Es gibt Leute, die freuen sich auf die nächste Grippewelle, ein Wochenende in Duisburg-Marxloh oder eine Butterfahrt mit Martin Schulz. Ich dagegen kann es nicht abwarten, dass es Donnerstag wird. Denn Donnerstag ist Lamya-Kaddor-Tag. Da gibt Lamya Kaddor Antworten auf Fragen, die uns allen unter den Fingernägeln brennen, zum Beispiel „Warum geht der Nobelpreis fast nie an Muslime?" oder warum der Islam „keine Aufklärung braucht", weil er nämlich "von Anbeginn an" schon die Aufklärung (und die Reformation!) verinnerlicht hatte. Echt.
Gestern hat sich Lamya Kaddor die Verfilmung des Romans "Unterwerfung" von Michel Houellebecq in der ARD vorgenommen. Es stelle sich die Frage, schreibt sie, "warum die Romanvorlage Unterwerfung des Michel Houellebecq unbedingt verfilmt, gestern zur besten Sendezeit im Ersten ausgestrahlt und anschließend noch zum Thema einer Polit-Talkshow gemacht werden musste".
Ja, warum nur? Warum hat die ARD nicht das Leben des Anis Amri verfilmt, zur besten Sendezeit im Ersten ausgestrahlt und anschließend eine Experten-Runde zu einer Polit-Talkshow ins Studio geladen, sagen wir: Margot Käßmann, Michael Lüders, Daniel Bax, Bettina Gaus und – natürlich! – Lamya Kaddor. Lieber zeigte man eine "parabolische Satire", in der es "kaum um den Islam, sondern vielmehr um die Korrumpierbarkeit französischer Eliten" ging; denn "Houellebecqs Werk basiert auf einem der zentralen islamfeindlichen Narrative: nämlich die angebliche Islamisierung des Westens".
Und so muss Lamya Kaddor eingreifen und eine klare Warnung aussprechen: "Ich kann und will der Redaktion von Frau Maischberger und anderen Journalisten nicht vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. Pressefreiheit ist ein hohes Gut und muss geachtet werden. Dennoch sehe ich mich als Wissenschaftlerin, als Betroffene und aufmerksame Beobachterin unseres Zusammenlebens genötigt, auch Medien davor zu warnen, bewusst oder unbewusst die Deutungsmuster von Rechtspopulisten zu übernehmen."
Schamlose PR in eigener Sache
Also, wenn ich Lehrer wäre und wenn fünf meiner ehemaligen Schüler sich dem IS angeschlossen hätten, würde ich mich eine Weile in einem Kohlenkeller verstecken und darauf achten, keinen Schatten zu werfen, statt das Malheur auch noch schamlos als PR in eigener Sache zu vermarkten. Und wenn das, was Lamya Kaddor macht, Wissenschaft ist, dann sind auch Handlesen, Kaffeesatzdeutungen und Gespräche mit Außerirdischen wissenschaftliche Disziplinen.
Wovon Lamya Kaddor wirklich etwas versteht, ist eine Technik der Denunziation, die auf Selbstüberhebung beruht und anderen verweigert, was sie sich selbst zugesteht: das Recht auf Kritik.
Ende 2015 veröffentlichte Lamya Kaddor auf ZEIT online einen Aufsatz über „Islamkritik, die niemand braucht". Welche Islamkritik gebraucht wird und welche nicht, darüber zu entscheiden, wäre niemand besser geeignet als Lamya Kaddor, als Wissenschaftlerin, als Betroffene und aufmerksame Beobachterin unseres Zusammenlebens. Leuten wie Thilo Sarrazin, Hamed Abdel-Samad und Ayaan Hirsi Ali gehe es "offensichtlich nur um Zuspitzung, Übertreibung, Pauschalisierung und Diffamierung". Deren "Schriften (sind) inhaltlich überflüssig und vor allem eines: unnütz".
Damit nicht genug. "Diese Stimmungsmache, die heute Personen wie Hamed Abdel-Samad vertreten und früher Leute wie der Journalist Henryk Broder, die Autorin Necla Kelek und der Schriftsteller Ralph Giordano verbreitet haben, machen Millionen Menschen in diesem Land ganz konkret das Leben schwer – manchmal sogar unerträglich."
Das ist eine authentisch liberale Position, wie sie die Gründerin und langjährige Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes (LIB) glaubwürdig und überzeugend verkörpert. Eine echte Liberale, bis in die Haar- und Zahnwurzeln.
Nächsten Donnerstag wird sie es wieder allen beweisen.
Beitragsbild:

Lieber Herr Broder! Nur, wo Broder drübersteht, ist auch Broder drin. ... immer wieder lesenswert!!! Da spürt man als Leser förmlich, wie jemand, der klar denken kann, angesichts des ausgemachten Schwachsinns fast einen cholerischen Anfall bekommt - unnachahmlich! Der Hit war wirklich als diese selbsternannte "Wissenschaftlerin" erzählt hat, das Islam sei selbst von Anfang an bereits Aufklärung, da er ja vorschreibe, wie man vernünftig lebe - nämlich unter all den ätzenden Verhältnissen, die überall dort Realität werden, wo der Islam herrscht. Es ist letztlich auch nur eines der Symptome der aufkommenden Postdemokratie, dass solche Figuren wie diese Frau oder auch Merkel oder Roth oder Göring-Eckhardt usw. überhaupt derartige gesellschaftliche Positionen einnehmen können.
»Gespräche mit Außerirdischen sind eine wissenschaftliche Disziplin. Man nennt diese Wissenschaft Theologie.« Naja, ein bisschen simple minded! Mit demselben Recht könnte man zum Beispiel auch die real nicht existierenden immateriellen Gegenstände der Mathematik (fiktive Objekte wie »komplexe Zahlen«, »Hilberträume«, »C*Algebren« - usw.) als bloße »Hirngespinste« betrachten - bzw. beiseite legen. Nichtsdestoweniger bilden solche fiktiven Objekte mit ihren Gesetzen quasi die Infrastruktur der Physik (welche ohne Mathematik gar nicht möglich wäre...). Theologie ist insofern »Wissenschaft«, als sie (in nahezu perfekter Analogie zur Mathematik!) aus einer Reihe von Axiomen (»Dogmen« genannt) Folgerungen logisch ableitet, die insgesamt eine kohärente »Infrastruktur« der betreffenden Religion bilden.
Na ja, dass Moslems (fast) keine Nobelpreise bekommen, mag darauf zurück zu führen sein, dass sie seit rund 1200 Jahren nichts zum kulturellen, wissenschaftlichen und ökonomischen Nutzen der Menschheit beitragen. Sollte Frau K. eigentlich wissen, so sie denn Wissenschaftlerin wäre. Unsere "arabischen" Ziffern, die gerne als Leuchtturm moslemischer Fortschrittlichkeit zitiert werden, stammen ursprünglich aus Indien. Sonst war da nix. Ansonsten unterfällt Frau K. offenbar dem eher komisch genannten Diktum über Lehrer: Morgens haben sie recht und nachmittags frei.
Für den ganzen Westen kann ich natürlich nicht sprechen. Wenn wir aber in Österreich 1971 nur 22.000 moslemische Mitbürger hatten und 2017 mehr als 700.000 moslemische Mitbürger, das sind 8 Prozent der Bevölkerung (in den Ballungsräumen konzentrierter), dann habe ich schon den Eindruck einer Islamisierung meiner Heimat. Der Anteil der Moslems an der Bevölkerung verdoppelt sich übrigens ca. alle 15 Jahre. Eine weitere persönliche Krux ist für mich noch der Umstand, dass ich Islam und Islamismus so schwer auseinanderhalten kann.
Lieber Herr Broder erneut bringen Sie mich zum lachen das in der selben Sekunde dem Entsetzen weicht welche Demagogen in Deutschland von staatlicher Seite subventioniert ihre "Wahrheit " verbreiten. Was mich persönlich interessiert: Wer finanziert und besitzt eigentlich t online? Ein solches Propagandawerkzeug kann doch nur der BRD gehören?
Frau L.Khador surft nur auf den Wogen unserer interlektuellen Multibunt. Beifall würde Sie auch von mir erhalten wenn ihre kruden Thesen in den Herkunftsländern der Mohammedaner auch so Realität währen - Frieden halt. Aber wie unsere Ökos eben Wölfe lieben und an die Schafe nicht denken.
Oh, eine Butterfahrt mit Martin Schulz? Das wäre wirklich hart. Ich würde wahrscheinlich versterben. An Austrocknung und sofort mumifizieren. So mit offenem Mund und Spinnenweben und so.