Irre ist das neue Normal (5): Die Grenzenlose

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus findet, dass wir eine Grenze zur Aufnahme von Flüchtlingen „noch lange nicht erreicht haben“. Dabei gibt es schon bei uns mehr als genügend Menschen in Not. Wäre das nicht ein Gelände, auf dem sich die christliche Nächstenliebe der Ratspräsidentin prächtig entfalten könnte?

Die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, sagte der FAZ, Deutschland könnte deutlich mehr geflüchtete Menschen aufnehmen. Die Aufnahme von Flüchtlingen finde aus christlicher Sicht „ihre Grenze da, wo es zur Selbstaufgabe kommt“, sie meine, „dass wir diese Grenze noch lange nicht erreicht haben“. Außerdem sei „die Festlegung auf eine bestimmte Obergrenze" eine „populistische Nebelkerze“, unvereinbar mit dem Grundgesetz und der Genfer Flüchtlingskonvention. „Grundsätzlich müsste unser reiches Land in der Lage sein, noch mehr Menschen aufzunehmen, die vor Krieg und unterschiedlichster Not aus ihrer Heimat fliehen und Zuflucht bei uns suchen.“ – So weit Annette Kurschus gegenüber der FAZ laut Welt.

Was die Obergrenze für die Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland angeht, gehen auch unter Experten die Ansichten weit auseinander. Man kann freilich davon ausgehen, dass Abgeordnete, Bürgermeister und Landräte in den betroffenen Gemeinden und Kreisen nicht grundlos Brandbriefe an die zuständigen Innenminister schreiben. Sie finden sehr wohl, dass „wir“ die Obergrenze längst erreicht und überschritten haben. Ein kurzer Besuch in einer der Erstaufnahme-Einrichtungen könnte auch die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ins Nachdenken bringen. 

Zum Weltflüchtlingstag am 19. Juni dieses Jahres gab das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bekannt, dass rund 110 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, mehr als je zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wie viele von ihnen könnte, sollte, müsste Deutschland aufnehmen – aus christlicher Sicht, ohne eine Selbstaufgabe zu riskieren?  

Die Hamas braucht auch noch was

Frau Kurschus könnte ein wenig zur Versachlichung der Debatte beitragen, wenn sie eine konkrete Zahl nennen würde. Eine Million, zehn Millionen, alle? Hat Frau Kurschus den vor kurzem aus Berg-Karabach vertriebenen Armeniern angeboten, sie in Deutschland aufzunehmen und zu versorgen? Es waren doch „nur“ 100.000 bis 120.000, man könnte die Hälfte auf der Münchner Theresienwiese unterbringen und die andere Hälfte im Olympiapark. Die Arbeit vor Ort würde die Diakonie Katastrophenhilfe übernehmen, die „weltweit aktiv“ ist, also warum nicht auch vor der eigenen Haustür?

Überhaupt: Sogar in einem so reichen Land wie Deutschland gibt es noch immer Armut und Arme, denen geholfen werden muss. 30 Prozent aller Deutschen verfügen über „keine Rücklagen“, also keine Ersparnisse. Wenn das Monatsende naht, leben sie buchstäblich von der Hand in den Mund. Oder sie holen sich das, was sie zum Leben brauchen, bei den Tafeln. Ende 2019, also noch vor Corona, waren es 1,65 Millionen Menschen, inzwischen dürften es wesentlich mehr sein. Wäre das nicht ein Gelände, auf dem sich die christliche Nächstenliebe der Ratspräsidentin prächtig entfalten könnte? Der deutsche Sozialstaat kann ja nicht alles leisten, schon gar nicht, wenn er sich dazu verpflichtet fühlt, das Regime der Taliban mit 600 Millionen Euro zu stützen und 50 Millionen nach Gaza zu überweisen, um der notleidenden Hamas ein wenig unter die Arme zu greifen, immer mit schönen Grüßen von Frau Baerbock und ganz im Sinne ihrer feministischen Außenpolitik.

Foto: Jörg Dieckmann/ Evangelische Kirche von Westfalen, CC BY-SA 4.0, Link

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Leserpost

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Walter Haller / 02.11.2023

Diesem Artikel ist nichts hinzuzufügen ausser dem dass dieser Person sofort das „Bleiberecht“ in Europa entzogen werden muss.

Peter Bernhardt / 01.11.2023

Sei ein Heuchler, wenn du willst; aber sprich nicht wie ein Heuchler. Versuchs, und übertreib einmal, gleich ist die Welt von dir verzückt. Das Grenzenlose heißt genial, wär’s auch nur grenzenlos verrückt. Paul Heyse

A. Ostrovsky / 01.11.2023

@Thomas Szabo : >>Wem genau wird dadurch geholfen, wenn Deutschland in ein islamisches Shithole Country verwandelt wird?<<  Den Feinden der Deutschen, speziell denen, die seit rund 100 Jahren ein Problem mit den Deutschen haben. Vielleicht auch schon länger. Zum Glück gibt es sowas nicht, das ist Verschwörungstheorie. Deshalb ist niemandem geholfen und niemand hat die Absicht. Deshalb geschieht das auch gar nicht. Und “geholfen” wird schon lange nicht!

Mona Müller / 01.11.2023

Frau Kurschus, die “da oben” der beiden Kirchen und die Politiker (außer AfD)  haben jede Bodenhaftung verloren. Weder haben wir Platz, noch Wohnungen noch Infrastruktur, noch sogen sich diese Menschen für unsere alten Menschen. Der größte Teil davon hatte als Kind den Krieg mitgemacht und dafür gesorgt, daß D aufgebaut wurde. Für ein Zimmer im Pflegeheim müssen wir monatlich Euro 2.500,—zu zahlen, da ist der Pflegekassenzuschlag schon abgerechnet! Es gibt doch Portale, wo man leerstehende Wohnungen und Häuser melden kann.  Die meisten Kirchen sind leer und die sollte man auch angeben. Wie hier schon gelesen: die Kirchen können für Asylanten genutzt werden. Also melde ich meine in meinem Ort und auch die leerstehende Dienstwohnung.

j. heini / 01.11.2023

Die Dame gibt auch nur Plattitüden von sich. Sie müßte erstmal “Sebstaufgabe” definieren. Mal sehen, wieviele ihr dann noch zustimmen. Reiches Land und in der Lage sein: Das ist eine Behauptung. Wenn von mir jemand sagt, ich müsse doch in der Lage sein, eine Kugel Eis zu kaufen, dann müsste der Betreffende erstmal rechnen im Sinn von einen Kassensturz machen. Wenn er dann Einnahmen und Ausgaben insgesamt und Ausgaben für Eis bisher und für das zusätzliche Eis genannt hat, dann kann er sich mal äußern, aber nicht mit einer platten Ansage. Und dann gilt eigentlich das Subsidiaritätsprinzip: Entscheidungsträger ist der Einzelne. Deswegen gehört auch nur Asyl im sehr engen Sinn in staatliche Hände. Über zusätzliche Zuwanderung auf Kosten der Steuerzahler sollte nicht der Staat, sondern jeder Einzelne anhand seines Geldbeutels und seiner Spendierfreudigkeit entscheiden. Und dann gilt Trennung von Staat und Kirche. Was berechtigt die Kirche eigentlich, staatliches Verhalten als moralisch oder christlich einzufordern? Und wo ist die Grenze? Grundsätzlich kann die Kirche das beim einzelnen Gläubigen machen, aber m. E. nicht beim Staat. Wenn die Kirche damit anfängt, muss ich mich nämlich fragen, wieso sie sich ausgerechnet um die staatlichen Regeln zur Zuwanderung kümmert. Es gäbe ganz andere Themen, die die Kirche berechtigterweise bespielen könnte.

Hans-Joachim Gille / 01.11.2023

Die CDU hat doch jetzt Hauseigentümern angedroht, sie zwecks Invasoren-Unterbringung, Leerstände zu konfiszieren. Warum kommt Frau Kuhschiss nicht auf die Idee, die Invasoren bei allen Verantwortlichen, Befürwortern, Mitgliedern der Kirchen, inklusive der organisierten Jüdischen Gemeinde (ca. 50%), Mitgliedern der Alt-Parteien zuhause einzuquartieren, wie nach dem Krieg? Wir Säkularen müssen immer noch das Gehalt dieser vaterlandslosen Gesellin finanzieren, Dank Adolf Hitler. Wan hat dieser Nazi-Unfug endlich mal ein Ende? Fancy Nancy gibt mehr als eine Milliarde für den “Kampf gegen Rechts” aus & da, wo es mal richtig angesagt wäre, auch bei ihrer eigenen Partei, passiert nix.

A. Ostrovsky / 01.11.2023

Ich denke, die Achse sollte sich nicht über EKD-Vorsitzende beschweren. Erstens hättet Ihr mit dem Zentralrat genug Gesprächsstoff und zweitens habt Ihr unter der Rubrik “Wer hats gesagt” regelmäßig, gefühlt zwei Mal pro Vierteljahr an die Vorgängerin Margot K. und ihren geheimgehaltenen Beifahrer im Licht der roten Ampel und unter dem Einfluss eines Kohlenwasserstoffes erinnert. Die war Euch nicht verstrahlt genug? Oder warum hattet Ihr die so auf dem Kieker? Dass dann als Nachfolger:Innen (m/w/d) noch systemkonformere Exemplar:Innen eingesetzt werden,. war doch klar. Mir jedenfalls. Euch etwa nicht?

Markus Viktor / 01.11.2023

Kurzschluss! Sicherung draussen.

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