Henryk M. Broder / 19.09.2014 / 22:29 / 16 / Seite ausdrucken

Ja, dann geht man halt

Gestern gab es in den Tagesthemen einen Beitrag über die Gefahren des „radikalen Islamismus“, der, so Thomas Roth,  auch „bei uns in Deutschland“ Anhänger findet, „und das besonders in Nordrhein-Westfalen“. Die Radikalisierung der jungen Männer beizeiten zu erkennen, sei „wirklich schwierig, für die Familien, aber auch in der Schule“.

Da muss ein Eperte bzw. eine Expertin her. Lamya Kaddor, Lehrerin für islamischen Religionsunterricht in Dinslaken. „Sie kennt Salafisten, die in den Krieg gezogen sind, sie glaubt, dass junge Muslime sich häufig von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen.“

Nun, wie sich einer fühlt, sagt noch nichts darüber aus, wie die Gesellschaft mit ihm umgeht. Millionen junger Frauen fühlen sich benachteiligt, weil sie nicht so aussehen wie Heidi Klum. Ich kann das nachvollziehen. Es ist eine Sauerei, dass ich mit meinem SAAB 96 nicht bei der Formel 1 mitfahren darf. Ich fühle mich ausgegrenzt.

Und so geht es auch den jungen Muslimen, besonders in Nordrheinwestfalen, die nach Syrien und in den Irak reisen, um dort für Allah zu kämpfen und zu sterben. „Wie Philipp B. Er sprengte sich in Syrien in die Luft, riss 20 Menschen mit in den Tod. Oder Mustafa K., der an Enthauptungen beteiligt gewesen sein soll. Beide gingen in Dinslaken zur Schule.“

In Dinslaken, wo Lamya Kaddor islamischen Religionsunterricht gibt, also junge Menschen zu Respekt vor dem Leben, Toleranz gegenüber anderen Religionen und überhaupt zu ordentlichem Benehmen erzieht.

Wie erklärt sie die Verwandlung ihrer Schüler in lebende Bomben? So:

„Wenn sie hier wissen, sie werden keine Ausbildung bekommen, mit nem schlechten Zeugnis, wenn sie wissen, ich werde mit einem schlechten Zeugnis, mit keiner vorhandenen Ausbildung, mit keinem vorhandenen Beruf, auch nie eine Frau heiraten können, welche Familie wäre denn bereit, einzuwilligen, da die Tochter zu heiraten, das heißt, man weiß jetzt schon, dass die Zukunft nicht besonders rosig aussieht. Ja, dann geht man halt. Man wird auch stolz gefeiert als Märtyrer, man wird ja richtig gefeiert bei den Salafisten.“

Wer die deutsche Sprache dermaßen misshandelt, soll sich nicht wundern, wenn ihm die Schüler davon laufen.

Lamya Kaddors Logik ist so tollkühn wie ihr Satzbau. Wenn einer „mit nem schlechten Zeugnis“ die Schule verlässt und deswegen auch „nie eine Frau“ abbekommt, dann wird er sich irgendwann in die Luft sprengen. Was soll er sonst tun, um seinem Leben einen Sinn zu geben? Gibt es unter Bio-Deutschen keine Versager und keine Schulabbrecher. Die Zuwanderer aus Polen, Russland, Spanien, Vietnam und der Karibik werden alle von der VW-Stiftung an die Hand genommen und so lange nicht losgelassen, bis sie in Kulturanthropologie promoviert und einen Job beim Goethe-Institut bekommen haben. Nur die jungen Männer, die Frau Kaddor in islamischer Religion unterrichtet, müssen zusehen, wie sie allein zurecht kommen.

In diesem Zusammenhang die Frage zu stellen, warum der „radikale Islamismus“ eine solche Anziehungskraft auf junge Muslime entfaltet, grenzt schon an Islamopho-bie. Aber es muss sein, denn es gibt nichts Vergleichbares in anderen Migranten-Milieus. Die Antwort auf diese Frage gibt der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in NRW, Burkhard Freier:

„Sie kriegen feste Regeln, sie kriegen ein ganz klares Ziel, sie kriegen eine Aufgabe, sie kriegen aber auch soziale Wärme und das Gemeinschaftsgefühl, und sie kriegen auch so etwa wie Abenteuer, nämlich das Ausreisen und Kämpfen ist für viele junge Männer im Moment ein Ansporn. Dieses Gesamtpaket führt dazu, dass die Zahl derjenigen, die sich radikalisieren lassen, aus unserer Sicht zunehmen wird.“

Mit anderen Worten: Die jungen Männer bekommen alles, was ihnen Pädagogen wie Lamya Kaddor nicht bieten können. „Für mich ist das ein Super-Gau“, sagt die Erzieherin. Und da hat die Trulla aus Dinslaken ausnahmsweise Recht.

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Leserpost

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Mirjam Modric / 20.09.2014

Danke Herr Broder, sie fassen in flüssige Worte, was mir beim Lesen oder Hören solcher Berichte sofort durch den Kopf geht. Warum merkt eigentlich niemand was?

Michael Geier / 20.09.2014

Schließe mich Herrn P. Gruber an: Großartig!:-) Broder wieder mal in Höchstform, den morbiden Pseudo-Käse der X für U Obskuranten fein säuberlich zerlegt - eine Aufgabe, für die eigentlich auch andere zuständig wären, z.B. Kirchen, Zentralräte, diverse (polit.) Grüßauguste, Künstler sowie “ganz normale” Privatpersonen! Mit anderen Worten: Eine Allianz bzw. “Achse des Guten” muss her:-) Denn deutsche Spezialiäten wie Wegducken, Schönreden o. gar “kollaborieren”, wie es einige (o.gen.) Kräfte (“Der Islam gehört zu Deutschland”; o.  “Auch Salafisten gehören zu Deutschland” etc.) schon jetzt wieder tun, katapultieren uns 70 Jahre nach “Onkel Wolfis Traum vom Tausendjährigem Reich”,  nur früh o. später in die nächste Katastrophe. “So hütet euch vor jenen, die unter dem Deckmantel der Freiheit, in Wahrheit nur Unfreiheit bringen”! (NT…)

Hauke Walden / 20.09.2014

Na herzlichen Glückwunsch, “Lamya Kaddors Logik ist so tollkühn wie ihr Satzbau.” - einen “live” in den Tagesthemen gesprochenen Satz transkribieren, und sich dann über den Satzbau lustig machen. Ganz großes Kino! Es *könnte* ja womöglich so sein dass die Frau eben nicht druckreif vor der Kamera sprechen kann - na und? Ich habe bei Frau Kaddors den resigniert-sarkastischen Unterton übrigens deutlich herausgehört. PS: Übrigens, wenn wir schon dabei sind: Die korrekte Schreibweise des Bundeslandes ist “Nordrhein-Westfalen”, und der Trennstrich bei “Islamopho-bie” ist auch eher “abenteuerlich”.

Chris Deister / 20.09.2014

Das war jetzt nach langer Zeit ein Artikel von HMB, an dem ich nichts auszusetzen habe. Merke: die Nachricht liegt im Umkehrschluss.

Hubert Appenrodt / 20.09.2014

Wie ich die Bundesregierung mit ihrem unheimlichenDauerdrang kenne, jedweden Gesellschaftswinkel nach einer neuen Möglichkeit für Daseinsfürsorge abzusuchen, könnte es sich durchaus bald ergeben, einen Truppenübungsplatz für jene freizugeben, die sich unbedingt, weil sie von der Kartoffelmehrheitsgesellschaft ausgegrenzt werden, in die Luft sprengen wollen. Wie ich jedoch die durchorganisierte deutsche Zivilgesellschaft kenne, gründet sich bald eine Bürgerinitiative, die dann dagegen laut anwettert, um das Regierungsansinnen zu verhindern, notfalls mit Fasten oder gänzlichem Hungerstreik, weil es ihnen zu laut ist, vor allem in der Nacht, und auch die Amseln, fliegenden Fische und Waldameisen hätten sich darüber gleichfalls vorab beschwert bei Green Peace, dem Naturbund, Peta, amnesty und attac wie auch Claudia Roth. Wir kommen in Deutschland einfach nicht voran. Der Islam gehört zu Deutschland, aber wo bleibt der Truppenübungsplatz dafür?

Lukas Adam / 20.09.2014

Kaddor: “welche Familie wäre denn bereit, einzuwilligen, da die Tochter zu heiraten”. Sind Töchter das Eigentum der Familie? Wie Schweine, über die ein Bauer die Verfügungsgewalt hat? Oder wie ein Auto, das einen Besitzer hat? Wo in unseren Gesetzen steht denn das?...

Peter Gruber / 20.09.2014

Großartig! Ein Bundesverdienstkreuz für Henryk M. Broder, denn er gehört zu den ganz ganz wenigen Nicht-Muslimen in diesem Land, die den Islam in all seiner teuflischen Gefahr für die Art wie WIR (die Noch-Mehrheitsgesellschaft) leben durchschaut haben und seit Jahren mit den richtigen Argumenten, sehr analytisch, sehr klar vor dem Islam und gewissen (es sind leider viel zu viele) hier lebenden Musliminnen und Muslimen warnt und aufklärt. Ihm ist sicher auch aufgefallen, wie infam die Islamischen Verbände bei ihrem gestrigen “Aktionstag gegen Hass” die Tat einer Hand voll brandstiftender Straftäter (die jedenfalls aber niemandem ein Haar gekrümmt haben) mit den barbarischen Taten der IS-Mörderbanden gleichgesetzt haben, indem die beiden Themen in Wort und Tat bestenfalls gleichwertig abgehandelt wurden!

Frank Wernske / 19.09.2014

Entschuldigung Herr Broder, aber im Pott spricht man so. Und jetzt sagen Sie nichts gegen den Pott, der ist meine Heimat.

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