Wer die zunehmende geistige Verödung Deutschlands beklagt, dem sei gesagt, dass es noch ein gallisches Dorf gibt, das Widerstand gegen die anscheinend unaufhaltsame Verblödung leistet: Schloß Ettersburg bei Weimar. In dieser Woche war Chaim Noll zu Gast.
Direktor Peter Krause hat Schloss Ettersburg, den zauberhaften Ort, Sommersitz der Herzogin Anna Amalia, in dem Goethe ein häufiger Gast war, seit 2011 zu einem Ort für freie Debatte gemacht. Das Programm ist erstaunlich vielfältig und reicht von Jens Bisky (7.9.) über Matthias Brodkorb (28.10.) bis Götz Aly (11.11.) und noch viel mehr interessante Diskutanten, wie man hier nachlesen kann.
Am 2. September war Chaim Noll da, der auf seiner jährlichen Deutschlandtour auch Schloss Ettersburg besuchte. Hans Noll, der nach eigener Beschreibung in der DDR mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde und inmitten der Kulturfunktionärsschickeria aufwuchs, wurde spätestens 1980 zum Systemfeind, als er sich der Aufforderung, seinen Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee abzuleisten, entzog und dafür den Aufenthalt in der Psychiatrie in Kauf nahm. Er verließ mit seiner Frau, der Malerin Sabine Kahane, 1984 die DDR und lebt nach einigen Stationen im Westen seit 1995 in Israel. Während des Zweiten Golfkrieges, als die deutsche Linke 1991 gegen Israel demonstrierte, änderte er seinen Vornamen zu Chaim. Er ist einer der besten Kenner und klügsten Analytiker der Lage im Nahen Osten.
Vor ausverkauftem Weißen Saal fand ein spannendes Gespräch mit dem exzellent vorbereiteten Peter Krause statt. Interessanterweise hat Krause das neueste Buch von Noll „Die Verteidigung der Zivilisation“ noch nicht gelesen, er bezog sich immer wieder auf das ältere „Scharia und Smartphon“, was aber bewies, dass Nolls frühere Analysen auch heute noch zutreffen.
Am 7. Oktober 2023 feierte die Achse des Guten in Berlin ihr jährliches Fest mit ihren Autoren. Mit dabei Chaim Noll, der als erstes durch Handynachrichten seiner Frau von dem Überfall der Hamas erfuhr. Sie berichtete morgens von der Attacke und von der Stille danach. Chaim Noll sprach mit den Anwesenden am Abend ein Gebet.
Netanjahu wartete vier Stunden auf das Einverständnis von Biden
Über die vier Stunden, in denen die Armee ohne Einsatzbefehl in ihren Stellungen verharrte, berichtete Noll zu Beginn des Gesprächs auf Schloss Ettersburg ausführlich. In diesen vier Stunden versuchte Staatschef Benjamin Netanjahu vergeblich, das Einverständnis von Joe Biden zum Einsatz der Armee gegen die Hamas zu bekommen. Die letzten Geiseln wurden noch mittags genommen, ehe die Armee endlich eingreifen durfte. Vorher waren etliche Offiziere und sogar Generäle im Ruhestand auf eigene Faust losgezogen, hatten einige Soldaten um sich versammelt und an vielen Stellen Schlimmeres verhindert.
Unter diesen Verteidigern der ersten Stunde ist die Gefallenen-Zahl besonders hoch. Am höchsten war die Opferzahl in einem Kibbuz, der von Friedensbewegten bewohnt war, die Waffen ablehnten. Hier wurden fast alle Bewohner abgeschlachtet. Ein anderer Kibbuz, der über 200 Maschinengewehre verfügte, konnte sich erfolgreich gegen die Angreifer verteidigen. Die bittere Bilanz ist, dass es viele Opfer gekostet hat, weil Netanjahu das Einverständnis von Biden abwartete, ehe er den Einsatzbefehl gab.
Wie wird der Krieg ausgehen? Noll ist sehr klar: Mit der Hamas kann nicht verhandelt werden, das hat sie selbst klar kommuniziert. Die Hamas muss ausgeschaltet werden. Das wollen auch mehrere arabische Staaten, sie überlassen aber Israel die Drecksarbeit. Was mit Gaza geschehen soll, wenn die Hamas besiegt ist, steht noch in den Sternen. Israel will jedenfalls nicht Okkupationsmacht werden.
Von Trump gibt es den Spruch, dass aus Gaza eine Riviera des Nahen Ostens werden könnte. Dahinter steht der Gedanke, dass aus den Trümmern ein wichtiger Hafen aufgeschüttet werden könnte. Ob aus einer politisierten Bevölkerung eine Aufbaugeneration werden kann, die endlich ihre eigenen Interessen, statt die Ziele einer terroristischen Vereinigung vor Augen hat, wird sich in Zukunft erweisen.
Noll, der am 8. Oktober 2023 nach Israel zurückfliegen wollte, musste bis zum 10.10. warten, bis er einen Flug bekam. Da saß er als einziger Alter unter 18- bis 35-Jährigen, die nach Israel flogen, um ihrem Land in seiner schwersten Stunde seit Jahrzehnten beizustehen.
Israel ist im Gegensatz zu Deutschland ein junges Land
Vergessen Sie alles, was Ihnen die deutschen Medien über Israel erzählen. Selbst die Demonstranten gegen Netanjahu sind nicht gegen das Ziel, die Hamas auszuschalten. Sie sind, wie Noll, der Meinung, dass Netanjahu, der, um seine Macht zu sichern, ein Kabinett mit den Ultraorthodoxen gebildet hat, spätestens nach Beendigung des Krieges abtreten muss.
Israel ist im Gegensatz zu Deutschland ein junges Land, mit einer Bevölkerungsmehrheit unter 40 Jahren. Die Jungend orientiert sich nach Asien und Südamerika, Europa wird für sie immer unwichtiger. Ob in Deutschland hunderte „Kulturschaffende“ in einem „Offenen Brief“ glauben, Israel ermahnen zu müssen, macht vielleicht in Deutschland Eindruck, in Israel jedoch nicht.
Wie wirken sich die von Kanzler Merz verhängten Sanktionen aus? Die sind mehr ein Einknicken vor den israelfeindlichen Kräften, die sich auf den deutschen Straßen austoben, als dass sie tatsächlich wirksam sind. Was die nicht gelieferte Munition betrifft, so kann sie problemlos in anderen Ländern beschafft werden. Und die Firma, die wichtige Teile für Panzer liefert, die nun unter den Boykott fallen, hat ihre Produktionslinie ins Ausland verlagert und liefert weiter.
Wie steht der Wehrdienstverweigerer Noll dazu, dass seine Enkel, auch die Enkelin, sich zu Kampfeinheiten gemeldet haben und in Gaza im Einsatz waren? Sein Motiv, den Dienst an der Waffe zu verweigern, wäre gewesen, dass 1980 die Gefahr bestand, mit einer Uniform, die geschnitten war wie die der Wehrmacht, in Polen gegen die Gewerkschaftsbewegung eingesetzt zu werden. Heute kämpft ein Land, das von der Bevölkerung unterstützt und geliebt wird, um seine Existenz. Wie der 7. Oktober 2023 bewiesen hat, hatten die Bewaffneten die größten Überlebenschancen. Deshalb hat Noll seinem Enkel eine Smith&Wesson zum Geburtstag geschenkt.
Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Dieser Beitrag erschien zuerst auf ihrem Blog vera-lengsfeld.de
Vera Lengsfelds Buch „Ist mir egal – Wie Angela Merkel die CDU und Deutschland ruiniert hat“, Achgut Edition, ist hier im Achgut-Shop bestellbar.

Aha. Netanyahu muss Biden befragen, bevor seine Soldaten ihr eigenes Land verteidigen. Ich persönlich glaube das gern. Es bestärkt mich in meiner von Anfang an vermuteten Einbindung der USA in das Fiasko im Süden von Israel. Mir erschien das von Anfang an eine auf „internationaler Ebene“ gesteuerte Aktion. Die Israelis mussten mal wieder mitspielen, mussten sich fremden Interessen opfern. So, wie sich die israelische Bevölkerung schon beim Impf-Experiment opfern musste für die Interessen internationaler XXX…..
Sich nach Südamerika zu orientieren ist nur konsequent, bald werden sie vielleicht auch eine Art Rattenlinie benötigen, Richtung Chile oder Argentinien..
Zitat 1: „Die bittere Bilanz ist, dass es viele Opfer gekostet hat, weil Netanjahu das Einverständnis von Biden abwartete, ehe er den Einsatzbefehl gab.“ Das ist ja hochinteressant. Die Amerikaner hängen fatal an der arabischen Welt. Stichwort: Petrodollar. Ohne den Petrodollar wären die Amis bei ihrer rasenden Staatsverschuldung längst pleite. Was wiederum erklärt, warum die USA für Israel im Nahen Osten keine echte Hilfe sind, sondern bisweilen viel mehr stören und eskalieren. In den Irak sind die nicht wegen Israel einmarschiert. Auch nicht wegen 911, sondern weil sich Saddam Hussein vom Petrodollar lösen wollte. Zitat 2.: „Wie der 7. Oktober 2023 bewiesen hat, hatten die Bewaffneten die größten Überlebenschancen. Deshalb hat Noll seinem Enkel eine Smith&Wesson; zum Geburtstag geschenkt.“ Wunderbar. Genau so wird es gemacht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Mit echter Wehrhaftigkeit. In Deutschland wird das aktiv verhindert. Weil auch wir wirtschaftlich viel zu sehr an den Arabern hängen.
Israels Führung kann genausowenig über die Schritte der Auseinandersetzung mit der Hamas bestimmen wie über die Maßnahmen zur Spritzung wegen Scheinpandemie gegen die eigene Bevölkerung. Auf Bidens Kommando ist beidesmal allerdings bestimmt nicht gewartet worden.
@Jupp Schmitz, sicher, das kommt davon, weil sie noch einen Schwarzweißfernseher haben.
Daß Netanyahu ein o.k. von Biden abwarten mußte, scheint mir auch unwahrscheinlich. In den Kibbuzim rund um Gaza sind m.W. vor allem linke und woke Israelis angesiedelt, die jede Woche in Tel Aviv gegen Netanyahu auf die Straße gingen und allen erzählten, daß man mit den Arabern in Gaza doch friedlich und achtungsvoll zusammenleben könne, wenn man nur wolle, und ähnlichen Stuß. Das hat wahrscheinlich zu weniger Achtsamkeit dort seitens der israelischen Streitkräfte geführt („die sind ja Freunde der Palästinenser, denen werden sie nichts tun“).
@Dr. Thomas Schimpff / 05.09.2025: „Also, Joe Biden ist schuld am dem Blutbad an Israelis am 7.Oktober….“. Er hat auf jeden Fall den Startschuss gegeben. Dieses Desaster, Abzug der Amis aus Afghanistan. Kurz danach begannen die Revolutionsgarden des Regimes in Teheran Hamas Monster in Syrien auszubilden. Gleitschirme,…