Der Präsident der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter, Ali Mohiuddin Al-Qaradaghi, hat Israel beschuldigt, einen Plan zur Destabilisierung der spanischen Regierung zu verfolgen und deren pro-palästinensische Haltung zu bestrafen, indem der illegale Zustrom tausender Marokkaner nach Spanien organisiert werde.
„Was in Ceuta geschieht, ist ein Versuch, Europa gegen den spanischen Ministerpräsidenten [Pedro Sánchez] aufzubringen und seine Regierung zu stürzen, sowie Teil des zionistischen Plans, ihn für seine Haltung gegenüber Palästina zu bestrafen“, erklärte Al-Qaradaghi, ein mit der Muslimbruderschaft verbundener Islamist, am 1. August, nachdem mehr als 49.000 Marokkaner die spanische Grenze durchbrochen hatten und nach Ceuta gelangt waren.
„Der Sturz der Regierung Sánchez bedeutet, eine starke Stimme in Europa zum Schweigen zu bringen, die Palästina verteidigt“, schrieb der Theologe auf Arabisch.
Als Reaktion auf Al-Qaradaghi erklärte Zineb Riboua, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center for Peace and Security in the Middle East des Hudson Institute, islamistische politische Parteien hätten die Migrantenkrise als Teil einer Kampagne zur Destabilisierung der marokkanischen Regierung inszeniert.
„Junge Marokkaner werden zum Dschihad und zu einer dauerhaften Haltung der Konfrontation mit dem Westen aufgerufen“, schrieb Riboua. „Dieselbe ideologische Strömung verbreitet außerdem die Behauptung, Marokko versuche, über Ceuta und Melilla ‚muslimisches Land zurückzuerobern‘.“
„Auch Marokkos Beziehungen zu Israel und den USA werden dabei als Waffe eingesetzt und als Beweis dafür dargestellt, dass die Regierung selbst keine Legitimität besitze“, fügte sie hinzu. „Viele Nichtregierungsorganisationen, darunter auch solche in Europa mit Verbindungen zu islamistischen Gruppen, haben diese Falschbehauptung verstärkt, indem sie Marokko als ‚zionistische Marionette‘ bezeichnen.“
Riboua wies darauf hin, dass der Zeitpunkt der Migrantenkrise von Bedeutung sei, da die marokkanischen Parlamentswahlen für den 23. September angesetzt sind und „islamistische Akteure“ wüssten, dass „Chaos an der Grenze, verstärkt durch soziale Medien, die Darstellung der amtierenden Regierung vor der Wahl destabilisieren kann“.
Die Union Muslimischer Gelehrter ist mit der Muslim-Bruderschaft verbunden
Das Program on Extremism der George Washington University hat die in Doha ansässige Internationale Union Muslimischer Gelehrter als „Agitator im Israel-Hamas-Krieg“ bezeichnet. Die Organisation wurde 2004 in Dublin von Yusuf Al-Qaradawi gegründet, einem langjährigen geistlichen Führer der Muslimbruderschaft, und hat den Handlungen der Hamas „religiöse Legitimität“ verliehen.
Der Bericht stellt fest, dass ein „wesentlicher Bestandteil“ der „Kommunikationsstrategie der Gruppe während des Konflikts in ständigen Aufrufen zu Mobilisierung und Dschihad besteht, entsprechend der Interpretation der Organisation, wonach der ‚Verteidigungsdschihad‘ unter den gegenwärtigen Umständen eine Verpflichtung für alle Muslime darstellt“.
Nach dem Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten am 7. Oktober 2023 habe Al-Qaradaghi „den Ton für den Diskurs der Organisation in den darauffolgenden Tagen vorgegeben“, heißt es in dem Dossier. Er habe Gott angefleht, „unseren Mudschaheddin-Brüdern zu helfen und ihnen den Sieg zu gewähren“ sowie „diese bösen Feinde zu besiegen und aus unserem gesegneten Land zu vertreiben“.
Der Bericht dokumentiert außerdem Al-Qaradaghis fanatischen Judenhass. „Die Juden haben die Welt nur durch Geld, Medien und Denken kontrolliert“, erklärte Al-Qaradaghi. Und: „Der Dschihad mit Feder und Zunge durch Bücher, Artikel und verschiedene visuelle, akustische und gedruckte Medien ist [zu ihrer Bekämpfung] nicht weniger wichtig als der Dschihad mit dem Schwert.“
Nach heftiger Kritik in den sozialen Medien löschte Al-Qaradaghi seinen Beitrag über die angebliche zionistische Verschwörung. Er erklärte, bei dem Inhalt habe es sich nicht um eine offizielle Stellungnahme der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter gehandelt, sondern um einen Medienbericht, den die Medienabteilung der Union auf Grundlage der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen erstellt habe.
Al-Qaradaghi bestand darauf, dass der Tweet nicht seine persönliche Position widerspiegele, und erklärte, er habe den Beitrag gelöscht, sobald ihm die Missverständnisse bewusst geworden seien, die seine Veröffentlichung begleitet hätten. Gleichzeitig bestätigte er jedoch, dass er Ceuta und Melilla als besetzte marokkanische Gebiete betrachte und Marokko bei seinem nach seiner Auffassung rechtmäßigen Anspruch unterstütze, diese ebenso wie alle anderen besetzten islamischen Gebiete zurückzuerlangen.
Antisemitische Verschwörungstheorie verbreitet sich viral in sozialen Medien
„Die Vorstellung, Israel stecke hinter dem Ansturm auf die Grenze von Ceuta, ist nur die jüngste in einer langen Reihe antisemitischer Verschwörungstheorien, die offen gesagt völlig verrückt sind“, sagte die jüdische Journalistin und Kommentatorin Nicole Lampert gegenüber Focus on Western Islamism. „Wie üblich werden Juden als die unheilvolle Macht hinter einem Ereignis dargestellt, mit dem sie überhaupt nichts zu tun haben. Und erneut wird Muslimen jede eigene Handlungsfähigkeit bei einem Ereignis abgesprochen, das sehr wohl mit ihnen zu tun hat.“
„Erschreckend ist, wie schnell sich diese Theorie verbreitet hat. Tausende Accounts in den sozialen Medien gaben ihr zusätzlichen Auftrieb, und schon bald wurde sie nicht nur von Prominenten und Internetpersönlichkeiten, sondern sogar von Politikern wiederholt“, warnte Lampert.
Eine am 3. August veröffentlichte Analyse des Antisemitism Research Center ergab, dass 173 Beiträge von 119 Influencer-Accounts auf X die Grenzkrise zwischen Marokko und Spanien als jüdische Verschwörung darstellten und innerhalb von 72 Stunden schätzungsweise 103,1 Millionen Menschen erreichten.
„Innerhalb weniger Stunden stellte das ARC fest, dass die vorherrschende Erklärung auf X den Staat Israel und das jüdische Volk als Urheber der Destabilisierung Europas bezeichnete“, heißt es in der Analyse. Dabei wurde betont, dass es sich bei den Influencern nicht um Bots oder anonyme Accounts mit geringer Reichweite gehandelt habe, sondern um namentlich bekannte und kommerziell betriebene Konten.
Zu den in der Analyse genannten Influencern gehört die Autorin Susan Abulhawa, die ihren Followern erklärte, der Grenzübertritt sei „vollständig von den USA, Israel und Marokko inszeniert“ worden, um Spanien wieder auf die Linie „westlicher imperialer Ziele“ zu zwingen. Der Schauspieler Dan Bilzerian erklärte seinen Followern, Netanyahu habe Spanien davor gewarnt, dass es für seine Verurteilung Israels „den höchsten Preis“ zahlen werde. Der Oscar-prämierte spanische Schauspieler Javier Bardem unterstützte einen Beitrag, in dem behauptet wurde, Israel stecke hinter der Krise, um Spanien zu „destabilisieren“.
Der berüchtigte katholische Antisemit Nick Fuentes erklärte auf X: „Israel und seine zionistischen Komplizen in den Vereinigten Staaten unterstützten die Übernahme einer spanischen Stadt durch marokkanische Muslime, um Spanien für seine Opposition gegen Israel zu bestrafen.“ Und weiter: „Diese Leute sind keine Verbündeten der Weißen, der europäischen Zivilisation oder der Vereinigten Staaten und waren es NIE.“
In Großbritannien behauptete der pro-palästinensische katholische Politiker George Galloway, der massive Zustrom von Marokkanern nach Ceuta sei eine gezielt von den USA und Israel organisierte Strafaktion gewesen.
„65.000 Migranten klettern nicht alle zur selben Zeit über einen Zaun“, sagte er und bezeichnete die Krise als „Bestrafung Spaniens für seine Unterstützung des palästinensischen Volkes, seine Opposition gegen den Krieg im Iran, seine Weigerung, Trump die Nutzung spanischer Luftwaffenstützpunkte für Bombenangriffe auf den Iran zu gestatten, sowie seine Weigerung, fünf Prozent seiner gesamten Wirtschaftsleistung für den Kriegskurs der NATO gegen Russland und China zu zahlen“.
Unterdessen haben frei zugängliche nachrichtendienstliche Quellen arabischsprachige WhatsApp-Nachrichten entdeckt, die darauf hindeuten, dass illegal aus Marokko kommende Migranten für den 15. August einen zweiten Versuch planen, nach Ceuta vorzudringen. Der 15. August ist in Spanien ein landesweiter Feiertag anlässlich Mariä Himmelfahrt.
Dieser Beitrag erschien zuerst im Middle East-Forum hier. Dort finden Sie den Text auch auf Englisch.
Jules Gomes ist Bibelwissenschaftler und Journalist und lebt in Rom.
Immerhin haben „die Chinesen“, die in Afrika ob ihrer Investitionen gute Kontakte haben sollen, Ähnliches zu „Ceuta“ durchsickern lassen. Die geschilderten Zusammenhänge entbehren nicht einer gewissen Logik. Wie war das noch mal mit den Gründungen von Al-Kaida, IS und Hamas?
Dass die überschüssigen arabischen Männer Europa stürmen, liegt doch nicht an den pöhsen Juden oder an Trump, sondern daran dass sie schlicht Überschuss sind, den Marokko entsorgen will. Der Islam kann sich nur sinnlos vermehren, aber keine Wirtschaft und keine Gesellschaft aufbauen, in der die eigene Bevölkerung leben kann, die selbst hat übrigens auch kein Interesse daran. Erst recht nicht an Arbeit. In der Springerpresse stand vor ein paar Tagen ein ellenlanger Artikel, warum Marokko nicht mal die Minderjährigen zurücknehmen will. Stichwort öffentliche Sicherheit. Dann lieber den alltäglichen Strassenterror gen Europa und tschüss.
@dina weis: Ja, so isses, un nich anners…
Was macht eigentlich den sympathischen Herrn Al-Qaradaghiso sicher, dass er selber nicht von finsteren Zionisten gesteuert wird, um die heige Umma zu verwirren und zu spalten? Er sollte sich dringend auf versteckte Chips oder winzigkleine Sprengsätze untersuchen lassen.
Diesen Zionisten ist wirklich alles zuzutrauen. Die fördern sogar die arabische Nationalbewegung, die zur Auslöschung der Juden führen könnte, nur um ihre finsteren Ziele die in (ja worin eigentlich bestehen?) zu erreichen.
Zur Sicherheit, um einen Anfang zu machen, sollten solch hochstehende Persönlichkeiten auf alles verzichten, wo Juden nur mal ihre Hände drin hatten oder Geld mit verdient haben, angefangen mit all der Technik (Handys, Computer, Klimaanlagen, Fahrzeuge, …) und nur noch tolle halale muslimische Technik verwenden.
Apropos: Der Koran ist auch nur eine schlechte Kopie von jemand, der Geschichten aus der Thora gehört hat und nachdem er die wichtigsten Plots verdrängt hat, irgendwas aus den Versatzstücken zusammenfabuliert hat. Also auch da: Hände weg. Da waren bestimmt auch die Zionisten dran und hatten dem Mohammed einen Chip eingepflanzt.
Auch ganz lustig:
„Marokko hat eine rund 1.055 Kilometer lange Schnellstraße Tiznit–Dakhla nach Donald Trump benannt bzw. sie wird inzwischen als “President Donald J. Trump Highway„ bezeichnet. Trump selbst verkündete die Umbenennung im Juli ’26 und bedankte sich bei König Mohammed VI. “
*** Auch islamische Monarchien gehören zum Wertewesten! ***
Es gibt Leute, die behaupten, Türken hätten Deutschland wiederaufgebaut. Und es gibt Leute, die behaupten, die Türken hätten besser die Türkei aufgebaut, insbesondere erdbebensicherer. Und dann gibt es Leute, die behaupten, die Marokkaner und andere Migranten aus dem globalen despotischen Süden sollten besser ihre eigenen Länder aufbauen, statt Deutschland und Europa. Was soll denn aus dem totalitären globalen Süden werden, wenn Deutschland und Europa sich selbst zerkleinert haben werden? Und wer hat eigentlich Israel aufgebaut? Die Hamas und die PLO – wer denn sonst.
Alljährlich wird das Sommerloch wird verfüllt…