Das russische „Afrikakorps“ (Nachfolgestruktur der Wagner-Gruppe und formell Ausbilder und Söldner) ist in Mali in die militärische Defensive geraten, nachdem die eigentlich verfeindeten Tuareg-Separatisten (FLA), die einen eigenen Staat „Azawad“ im Norden fordern, und Dschihadisten des JNIM (einem Zweig des Terrornetzwerks von Al-Qaida) ein Zweckbündnis schlossen. Die Tuaregs haben im Norden Kidal und Gao attackiert und JNIM vor allem im Zentrum und im Süden die Hauptstadt Bamako angegriffen. Die Russen mussten nach einer Kapitulation gegen freien Abzug wertvolle Waffensysteme, z.B. Kampfdrohnen, Munitionsvorräte in Tessalit zurücklassen. Der ukrainische militärische Geheimdienst HUR hat die FLA im Rahmen seiner offiziellen Afrika-Strategie unterstützt, um die Russen aus der Region zu vertreiben. Nach französischen Recherchen handelt es sich um Ukrainer, die als ehemalige Angehörige der französischen Fremdenlegion den Sahel gut kennen und Französisch sprechen.
Der Schwerpunkt der verbliebenen etwa 2500 russischen Soldaten liegt nun in der Sicherung der malischen Militärjunta, sowie strategischer Infrastruktur wie des Hauptstadtflughafens und in der Verteidigung von Bamako. Junta-Chef Assimi Goita hatte nach der Schwächung der Russen Kontakt mit der türkischen privaten Sicherheitsfirma SADAT aufgenommen, die bereits zum Schutz der Führung die malische Präsidentschaftsgarde ausgebildet und türkische hochmoderne Waffensysteme geliefert hat, um die noch bestehende Luftüberlegenheit der Junta zu retten. Die Türkei positioniert sich zunehmend als Rüstungs- und Schutzpartner (Lieferung von Kampfdrohnen und Ausbildung von Eliteeinheiten).
Die Dschihadisten versuchen, die Hauptstadt auszuhungern. Hauptverkehrswege aus dem Senegal und der Côte d’Ivoire sind blockiert. Da Kraftstoff fehlt, sind das Verkehrs- und Stromnetz zusammengebrochen. Grundnahrungsmittel sind knapp. Wegen der akuten Bedrohung und des erwarteten Sturzes der Regierung wurden Staatsbürger der USA, Frankreichs und Großbritanniens von ihren Botschaften zu sofortiger Ausreise aufgefordert. Die deutsche Botschaft ist weiterhin geöffnet.
Deutsche Entwicklungshelfer sind offenbar immer noch im Lande, wenn auch mit "strengen Sicherheitsauflagen“. Die aktuelle Lage in Bamako, in der deutsche Helfer aus Schutzräumen herausarbeiten sollen, ist ein Paradebeispiel für die Fehlentwicklungen und die Realitätsferne der deutschen Helferindustrie.
Verliert das Afrikakorps überall seinen Einfluss?
Das Afrikakorps wurde von der russischen Regierung zur Sicherung von Regimen und zum Abbau von Rohstoffen entsandt. Das Versprechen, die dschihadistische Bedrohung in der Sahelzone zu besiegen und die Sicherheitslage zu verbessern, konnte nicht überall gehalten werden. In der Zentralafrikanischen Republik wird die Regierung derzeit erfolgreich vor Rebellen geschützt. Bezahlt wird der militärische Schutz mit Schürfrechten für Gold und Diamanten, sowie dem Export von Tropenholz. Russen befehligen die zentralafrikanische Polizei und die Streitkräfte.
Russland inszeniert sich mit antifranzösischen Informationskampagnen als „antikolonialer Partner“. Russia Häuser vermitteln ein positives Bild Russlands mit kostenlosen Russischkursen, Stipendien, Ausstellungen, Filmabenden oder Konzerten für bildungshungrige junge Afrikaner. Daneben soll die Bevölkerung - nach dem Rauswurf der Franzosen- von der neuen strategischen Partnerschaft überzeugt werden.
Um Machtsicherung geht es auch in Burkina Faso, Niger und Äquatorialguinea
In Burkina Faso trainieren sie die Militärs und übernehmen den Personenschutz der wichtigsten Regierungsmitglieder. Geliefert werden Waffen und militärische Ausrüstung, um die Junta gegen islamischen Terror zu unterstützen. Als Gegenleistung erhalten russische Firmen Zugang zu Ressourcen des Landes wie Goldbergbau und den noch unerschlossenen Vorkommen wie Kupfer, Mangan, Phosphaten und Zink.
Auch im Niger baut Russland seinen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Einfluss aus Die frühere Luftwaffenbasis der USA (nahe der Hauptstadt Niamey) ist jetzt ein russischer Stützpunkt. Die Kooperation der Militärs im Niger und Russland konzentriert sich auf den Energiesektor. Im Zentrum der wirtschaftlichen Interessen steht der Uranabbau. Es gibt auch eine Absichtserklärung für Investitionen für eine zivile Nutzung von Atomkraft, Bau von Atomkraftwerken und die Nuklearmedizin.
In der früher spanischen Kolonie Äquatorialguinea sind etwa 200 Soldaten und Ausbilder zum Schutz des seit 1979 regierenden Diktators Teodoro Obiang und seiner Familie stationiert. Da das Land zu den ölreichsten Staaten Afrikas gehört, wird vermutet, dass ein Teil der Rechnung über Ölrechte, Schürfrechte für Minen und Nutzungsrechte für Häfen der russischen Marine abgegolten werden.
Warum brauchen die Regime ausländischen Schutz?
Seit der Unabhängigkeit und dem Ende der Kolonialzeit in den 1960er Jahren gab es in Afrika etwa 220 versuchte und mindestens 106 erfolgreiche Staatsstreiche gegen die jeweiligen Regierungen. Die Putsche der jüngeren Geschichte konzentrieren sich auf West- und Zentralafrika. Meist in ehemaligen französischen Kolonien. Keine Staatsstreiche gab es in Botswana, Malawi, Mauritius, Sambia, Südafrika, und Tansania. Möglicherweise liegt das daran, dass Frankreich – anders als Großbritannien – nach der Kolonialzeit über Jahrzehnte formelle und informelle Netzwerke in den Ex-Kolonien aufrechterhielt. (Vgl. Achse 22.11.24 „Frankreichs Afrika Geldbote packt aus“)
Frankreich übernahm durch bilaterale Verteidigungsabkommen und direkte Militäroperationen den Schutz der Machthaber. In den 1990er Jahren wurden oft auch private Unternehmen wie die südafrikanische Executive Outcomes (z.B. in Sierra Leone und Angola) angeheuert. Marokko und Israel übernehmen oft den Personenschutz und die Palastabsicherung von Autokraten. In Kamerun gibt es das Bataillon d’Intervention Rapide (BIR), das dem Langzeitherrscher Paul Biya das Überleben sichert. Es wird von israelischen Sicherheitsberatern kommandiert.
Wenn Russland den Regimen im Sahel Schutz gegen Rohstoffe anbietet, dann ist das für Autokraten eine Lebensversicherung. Wegen extrem schwacher staatlicher Institutionen und permanenter Putschgefahr durch die eigenen, unzuverlässigen Armeen besitzen autokratische Regime ein dauerhaftes Bedürfnis nach externem Schutz.
Ich halte die Spekulationen deutscher Medien, dass Russland wegen der Niederlage in Mali und wegen der Ukrainekrise bald aus Afrika abzieht, für eine Wunschvorstellung. Die Russen sind in den Sicherheitsapparaten dieser Staaten verankert und werden den Einfluss freiwillig nicht aus der Hand geben. Im Gegensatz zu westlichen Militäreinsätzen, die Milliarden kosteten, trägt sich das Afrikakorps – durch den Zugang z.B. zu Gold-, Diamanten- und Uranminen – von selbst. Und nicht zu vergessen: In den großen Städten wie Bamako, Ouagadougou und Niamey werden nach der als neokolonial empfundenen Präsenz Frankreichs die Russen als „Befreier" gefeiert. Das könnte sich jedoch ändern, wenn Russland nicht mehr mit Frankreich verglichen, sondern an den eigenen Taten (Ausbeutung der Ressourcen) gemessen wird.

Russland hat sich von vorne herein für seine Schutzdienstes in Rohstoffen bezahlen lassen. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, wie sollte das sonst gehen?
Die Staaten, die Russland unterstützt, sind oft von Bürgerkriegen heimgesucht. Es macht die Regime wieder handlungsfähig, rüstet sie mit Waffen aus und vertreibt die Kriegsgegner. Meist waren das ja wohl westlichen Einflüsse, die einen Totalschaden hinterlassen haben?
Im übrigen ist die Hilfe auch immer Training. Die weltweiten Unruhen nötigen ja doch dazu. Und Russland ist ja gerade wieder zum Objekt der Begierde geworden.
Wir vergessen immer den Kriegsgrund. Vor allem das Zeter- und Mordio-Kartell bleibt beharrlich beim Überfall der Russen auf die Ukraine, und betreibt Legendenbildung; wir wissen längst nicht mehr, wie es angefangen hat.
Es hat mit dem Oligarchen Michael Chodorkowsky angefangen. Der wollte Anteile von Yukos an ExxonMobile USA verkaufen und Wladimir Putin gefiel das nicht. Der wollte keine amerkanische Industrie im Land. Ist ja immer so, erstmal den Fuß in die Tür kriegen. Wie man an Grönland sieht, lag er richtig.
Das Gericht verurteile Chodorkowsky wegen Steuerhinterziehung, und hier ging das Geplärre durch die Decke. Die russischen Oligarchen, vormals als Mafia verschrien, waren plötzlich Freiheitskämpfer. Damit begann die Hetzjagd gegen Russland. Russland wurde zum Feindstaat erklärt.
Russland sollte mal besser die Waffen strecken und friedlich sein, oder? Wir meinen das doch nur gut, nicht wahr?
Das Grundproblem der westlichen Zivilisation ist im Hinblick auf viele afrikanische Staaten offenbar der Gedanke, dass jede Gesellschaft nach Weiterentwicklung in unserem Sinne streben muss. Aber viele Kulturen wollen zwar unsere Annehmlichkeiten, aber gleichzeitig ihren grundsätzlichen Lebensstil behalten. In Stammesgesellschaften leben, sich dabei gegenseitig berauben und bekriegen. Letztlich kann niemand eine fremde Gesellschaft zwingen, sich nach seinen Vorstellungen zu verändern. Allerdings muss man dann auch deutlich machen, dass unsere Errungenschaften auch nicht für nichts zu haben sind. Wer in einer steinzeitlichen Stammesgesellschaft leben will, der lebt dann eben so. Sie treffen ihre Entscheidung.
„Thomin Weller / 19.05.2026
Es ist inzwischen unstrittig das Europa dringend islamistische Terroristen für ihre weltweite Aussenpolitik benötigt.“ – So machen wir das halt. Erst fliehen wir vor ihnen, und wenn dann Russen und Chinesen kommen, werden sie von uns unterstützt. Das macht uns so schnell keiner nach, die Politik der verbrannten Werte.
Danke, Volker Seitz. Eine Meinung habe ich zu den hier geschilderten afrikanischen Zuständen nicht; denn was soll man da sagen oder empfehlen? Leid tun mir die unter diesen Bedingungen lebenden Menschen.
„Jörg Themlitz / 19.05.2026
Die Luxemburger in ihren schönen, grünen Uniformen und die Bundeswehr stehen jetzt in Litauen an der Grenze zur größten Atommacht der Welt und machen genau was?“ – Ist es nicht ihr Auftrag die Russen einzuschüchtern ?
„Warum zieht es eigentlich die Afrikaner nicht in Scharen nach Russland?“
Wegen der Russen vermutlich. Oder der ukrainischen Drohnen. Die sind jetzt in der Jahreszeit überall. Und Putin hat die Drohnenkönigin noch nicht finden können. Die legt nun fleißig Eier, weil man sie gereizt hat.
Es ist inzwischen unstrittig das Europa dringend islamistische Terroristen für ihre weltweite Aussenpolitik benötigt.
Europa zahlt 90 Mrd. an die Ukraine damit ihre blutig, dreckige Arbeit verrichtet wird. Das war vor Jahren so und heute immer noch.
Mark Thatcher wurde in Südafrika unter Putschverdacht 2004 verhaftet. Mark Thatcher in Afrika hat mittels ukrainischen Kampfpiloten Plünderungen im westivorischen Zouan-Hounien, in der Stadt Vavoua und in Gohitfala durchgeführt.(Elfenbeinküste)
Und nun 2026 „Laut französischen Medien kämpfen in Afrika Ukrainer zusammen mit Terroristen für Frankreichs Interessen. Deutsche Medien verschwiegen, was RTL nun gemeldet hat, denn dass Frankreich in Afrika islamistische Terroristen unterstützt und dabei ukrainische Soldaten zusammen mit Terroristen gegen die Regierung Malis kämpfen lässt, passt so gar nicht ins gewollte Bild.“ Röper
Bayern als islamistische Terrorzelle, siehe Terroranschläge der „East Turkestan Islamic Movement (ETIM)“ in China. Eine nach Resolution 1267 des UN-Sicherheitsrats aufgelisteten Terrororganisation. Deren politische Dachorganisation ist der „Weltkongress der Uiguren (WUC)“ mit Sitz in München. Nach dessen „Präsidenten“ Dolkun Isa wird seitens der chinesischen Regierung wegen Teilnahme an mehreren terroristischen Bombenanschlägen in Xinjiang in den 1990er Jahren gefahndet.
Ich dachte immer in einer Marktwirtschaft werden Rohstoffe wie Uran gekauft.
Die Aussenpolitik ist merkwürdig kontraproduktiv.