu tun. Biden wird (wie ein Großteil der Partei) vom linksextremen Flügel am Ring durch die Manege geführt. Politisch steht Biden den Sozialisten/Marxisten um AOC und Co um Welten näher als dem Kapitalisten Trump.

Robert Schleif / 13.07.2020

Was will der Künstler damit sagen? Dass es eigentlich Wurscht ist, ob Trump abgewählt oder wiedergewählt wird? Es bleibt sowieso alles wie’s ist? Die Amis können auch gleich „Sleepy Joe“ wählen? Die Trump-Fans sollen nicht traurig sein, dass ihr Idol gestürzt werden wird? Nicht „nett“ zu sein – das war in meinen Augen das entscheidende Plus Trumps! Wäre er nett, dann hätte wirklich irgendjemand vom Establishment die Sache administrieren können. Wäre er nett, bescheiden, skrupulös und arm – er wäre niemals erst Präsident geworden oder schon nach einem Monat abgefrühstückt worden. Man muss der Typ des unberechenbaren Kneipenschlägers mit dem Geld eines Rockefeller sein, wenn man sich gegen den elitären mafiösen Linksmob und Filz behaupten will. Mit Kotaus, Jas und Bittes kommt ja auch bei uns – wie man an Meuthen sieht – nicht weiter…

Rolf Mainz / 13.07.2020

Der Job des Joe Biden würde der eines Strohmannes sein, auch angesichts dessen, was über seinen Gesundheits-/Geisteszustand wiederholt berichtet wird. Er könnte den sog. Demokraten dazu dienen, die längst erwünschten Systemänderungen durchzudrücken, unter dem Mäntelchen des augenscheinlich seriösen, harmlosen Mr. Biden. Offen unter anderem immer noch die von “demokratischen” Hardlinern lange gewünschte, militärische Auseinandersetzung um die Ukraine bzw. die Einbindung der Ukraine in die NATO. Man könnte ohne Trump auch die Globalisierung in ihr Endstadium vorantreiben, samt Durchsetzung der globalen Migrationsfantasien. Usw. usw. Aber soweit wird es gar nicht kommen, denn die im Hinblick auf die anstehenden US-Wahlen zielgerichtet übersteigerte BLM-Propaganda wird Trump nicht so stark schaden können wie seine politischen Gegner/innen sich erhoffen.

Markus Harding / 13.07.2020

Der letzte Absatz ignoriert völlig, daß Biden starke Anzeichen von Demenz zeigt (Bericht hier auf der Achse) und daß sein Umgang mit Frauen, auch sehr sehr jungen, einige Fragen aufwirft. Auch die ganze Ukraine-Geschichte um die dubiosen Geschäfte und Gehälter seines Sohnes sowie die offen eingestandene Einmischung in die Politik eines souveränen Landes durch die Absetzung des Justizministers zeigen, daß seine Korruption und Vorteilnahme hinter der eines oder einer Clinton nicht zurücksteht. Biden wäre mMn vor allem ein Werkzeug der Partei der sogenannten Demokraten, um ihren Neomarxismus weiter voranzutreiben. Wie sagte Trump doch so treffend? “They brainwashed him.” Und das war bei Biden offensichtlich besonders einfach.

Sabine Schönfelder / 13.07.2020

„...freundlicher und in vollständigen Sätzen formulieren, auch wo er fast das Gleiche sagt wie Donald Trump.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt, werter Autor. Er wird beim Formulieren vergessen, was er eigentlich sagen wollte und deshalb auch nicht zum gleichen Ergebnis wie Trump kommen, auch wenn er das vielleicht vorhatte. Wen würden Sie denn wählen, wenn eine inszenierte Coronahysterie Sie um Brot und Arbeit brachte? Einen alten, senilen Tattergreis, mit Gedächtnislücken, der sich Schwarzen anbiedert oder einen kampfeslustigen, agilen Senioren, einen erfolgreichem Geschäftsmann, einen typischen amerikanischen Self-Made- Man, der auf sein Präsidentengehalt verzichtet, weil er selbst genug Knete verdiente? Na also, Herr Bonhorst! Herr Steinhöfel würde sagen: „Sie sind doch nicht blöd!“

Alex Micham / 13.07.2020

Bemerkenswert, dass Sie Informationen über den in seinem Keller verschollenen Creepy Uncle Joe aufgetrieben haben.

Paul Braun / 13.07.2020

Naja - ich denke dass er doch einiges anders machen wird als Trump. Das Verhältnis zu China wird er bestimmt entspannen. Und dabei etwas verdienen. Bei den militärischen Engagements wird Biden die Positionen von Obama und Clinton fortführen. Die Globalisierung wird wieder neuen Schwung erhalten. Innenpolitisch werden stärker sozialdemokratische Positionen Raum gewinnen (Staatsquote steigern, Eigenverantwortung mindern) und infolge die USA zerreißen. Und ganz wichtig: Teleprompter - da kommt er nicht klar mit. Vor allen Dingen aber hat Trump Schneid, Biden dagegen hat die Ausstrahlung eines nassen Lappens und die Glaubwürdigkeit eines Mietpredigers. Aber er redet so schön samtweich… Das könnte zwar in der deutschen Medienumwelt und bei deutschen Wählern reichen zum Präsidenten, aber in den USA möglicherweise nicht.

Bernhard Freiling / 13.07.2020

Das ist m.E. das große Mißverständnis, das zur permanenten Fehleinschätzung Trumps führt: Trump ist kein Politiker. Er ist im weitesten Sinne “ein Baumensch”. Kein Feingeist aus der “Architektengilde” sondern eher der “Polterer”, der erfolgreich ein Bauunternehmen führt. Der nicht “um den heißen Brei” drumrum redet sondern Dinge beim richtigen Namen nennt. Der als Investor oder als Generalübernehmer erfolgversprechende Projekte ersinnt, entwickelt, durchführt und schließlich auch vermarktet - oder selbst behält. Der Grundstücke ankauft, die Baureife herstellt, der mit “anderen Polterern” Verträge schließt und sich dabei deren Sprache und Ausdrucksweise bedient. Der “störrischen” Behörden auch schon mal “die Pistole auf die Brust setzt”. ++ Genau so pragmatisch, geradlinig und auch erfolgreich geht er in seinem Amt als Präsident vor. ++ Ich gebe zu: Seine Art kann man mögen, muß man aber nicht. Mir ist nicht erinnerlich, daß Trump bei wichtigen Entscheidungen ehemals gegebene Zusagen oder Versprechungen gebrochen hätte.  Genau das gefällt mir. Auf den Mann ist Verlaß. Wenn der die Verlängerung von AKW-Laufzeiten zusagt, dann tut er das auch. Wenn der ablehnt, Failed-States zu finanzieren, dann tut er das auch. Ganz im Gegensatz zu den armseligen deutschen Politik-“Profis”, die sich diesem Amateur ja so haushoch überlegen fühlen.

Sven Groß / 13.07.2020

So ganz Ähnlich sind sich Trump und Biden dann doch nicht, biedert sich Biden derzeit doch sehr der “far left” an und übernimmt deren Sprachgebrauch.

K. Schmidt / 13.07.2020

Ganze Sätze formulieren? - Leidet er nicht schon an Demenz?

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