Israel hat am 26. Dezember 2025 als erster UN-Mitgliedstaat formell das kleine Land am Horn von Afrika als souveränen Staat anerkannt. Somaliland hatte sich 1991 – nach einem zehn Jahre andauernden Konflikt mit Somalia – für unabhängig erklärt. (vgl. Achse 18.05.2021 Somaliland: Eine afrikanische Musterdemokratie am Golf von Aden) Im Gegensatz zum Rest Somalias gilt Somaliland als stabiler Partner. Laut Freedom House (einer Organisation mit Sitz in Washington D.C., die seit 1973 einen Index für Freiheit und Demokratie veröffentlicht) ist Somaliland mit etwa sechs Millionen Einwohnern „teilweise frei (partly free)“ und ein bemerkenswert funktionierendes Gemeinwesen ("Somaliland hosts a political system that has allowed democratic transfers of power between rival parties“ ) Immer im Vergleich zu vielen fragilen afrikanischen UN‑Mitgliedstaaten.
Das seit drei Jahrzehnten weitgehend ignorierte Land – nur Taiwan, das kein Mitglied der UN ist, hat Somaliland anerkannt – kam plötzlich ins Rampenlicht und profitierte von der Nähe zu Jemen, von wo Terrorgruppen Israel bedrohen (die Huthis hatten nach dem 7. Oktober 2023 Israel immer wieder mit Raketen beschossen und internationale Handelsschiffe im Golf von Aden angegriffen). Israel könnte an der geopolitisch wichtigen Passage in Form einer Militärbasis Sicherheit bieten.
Die Zusammenarbeit mit Israel soll sich laut der Regierung von Somaliland auf Diplomatie, Handel, Technologie, Landwirtschaft, Wassermanagement, Gesundheit und Sicherheit konzentrieren (siehe weiter unten). Israel hat Feinde, die seine Existenzberechtigung leugnen und den Staat bekämpfen. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit Somaliland im Sinne seiner Sicherheitsinteressen und des Selbsterhaltungstriebs folgerichtig. Für Israel wird die Bekämpfung der Terrorgruppen aus dem Jemen in unmittelbarer Nähe einfacher werden.
Aus Israels Sicht erfolgte die Anerkennung „im Geiste der Abraham-Abkommen“. Diese Abkommen hatte Donald Trump 2020 während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten sich Israels Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrein, Marokko und dem Sudan. Die Anerkennung Somalilands schafft die Grundlage für offizielle Beziehungen, Abkommen und institutionelle Zusammenarbeit.
Was hat Israel Somaliland zu bieten ?
Im Jahr 1958, zehn Jahre nach der Staatsgründung, wurde die „Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit“ (MASHAV) gegründet. Ausschlaggebend war ein Besuch der damaligen Außenministerin Golda Meir in Afrika. Es geht vor allem um Kenntnisse auf dem Gebiet der Landwirtschaft, der Wasseraufbereitung, der Gesundheit, der Terrorbekämpfung und der Bildung. Afrika wird enormes wirtschaftliches Potenzial bescheinigt, doch die Trinkwasserknappheit ist ein großes Wachstumshindernis. Nicht das Fehlen von Wasser-Ressourcen, sondern ihre ineffiziente Nutzung, mangelnde Investitionen und Missmanagement sind der Grund für die Knappheit.
600 Millionen der 1,4 Milliarden Menschen in Afrika leben heute in den Städten, 60 Prozent in Armenvierteln ohne ausreichende Wasserversorgung. Die ungestüme und ungeregelte Urbanisierung hat zum Kollaps der oft noch aus der Kolonialzeit stammenden sanitären Infrastruktur geführt. In undichten Leitungen geht Wasser verloren. Werden Anlagen nicht korrekt betrieben, steht alles still. Lediglich Ägypten, Tunesien, Gabun, Mauritius,Kenia, Botswana und Südafrika haben ein halbwegs ausreichendes Wassermanagement.
Achtzig Prozent der Krankheiten in Afrika lassen sich nach Schätzungen von Ärzten auf unreines Wasser und schlechte Sanitärversorgung zurückführen. Die meisten Gewässer enthalten Krankheitserreger aus menschlichen Ausscheidungen, weshalb entsprechende Erkrankungen weit verbreitet sind. Nur in Kenia und Südafrika verfügen laut Weltwasserbericht der Vereinten Nationen mehr als 75 Prozent der Menschen über sanitäre Einrichtungen. Keine Art der Infrastruktur-Investition in Afrika würde sich so stark auf die wirtschaftliche Performance auswirken wie ein adäquates Angebot von Trinkwasser. Danach erst kommen Bewässerungsanlagen, Elektrizität oder der Ausbau von Straßen- und Bahnnetzen.
Wasser wäre in Afrika genug vorhanden: Derzeit werden nur fünf Prozent der Ressourcen genutzt. UNO-Berechnungen zufolge verfügen die 55 afrikanischen Staaten über 600.000 Kubikkilometer Grundwasser, das ist rund das Dreißigfache des Niederschlags, der in einem Jahr auf den Kontinent fällt. Israelische Technologien helfen dabei, mit wenig Wasser, wenigen Ressourcen und auf ausgelaugten Böden den Ertrag zu steigern. Vor allem bei der Wasserwirtschaft hat Israel eine globale Vorreiterrolle übernommen. Drei Viertel des Abwassers werden in Israel aufbereitet und in der Landwirtschaft genutzt. Das in Israel entwickelte System der „Tröpfchenbewässerung“ ermöglicht auch in Afrika einen höheren Ernteertrag mit weniger Wasser.
Messgeräte kontrollieren die Bodenfeuchtigkeit. Der Wasserzufluss wird gesteuert, die Erträge steigen – vor allem bei Reis, aber auch im Obst- und Gemüseanbau. Ein weiteres Förderungsziel ist die Verbesserung der Gesundheitssituation. Fließendes Trinkwasser entlastet zudem Frauen und Kinder, die bislang für das Herbeischaffen des Wassers verantwortlich sind. Israel ist für viele Länder Afrikas ein Vorbild dafür, wie man mit der raren Ressource Wasser so umgeht, dass Wassermangel kein Thema mehr sein sollte. Diese Spitzentechnologie ist auch für Somaliland attraktiv.
Beitragsbild: Lakmi00via Wikimedia Commons

Lieber Herr Seitz,
Es ist schade, dass die Medien Somaliland ignorieren – gerade mit Bezug auf Entwicklungshilfe und Erfolg.
Was hier manche Kommentare Israel unterstellen, ist zu kurz gedacht. Ein wirtschaftlich stabiles und erfolgreiches Land bietet keinen Naehrboden fuer Extremisten.
Israel war ein Vorbild, wird aber jetzt zusammen mit den USA nicht mehr so gesehen. Wäre alles viel einfacher wenn es nicht laufend um Krieg ginge. Wenn Afrika von China spricht, dann nicht von Krieg, sondern von Technologie. Das ist das Problem.
Viele Länder auf der Erde teilen das Schicksal von Somaliland. Es sind Länder und Menschen über die so gut wie gar nichts in Zeitung, Fernsehen und Radio berichtet wird.
Das Interesse von Medien scheint allein auf die Lönder gerichtet sein, in denen Mord, Völkermord, Terror und Massensterben herrscht. Nimmt man allein die Berichte über Afghanistan und den Nahen Osten, so dürfte hier ein hoher zweistelliger Prozentsatz der Berichterstattungen stattzufinden.
Hiervon sind nicht nur fast unbekannte Entwicklungsländer betroffen, sondern z.B. auch Japan. Über die letzten beiden Regierungswechsel hat ausführlich nur ein einziges Magazin berichtet.
Genau aus diesem Grund habe ich mich auch über diesen ausführlichen Bericht über Somaliand gefreut und würde mich auch freuen, wenn über deutsche Entwicklungspolitik und Beziehungen zu anderen Ländern abseits der Regierungsdarstellung berichtet werden würde. Dies ist mit Sicherheit eine „Marktlücke“.
Israel hat vor allem Sicherheit, Elektronik & wasserarme Landwirtschaft zu bieten. Somaliland bietet Israel einen direkten Blick auf die Militärstützpunkte der USA, Frankreichs, Japans, Italiens, Spaniens & vor allem Chinas in Dschibuti. Und es ist wesentlich billiger von Somaliland aus Raketen in den Jemen zu ballern & das fast ohne Vorwarnzeit. Es ist viel mehr ein gesunder Überlebensinstinkt Israels als Schläue, dort Kooperation zu suchen. Und freuen wir Achse-Leser uns doch für die Somaliländer, daß die in Fragen der Demokratie & eines sanktionsfreien Machtwechsels, weiter sind als wir.
@Rolf Mainz / 03.02.2026
„Sechs Millionen Einwohner? Für ein unabhängiges Staatsgebilde? In Afrika? Das “bessere Somalia„? Das könnte viele neue Staaten dort geben, wenn jeder Clan seine (vermeintliche) Unabhängigkeit ausruft. Startend mit den üblichen, euphorischen Hoffnungen (“diesmal wird alles anders„), irgendwann totalitär abgleitend und letztlich Überlebenschance nahe Null. Afrika scheitert an der mangelnden Performance seiner Bevölkerung, nicht an fehlenden, neuen Staaten.“ --- Sechs Millionen? Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Andererseits muss man ja davon ausgehen, dass alle Menschen gleich sind. Der IQ wurde ja von rassistischen Weißen*Innen entwickelt und sollte deswegen keine Rolle spielen.
Es soll sich ja ein weiterer Teil von Somalia mit dem Namen Puntland abgespaltet haben. Wie steht es um deren Anerkennung. Das ist ja von Interesse. Da dürfen sich ja auch Bayern oder Sachsen von ihren Land abspalten.
Jetzt ist Israel seine Sorgen los. Masel tov!