Manfred Haferburg / 28.02.2016 / 16:00 / Foto: lkiwaner / 2 / Seite ausdrucken

“Irrationale” Ängste - sie lauern nunmal tief in uns

Deutsche Bürger haben in der Flüchtlingskrise „irrationale Ängste“ und laufen daher in Scharen „den Rattenfängern“ nach. So der politisch korrekte Neusprech der staatsnahen Medien. Und dann kommt es ganz dicke: "Die Politiki verliert allmählich mit dem Volk die Geduld. Die Zeit der Gespräche mit besorgten Bürgern ist vorbei: Inzwischen stuft die Bundesregierung die 'Pegida'-Bewegung als in Teilen offen rechtsradikal ein." Siehe hier.

Wie „irrational“ sind die Ängste der so eingestuften Bürger eigentlich und woher kommen sie? Fangen wir mit den Ängsten an. Angst ist ein Grundgefühl, eine Emotion in als bedrohlich empfundenen Situationen, z.B. die körperliche Unversehrtheit wird bedroht. Die erste Frage lautet daher: Was sind „irrationale Ängste“? Es wird von den Etablierten so getan, als gäbe es auch „rationale Ängste“.

Die Redensart „Irrationale Angst“ ist schon an sich ein Widerspruch, etwas scharfsinnig Dummes. Weil die Begriffe einander doppeln. So wie „ein weißer Schimmel“.  Der Begriff der Angst soll damit verunglimpft werden. Ratio ist die Vernunft - Irrationale Ängste sind also demzufolge „unvernünftige Ängste“ - Sachverhalte oder Ideen, die der menschlichen Vernunft widersprechen. Als Beispiel wird gern genommen, dass ja „in Sachsen nur wenige Islamisten sind und deshalb von einer Islamisierung nicht die Rede sein kann“. Pegidisten sind also „Unvernünftige“. Und vom Unvernünftigen bis zum Unmündigen ist es nur ein kleiner Schritt – der Begriff versucht die Entmündigung Andersdenkender.

Wie das schöne Wort „Wahrnehmung“ schon beschreibt, wählen sich Menschen ihre Wahrheiten selber aus, und zwar selektiv. Das muss man sich so vorstellen: jeder steht vor dem selben Grabbeltisch der Fakten und sucht sich die ihm gefallenden Wahrheiten heraus, die er in sein Denkkörbchen packt. So entsteht sein ganz persönliches Weltbild. Als Wahrheit wird das empfunden, was am besten zur eigenen Überzeugung passt. So lesen wir eben die Artikel gern, die unsere Überzeugungen bestärken und vermeiden das Lesen von Beiträgen, die unserer Überzeugung widersprechen – Angela liest Achgut.com höchstwahrscheinlich nicht. Die Engländer sagen: „Facts are facts but perception is reality“.

Zum Beispiel der Fakt: Eine Million Moslems, davon 700 Tausend junge Männer, sind 2015 nach Deutschland gekommen und täglich kommen mehr. Die Assoziationen sprudeln: Die jungen Männer sind ja dreimal so viele, wie unsere Armee und Polizei zusammen… Es fehlen plötzlich ein paar hunderttausend Frauen in der Gesellschaft… Die meisten von denen müssen vom Sozialsystem alimentiert werden… Die müssen ja irgendwo wohnen… Kommen da Gewalttätige oder Kriminellen, womöglich auch Terroristen…

Hindern sie mal ein Gehirn an solchen Gedanken. Die Leute, die da nach Deutschland kommen sind darüber hinaus noch von einem anderen Stamm. Das war schon in der Urzeit hochgefährlich und Furcht vor ihnen, gegründet auf jahrtausendalte Erfahrung, steckt tief in unseren Genen. Mitten in diesen Wahrnehmungsprozess platzen weiter Informationen: „Was guckst du“ – Gewalt, Sex-Übergriffe, Einbrüche ohne Aufklärung, Kostenlawinen, ….

Die Bürger leiden unter dem Verlust ihres Grundvertrauens in die eigene Sicherheit. Noch vor Kurzem konnten sie sich in ihrer Wohnung, im öffentlichen Raum und in den öffentlichen Transportmitteln sicher fühlen. Seit Silvester ist es vorbei mit dem Sicherheitsgefühl. Der Staat zeigt täglich, dass er die Bürger nicht auf die gewohnte Weise schützen kann. Ist das Grundvertrauen dahin, braucht es Jahre, um wieder gewonnen zu werden. Im Moment ist eher der gegenteilige Prozess im Gange. Das Resultat - die Bürger bewaffnen sich.

Dazu kommen noch andere schlechte Nachrichten. Das Griechenlanddesaster schwelt weiter, die schwarze Null entpuppt sich als schwarzes Loch. Die Politik droht mit der Abschaffung des Bargeldes. Die vergurkte Energiewende kostet jede Familie einen Billigurlaub pro Jahr. Wohnungen werden teurer, einfache Jobs knapper, das Sozialsystem dünner.

Das Volk leidet darüber hinaus unter dem Verlust seines Gruppenterritoriums. Tiere kennzeichnen ihr Territorium und verteidigten es mit Zähnen und Klauen – auch und gerade gegen die eigenen Artgenossen. Auch dies ist tief in unserer Genetik verankert. Die Politik der offenen Grenzen hat nunmehr die Verteidigung des Territoriums aufgegeben. Sie behauptet, man könne die Grenzen gar nicht verteidigen, was gegen alle Erfahrungen spricht.  

Die Gesellschaft befindet sich derzeit mental auf einer schiefen Ebene. Alles scheint ins Rutschen zu kommen, schneller und schneller. Die Bürger fürchten, dass ihnen ihr hart erarbeitetes Leben entgleitet. „Alles geht den Bach runter“ sagen sie - ein Ausdruck, der diese schiefe Ebene bildhaft beschreibt. Und ja, das gesellschaftliche Gleichgewicht ist instabil, ein großes Ereignis, beispielsweise ein Terrorakt oder eine neue Asylantenflutwelle, könnte sie zum Umkippen bringen.

So unbegründet „irrational“ scheint mir unter diesen Gesichtspunkten die Furcht der „Angstbürger“ gar nicht zu sein. Vom „Das schaffen wir“ hingegen ist der Lack schon ab. Ich erkenne nicht, dass die Etablierten diese Prozesse verstanden haben. Sonst würden sie nicht mit dem Versuch der Unterdrückung der Furcht reagieren. Sie drohen und verdammen, wie ein ungeschickter Vater, der sein Kind anschreit, wenn es angstvoll weinend aus einem schlimmen Traum erwacht: „Schlaf sofort weiter, du dummes böses Kind, es gibt gar keinen schwarzen Mann!“

Dabei merken unsere politischen und medialen Vormünder nicht einmal, dass ihre eigene Angst vor der AfD genauso „irrational“ ist. Bis jetzt hat die AfD noch keinem Politiker etwas angetan, eher umgedreht. Die Angst der Eliten rührt aus ihrer Wahrnehmung her, dass die AfD statt ihrer an die Macht kommen könnte und es dann aus wäre mit den Pfründen. Frei nach Brecht: Wenn die Regierung sich nicht bald ein neues Volk sucht, wird sich wohl das Volk eine neue Regierung suchen müssen. Aus Angst, dass die Demokratie die Regierung abschafft, schraubt die Regierung an der Demokratie herum – mit Hilfe der Lufthoheit über dem Medienhimmel werden Andersdenkende diffamiert. Man schaue sich nur die unterschiedlichen Reaktionen auf Clausnitz und Kiel an.  

Wie beneiden manche Deutsche die Ungarn und die Schweizer um ihre Volksabstimmungen. Und warum soll das, was dort geht, nicht bei uns möglich sein? Es muss wohl noch schlechter werden, damit es wieder besser werden kann.

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Hartmut Laun / 28.02.2016

Wenn welche von irrationalen Ängsten geplagt sind, dann die, die am lautesten die anderen dessen beschuldigen.

Martin Wolff / 28.02.2016

Also ich finde schon, dass es irrationale, d.h. unbegründete Ängste gibt, z.B. vor Spinnen oder vor großen Plätzen. Die Täuschung liegt in der Falschbehauptung, die Ängste vor unkontrollierter Einwanderung seien unbegründet (ganz im Gegensatz zur Angst vor Atom, Chemie, Mobilfunk usw.)

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