Chaim Noll / 27.11.2021 / 16:00 / Foto: Liorg1993 / 13 / Seite ausdrucken

Israel: Bandenkriminalität im Wilden Süden

Arabische Bandenkriminalität hat auch in Israel neue Höhepunkte erreicht. Vor allem im Süden Israels, wo bis heute zahlreiche wandernde Beduinenstämme unterwegs sind.

Arabische Bandenkriminalität hat auch in Israel neue Höhepunkte erreicht. Nach langer Vernachlässigung des Problems beginnt sich die neue Regierung von Naftali Bennett ernsthaft darum zu kümmern. Lange hat der israelische Staat den auf seinem Gebiet ansässigen oder nomadisierenden arabischen Stämmen so weit wie möglich ihre Autonomie belassen, beispielsweise ihre eigene Scharia-Gerichtsbarkeit in zivilrechtlichen Affären wie Erb-, Familien- und Eherecht. Man hat sie damit auch sich selbst überlassen, ihren Problemen und anachronistischen Strukturen. Inzwischen kollidiert die starre, patriarchalische Ordnung innerhalb der Stämme mit den Intentionen vieler junger Araber, sich nach den Parametern der extrem beweglichen israelischen Mehrheitsgesellschaft zu orientieren. Daraus entstehen neue Konflikte. Eingegriffen wurde bisher nur in strafrechtlichen Fällen, etwa bei Rauschgiftdelikten, Raub oder Gewalt gegen Menschen, etwa „Ehrenmorden“. Diese Delikte haben jedoch in den letzten Jahren derart zugenommen, dass eine Revision der bisherigen Politik notwendig geworden sind.

Vor allem im Süden Israels, in der Negev-Wüste, wo bis heute zahlreiche wandernde Beduinenstämme unterwegs sind, nehmen die traditionellen Fehden zwischen den einzelnen Clans erschreckende Ausmaße an. Hinzu kommen blutige Auseinandersetzungen innerhalb der Familien, etwa Gewalt gegenüber Frauen. Die Negev-Wüste ist Israels Landreserve, ein dünn besiedeltes Areal von 13.000 Quadratkilometern, das zwei Drittel des israelischen Staatsgebietes ausmacht und von nur etwa fünfzehn Prozent der israelischen Bevölkerung bewohnt wird. Erbitterte Stammeskriege sind das traditionelle Problem der hier lebenden arabischen Minderheit, einer überwiegend nomadischen Wüsten-Population, die seit Jahrhunderten um Wasser- und Weidestellen, um Familienehre und Blutrache ihre schwer zu beruhigenden Kämpfe ausficht.

Der israelische Staat hat erfolgreich begonnen, die größeren Stämme an festen Orten anzusiedeln, so entstanden florierende Beduinenstädte und -siedlungen wie Chura, Rahat, Lakyia oder Tel Sheva, in denen es Gymnasien, Einkaufszentren, Sportanlagen und Polikliniken gibt. Es ist gelungen, zehntausende junge Beduinen durch Schulpflicht, Berufsausbildung, College- und Universitätsabschlüsse in die israelische Gesellschaft zu integrieren, nicht wenige von ihnen, auch Frauen, arbeiten heute als Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Ingenieure, High-Tech-Spezialisten oder in der boomenden israelischen Bauwirtschaft. Für Mädchen wurden spezielle Colleges eingerichtet, um ihnen eine ungestörte Berufsausbildung zu ermöglichen. Stark im Anwachsen ist auch die Zahl der jungen Beduinen, die sich freiwillig zum Wehrdienst in der israelischen Armee melden oder, falls ein so weitgehendes Engagement für den Staat auf den Widerstand ihrer Stammesältesten stößt, zu Ersatzdiensten in Krankenhäusern, Sozialeinrichtungen etc.

Schüsse aus automatischen Waffen

Dennoch bleibt ein Teil dieser schwer zu überblickenden Bevölkerungsgruppe alten Gewohnheiten treu, zu denen seit Jahrhunderten alle Arten von Schmuggel, Menschenhandel und organisierten Raubzügen gehören. Auch in der Gebietshauptstadt der Negev-Wüste, Beer Sheva, einer durch rasantes Wachstum gekennzeichneten, aus dem Wüstensand wachsenden Hightech-Metropole, deren Bevölkerung sich innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte verdreifacht hat (von rund 70.000 auf etwa 220.000 Einwohner), brechen in letzter Zeit immer wieder Schießereien und Bandenkämpfe aus, die eine Politik des Wegschauens durch Polizei und munizipale Behörden in Zukunft unmöglich machen.

So kam es in der Nacht vom 14. zum 15. November zwischen Angehörigen der  Großfamilien Talalka und Alexasi zu einem gewalttätigen Zusammenstoß ausgerechnet auf dem Gelände der Universitätsklinik, dem Soroka Medical Center, unweit vom Gebäude der Stadtverwaltung. Schüsse aus automatischen Waffen waren zu hören, mehrere Menschen wurden durch Messerstiche und Steinwürfe verletzt und in die Notaufnahme des Krankenhauses eingeliefert. Die israelische Polizei brauchte eine Stunde, um die Lage zu beruhigen, die tobende Menge zu zerstreuen und 19 Personen wegen Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes zu verhaften.

Der Vize-Bürgermeister von Beer Sheva, Shimon Tuval, erklärte am Morgen darauf der Tageszeitung Jerusalem Post (vom 15. November 2021):

„Was sich hier abspielt, ist Wahnsinn. Wir sind im Begriff, Beer Sheva zu verlieren und werden, wenn es so weiter geht, das ganze Land verlieren. Schüsse im Krankenhaus – das ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.“

Deutlicher an die Adresse der politischen Klasse in Jerusalem wurde Pini Badash, langjähriger Bürgermeister von Omer, einem wohlhabenden Villen-Vorort von Beer Sheva, der seit Jahren unter beduinischen Raub- und Diebstahlsdelikten zu leiden hat:

„Schüsse im Krankenhaus – das muss der Höhepunkt gewesen sein. Wir leiden unter einem Mangel an staatlicher Präsenz und Regierung im Negev. Darüber müssen wir schnellstens hinwegkommen.“

Nachhaltige Integration der arabischen Minderheit

Die Waffenbestände der Banden stammen überwiegend aus Einbrüchen in den zahlreichen über die Negev-Wüste verstreuten Armee-Basen. Seit Jahren ist es offenes Geheimnis, dass junge Beduinen immer wieder Wege finden, in militärische Objekte einzudringen und Pistolen, Maschinengewehre und Munition zu stehlen. Die israelische Armee hat daher am 15. November 2021 ihre „Regeln für den Waffengebrauch“ (rules of engagement) geändert. Von nun an ist es den Soldaten erlaubt, mit scharfer Munition auf vermutliche Diebe und Schmuggler zu schießen, nicht mehr nur, wie bisher, in Fällen von Notwehr oder Verteidigung von Menschenleben.

Unter den neuen Regulierungen, berichtete die Zeitung Times of Israel am 15. November 2021, sollen die Truppen in Fällen von Waffendiebstahl gezielt und „tödlich“ schießen („use deadly fire“), auch bei versuchtem Eindringen in Armee-Basen, Stützpunkte, Schießstände und Waffenschmuggel an der Grenze zum ägyptischen Sinai. Auf diese Weise hofft die Militärführung, einen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung der gefährlich anwachsenden Bandenkriminalität zu leisten. Glücklich ist niemand angesichts dieser Maßnahme, die das Potenzial zu weiterem Blutvergießen enthält, andererseits kann die zunehmende Bewaffnung der Clan-Kriminellen nicht untätig hingenommen werden. Die arabische Bevölkerung in Israel (insgesamt etwa 1,2 Millionen Menschen) weist bereits jetzt eine ungewöhnlich hohe Todesrate durch Gewalttaten auf, überwiegend durch Kämpfe rivalisierender Familien und organisiertes Verbrechen.

Zugleich sichert ein neues Förderprogramm der Regierung den integrationswilligen arabischen Gemeinden stärkere finanzielle Unterstützung zu, vor allem den stärkeren Ausbau der Infrastruktur wie Straßen, Buslinien, Elektrizitätsnetz und Anschluss ans staatliche Wassersystem mekorot. Mit dieser Kombination von rigider Kriminalitätsbekämpfung und gleichzeitiger Ermutigung zur Integration hofft die Regierung, eine nachhaltige Integration der arabischen Minderheit in die israelische Gesellschaft zu sichern.

 

Von Chaim Noll ist soeben in der Achgut-Edition erschienen: „Der Rufer aus der Wüste – Wie 16 Merkel-Jahre Deutschland ramponiert haben. Eine Ansage aus dem Exil in Israel“ ist hier im Achgut.com-Shop sofort bestellbar.

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Thomas Schmidt / 27.11.2021

Jede Wette dass die arabische Minderheit, um deren Integration sich die israelische Mehrheitsgesellschaft so rührend kümmert, diese in Sachen Geburtenrate um 3 zu 1 oder sogar 4 zu 1 schlägt. Und da fragt man sich dann, warum ein arabischer Beduine genau weiß, dass seine Leute nur etwas Geduld haben müssen, und ganz sicher als Sieger aus dieser demographischen “Schlacht” hervorzugehen. Und warum die israelische High Tech Gesellschaft nicht mehr 1 und 1 zusammen zählen kann, wenn es um existenzielle Bedrohungen geht? Bezeichnenderweise wird ja auch bei den unzähligen TV Dokumentationen über Neandertaler stets auf die höher stehende Kultur des eindringenden Homo Sapiens abgehoben, auf seine besseren Werkzeuge, auf seine ausgefeiltere Sprache. Und nur wie bei einem Versehen, quasi als redaktioneller Ausrutscher, wird einmal erwähnt, das der Neandertaler bei einer 4fach höheren Reproduktionsrate der eindringenden Spezies Homo Sapiens nie die geringste Chance hatte. Analog dazu haben auch eindringende Forellenarten, oder ausgesetzte Eichhörnchenarten (etc etc) die einheimischen Verwandten in einigen Jahrzehnten fast komplett verdrängt, ohne dass diese sich gegenseitig bekriegt oder umgebracht hätten. Rein über die höhere Reproduktionsrate und das besetzen des selben Lebensraums.

Gerhard Schmidt / 27.11.2021

Die hier als Kriminalität dargestellte kulturgemäße und klan-destine “Streiterei unter Jugendlichen” mit Stein- und Schusswaffengebrauch, die Herr Noll schildert, ist im Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet tägliche Folklore und in Berlin und Bremen fast schon unter Denkmalschutz… Miri, Zein, al-Zain, Remmo, Abu-Chaker, Hassoun - Alles Verwandte, die sich manchmal ein wenig kabbeln, das geht Außenstehende gar nichts an!

Hans Meier / 27.11.2021

@ Franz Klar, Sie sind Spitze, danke. Sie haben mich mit ihrem praktischen Humor so richtig zum Lachen gebracht.

Hans-Peter Dollhopf / 27.11.2021

Herr Noll, Sie schreiben: “Zugleich sichert ein neues Förderprogramm der Regierung den integrationswilligen arabischen Gemeinden stärkere finanzielle Unterstützung zu, vor allem den stärkeren Ausbau der Infrastruktur wie Straßen, Buslinien, Elektrizitätsnetz und Anschluss ans staatliche Wassersystem mekorot. Mit dieser Kombination von rigider Kriminalitätsbekämpfung und gleichzeitiger Ermutigung zur Integration hofft die Regierung, eine nachhaltige Integration der arabischen Minderheit in die israelische Gesellschaft zu sichern.” Diese Rechnung geht nicht auf. Bennett hat sich von der Ra’am, also den Muslimbrüdern, zum MP machen lassen. Das von Ihnen erwähnte Fördergeld - Billionen Schekel - wurde darum vollständig der Ra’am zur Verteilung überlassen. Alle Fördermaßnahmen werden darum von der arabischen Wählerschaft den Muslimbrüdern zugutegehalten werden und nicht Israel. Bei der nächsten Wahl in Israel werden die Stimmen für diese bisher vollkommen unbedeutende Moslempartei darum durch die Decke gehen. Bei den bisher immer staatsloyalen Drusen fangen die Auflösungserscheinungen doch schon an.

Peter Wachter / 27.11.2021

Nachtrag YT: “Im Verhör: Die Großfamilie Rammo | SPIEGEL TV” vom 27.11.2021 also heute.

Frank Dom / 27.11.2021

Amüsant. Am Vortag ein denunziatorischer Artikel über Zeymour, der lt Artikel unbotmäßig gegen Araber hetzt, hierbei aber maximal im Raunen verbleibt. Und am nächsten Tag ein Artikel, der Araber in Israel als doch nicht so integrierbar beschreibt, obwohl der Staat ihnen mit maximaler Offenheit begeget.

Peter Wachter / 27.11.2021

ALLE sofort einfliegen, die Grünenden wollen die hier im Dummland therapieren und sozialisieren, das sichert auch die Arbeitsplätze der Grünenwählenden, s.h. auch dazu YT: “Razzia in Berlin: SEK stürmt Villa des Remmo-Clans” (schon wieder !?) vom 25.11.2021.

Franz Klar / 27.11.2021

“Seit Jahren ist es offenes Geheimnis, dass junge Beduinen immer wieder Wege finden, in militärische Objekte einzudringen und Pistolen, Maschinengewehre und Munition zu stehlen.”  Und sowas im High-tech-Standort (“Liefern in Israel bald Drohnen Bier und Sushi?” Achgut 28.10.2021 ) . Vielleicht würde schon ein analoger elektrischer Weidezaun , natürlich etwas geboostert , helfen ? Soll ich da mal was frickeln ....

Christel Beltermann / 27.11.2021

Ich bewundere die Konsequenz der Israelis bei konflikthaften Entwicklungen und gleichzeitig das Engagement, um Integration voranzubringen. Davon könnte sich in Europa so manch Verantwortlicher eine Scheibe abschneiden. Die archaischen Clanwelten dürften langsam mal über Reformen und Moderne nachdenken, umfassender als bisher. Aber das ist wohl ein frommer Wunsch. Patriarchale und tribale Strukturen sind schwer aufzubrechen, gibt ja auch viel Macht zu verlieren. Insbesondere über Frauen.

Hans Reinhardt / 27.11.2021

Ach, leider haben wir in Deutschland keine Wüste, in der unsere muslimischen Mitbürger ihre Hahnenkämpfe unter sich austragen können. Ohne den zivilisierten Rest der Bevölkerung damit zu belästigen. Stattdessen haben sie unsere ehemals friedlichen Städte in ein “waste land” verwandelt. Und das nicht nur im April.

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