Lateinamerika wurde mehrfach in seiner Geschichte zu einem Zufluchtsort für Juden, die in Europa Verfolgung und Ausgrenzung ausgesetzt waren. Zwei Migrationswellen stechen dabei besonders hervor: die Flucht sephardischer Juden nach 1492 und die Emigration europäischer Juden ab den 1930er-Jahren.
Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 durch das Alhambra-Edikt suchten viele sogenannte Conversos– zwangsgetaufte Juden und ihre Nachkommen – neue Lebensräume außerhalb Europas. Im Zuge der spanischen und portugiesischen Kolonisation gelangten sie nach Lateinamerika. Obwohl die Inquisition auch in den Kolonien aktiv war, bot die Neue Welt vergleichsweise größere Spielräume, insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht. Zentren sephardischer Präsenz entstanden unter anderem im Vizekönigreich Neuspanien (heutiges Mexiko), in Peru, Kolumbien und in Teilen der Karibik. Auch das damals portugiesische Brasilien entwickelte sich zeitweise zu einem wichtigen Zufluchtsort.
Eine zweite, zahlenmäßig deutlich größere jüdische Einwanderung erfolgte ab den 1930er-Jahren, vor allem ab 1938. Angesichts der Verfolgung durch das NS-Regime suchten viele Juden Schutz außerhalb des Kontinents. Lateinamerika nahm – wenn auch mit stark unterschiedlichen Aufnahmebedingungen – Hunderttausende auf. Besonders bedeutende Zielländer waren Argentinien, das die größte jüdische Gemeinde der Region entwickelte, Brasilien, Uruguay, Chile, Mexiko und Bolivien. Auch Venezuela, Kolumbien und die Dominikanische Republik ließen zeitweise Einreise zu.
Mauricio Hochschild, einer der einflussreichsten Unternehmer Boliviens im 20. Jahrhundert, spielte eine bislang wenig bekannte Rolle bei der Rettung jüdischer Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus. Der aus Deutschland stammende Zinnmagnat nutzte ab 1938 seine politischen Kontakte und wirtschaftliche Macht, um tausenden verfolgten Juden die Einreise nach Bolivien zu ermöglichen. Hochschild finanzierte Visa, Transport und erste Arbeitsmöglichkeiten. Historiker gehen heute davon aus, dass er so bis zu 20.000 Menschen das Leben rettete.
In beiden historischen Phasen war Lateinamerika kein konfliktfreier Zufluchtsort, wohl aber ein Raum relativer Sicherheit und neuer Chancen. Die jüdischen Gemeinden prägten Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft vieler Länder nachhaltig.
Abkehr linker Regierungen
Als die Vereinten Nationen im November 1947 über den Teilungsplan für Palästina abstimmten, kam den lateinamerikanischen Staaten eine entscheidende Rolle zu. Von den 33 Ja-Stimmen, die die notwendige Mehrheit sicherten, stammte fast ein Drittel aus Lateinamerika. Länder wie Brasilien, Mexiko, Guatemala, Uruguay, Peru und Venezuela unterstützten offen die Gründung eines jüdischen Staates. Besonders Guatemala profilierte sich als engagierter Befürworter der zionistischen Sache.
Die Motive waren vielfältig: humanitäre Solidarität nach dem Holocaust, der Einfluss jüdischer Gemeinden, aber auch außenpolitische Nähe zu den USA und der Wunsch, auf der Weltbühne Verantwortung zu übernehmen. Ohne die Stimmen aus Lateinamerika wäre der UN-Teilungsbeschluss nicht zustande gekommen.
Trotz dieses geschichtlichen Hintergrunds der Beziehungen zwischen Israel und Lateinamerika, öffneten sich diese Länder n den letzten Jahrzehnten teilweise den Feinden des jüdischen Staates. Die Linksregierungen, die ab 1999 in Lateinamerika gewählt wurden, suchten aus ideologischen oder innenpolitischen Gründen den Konflikt mit Israel, beförderten ein Klima des Antisemitismus und brachen teilweise die diplomatischen Beziehungen ab. Sie suchten den Schulterschluss mit dem Ajatollah-Regime, formten politische, wirtschaftliche und militärische Kooperationen.
Die Hisbollah unterhält mutmaßlich Basen in Venezuela und machte sich im Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay breit. Bolivien unter Eva Morales wurde von den USA und Argentinien bezichtigt, der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) als nachrichtendienstliche und logistische Basis zu dienen. Der Sozialist Evo Morales, zwischen 2006 und 2019 Präsident von Bolivien, applaudierte am 7. Oktober 2023 den Massakern der Hamas, die er für einen Aufstand gegen „Kolonialismus“ und „Imperialismus“ hält.
Politischer Wandel
Doch in den letzten beiden Jahren hat Lateinamerika wiederum einen politischen Wandel erlebt. Linke Regierungen und Präsidenten wurden abgewählt, Konservative — oder Libertäre wie in Argentinien — folgten ihnen nach. In der direkten Folge haben sich die Beziehungen Israels zu diesen Ländern verbessert. Argentiniens Präsident Javier Milei, im Dezember 2023 gewählt, hat eine enge Beziehung zu Israel und dem Judentum. Am 7. Oktober 2023 — es war Wahlkampf in Argentinien — erklärte er seine Solidarität mit Israel und dessen „vollem Recht, sein Territorium gegen Terroristen zu verteidigen. Kein anderer Kandidat, so Milei, würde in seiner Unterstützung so weit gehen. Er versprach, „der israelfreundlichste argentinische Präsident“ zu werden.
In Chile gewann im November 2025 der israelfreundliche Konservative José Antonio Kast die Präsidentschaftswahl gegen die Kommunistin Jeanette Jara. Jara hatte erklärt, dass sie, falls sie Präsidentin würde, die diplomatischen Beziehungen zwischen Chile und Israel abrechen werde. Der bis dahin amtierende chilenische Präsident Gabriel Boric durfte nicht erneut kandidieren. Auch Boric war ein erklärter Feind Israels. Er bezichtigte das Land des Völkermords, verklagte es vor dem Internationalen Gerichtshof, nannte den israelischen Ministerpräsidenten einen „Kriegsverbrecher“ und sprach sich für Boykotte aus.
Diese Haltung hatte er schon vor seiner Amtszeit. Wie die Jüdische Allgemeine berichtete, schickte die jüdische Gemeinde Chiles Boric zum jüdischen Neujahrsfest 2019 ein Glas Honig, mit dem Wunsch nach einer „integrativeren, respektvolleren und solidarischeren Gesellschaft“. Barsch erwiderte Boric damals, die jüdische Gemeinde sollelieber „damit beginnen, Israel zu bitten, die illegal besetzten palästinensischen Gebiete zurückzugeben.“
Wandel auch in Bolivien: Im Dezember haben Israel und die neue bürgerliche Regierung in La Paz die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt. Außenminister Gideon Sa’ar traf seinen bolivianischen Amtskollegen Fernando Aramayo in Washington, um eine Erklärung zur Wiederaufnahme der bilateralen Beziehungen zu unterzeichnen. Die vorherige sozialistische Regierung Boliviens hatte diese vor zwei Jahren aufgrund des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen abgebrochen.
Die Zeremonie fand in der Residenz des israelischen Botschafters in den USA, Yechiel Leiter, statt. „Heute beenden wir das lange und unnötige Kapitel der Trennung zwischen unseren beiden Nationen“, sagte Sa’ar in seiner Rede bei der Unterzeichnungszeremonie. „Viele Jahrzehnte lang pflegten unsere beiden Länder herzliche diplomatische Beziehungen. Die Wiederaufnahme unserer Beziehungen ist ein wichtiger und willkommener Schritt. Israel ist bestrebt, eng mit der bolivianischen Regierung in Bereichen zusammenzuarbeiten, die beiden Nationen dienen.“
Im gleichen Monat unterzeichneten Israel und Costa Rica ein Freihandelsabkommen. Es soll die israelischen Exporte stärken, den bilateralen Handel ausweiten und zur Senkung der Lebenshaltungskosten in Israel beitragen. „Costa Rica ist ein natürlicher Handelspartner für Israel – ein OECD-Land, das sich stark für freien und offenen Handel einsetzt“, sagte Wirtschaftsminister Nir Barkat. „Das Freihandelsabkommen wird voraussichtlich das Wachstum der israelischen Exporte weiter ankurbeln, die Geschäftskooperation vertiefen und durch niedrigere Importpreise zur Senkung der Lebenshaltungskosten in Israel beitragen. Das Abkommen spiegelt unsere Politik wider: die Erschließung neuer Märkte, die Diversifizierung der Handelspartner und die Stärkung der Wachstumsmotoren der israelischen Wirtschaft.“
Ähnliches gilt für Honduras: Der designierte honduranische Präsident Nasry Asfura äußerte im Januar bei einem Besuch in Jerusalem die Hoffnung auf eine „neue Ära“ in den bilateralen Beziehungen zu Israel. Unter der linksgerichteten Regierung von Präsidentin Xiomara Castro hatte Honduras im November 2023 den eigenen Botschafter aus Israel zur Konsultation zurückgerufen und die israelische Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen verurteilt.
Castros Vizepräsident Salvador Nasralla hatte 2019 in einer Debatte behauptet, Juden kontrollierten die „globale Geldmenge“. Zuvor hatte der Politiker palästinensischer Abstammung dem scheidenden konservativen Präsidenten Juan Orlando Hernández vorgeworfen, „von Israel gesteuert“ zu werden. Nasrallas Ehefrau Iroshka Elvir, die 2015 zur Miss Honduras gekürt wurde, entschuldigte sich beim Lateinamerikanischen Jüdischen Kongress, nachdem sie 2017 in einem Interview mit der Zeitung El Heraldo gesagt hatte, Hitler sei ein „großer Führer“ gewesen.
„Der Wandel in Honduras ist Teil eines breiteren regionalen Trends: einer ‚blauen Welle‘ in den lateinamerikanischen Ländern, die sich Freiheit und Demokratie zu eigen machen und sich eng an die US-Politik in der Region anlehnen“, sagte Nadav Goren, Israels Botschafter in Honduras, gegenüber dem israelischen Kanal 12. „Wir befinden uns in einer sehr optimistischen Phase für Lateinamerika.“
Zuerst erschienen bei MENA-Watch.

Bisher kannte ich nur 2 , die als Nachkommen von Flüchtlingen in Lateinamerika geboren wurden . Einer in
La Paz , der andere in Santiago de Chile . Und beide hatten
kaum Heimweh . Den Anderen hab ich zuletzt gesehen , als die Produktion von Kind „Nr. 8“ ( seine Worte ) in Deutschland gerade beendet war , der Eine hat Verwandte in Lyon . als Ziel würde ich eher darauf wetten bei ihm .