Erst sollte Tief „Elli“ zu lebensbedrohlichen Ausnahmezuständen im Norden des Landes führen und anschließend dasselbe in Mitteldeutschland anrichten. Aber außer permanenten Katastrophenmeldungen ist nicht viel passiert. Deutschland erlebt bislang einen ganz normalen Winter. Was nicht normal ist, ist die offensichtliche Unfähigkeit der politischen und staatlichen Strukturen, damit umzugehen. In Hamburg musste der extra in die Hansestadt entsandte Reporter der „Tagesschau“ vom letzten Donnerstag vor laufender Kamera eingestehen, dass hier nichts passiert war.
Den größten Schaden hat die Deutsche Bahn angerichtet, indem sie den Zugverkehr im Norden eingestellt hat. Die Schneewehen, mit denen sie zu kämpfen hatte, waren nach ihren eigenen Angaben 20 cm hoch. Die neue Bahnchefin, die das Unternehmen wieder auf Vordermann bringen soll und es stattdessen lieber lahmlegt, hat auf einer Pressekonferenz ihr Vorgehen verteidigt mit den Worten, die Sicherheit von Passagieren und Mitarbeitern (sie genderte natürlich) habe für sie oberste Priorität. Es sei kein Zug stecken geblieben, war die Erfolgsmeldung. Die Absurdität dieser Aussage fiel keinem Journalisten auf, denn natürlich kann kein Zug, der nicht abfährt, stecken bleiben. Niemand wird die Schäden zählen, die durch die Bahnstillegung angerichtet wurden. Es scheint aber so weitergehen zu sollen. Zwar werden die Fahrten wieder aufgenommen, aber reduziert und langsamer. Was das mit dem Fahrplan, also Pünktlichkeit und Erreichbarkeit der Anschlüsse, bedeutet, scheint kein Thema zu sein – nicht für die Politik und nicht für die Medien.
Wie lange hält eine Hochindustriegesellschaft die Lahmlegung ihrer Hauptverkehrsadern aus?
Nachdem Tief „Elli“ als Katastrophenquelle nicht mehr brauchbar war, kam gestern Abend die Glatteiswarnung. Weil es in NRW Regen geben würde, der auf dem gefrorenen Boden zu Glatteis gefriert, wurde Glatteisalarm für ganz Deutschland ausgerufen. Wie schlimm es in NRW, wo sofort die Schulen geschlossen wurden, tatsächlich war, kann ich nicht beurteilen, aber dass die Kinder in Sachsen-Anhalt nicht in die Schule gehen durften, weil es in NRW regnet, ist an Absurdität kaum noch zu überbieten. Deutlich wurde in den Meldungen die Verantwortungsflucht, die heute Deutschland fest im Griff hat. Manche Ministerien gaben die Meldung heraus, dass die Schulen entscheiden sollten, ob sie öffnen wollten oder nicht. Damit wurde die politische Verantwortung einfach auf die Schulleiter abgeschoben. In Mitteldeutschland scheint es kein flächendeckendes Glatteisproblem gegeben zu haben.
Die Schwierigkeiten, die auftraten, entstanden hauptsächlich dadurch, dass die Straßen nicht mehr ordentlich geräumt werden. In Berlin waren die Gehwege vereist, weil die meisten Hausbesitzer die Gehwege nicht mehr räumten. Die Berliner Grünen kamen auf dem Höhepunkt der Misere mit der Forderung um die Ecke, dass die Stadtreinigung das sofort übernehmen sollte. Die lehnte ab mit dem Hinweis, dass sie weder das Personal noch die Geräte habe, weitere 12.000 Kilometer vom Eis zu befreien. Offensichtlich fehlt es auch an Willen, für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu sorgen. Wenigstens die Hauptstraßen waren geräumt. In meiner Straße waren die Silvester-Hinterlassenschaften zum Teil noch plattgefahren zu erkennen. Ich wohne in einem grün-roten Besserverdienenden-Viertel, in dem die Böllerreste einfach liegengelassen wurden. Für den öffentlichen Raum interessiert sich niemand mehr.
Als ich am Sonntag von Berlin in meine Heimatstadt fuhr, stellte ich fest, dass nicht einmal alle Hauptstrecken ordentlich geräumt waren. In meiner Heimatstadt betraf das fast alle Straßen. Es hatte hier am Freitag geschneit, am Sonntag war der Schnee Matsch, und als es am Montagmorgen noch einmal schneite, war die Rutschgefahr groß – aber nicht wegen Glatteis, sondern wegen nicht erfolgter Räumung.
Wir haben in Deutschland das Problem, dass der Staat sich immer mehr Zuständigkeiten anmaßt, aber nicht mehr in der Lage ist, seine Kernaufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen!
Dieser Beitrag erschien zuerst bei vera-lengsfeld.de.

Bitte gerne mehr und regelmäßig solche Eiswarnungen in Nordrhein-Westfalen! Am Montag Morgen waren die Straßen frei und man kam ohne Behinderungen über sonst notorisch verstopfte Autobahnen zur Arbeit.
„…Wir haben in Deutschland das Problem, dass der Staat sich immer mehr Zuständigkeiten anmaßt, aber nicht mehr in der Lage ist, seine Kernaufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen!…“
Und wir haben noch einen recht grossen Anteil an Bürgern, die das anscheinend ganz in Ordnung finden und durch ihr Wahlverhalten honorieren. Auch das ist Demokratie…auch wenn es manchmal schwer fällt, das auszuhalten.
@Markus Harding: Nicht nur das, er ist auch ein russischer Oligarch, denn: „Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus; Beym Nordpol an dem Strande; Doch hat er auch ein Sommerhaus; Im lieben Schweizerlande.“
Schnee – und das auch noch im Winter. Kannte man in Deutschland bisher noch nicht.
„Für den öffentlichen Raum interessiert sich niemand mehr.“, aber wehe, unser Außenkanzler spricht mal vom „Straßenbild“! Und was die Bahn angeht: Reaktiviert (oder lasst neu bauen) die alten Dampfloks und spannt die vor die hochmodernen superschnellen E-Loks. Dann läuft’s zwar langsamer, aber es läuft!
Frau Lengsfeld,ich kann mich nicht an einen einzigen Tag erinnern,das ich wegen
Schnee,Flut,Schlittschuheis auf der Autobahn oder Windgeschwindigkeiten über 200km/h(Kyrill)nicht fahren konnte.
Die Gurken hatten in den 80ern überwiegend Heckantrieb und das
Gewicht wegen eines kürzeren Achsenabstands war schlechter verteilt.Und diese
Erfahrungen prägen einen und man kommt dann mit jedem Wetter klar.
Degenerierte Linke bekommen jetzt das geliefert was bestellt wurde.
Natürlich ist der Winter rechts. Kälte diskriminiert zwischen sozial Schwachen und Starken. Das gleichverteilte Klima des Eozäns mit seiner Wärme für alle Klassen war fortschrittlich. Ist sozusagen klassenlos. Da müssen wir wieder hin. Mehr CO2 in die Atmosphäre. Mehr Treibhauseffekt.