Rainer Bonhorst / 07.12.2013 / 07:34 / 3 / Seite ausdrucken

It’s good to be the king!

Was sagte doch Mel Brooks in seiner Rolle als Ludwig vierzehn? It’s good to be the king. Zu deutsch: Mir kann keener. Nicht nur im Film, auch im wahren Leben erklärt diese Haltung manches, was unerklärlich erscheint. Zum Beispiel das Verhalten einiger Mitglieder der Bankenszene.

Auf den ersten Blick erscheint es in der Tat unerklärlich, wie sich internationale Bänker, deren fast bischöflich anmutende Prunkbauten, deren Schneideranzüge und dunkelblaue Krawatten höchste Seriosität suggerieren sollen, immer wieder auf halbseidene oder überhaupt nicht mehr seidene Geschäfte einlassen können.  Wie sie den guten alten Libor, den sowieso kein Schwein kennt, manipulieren können, während sie vom Steuerzahler aus dem selbst geschaffenen Sumpf der Finanzkrise gezogen werden. Wie die Bonuszahlungen neue Rekordhöhen erreichen können, nachdem überzogene Bonuszahlungen gerade erst als ein Kern der Krise, als die Droge, die zum Zocken verführt, erkannt und öffentlich gebrandmarkt worden waren. Und wie dann auch noch am Horizont Währungsmanipulationen auftauchen.

Ratlos fragt der Beobachter: Haben diese Bänker denn aus der Krise gar nichts gelernt? Und wenn das so ist, warum nicht? Die Antwort ist simpel: Sie haben nichts gelernt, weil sie es nicht nötig haben. Wer lernt schon freiwillig etwas. Lernen ist lästig. Ohne einen gewissen Zwang und ohne die Einsicht, dass lernen notwendig ist, geht gar nichts.Warum soll man lernen, wenn man sagen kann: Mir kann keener? Wenn man sagen kann: It’s good, to be the king? Wenn man sagen kann: Ein paar hundert Millionen sind zwar keine Peanuts, aber sie können einen Bankmann nicht erschüttern? Die entsprechenden Rückstellungen sind längst gemacht?

Ja, Rückstellungen sind etwas wunderbares. Sie sind wie das Fluchtauto das Normalganoven, wenn der Bankraub schief geht. Nur viel eleganter und sicherer. Sollte man für Gaunereien nicht grundsätzlich mit Rückstellungen statt mit Gefängnis büßen dürfen?

„Herr Bankräuber, was haben Sie für Rückstellungen gemacht?“

Antwort: „Also ich habe von der Beute 750 Euro zurückgelegt für den Fall, dass ich verurteilt werde.“

Richter: „Gut, dann rücken Sie die mal raus und den Rest in Monatsraten. Und kaufen Sie sich einen anständigen Anzug. Nehmen Sie sich ein Beispiel an dem Bänker, den Sie beklaut haben, nachdem er Sie beklaut hat.“

Ich will jetzt nicht auf Bert Brecht zurückkommen, der seinem Mackie Messer eine gewisse Bankenskepsis in den Mund gelegt hat. Aber ich sag es einfach noch einmal. Wer es nicht nötig hat, zu lernen, der lernt auch nicht. Warum sollte er? So ein Banker ist zwar nicht „king“ wie Mel Brooks, aber wenn er „too big to fail“ ist, dann sagt er sich genau das, was sich die Kunden eines großen Elektronikhandels sagen sollen. Nämlich: Ich bin doch nicht blöd.

Nein, blöd ist er nicht. Aber blöd aussehen, das tut er schon. Irgendwie verkleidet. Edler Zwirn aus dem unsaubere Hände hervorschauen. Gerader Scheitel über krummen Gedanken. Kölnisch Wasser über unrasierter Seele. Botox gegen moralische Falten. Glänzende Schuhe über Schweißfuß-Ethik. Blaue Seidenkrawatte über unanständigen Flecken. Kaviar an Brechreiz. Stilmöbel statt Stil ...

Danke, das genügt.

Trophäenfrau statt …

Das genügt, hab ich gesagt.

Wirklich? Ich könnte noch …

Schluss, aus, Ende.

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Leserpost

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Caroline Neufert / 07.12.2013

Hm, Angebot und Nachfrage. Sie bzw wir haben die Wahl (noch) mit unserem Geld, Dinge zu tun oder zu lassen. Solange Menschen glauben, 10 % Rendite ist das Minimum, solange wird es andere geben, die diese Gläubigkeit zu nutzen wissen. Wie in der Religion, in der Liebe, im Job ... ;-). Dass diese anderen sich es dann damit gut gehen lassen, ist menschlich. Lernen sollten Sie bzw wir ;-).

Karl Krähling / 07.12.2013

Der Steuerzahler hat mit seinen Wahlentscheidungen in Westeuropa und den USA die Politik gewählt, die es Banken ermöglicht, das zu machen, was sie machen. Nicht nur in den USA gibt es einen regen Personalwechsel zwischen Banken und Politik. Der Aufstieg der großen Geldhäuser der Welt ist keine Geschichte von Verantwortung für Bürger, bestenfalls ist eine solche ein positives Nebenprodukt. Warum also Banker für ihre Hemmungslosigkeit und Skrupellosigkeit anprangern, die wir ihnen als Wähler eingeräumt haben, wenn auch unwissend, weil uns die großen Redaktionen in unserem Land (immer noch) lieber manipulieren statt zureichend zu informieren.

Jerzy Zylberg / 07.12.2013

Nicht alle Banken, nicht alle Banker. Es gibt solche und solche. Ich würde auch nicht behaupten, dass ALLE Deutschen Neonazis oder Antisemiten sind, nur weil es mehrere davon gibt. Immerhin hätte dem Herrn ein Gerechter von Sodom gereicht um die Stadt zu verschonen. Es gab aber keinen Gerechten in Sodom. Aber es gibt bestimmt die Banker die nicht so kriminell sind, wie Sie den Bankern unterstellen. Jerzy Zylberg

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