Jennifer Nathalie Pyka / 11.07.2012 / 22:26 / 0 / Seite ausdrucken

Jetzt muss Knecht Ruprecht ran!

Langsam wird es still um Irena Wachendorff aus Remagen, die sich über Jahre hinweg eine drehbuchreife jüdische Identität herbeiphantasiert hat, um so ihrer Vita ein wenig Glanz und Gloria zu verleihen. Sie selbst hat Facebook verlassen, ihr Fürsprecher Ruprecht Polenz erholt sich gerade im Urlaub, und ihr Fanblock leidet an Auszehrung.

Derweil betreten Vertreter jüdischer Gemeinden die letzten Bretter jener Bühne, die für Frau Wachendorff mal die Welt bedeutete. Jahrelang gab sie sich als Mitglied der Kölner Gemeinde „Gescher LaMassoret“ aus, wo sie dummerweise nur als Abonnentin des Gemeindebriefs bekannt war. Nachdem ihr Second Life als „israelkritische Jüdin“ in die Brüche ging, handelte Frau Wachendorff äußerst pragmatisch und ernannte sich kurzerhand selbst zum Mitglied der liberalen jüdischen Gemeinde Neuwied Mittelrhein. Hier, in „ihrer Gemeinde“, will sie sich nach ihrer Bruchlandung beraten haben, wobei man ihr nicht etwa einen Gemeinde-Ausweis ausstellte, sondern den Facebook-Abgang empfohlen haben soll.  So, wie es sich für eine waschechte Jüdin – und dafür hält sie sich bis heute – gehört.

Doch nun hat sich ein weiterer Zeuge zu Wort gemeldet: Lothar Knothe, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Neuwied, der ihr vor zwei Wochen zur strikten Facebook-Abstinenz geraten haben soll. In einer Email teilte er mit, „dass Frau Irena Wachendorff niemals Mitglied der Jüdischen Gemeinde Neuwied Mittelrhein e.V. war bzw. ist“.

Doch Herr Knothe wusste noch mehr über die Meise von Remagen und ihre Dichtungen zu berichten. Gefragt, ob das Gespräch mit Frau Wachendorff überhaupt stattfand, stellte er kar:

„Das von Ihnen erwähnte Gespräch hat so stattgefunden, nur unter einem anderen Hintergrund. Ich selbst bin am 27. Juni aus dem Urlaub zurückgekommen und war zu diesem Zeitpunkt (28.6) über die Angelegenheit nicht informiert. Frau Wachendorff kenne ich durch das Friedensbündnis in Remagen und somit war die Bitte um ein “dringendes” Gespräch (ohne Nennung eines Grundes) erst einmal in Ordnung. Ich habe in diesem Gespräch erfahren, dass Frau Wachendorff “Probleme” auf FB hat. Nun, angenommen Ihr Nachbar würde Sie fragen, was zu tun wäre? Mein Rat war dementsprechend, den Account zu schließen. Mehr nicht.  Das war ein Gespräch unter Bekannten, die sich vom Friedensbündnis her kennen, und mein Rat hatte nichts mit der Gemeinde zu tun, rein persönlich.“

Insofern hat sich die phantasievolle Rheinländerin sogar noch bei ihrem Abschied auf Facebook als äußerst flexibel im Umgang mit der Wahrheit erwiesen. Aus einem Gespräch unter Freunden wird mal eben eine Beratung in „ihrer Gemeinde“, und die geplatzte Lebenslüge erfährt ein Downgrade zum „FB-Problem“.

Aber so ist das eben bei professionellen Hochstaplern wie Frau Wachendorff, die laut Knothe „in Remagen seit Jahren als jüdische Person bekannt ist“. Und natürlich nicht nur als Jüdin, sondern als Superjüdin mit allem drum und dran. Nach dem erfunden Schicksal ihrer Eltern gefragt, schreibt Knothe:

„Meiner Familie und mir gegenüber hat sie das so erwähnt. Mutter war in Auschwitz und hat sich danach total vom Judentum und jüdischer Religion abgewandt, Vater strenggläubig mit regelmäßigen Besuchen (Vater & Tochter) in der Synagoge Bonn.“

Von Köln über Neuwied bis nach Bonn. Ob es wohl noch eine jüdische Gemeinde oder Synagoge rund um den Rhein gibt, die Frau Wachendorff noch nicht in ihrer Phantasie heimgesucht hat? Denn dass die Lyrikerin auch in der Synagogengemeinde Bonn genauso unbekannt ist wie in Köln oder bei der israelischen Armee, wo sie mal gedient haben will, war schon länger bekannt. Dies bestätigte auch Margaret Traub, Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, erneut in einer Email:

“Irena Wachendorff und Raymond Wachendorff waren nie Mitglieder in der Synagogengemeinde Bonn. Ich bin seit 35 Jahren engagiertes Mitglied und seit 24 Jahren Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn und in dieser Zeit habe ich Irena Wachendorff nie gesehen und auch davor nie von ihr gehört.“

Nun wird es also eng für die Remagenerin, von der erst neulich in der „Jerusalem Post“  zu lesen war: „Wachendorff repeatedly told the Post, ‘I am Jewish. I am member of a liberal Jewish community and I am not anti- Semitic.’”

Jetzt bleibt nur noch der prominente Förderer aus Münster, der seiner „Vorzeigejüdin“ ein Plätzchen in der dortigen Gemeinde besorgen könnte. Es muss ja nicht die jüdische sein. Die Anonymen Hochstapler tuns auch. Knecht Ruprecht, übernehmen Sie!

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