Gastautor / 27.01.2015 / 21:15 / 13 / Seite ausdrucken

Islamisten sind auch nur Faschisten

Dirk Schmidt

Man kommt in diesen Tagen kaum noch drum herum, mit Freunden und Bekannten über das allgegenwärtige Thema „Islam“ zu sprechen. Neulich warf mir ein Bekannter vor, ich hätte Vorurteile gegenüber dem Islam und wäre von rassistischen und nationalistischen Medien beeinflusst.

Im musste widersprechen. Meine Einstellung zum Islam ist über 30 Jahre alt und ich habe sie eigentlich bisher immer wieder bestätigt gefunden. Vor über 30 Jahren war der Islam in den Medien noch kein Thema. Von Beeinflussung kann also keine Rede sein. Außerdem gefällt mir der inflationär gebrauchte Begriff „Vorurteil“ nicht, ich nehme für meine Meinung zum Islam schon den Begriff „Urteil“ in Anspruch. Klar, ich spreche hier von persönlichen Ansichten, ohne mich im Besitz einer wissenschaftlichen oder objektiven Wahrheit zu wähnen. Schließlich bin auch ich ein Kind meiner Zeit, die mich bewusst oder unbewusst geprägt hat.

Und diese Zeit, die stark durch die 68er Bewegung geprägt war, hat mir doch so einiges auf den Weg mitgegeben. So war damals in den so genannten progressiven Kreisen die Vorstellung stark ausgeprägt, dass der Mensch gut sei, wenn er sich frei und ohne Repression entwickeln kann. Damals kam der Begriff der antiautoritären Erziehung auf, und in den Pädagogik-Seminaren an der Uni sprach man gerne über das vermeintlich wegweisende Summerhill-Projekt, eine Schule ganz ohne Druck.

Persönlich eher streng erzogen, fand ich die Ansätze im Kern zwar richtig, in der Praxis aber doch recht überzogen. Ein wenig Orientierung sollte man Kindern schon vermitteln. Grundsätzlich bin ich allerdings immer noch der Meinung: soviel Freiheit wie möglich.

Dennoch war das eine recht fruchtbare Zeit. Man nahm sich Zeit für die Suche nach neuen, unkonventionellen Ansätzen und Lebensformen. Man diskutierte heftig über die Urschrei-Therapie von Janov, die sexuelle Revolution kam auf, es wurde mit der Bioenergetik experimentiert und - man las Wilhelm Reich.

Wilhelm Reich: eine unpopuläre Analyse
Letzterer, ein österreichisch-US-amerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe,  hat mich sehr beeindruckt. Vor allem sein 1933 erschienenes Buch mit dem Titel „Massenpsychologie des Faschismus“. Im Klappentext zu dem Buch heißt es treffend: „Reichs klinisch und soziologisch geschulter Blick durchschaute den fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Er analysierte die Gestik, Phraseologie, die moralischen Schemata und Aktionen der »Hitlerei« und wies in ihnen die Verschiebung von Sexualangst zu einem Mystizismus nach, der die Freiheitsfähigkeit des Menschen in einen irrationalen Mechanismus chronischer Abhängigkeit pervertierte.“

Natürlich bezog sich die „Die Massenpsychologie des Faschismus“ in der Erstauflage auf den Faschismus im Dritten Reich. In der 3., erweiterten und korrigierten Ausgabe, die Reich 1942 in den USA abschloss, erkannte Reich allerdings die faschistischen Züge in der Propaganda der Sowjets und sieht „Faschismus“ nun als Phänomen der modernen Massengesellschaft überhaupt. „Die Grundthese Reichs bleibt bestehen: dass eine Überwindung des Faschismus nur möglich ist durch eine rationale Neuregelung der Sexualökonomie der Gesellschaft.“

Hört sich ziemlich abenteuerlich an, nicht wahr? Man ist versucht, an alte 68er-Parolen wie „Fuck for Peace“ zu denken. Aber damit wird man Wilhelm Reich und der Bedeutung dieses Buches nicht im Geringsten gerecht.

Ich will seine Kernthese einmal so formulieren: Menschen mit einer ‘natürlichen* emotionalen und sexuellen Entwicklung in Freiheit sind kaum für faschistoide Ideale zu begeistern. Deshalb haben alle faschistischen Regime ein primäres Interesse daran, diese Entwicklung zu verhindern. Die Gegenüberstellung einer natürlichen, ausgeglichenen und entspannten Körperhaltung mit militärischem Stechschritt verdeutlicht das bildhaft. Das „Natürliche“ soll unterdrückt werden und die Energie die dabei entsteht, für die faschistische Ideologie missbraucht werden. „Reife“ Menschen im Sinne einer modernen Psychohygiene stören da nur. Das System braucht schon ein gehöriges Maß an Infantilität und emotionaler Verstümmelung für seine dunkle Mission in Sachen Hass, Gewalt und Unterdrückung.

In den etablierten Kreisen in der Bundesrepublik spielte das Buch keine große Rolle. Das war ja das Letzte, was man hören wollte nach dem Krieg, dass Faschismus immer wieder aufblühen kann, dass er seine dämonische Kraft letztlich aus vielen deformierten Psychen bezieht. Nein, Faschismus, das war dieser böse Hitler, der die ganzen unschuldigen Seelen verführt hatte. Das wollte man lesen. Eine Aufarbeitung, die den Namen verdient, fand so nicht wirklich statt.

Faschismus im Morgenland
Ich habe mich oft gefragt, was Wilhelm Reich wohl sagen würde, wenn er heute noch leben würde. Ich bin sicher, er würde den Islamismus ohne Zögern den faschistoiden Ideologien hinzufügen.

Und das kam so: Ich hatte damals nach dem Studium sehr viel mit Arabern zu tun, für die ich LKWs nach Syrien oder Jordanien fuhr. Dabei fiel mir so einiges auf, was ich hier besser nicht aufschreibe, was aber durchaus ins Bild passt. Einmal war ich einige Tage bei einem Einheimischen in Tartous in Syrien zu Gast. An einem Sonntagnachmittag beschlossen wir, auf der Uferpromenade spazieren zu gehen. Es war ziemlich voll und das, was ich sah, machte mich fassungslos. Junge Männer, oft Hand in Hand, flanierten auf der einen Seite und junge Frauen, ebenfalls meist Händchen haltend, auf der anderen.

Mein Bekannter erläuterte mir daraufhin, dass es in der autoritären islamischen Gesellschaft so gut wie keine Chance für junge Menschen gibt, das andere Geschlecht kennen zu lernen oder gar eine „natürliche“ Sexualentwicklung zu durchlaufen. Das menschliche Bedürfnis nach Berührung und Nähe musste sich zwangsläufig auf Händchenhalten mit Menschen gleichen Geschlechts beschränken. Als wir dann abends beim Bier noch über die überaus verkrusteten Familienstrukturen sprachen, war für mich klar, dass hier der ideale Nährboden für faschistisches Gedankengut, infantile Ideologien, Machoattitüde und religiösen Wahn war.

Verstümmelte Seelen
Welcher junge Mensch mit einer gesunden emotionalen Entwicklung in Freiheit kommt denn auf die Idee, sich selbst und andere für irgendwelche Wahnvorstellungen in die Luft zu sprengen oder als SS-Karrierist Zivilisten an der Ostfront zu massakrieren? Wer, der sich emotional öffnen kann und eigentlich mit seiner Freundin herumschmusen oder sich mit anderen jungen Menschen in einer Disko treffen möchte, ist dafür zu begeistern, unschuldige Menschen zu terrorisieren?

Das geht doch nur mit emotionalen Krüppeln im Reich`schen Sinne, deren Verhältnis zum eigenen Körper genau so gestört ist, wie das zum anderen Geschlecht, zu Geborgenheit und Liebe. Aber schlimmer noch: die Pubertät kann man nicht wiederholen. Wer einmal auf dem Pfad der Dunkelheit gelandet ist, kommt da schlecht wieder raus. Wer einmal davon geprägt ist, dass Hass noch viel intensiver ist als Liebe, wer Sexualität nie anders als als Machtausübung wahrgenommen hat, der wird sich nie fallen lassen können, denn nichts bereitet ihm mehr Angst.

Wilhelm Reich hat das alles detailliert geschildert. Unterdrückte Seelen werden gewalttätig und wollen selbst unterdrücken. Und da anscheinend mit einer gestörten emotionalen Reifung auch eine gestörte intellektuelle Reifung einhergeht, bleibt man halt in der Entwicklung stehen, bleibt im wahrsten Sinne des Wortes infantil und leicht verführbar.

Testosteronrausch auf dem Pickup
Tja, und dann sitzen sie halt da, die jungen Männer, denen das Testosteron aus den Ohren tropft, auf ihrem Pickup, bedrohlich und lächerlich zugleich die Kalaschnikow schwenkend. Machos der übelsten Sorte mit unverkennbar brutaler Mimik, große Sprüche klopfend und mit widerlichen Taten prahlend. Gewalttätig gegen Frauen und Kinder, weil sie in ihnen erkennen und hassen, was ihnen selbst fehlt. Ängstlich und hörig gegenüber den Autoritäten aus ihren Kreisen und voll Bewunderung für den, der vor laufender Kamera einem Gefangen den Kopf abgesäbelt hat. Und tief in ihrem Inneren fühlen sie sich wohl unter den anderen Verstümmelten, denn mehr ist für sie nicht drin. So geilt man sich gegenseitig auf an dümmlichen Parolen auf und freut sich über die Angst und den Schrecken, den man verbreitet. Brüder in der Perversion.

So ist es wohl, stelle ich mir vor. Und dann wird mir auch - im Gegensatz zu vielen Experten und Politikern - klar, warum es zum Teufel noch mal nicht klappen will mit dem Frieden in all den islamisch geprägten Konflikten. Wie soll das auch funktionieren? Jetzt geben wir alle unsere Waffen ab, und sind plötzlich allein als arbeitsloser Nobody, der vielleicht auf seine eigenen Unzulänglichkeiten und emotionalen Verstümmelungen zurück geworfen ist? Ohne die Kumpels, die einem so ähnlich sind und mit denen man so trefflich Terror verbreiten konnte? Mit denen man noch jemand war und trotz der unverkennbaren Infantilität in Denken und Handeln ernst genommen wurde von denen, die man unterdrückte?

Eine endlose Geschichte
Menschlich, allzu menschlich! Und es gibt dann gottseidank immer jemanden, der kennt eine neue Terrorzelle, hat Kontakt zu einem Hassprediger mit Draht ins Paradies oder jemand, der noch Waffen und Sprengstoff versteckt hat oder selbstgebastelte Raketen organisieren kann. Und Geld ist auch da, von Gruppierungen aus anderen arabischen Ländern, die kein Interesse an Frieden haben. Also geht es weiter. Man ist wieder wer. Ob in Gaza, Afghanistan, Irak oder Sudan. Es braucht so wenig, das zarte Pflänzchen eines beginnenden Friedensprozesses zu zertreten.

Welcher Wahnsinn! Wir haben uns irgendwie an die Schreckensmeldungen gewöhnt und zucken mit den Schultern, wenn wir wieder einmal Videos sehen, in denen testosterongeflutete Terroristen Gräueltaten begehen oder bejubeln und das alte Machospiel „Wer hat den Größten“ spielen. Denn darum geht es oft.

Ich muss in letzter Zeit oft an diese Überlegungen denken, wenn es wieder einmal um die Diskussion geht, wo denn nun der Unterschied zwischen Islam und Islamismus liegt, und ob die beiden überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Für mich ist die Antwort simpel: ohne den Islam gäbe es keinen Islamismus. Ohne die Unterdrückung der Jugend würde das Potential für die Islamisten schlicht austrocknen, vorausgesetzt, man würde auch politisch die Grundlagen schaffen.

Vor kurzem sah ich ein schockierendes Video mit dem Titel „Children of Hamas“, das zeigte, wie palästinensische Kinder von der Hamas ausgenutzt und indoktriniert werden, angestachelt zum Hass auf die Juden und augenscheinlich auf eine Karriere als Märtyrer vorbereitet. Ich hatte dieses Video auf Facebook gepostet und einer der Kommentatoren schrieb darunter nur ein Wort: „Hitlerjugend“.

Ob er wohl wusste, wie viel Wahrheit in diesem einen Wort steckte? Ob er ahnte, welche Zusammenhänge und Mechanismen dem zugrunde liegen?

Dirk Schmidt, 59, ist Journalist und Berater für Unternehmenskommunikation. Nach dem Studium hat er mehrfach Syrien und Jordanien bereist und verfolgt seither die Diskussion um den Islam. Er bloggt unter http://kurtklarsicht.tumblr.com/.

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Leserpost

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Stefan Neudorfer / 28.01.2015

... wenn es so wäre, warum werden dann Menschen zu Islamisten die alle Freiheiten des Westens erleben durften?

Kay-Uwe Klepzig / 28.01.2015

Ich bin mir ein wenig unschlüssig, was ich von der Freudschen Herangehensweise halten soll, alles auf den Penisneid zu reduzieren. Dennoch ist auch diese Sicht der Dinge ein höchst interessantes und wertvolles Puzzleteil, danke als dafür. An anderer Stelle habe ich es heute weniger sexualisiert und wenig mit “deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe” formuliert: es brauch ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Für jeden Menschen, für Kulturen, für Staaten. Denn Selbstbewusstsein bringt Gelassenheit.

Maria Leuschner / 28.01.2015

Sehr geehrter Herr Schmidt, in DDR-Zeiten lieh ich mir ( in aller Heimlichkeit, da verboten) die “Massenpsychologie….” von W. Reich von Bekannten. In den letzten Jahren habe ich die Strukturen der totalen Unterwerfung unter Ideologien vergleichen können: Faschismus, Kommunismus, Islamismus bzw. Islam. Und da es sich um Ideologien handelt, ist für mich “Der Islam als grund-und menschenrechtswidrige Weltanschauung” - ein analytischer Leitfaden von Hartmut Krauss neben Wilhelm Reich die profunde Analyse zum Thema schlechthin. Haben Sie vielen Dank für Ihre großartige Analyse!

Dirk Schmidt / 28.01.2015

Sehr geehrter Herr Ahlbrecht, vielen Dank. Ich habe nicht den Ehrgeiz, politische oder soziologische Prognosen abzugeben. Mich interessierte einfach ein bisher ziemlich vernachlässigter psychologischer Aspekt. Außerdem würde mich brennend interessieren, was mit den so genannten Linken in diesem Land passiert ist. Zu meiner Zeit hatte man sich Freiheit und Selbstbestimmung auf die Fahne geschrieben. Diese Toleranz gegenüber dem Islam, wie wir sie heute erleben, hätte es damals nicht gegeben. Zur Situation in Deutschland: Hier mache ich in erster Linie das komplette Versagen unserer Politik in Bezug auf Einwanderung und Integration verantwortlich. Diese rotgrünen Multikulti-Spinnereien haben großen Schaden angerichtet. Vielleicht haben sie ja in den letzten Tagen gelesen, dass in Kanada Kinder von Einwanderern in der Schule besser abschneiden als die einheimischen Kinder. Da muss wohl einiges besser laufen! Ich habe letzten Monat ein längeres Gespräch mit einem sehr guten türkischen Freund geführt. Er kam als Kind Anfang der 60iger mit seinen Eltern in dieses Land. Lange und ausführlich hat er mir von den ersten Jahren hier erzählt. (Ich habe dazu auf meinem Blog etwas geschrieben). Ich würde sagen: perfekte Integration und ein Gewinn für die Familie und unser Land. Es scheint mir überhaupt, dass die erste Zuwanderungswelle sich recht problemlos integriert hat. Erst mit der zweiten Welle in den 70igern wurde es problematisch. Es würde sich m. E. lohnen, da mal vorgehaltlos nachzuforschen. Viele Grüße Dirk Schmidt

Dirk Schmidt / 28.01.2015

Sehr geehrter Herr Happ, mir ging es nicht darum, hier endgültige Antworten zu finden. Meine Absicht war es, einen psychologischen Aspekt in die Diskussion zu werfen, der meiner Erachtens bisher vernachlässigt wurde. Es mag sich jeder selbst vorstellen, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er bis nach dem zwanzigsten Lebensjahr keinerlei Kontakt zum anderen Geschlecht gehabt hätte und all die pubertären Sehnsüchte hätte sublimieren müssen. Man kann endlos über die Unterschiede zwischen Islam und Islamismus diskutieren, wobei uns muslimische Interessengruppen dann auch noch erzählen, dass es ja den und den und den Islam gibt. So kommt man nicht weiter. Unbestreitbare Tatsache ist doch wohl, dass in den letzten Jahrzehnten im Namen keiner Religion so viel Terror und Bluttaten verübt wurden wie im Namen des Islam. Zu behaupten, dass dies mit dem „Islam an sich“ nichts zu tun habe, ist lächerlich. Und wo wir schon dabei sind: dass die Zahl der Bucherscheinungen und Patentanmeldungen in islamischen Ländern erschreckend gering ist, muss auch etwas mit der muslimischen Gesellschaft dort zu tun haben.  Im Übrigen empfehle ich das Buch „Der islamische Faschismus“ von Hamed Abdel-Samad. Er zeigt meines Erachtens glaubwürdig, dass bestimmte bedenkliche Entwicklungen bereits in der Entstehung des Islam angelegt sind. Viele Grüße Dirk Schmidt

Wolfgang Schmid / 28.01.2015

Danke für die Ausführungen, die zeigen, warum wir in Sorge bleiben müssen inmitten all der sinnlich verkrüppelten jungen Männer: Denn hier schlägt der Artikel den Bogen zu Heinsohns “Bürgerkriegsindex”: Wenn zuviele junge Männer keinen Job und keine Frauen abkriegen, weil diese ihnen von den Eliten vorenthalten werden, wird die Lage gefährlich. Wie einfach ist es doch, einen Menschen umzubringen - wesentlich einfacher, als eine Frau zu befriedigen! Neben der Sinnesfeindlichkeit (der Körper wird in Diktaturen ja oft als riefenstahlsches Kunstwerk überhöht) ist der Monotheismus eine Grundwurzel des Übels: Glaubst Du nicht an (m)einen Gott, bist Du böse. Und deshalb darf ich Dich verachten, versklaven, umbringen. All die faschistischen, sozialistischen und nationalsozialitsischen Schreckensregime des 20. Jahrhunderts waren säkularisierte Monotheïsmen: Götzenkult an Führern, an Großen Vorsitzenden. Insofern ist der Islamismus auch hier seiner Zeit etwas hintendran - er benutzt noch das Konstrukt eines Gottes um die Menschen zu knechten. Doch auch wenn wir den Islam überwinden, wird das Grundproblem nicht so schnell gelöst sein: Die zahlenmäßige Übermacht junger, gewaltbereiter Männer. Ich persönlich sehe das Problem nicht so sehr im arabischen Raum, sondern in Afrika, wo Verbesserungen der Hygiene und der Ernährungslage die Bevölkerungen explodieren lassen. Fällt in solche Überbevölkerungen der Funke einer gewaltsamen Umverteilungsideologie - sei es nun der Sozialismus oder der Islamismus - wird die Welt brennen. Somalia und Boko Haram sind da nur der Anfang von neuen Dreißigjährigen Kriegen.  

Harald Hellmann / 28.01.2015

Eine interessante Analyse, der ich i.W. zustimme. Eine rein psychologisierende Deutung des islamischen Terrors greift aber ihrerseits zu kurz und erinnert etwas an die feministische Deutung, in der “gewalttätige Männer” der Schlüssel des Problems sind. Übersehen sind die genauso fanatischen Selbstmordattentäterinnen. Es ist der Islam, stupid, möchte man sagen. Der Islam mit seinem offenbar unerschöpflichen Gewalt- und Hasspotenzial braucht dringend eine Reformation im Stile Martin Luthers. Psychologisch kann man diese Probleme höchstens begleitend behandeln, aber nicht auskurieren.

Waldemar Undig / 28.01.2015

Endlich mal ein Text auf der Achse, der auch ein gutes Haar an der Achtundsechzigerbewegung lässt! Vielleicht waren wir doch nicht alle nur plemplem damals. Ich habe auch Wilhelm Reich gelesen, sogar in der Schule war das Thema. Doch der allgemeine gesellschaftliche Diskurs ging in der Folgezeit leider in andere Richtungen.

Prof. Dr. Ulrich Morgenstern / 28.01.2015

Vieles schneint mir gut durchdacht,  überzeugend und bitter nötig. Vielen Dank. Zwei Dinge möchte ich aber zu bedenken geben. 1. Der Nationalsozialismus muß durchaus in direktem Zusammenhang mit bestimmten Strömungen der “Lebensreform” gesehen werden, einschließlich der (betont sexualisierten) Freikörperkultur. 2. Auf Wilhelm Reich haben sich in der alten Bundesrepublik ausgesprochen destruktive Gruppierungen berufen. Wer in den Siebzigern und Achtzigern in Freiburg aufgewachsen ist, wird sich mit Schaudern an die Rattenfänger der “Marxistisch-Reichistischen Initiative” erinnern, deren Führer explizit die Folter als politisches Machtmittel forderten. Eine abscheuliche Psychosekte, die hunderten jungen Menschen ihre besten Jahre geraubt hat. Ihre Tarnorganisation konnte damals als “Bunte Liste” sogar einen Stadtrad stellen, der inzwischen zeitweilig als Fernsehanwalt (“Ein Fall für Niemietz”) für den MDR posieren durfte.

Tobias Rüger / 28.01.2015

Die Beobachtung mit händchenhaltenden Jungmännern konnte ich in Syrien unter Assad sen. auch machen. Allerdings nicht in Tartus. Das ist nämlich eine Alewiten-Stadt. Da ist es, schien mir, deutlich entspannter zugegangen als z.B. in Damaskus oder Aleppo. Wieauchimmer, die These von der unterdrückten Sexualität (und Körperlichkeit) überzeugt mich. Der Reichskanzler mit Migrationshintergrund soll sich ja auch zu Männern hingezogen gefühlt haben. Hat zumindest sein Lieblingsarchitekt behauptet. Hätte der Migrant sich seinerzeit seiner Neigung gemäß in Schwabing ausleben können, vermutlich wäre der Welt vieles erspart geblieben.

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