Von Giulio Meotti.
Das iranische Regime vergibt Mordaufträge an europäische Verbrechernetzwerke: Sie beauftragen mafiöse Organisationen, um ihre Arbeit zu erledigen.
„Der Iran will Israel vernichten, das ist nichts Neues“, erklärte der ehemalige Hohe Vertreter der EU für Außenpolitik, Josep Borrell, 2019, als er noch spanischer Außenminister war. „Wir müssen damit leben.“ Jetzt müssen wir mit der Tatsache leben, dass der Iran versucht, Parlamentarier, Beamte und Journalisten zu töten.
Als der Killer den Abzug betätigte, zog Alejo Vidal-Quadras instinktiv seinen Kopf zurück – eine Aktion, die ihm das Leben rettete. Die Kugel war auf den Hals des spanischen Rechtspolitikers gerichtet. „Aber sie ging hier rein“, sagte Vidal-Quadras und zeigte auf eine Seite seines Kiefers. „Und kam dort wieder heraus“, und zeigte auf die andere Seite.
Vidal-Quadras, ein ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments und ehemaliger Professor für Atomphysik, wurde vom iranischen Regime ins Visier genommen, das Morde an europäische kriminelle Netzwerke übertragen hat. „Sie rekrutieren mafiöse Organisationen, um ihre Arbeit zu erledigen.“
Vidal-Quadras, 80, ehemaliger Mitte-Rechts-Abgeordneter der Volkspartei im Europäischen Parlament und Mitbegründer der Vox-Bewegung (aus der er später austrat), unterstützt den Nationalen Widerstandsrat des Iran, eine Oppositionsgruppe, und stand 2022 auf Teherans schwarzer Liste der mit Sanktionen belegten westlichen Bürger.
Um die Mittagszeit war er auf dem Heimweg von einem Spaziergang im Park. Nur 30 Meter von seiner Wohnung im Madrider Stadtteil Salamanca entfernt rief ihm ein Mann zu: „Hola, Señor“, woraufhin er sich umdrehte. Er wurde aus nächster Nähe mit einer 9-mm-Parabellum-Pistole getroffen, benannt nach dem lateinischen Spruch „Si vis pacem, para bellum“ („Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“). Die Kugel zertrümmerte seinen Kiefer und verfehlte nur knapp seinen Hals und sein Gehirn. „Die Polizei sagte mir, dass die Absicht war, mir in den Hals zu schießen. Denn es gibt zwei absolut tödliche Schüsse: in den Kopf, offensichtlich, und in den Hals. Dann geschah das Wunder.“
Vidal-Quadras, der bei dem Anschlag 40 Prozent seines Gehörs verloren hat, sagt, die iranische Strategie sei aufgegangen – zumindest was die sozialistische Regierung Spaniens betrifft. Er erklärte, dass es in Madrid „keine diplomatische oder politische Reaktion“ auf den Mordversuch an ihm gegeben habe. „Die Regierung hat kein Wort gesagt.“
Jüdische Ziele in Berlin
„Wenn Rafael Grossi einen Fuß in den Iran setzt, sollte er vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt werden“, schrieb kürzlich Kayhan, eine dem Obersten Führer Ali Khamenei nahestehende Zeitung, über den Leiter der UN-Atomagentur.
Unterdessen führen Donald Trump und alle anderen, die den Obersten Führer des Iran bedrohen, „Krieg gegen Allah“ und müssen laut einer neuen religiösen Fatwa von Ayatollah Naser Makarem Shirazi „mit dem Tod bestraft“ werden.
Stunden später enthüllte das Wall Street Journal, dass der Iran beschuldigt wurde, nachrichtendienstliche Informationen über jüdische Ziele in Berlin zur Vorbereitung von Anschlägen zu sammeln. Ein dänischer Staatsbürger namens Ali S., der für Teheran arbeitet, wurde verhaftet.
Schweden vereitelte zwei iranische Anschläge auf Saskia Pantell, die Vorsitzende des Zionistischen Verbands Schwedens, und Aron Verständig, den Präsidenten der schwedischen jüdischen Gemeinden.
Ein pakistanischer Staatsangehöriger wurde zu über vier Jahren Haft verurteilt, weil er Informationen über Reinhold Robbe, einen deutschen Mitte-Links-Politiker und ehemaligen Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, gesammelt hatte.
Eine schwedische SVT-Untersuchung ergab, dass die Terrorkampagne Irans Anfang 2024 begann: Granaten in der Nähe der israelischen Botschaft in Stockholm, Schießereien, Sprengstoffanschläge auf israelische Elbit Systems-Standorte in Göteborg und Brüssel sowie Granatenanschläge auf die Botschaft in Kopenhagen. Der Iran legte einen vollständigen „Zielkatalog“ vor, der Entführungen, Morde an Israelis, Angriffe auf jüdische Gemeinden und die Ausschaltung von exilierten Journalisten von Iran International.
Etwa 20 iranische Anschläge auf Großbritannien
Vor wenigen Wochen enthüllte die Washington Post ein vereiteltes iranisches Attentat auf Mike Pompeo in einem Pariser Hotel.
Robert O'Brien, Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater, wurde ebenfalls von zwei Männern aus dem Nahen Osten in Paris beschattet. Er wurde von seinem Sicherheitspersonal aus dem Hotel Ritz abgeholt.
Der britische Sicherheitsminister Dan Jarvis enthüllte etwa 20 iranische Anschlagspläne in Großbritannien.
In London wurde der iranische Journalist Pouria Zeraati mit einem Messer angegriffen. Der dissidentische Sänger Shahin Najafi wurde am Jahrestag der Proteste „Frau, Leben, Freiheit“ in Hannover fast getötet.
Die USA haben eine Belohnung von 20 Millionen Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Verhaftung von Shahram Poursafi führen, dem vorgeworfen wird, Auftragskiller zur Ermordung von John Bolton angeheuert zu haben.
Mordanschläge
Vor zehn Jahren wurde der argentinische Staatsanwalt Alberto Nisman ermordet, weil er das AMIA-Attentat von 1994 in Buenos Aires untersucht hatte, bei dem 85 Menschen getötet und 300 verletzt wurden – der schlimmste Massenmord an Juden zwischen dem Holocaust und dem 7. Oktober 2023. Ein Gericht hat nun bestätigt, dass es sich bei seinem Tod um einen Mord mit Bezug zum Iran und zur Hisbollah und nicht um einen Selbstmord handelte.
Darya Safai, eine belgische Abgeordnete iranischer Herkunft, erhielt zusätzlichen Personenschutz nach Morddrohungen im Zusammenhang mit Irans Förderung des islamistischen Extremismus in Europa.
Ulysse Ellian, niederländischer Abgeordneter, erhielt eine Droh-E-Mail von der iranischen Botschaft.
Masih Alinejad, Anti-Hijab-Aktivistin, entkam einem Mordanschlag in New York.
Weitere Zielpersonen: Salman Rushdie (fast getötet von einem Agenten mit Hisbollah-Ausbildung) und Irwin Cotler, ehemaliger kanadischer Justizminister.
Roya Hakakian, iranisch-amerikanische Autorin von „Assassins of the Turquoise Palace“, wurde vom FBI gewarnt, dass sie ein Ziel sei.
Assadollah Assadi
Der gravierendste Fall in Europa: der iranische Diplomat Assadollah Assadi, der in Deutschland festgenommen wurde, weil er einen Bombenanschlag auf eine iranische Oppositionskundgebung in der Nähe von Paris geplant hatte. Er wurde in Belgien zu 20 Jahren Haft verurteilt (Anm. der Red.: Assadollah Assadi wurde 2018 festgenommen, das Urteil wurde am 4. Februar 2021 ausgesprochen. Im Zuge eines Geiselaustauschs mit dem Iran wurde er 2023 gegen einen belgischen Entwicklungshelfer freigelassen).
Deutschland schloss das Islamische Zentrum in Hamburg 2024 wegen iranischer Verbindungen.
Vidal-Quadras behauptet, die westliche Politik gegenüber der Islamischen Republik sei in den letzten 40 Jahren eine Politik der Beschwichtigung gewesen: „Frieden, Verhandlungen, Dialog, Zugeständnisse. Diese Politik ist gescheitert. Je mehr der Westen versucht, sie zu beschwichtigen, desto aggressiver werden sie.“
Niemand lacht mehr
Als Khomeini seine Fatwa gegen Salman Rushdie erließ, schrieb der polnische Dissident Adam Michnik: „Eine Welt, in der ein Fanatiker im Iran Auftragsmörder auf der ganzen Welt engagieren kann, ist eine Welt, in der niemand mehr sicher ist.“ Das war 1989 – und wir hätten es damals verstehen müssen.
Aber wir verhalten uns wie der feige Schriftsteller Paul Theroux, der, als Rushdie zur Gedenkfeier für Bruce Chatwin erschien, auf dort geäußerte Besorgnis um dessen Sicherheit nur lachend antwortete: „Nächste Woche kommen wir wieder her, für dich!“
Jetzt sind wir alle an der Reihe. Und niemand lacht mehr.
Nicht einmal der Verfasser dieses Artikels – der allen Grund hat, Angst zu haben.
Dieser Beitrag erschien zuerst im Middle East Forum.
Giulio Meotti, Kulturredakteur bei „Il Foglio“, ist ein italienischer Journalist und Autor. Er schreibt eine wöchentliche Kolumne für Arutz Sheva und hat Beiträge für das Wall Street Journal, die Jerusalem Post, das Gatestone Institute und Die Weltwoche verfasst.
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Beitragsbild: Pixabay
Was ich da lese kommt mir persönlich sehr bekannt vor. Ich bekomme zwar keine Drohmails, bisweilen direkt Erpressermails bzgl. irgendwelcher Dinge die ich in meiner Wohnung so tue (die Polizeiüberwachung ist wohl angezapft oder die Polizei selbst unterwandert), nein, was potentielle Anschläge betrifft, geht es direkt ans Eingemachte. Da wird man auf Schritt und Tritt verfolgt und Leute mit nahöstlichem Aussehen und Händen in den Taschen oder auffällig unter über die Hände übergehängten Jacken suchen meine Nähe. Ist gerade heute wieder passiert. Dass ich mir das nicht einbilde, erkenne ich daran, dass die dann darauf reagieren, wenn ich Ausweichmanöver einleite. Und zwar in der Art, dass sie meinen Ausweichmanövern folgen und dann, wenn es zu offensichtlich wird, das Telefon ausspacken und mit irgendwem anders telefonieren, der dann wohl an anderer Stelle übernehmen soll. Mehr Bedrohung geht nicht. Ob das wirklich Iraner oder irgendwer anders sind, lässt sich so natürlich nicht sagen. Dafür müsste man die Leute direkt stellen und ausfragen können. Das geht aber nur mit vorgehaltener Waffe und vorläufiger Festnahme. Denn erst dann, wenn man diese Leute sicher am Boden hat und die Umgebung weiter im Blick behalten kann, kommt man überhaupt erst zum telefonieren mit der Polizei. Ich habe dieses Problem seit Jahren an der Backe. Seit Jahren. Ziwschendurch ist mal Pause, aber bei bestimmten Anlässen kommt das wieder durch. So ein Anlass kann dann z.B. ein Kommentar im Internet sein. Genau für solche Bedrohungslagen gibt es in Deutschland eigentlich den Waffenschein. Eigentlich, denn die Polizei rückt Waffenscheine an bedrohte Personen selbst dann nicht mehr raus, wenn einem so etwas permanent passiert. Und dann fragt man sich schon, warum die Polizei das nicht tut. Insbesondere wenn man gesichert weiß, dass Material aus deren Videoüberwachung zu Erpressungszwecken gegen die selben bedrohten Personen genutzt wird, die eigentlich einen Waffenschein bräuchten…
„Vidal-Quadras, ein ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments und ehemaliger Professor für Atomphysik, wurde vom iranischen Regime ins Visier genommen.“
Ernsthaft?
Atomwissenschaftler werden von Israel schon fast standardisiert ermordet und daraus wird bei anderen ein Aufhänger gemacht?
Das sind dümmliche Mainstreamdoppelstandards, das geht aber nicht bei euren Lesern.
Hat BP Steini schon gratuliert?
Sehr geehrter Herr Hans-Joachim Gille, Deutschland und EU finanziert etliche subversive NGOs in Polen. Wie wäre es mit gutem Beispiel dies einzustellen?
Traurige Wahrheit: Jeder kann jederzeit Opfer eines islamischen Anschlages werden. Jeder, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Ein Koran, mehr nicht!
Ein muslimischer Herschel Grynszpan also? Die Geschichte wiederholt sich immer zweimal: das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce.
@Lutz Herrmann:„Der Iran übt eine seltsame Anziehungskraft auf linke, progressive Zeitgenossen aus.“---Nicht nur auf die sondern auch auf Neurechte. Schauen Sie mal die Umfrage von Martin Sellner auf Telegramm an während Israel die Atomanlagen angriff: 18% für Israel, 25% für Iran und 57% neutral. Der Antiamerikanismus und der Hass auf die NATO einen. So kommen wir nie auf einen grünen Zweig.