Robert von Loewenstern / 01.01.2023 / 10:00 / Foto: Pixabay / 75 / Seite ausdrucken

Irgendwie ohne Menschen

Über Fußpflege, das größte Rätsel der Pandemie und ein Problem, das die Regierung nicht lösen will, obwohl sie könnte.

Zu Beginn der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam die Wendung irgendwas mit Medien auf. Sie galt als eine der Standardantworten unter Schulabgängern auf die Frage: „Und was willst du so machen?“ Damals erschien eine Karriere im Bereich Informationsvermittlung noch cool. Die Aspiranten ahnten nicht, dass der wirtschaftliche Niedergang ihrer potenziellen Arbeitgeber bereits vorgezeichnet war.

Zum geflügelten Wort wurde die Formulierung rund eine Dekade später. Etwa ab der Jahrtausendwende diente irgendwas mit Medien als Kennzeichnung einer Generation Blabla, die ihren Lebensschwerpunkt eher in der Befriedigung des Mitteilungsbedürfnisses als in handfester Arbeit sah.

Der Vorläufer von irgendwas mit Medien war irgendwas mit Menschen. Ende der Siebziger, während meiner Abiturzeit, war diese Auskunft zur Zukunft häufig zu hören, überwiegend von jungen Frauen. Nicht von mir. Meine Replik auf die Frage zur beruflichen Perspektive lautete: irgendwas ohne Menschen. Ich fand das lustig. Außerdem war ich davon überzeugt, dass es mich interessanter machte. Und es entsprach der Wahrheit.

Eine Freundin macht in Füßen

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Misanthrop. Ich finde Menschen im Prinzip okay, einerseits als Konzept, nicht selten sogar in konkreter Ausprägung. Allerdings, die Vorstellung, täglich „nah am Menschen“ arbeiten zu müssen, weckt in mir unmittelbaren Brechreiz. Falls Sie nicht wissen, was ich meine: Es geht unter anderem um Berufe, die es erfordern, morgens um halb acht in fremde Körperöffnungen zu schauen. Ganz egal, in welche.

Es ist ja nicht nur die Begegnung mit humanen Löchern, die mich erschaudern lässt. Nehmen wir zum Beispiel Füße. Ich befürworte ausdrücklich die als Fashion-Verbrechen verleumdete Kombination von Sandalen mit Tennissocken. Wer jemals die unteren Akren deutscher Pauschalurlauber in offenem Schuhwerk ohne weitere Bedeckung betrachtete, weiß, wovon ich rede.

Dankenswerterweise gibt es Menschen, die physisch und psychisch stabiler sind als ich. Eine gute Freundin macht seit einer Umschulung mit Mitte 30 in Füßen. Voller Leidenschaft übt sie eine Tätigkeit aus, für die ich sie zutiefst bewundere und über die ich so wenig wie möglich wissen will. Einerseits. Andererseits interessiert mich das podologische Geschehen unter politischen, juristischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten.

Haupt-Sache, die Haare schön

Die Fußpflegerin namens O. begab sich im ersten Corona-Jahr mit eigener Praxis in die Selbstständigkeit – kein kleines Risiko angesichts der schwer kalkulierbaren viralen und politischen Entwicklung. Sie hatte Glück. Corona schadete ihr nicht, im Gegenteil. O. wurde mit Anfragen überschüttet. Die vorwiegend ältere Kundschaft litt unter Vereinsamung und nutzte jede Gelegenheit zum hygienisch einwandfreien Sozialkontakt.

Während der diversen Lockdowns konnte O. ihrem Broterwerb nachgehen, weil sie über die Qualifikation zur medizinischen Fußpflege verfügte. Rein kosmetische Behandlungen waren gemäß der Rechtsverordnung ihres Bundeslandes verboten. O. gehört demnach zu den Seuchenprofiteuren. Bisher kam auch noch niemand auf die Idee, ihre „Übergewinne“ beziehungsweise „Zufallsgewinne“ übermäßig beziehungsweise zufällig zu besteuern. Alles gut also.

Andere, die nah am Menschen arbeiteten, hatten ebenfalls Glück. Institutionen wie „Rudi’s Lockenpuff“ durften ihre Kunst am Kopf im vergangenen Winter bundesweit praktizieren, obwohl es sich unstreitig nicht um medizinisch indizierte Verrichtungen handelte. Viele Gewerbetreibende in artverwandten Berufen trafen es weniger gut. Kosmetikstudios etwa wurde der Betrieb überwiegend komplett untersagt. Haupt-Sache, die Haare schön, lautete offenbar das Motto der Entscheider.

Besser erfrieren als infizieren

Das war ein Problem, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch juristisch. Eine Menge Spezialisten für Instandhaltung, Pflege und Verzierung menschlicher Seelengefäße wandten sich an die Justiz, um die verhängten Berufsverbote wieder aufheben zu lassen. Das klappte mal nicht, mal doch, mal vorübergehend.

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg zum Beispiel bestätigte die Schließung von Fitnesstempeln, genau wie das OVG Saarlouis. Dafür waren im Saarland die Eilanträge zum Öffnen von Kosmetikstudios und Massagepraxen erfolgreich. Auch Tätowierer, Piercer und Autobahnraststätten durften ihren Betrieb wieder aufnehmen. In Bayern scheiterte die Schließung von Fitnesscentern vor Gericht. Die Söder-Regierung reagierte kreativ und verbot umgehend jeglichen Indoorsport, auf dass Gleichbehandlung hergestellt sei. Auf diese Weise konnte man die aufmüpfigen Muckibuden wieder in die Schranken weisen.

Dies nur am Rande, beispielhaft und zur Erinnerung an das trotz der Erfahrungen vom Vorjahr erneut planlose Herumstümpern der Regierungen in Bund und Ländern. Man vergisst ja so schnell. Oder man bekam die Ausblühungen von Wahn und Willkür der Obrigkeit gar nicht mehr mit. Erst vor kurzem erfuhr ich, was der sonst so sehr ums Wohlergehen aller Entrechteten und Enterbten besorgte rot-rot-grüne Berliner Senat vor einem Jahr beschloss: Obdachlose ohne 3G-Nachweis sollten nicht mehr in U-Bahnhöfen Schutz vor Kälte suchen dürfen. Besser erfrieren als infizieren, dachten wohl die Verantwortlichen.

Bizarrstes Unterfangen der Corona-Politik

Zu diesem Zeitpunkt trug der Kampf gegen das Virus längst quasireligiöse Züge. Es war bekannt, dass auch Geimpfte sich selbst und andere anstecken. Trotzdem diente die frei erfundene „Pandemie der Ungeimpften“ zur Rechtfertigung jeder noch so überdrehten und sinnfreien Einschränkung. Und das, obwohl selbst Christian Drosten, Papst aller Paniker, bereits einen Monat zuvor erklärt hatte: „Es gibt im Moment ein Narrativ, das ich für vollkommen falsch halte: die Pandemie der Ungeimpften.“ Der Chef des Welt-Ärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, zeigte sich unbeeindruckt. Er heizte die Hexenhatz an, indem er gar eine „Tyrannei der Ungeimpften“ ausrief. Die Formulierung verteidigt der Unbelehrbare bis heute.

Wenige Monate später versuchte sich eine neue Bundesregierung an einem der bizarrsten Unterfangen deutscher Corona-Politik. Im April 2022, pünktlich zum Seuchenausklang, wollte man allen Ernstes noch eine allgemeine Impfpflicht durchsetzen. Die scheiterte zwar im Bundestag, aber zwei Wochen zuvor war immerhin die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ in Kraft getreten.

Damit sind wir wieder bei Freundin O., der Fußpflegerin. Sie fiel unter die Impfpflicht, weil sie als Podologin eine „heilberufliche Tätigkeit“ ausübte, einerseits in eigenen Praxisräumen, zum anderen in Alten- und Pflegeheimen. Diese Institutionen nutzten für ihre Angestellten gerne die vorgesehenen Ausnahmen. Bei den selbstständigen Kräften von außerhalb zeigte man sich weniger flexibel. Wer nicht geimpft war, musste draußen bleiben.

Impfpflicht als letztes aufgehoben

Für die dreifach imprägnierte O. war das kein Problem. Diverse ihrer Kolleginnen hatten jedoch gegen die Vakzinierung optiert, was faktisch ein Berufsverbot zur Folge hatte. Die rein kosmetischen Behandlungen, die sie abseits von Einrichtungen noch vollziehen durften, machten den geringeren, oft nicht mehr auskömmlichen Teil ihres Einkommens aus. Vor kurzem erwähnte O., dass eine weitere ihrer Berufsgenossinnen den Job aufgegeben habe, wie eine Patientin erzählte. Was die Aussteigerin jetzt macht, weiß man nicht. Alt genug für die Rente ist sie noch lange nicht.

Dass die Impfpflicht im Gesundheitswesen Ende 2022 überhaupt noch gilt, ist eine der zahllosen Corona-Absurditäten. Ausgerechnet diese stark grundrechtseinschränkende Maßnahme wird so ziemlich als letzte aufgehoben. Sie läuft erst an Silvester aus – und nur deswegen, weil einige Bundesländer Druck auf den Gesundheitsminister ausübten.

Die verlorene Podologin ist kein Einzelfall. Wie O. berichtet, muss sie wegen Vollauslastung regelmäßig Anfragen von Heimen ablehnen, die für ihre Bewohner keine Fußwerkerinnen mehr finden. Ob die Ungeimpften nach Ende der Impfpflicht zurückkehren, steht in den Sternen, wie die Erfahrungen in anderen Sparten zeigen.

Das größte Rätsel der Pandemie

Erwähnenswert ist die Geschichte der O. und ihrer Ex-Kolleginnen aus zwei Gründen. Erstens handelt es sich um einen der Bereiche, die unter dem Radar öffentlicher Wahrnehmung fliegen. Selbstständige, die ihre Tätigkeit aufgeben, werden von den offiziellen Statistiken nicht erfasst. Kein Alten- oder Pflegeheim meldet eine „offene Stelle“ für eine Kraft, die keine Planstelle im Haus besetzte.

Der zweite bemerkenswerte Umstand: Impfpflicht und andere hanebüchene Corona-Entscheidungen spielen – jedenfalls in regierungsnahen Medien – bei der Ursachensuche für den überall feststellbaren Personalschwund kaum eine Rolle. Besonders bei den Heilberufen wird der Mangel gerne ausschließlich auf chronische Überlastung, schlechte Bezahlung und extreme Arbeitszeiten zurückgeführt, wie jüngst wieder ein ZDF-„Frontal“-Beitrag bewies („Vier Gründe, warum der Pflexit droht“).

Für mich ist das postcoronale Verschwinden arbeitender Bevölkerung das größte Rätsel der Pandemie. Wenn ich durch deutsche Straßen laufe, komme ich mir vor wie in einer jener elenden Mystery-Serien, die die Streaming-Angebote beherrschen. An gefühlt jedem Schaufenster rufen Zettel „Mitarbeitende gesucht!“, gerne „dringend“ und „sofort“ in „Vollzeit, Teilzeit oder als Aushilfe“. Es winken von Beginn an „unbefristete Arbeitsverträge“ mit „jährlicher Gehaltssteigerung“.

Wo sind sie, und wenn ja, wie viele?

Auf unzähligen Transportern und Lkw-Anhängern werben Aufkleber um „Verstärkung unseres Teams“. Handwerker dienen einen Smart als „Dienstwagen“ für Azubis an. Einzelhandelsläden und gastronomische Betriebe reduzieren wegen Personalmangel ihre Öffnungszeiten oder schließen gleich ganz. Fliegen wird zur Lotterie, weil Kofferschubser und Durchleuchter fehlen. Mein Neffe leistet als Rettungssanitäter Sonderschichten weit über das zulässige Maß hinaus. Und und und.

Die amtliche Statistik spiegelt den Mangel nicht wider. Gemeldete offene Stellen gab es 2022 rund 850.000. Der Anstieg gegenüber den Corona-Jahren 2020 (613.000) und 2021 (706.000) ist zwar heftig. Nur, weit weg von den Zahlen ante Corona ist das nicht. 2018 lagen wir offiziell bei 796.000, 2019 bei 774.000 fehlenden Arbeitskräften. Der tatsächliche Bedarf dürfte mindestens doppelt so hoch sein. Die Arbeitgeberverbände gehen aktuell von 1,8 Millionen unbesetzten Stellen aus.

Aber was zum Teufel machen die Leute, die vor Corona Essen servierten, Güter transportierten, Regale bestückten, Klamotten verkauften und Koffer sortierten? Es kann nicht sein, dass sie en masse in andere Jobs wechselten. Das Problem zieht sich schließlich quer durch die Branchen. Bei meinem Neffen jedenfalls sind die Myriaden Köche, die angeblich auf Rettungssanitäter umschulten, nicht angekommen. Also, wo sind sie, und wenn ja, wie viele?

Klingt gut, stimmt aber nicht

In den traditionellen Medien scheint man eine traditionelle Erklärung zu bevorzugen. Vor allem der „demografische Wandel“ soll schuld sein am akuten Menschenmangel. Klingt gut, stimmt aber nicht. Sicher, das Zusammenwirken von sinkender Geburtenrate und steigender Lebenserwartung erzeugt zwangsläufig Unwucht im gesellschaftlichen Getriebe. Immer weniger Schaffende sollen immer mehr Ruhende durchfüttern.

Nur, dabei handelt es sich um eine schleichende Entwicklung, sie erklärt nicht das sprunghafte Verschwinden von Werktätigen. Das beweist auch die Statistik. In den letzten Jahren gab es keinen übermäßigen Anstieg bei den Rentenempfängern (hier, S. 45). Seit 1993 schwanken die jährlichen Rentenzugänge zwischen rund 800.000 und 1,2 Millionen. 2020 und 2021 kamen je circa eine Million Neurentner hinzu – keine ungewöhnliche Zahl.

Auch die derzeitige Übersterblichkeit erklärt die Dimension der Abgänge nicht, ebenso wenig wie Auswanderung. Bei letzterer ist nur der erhebliche Anstieg nach 2015 auffällig. Seit Merkels Migrationsversagen verlassen jährlich im Schnitt rund doppelt so viele Deutsche das Land wie zuvor.

Den Deutschen geht es zu gut

Die Schonlängerhiertätigen haben sich auch nicht massenhaft in die soziale Hängematte verabschiedet. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist 2022 sogar auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Ja, die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg 2020/2021 gegenüber 2018/2019 deutlich an, nämlich um rund 300.000. Andererseits liegt sie damit immer noch weit unter den Werten vor 2016. Nicht einmal die Schwarzarbeit scheint zugenommen zu haben, wie die offiziellen Schätzungen zur „Schattenwirtschaft“ nahelegen.

Also, erneut die Frage: Wenn sie weder tot noch ausgewandert noch verrentet oder anderweitig in gesellschaftlich subventionierte Untätigkeit geflüchtet sind – wo verstecken sich all die Arbeitskräfte?

Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt für mich nur eine Erklärung: Den Deutschen und sonstigen hier Einwohnenden geht es einfach zu gut. Während der zahlreichen Schließungen und Einschränkungen aufgrund verfehlter Corona-Politik haben offenbar eine Menge Leute gemerkt, dass es zu Hause gemütlicher ist als draußen und man außer ruckelfreiem Internet nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Viele bescheiden sich mit weniger und/oder lassen sich vom Lebenspartner durchfüttern.

Netflix statt Networking

Abhängen statt Arbeit, Teilzeit statt Teilhabe, Netflix statt Networking – das sind die Trends, die ich anekdotisch bestätigt finde. Unser Nachbar verkaufte die Anteile an seinem Start-up, weil die Ansprüche der Angestellten zunehmend unerfüllbar wurden. Selbst die Einführung der Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich genügte den jugendlichen Work-Life-Balancierern nicht. Mit Corona stiegen die Wünsche weiter: bezahlte Sabbaticals, Home-Office von Bali aus und Wegfall von gelegentlichen Abendeinsätzen.

Eine befreundete Grundschulleiterin berichtet, wenn sie überhaupt neue Lehrerinnen finde, dann ausschließlich für Teilzeit und gerne in Verbindung mit unverhandelbaren Forderungen, was bestimmte Tage und Uhrzeiten angeht. Mein Handwerkerfreund C. hat es aufgegeben, Jugendliche zur Mitarbeit anzuwerben: null Interesse am Job, bereits am ersten Tag zu spät wegen „verschlafen“, nur eine freie Hand, weil in der anderen das Mobiltelefon festgewachsen ist.

In einem Baumarkt fand ich letztens alle Kassen unbesetzt vor. Eine einsame Kraft überwachte die Scan-Stationen zum Do-it-yourself-Checkout. Auf meine halb scherzhafte Frage, ob man die Rationalisierung vielleicht etwas übertreibe, gab die Aufpasserin genervt zurück: „Sie können sofort anfangen. Wir finden niemanden. Keiner will mehr bis 20 Uhr oder am Samstag arbeiten.“

Die Wahrheit ist „rechts“

Klar, die Trends gibt es seit langem. Eine Gesellschaft, die ihrem Nachwuchs über Jahrzehnte einhämmert, Erfüllung und Lebenssinn seien vorwiegend in Freizeit und nicht in Arbeitszeit zu finden, muss sich über schwindenden Einsatz nicht wundern. Aber die Corona-Maßnahmen – speziell die staatlich abgefederten Auszeiten – haben die Entwicklung enorm beschleunigt.

Ein naheliegender Lösungsansatz findet im öffentlichen Diskurs keine Erwähnung. Besonders im Gebühren-TV ist ausschließlich vom „Fachkräftemangel“ die Rede, den es vor allem per erleichterter Zuwanderung zu lösen gelte. Die an jeder Ecke ausgeschriebenen Anlernjobs, für die es weder abgeschlossene Ausbildung noch sonstige Qualifikation braucht, übergeht man geflissentlich. Würde man sich diesem Teil des Problems zuwenden, müsste man als „rechts“ diffamierte Wahrheiten aussprechen: Hunderttausende haben sich bequem eingerichtet im Wohlfahrtsstaat und sehen nicht die geringste Veranlassung, ihren Lebensunterhalt – oder wesentliche Teile davon – aus eigener Kraft zu bestreiten.

Die ins Private verzogenen „Weniger ist mehr“-Anhänger dürften auf die Schnelle nicht so leicht für den Arbeitsmarkt reaktivierbar sein. Anders die staatlich gepamperten Untätigen. Bei denen gibt es einen wirksamen Hebel: Leistungskürzung, abgestuft und bis zu hundert Prozent. Wer arbeiten kann und das nicht tut, ist offensichtlich nicht bedürftig und hat somit keinen Anspruch auf Versorgung durch die Gemeinschaft. Die einzigen Ausnahmen sind Kranke und Kümmernde. Unter letztere fallen Menschen, die Kinder umsorgen oder Angehörige pflegen.

Mehr Druck, weniger Geld

Dies gilt selbstverständlich auch für Hochqualifizierte. Nach einiger Karenzzeit hat die persönliche hinter der gesellschaftlichen Zumutbarkeit zurückzustehen. Warum soll ein studierter Theaterwissenschaftler, der keine „angemessene“ Erwerbstätigkeit findet, nicht bei der Flughafen-Security oder im Einzelhandel arbeiten? Wer solche Jobs als unter seiner Würde empfindet, muss lernen: Nichts ist unwürdiger, als auf Kosten anderer zu leben. Ohne Not staatliche Versorgung in Anspruch zu nehmen, ist asozial.

Mehr Druck, weniger Geld, lautet die simple Lösung. Ausreden gibt es bis auf Weiteres nicht, jeder Willige kann schließlich derzeit sofort einen Job antreten. Eine Menge Stellen wären umgehend zu besetzen, würde man aus dem Potenzial der gesellschaftlich bezahlten Couchbewohner schöpfen. Aber was macht unsere Regierung, wenn eine einfache, sinnvolle und zielführende Lösung auf der Hand liegt? Richtig, das Gegenteil. Man erweitert die Fehlanreize für Mindermotivierte und erfindet ein schickes Wort dafür: Bürgergeld.

Andererseits, eines ist natürlich zuzugeben. Trotz der gewaltigen Herausforderungen im Zuge von Klima- und sonstiger Weltrettung ist unser Land immer noch nicht kollabiert. Und wenn die „gigantischen Transformationen“ in allen Lebensbereichen bisher so tippitoppi ohne Sinn, ohne Verstand und ohne Plan funktionierten, dann klappt es bestimmt auch irgendwie ohne Menschen.

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Leserpost

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S. Andersson / 01.01.2023

Nett, aber es gibt schon lange die Erkenntnis: “Bilder die Lügen” ... bei den Experten aus den Reihen der Unnützen kann man mit Sicherheit davon ausgehen das es etwas neues gibt :“Zahlen die Lügen”. Bei dem Header—Eine Freundin macht in Füßen .... fällt mir ein: “Karl: Ich mach jetzt in Autos. Robert: Echt jetzt? Hast du keine Toilette?” .... wie auch immer, der Staatliche / Mediale Durchfall der Chekker wird sich wohl noch eine Zeit lang steigern lassen zumindest bis die Realität durch die Tür kommt .... dann kommt Doppel Wumms oder der große Knall

rolf schwarz / 01.01.2023

Respekt, lieber Herr von Löwenstern. Besser hat es bisher wohl noch niemand auf den Punkt gebracht. Viele Deutsche haben die frühen Corona-Spots dankbar verinnerlicht, und sind seither eigentlich auch nicht mehr von der alles rettenden Couch hochgekommen. Der Wahnsinn wird wohl nicht so gut enden als es die verkünden, die irgendwas mit Medien machen.

M. Corvinus / 01.01.2023

Die recht komfortable soziale Absicherung (gerne in Verbindung mit ein wenig Schwarzarbeit) ist sicher ein Hauptfaktor, für den Arbeitskräftemangel. Ihrer Forderung nach Leistungskürzung stimme ich daher zu.  +++  Gleichwohl tut ein halbes Jahrhundert (!) 0,5 Kinder unter der für die Bestandserhaltung erforderlichen Rate das seinige. Irgendwann ist halt der Punkt erreicht, an dem sich der lange absehbare Mangel materialisiert, vermutlich ist es das Erreichen des Ruhestandsalters durch die Baby-Boomer in Verbindung mit der Rente ab 63.  +++  Früher, als sich 100 um eine Stelle bewarben, musste man halt auch härtere Tätigkeiten annehmen, um sich zu ernähren. Vorbei! Das hat unsere saturierte Bevölkerung auf dem herrschenden Arbeitnehmermarkt nicht mehr nötig +++  Das eigentlich Interessante ist aber doch, warum alle, aber wirklich alle Welt nur von Zuwanderung redet. Aber niemand davon, wie man die hier ansässige Bevölkerung (und da rede ich noch gar nicht - horribile dictu - von der autochthonen Bevölkerung), zu größerer Reproduktion motivieren könnte ...

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