Die iranische Sängerin Anita Popist wurde zu 74 Peitschenhieben verurteilt. Sie hatte ein Musikvideo veröffentlicht, in dem sie ohne Kopfbedeckung auftrat. Die in der Teheraner Untergrundszene aktive Künstlerin gab an, sie sei wegen „Verstoßes gegen die öffentliche Sittlichkeit“ verurteilt worden.
Erst im Juni 2026 war die 29-jährige Parastoo Ahmadi zu 74 Peitschenhieben verurteilt worden, weil sie ohne Hidschab aufgetreten war. Sie hatte gemeinsam mit acht Mitgliedern eines Produktionsteams ein Konzert gegeben, das 2024 auf ihrem YouTube-Kanal live übertragen worden war. Sie sang dabei die historische patriotische Hymne „Az Khoon-e Javanan-e Vatan“ („Aus dem Blut der Jugend des Vaterlandes“). Das Strafgericht der Provinz Ghom verurteilte sie außer zu Peitschenhieben zu einem zweijährigen Ausreiseverbot und einem Verbot der Ausübung künstlerischer Tätigkeiten.
Auch Männer, die sich für Frauenrechte einsetzen, werden verfolgt. Im März 2026 wurde Mehdi Yarrahi ausgepeitscht. An dem Sänger, der Demonstranten wiederholt durch das Singen revolutionärer Hymnen und Protestlieder unterstützt hatte (unter anderem mit dem Titel:„Nimm dein Kopftuch ab“), wurden 74 Peitschenhiebe vollstreckt.
Oder Shervin Hajipour: Der Sänger wurde für seine Ballade „Baraye“ mit dem Grammy ausgezeichnet. Das Lied ist eine Aufzählung der Gründe, warum Millionen Iraner mit ihrem Leben unzufrieden sind, und gilt vielen als inoffizielle Hymne der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini. Hajipour wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Zudem wurde ein zweijähriges Ausreiseverbot verhängt. Das Gericht ordnete zudem an, dass er Musik über „Amerikas Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ produzieren muss. Die Justiz warf ihm vor, „Musik gegen das System“ geschaffen und sich mit „feindlichen und antirevolutionären Gruppen“ zusammengeschlossen zu haben.
Im Februar 2025 wurde die Sängerin Hiwa Seyfzadeh während eines Konzerts in Teheran festgenommen, nachdem Sicherheitskräfte den Veranstaltungsort gestürmt und Männer im Publikum vorgefunden hatten.
Der kurdische Rapper Saman Yasin wurde im Oktober 2022 im Zusammenhang mit den „Frau, Leben, Freiheit“-Protesten festgenommen und zunächst zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof hob das Urteil später auf. Yasin berichtete von Folter, einer Scheinhinrichtung und schweren gesundheitlichen Schäden während seiner Haft.
Verfolgung kritischer Musiker seit 1979
Das iranische Regime hat seit der Islamischen Revolution 1979 zahlreiche Musiker und Sänger mit Berufsverboten, Verhaftungen, Ausreiseverboten, Gefängnisstrafen oder körperlichen Strafen belegt. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem systematischen Vorgehen gegen Künstler, insbesondere gegen Frauen und regimekritische Musiker.
Die berühmte iranische Popsängerin Googoosh durfte nach der Revolution rund 21 Jahre lang nicht öffentlich singen oder auftreten und wurde zeitweise festgenommen. Sie verließ den Iran erst 2000 und nahm ihre Karriere im Ausland wieder auf.
Der berühmte klassische Sänger Mohammad-Reza Shajarian wurde nach den Protesten von 2009 mit einem faktischen Berufs- und Medienverbot belegt. Nachdem er das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten kritisiert hatte, durfte er im Iran keine Konzerte mehr geben und keine neuen Alben veröffentlichen. Das Staatsfernsehen spielte seine Musik nicht mehr.
Der iranische Sänger Mehdi Rajabian wurde mehrfach wegen seiner künstlerischen Arbeit festgenommen. 2013 wurde er wegen seiner Musikplattform Barg Music verhaftet und verbrachte mehr als zwei Monate, teilweise in Einzelhaft im Evin-Gefängnis, in Haft. 2015 wurde er unter anderem wegen „Propaganda gegen das System“ und „illegaler audiovisueller Aktivitäten“ zu sechs Jahren Haft verurteilt, von denen drei Jahre tatsächlich vollstreckt und drei auf Bewährung ausgesetzt wurden.
Der iranische Rapper Toomaj Salehi gehört zu den bekanntesten regimekritischen Künstlern des Landes. Wegen seiner Musik und seiner Unterstützung der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ wurde er mehrfach verhaftet. Nach seiner Festnahme im Oktober 2022 verbrachte er mehr als zwei Jahre im Gefängnis und berichtete später von Folter und langer Einzelhaft. 2024 wurde er zum Tode verurteilt, bevor das Urteil vom obersten Gerichtshof aufgehoben wurde. Salehi kam Ende 2024 frei, doch im Juni 2025 wurde er erneut von den iranischen Behörden festgenommen.
Ein weiterer bekannter Fall staatlicher Verfolgung ist der von Mohsen Namjoo, den die New York Times einmal als den „iranischen Bob Dylan“ bezeichnete. Er war 2008 ins Exil gegangen, nachdem er keine Produktionsgenehmigungen mehr erhalten hatte. Kurz darauf gelangte ein privates, nie zur Veröffentlichung bestimmtes Musikstück ins Internet. Darin hatte Namjoo Koranverse in einer ungewöhnlichen musikalischen Interpretation verwendet. Ein bekannter Koranrezitator hatte daraufhin Anzeige erstattet.
Ein Revolutionsgericht verurteilte den Musiker 2009 in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft wegen der Beleidigung islamischer Heiligtümer. Da er sich bereits im Ausland befand, wurde die Strafe nicht vollstreckt. Namjoo erklärte später, das Stück sei nie für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, und entschuldigte sich dafür, dass es als Respektlosigkeit verstanden worden sei. Das änderte jedoch nichts an der Verurteilung.
Musik als Symbol westlicher Dekadenz
Frauen, die singen, und das womöglich ohne Kopftuch, sind für das Ayatollah-Regime eine mehrfache Bedrohung. Es ist aufgebaut auf Unterdrückung der Frau und des Individualismus. Gesang aber steht wie kaum etwas anderes für individuelle schöpferische Entfaltung: Kein Gesang klingt wie der andere. Dann die Texte: Selbst wenn die Texte nicht sozialkritisch sind, erzählen sie doch Geschichten aus einer Welt, die nicht vom Regime beherrscht wird, und eröffnen die Hoffnung auf privates Glück sowie die Freiheit, ein eigenes Leben zu führen. Wenn eine Frau singt, dann hat das in dem obskuren Weltbild der Mullahs auch noch eine sexuelle Komponente – der Gesang könnte Männer aufreizen. Darum muss er unterdrückt werden.
Übrigens: Für Sayyid Qutb, den späteren Chefideologen der Muslimbruderschaft, dessen Schriften vom ehemaligen Obersten Führer Al Khamenei ins Persische übersetzt wurden, hatte das Hören eines Lieds tiefe Auswirkungen. Im Auftrag des ägyptischen Bildungsministeriums, das ihn entsandte, um das amerikanische Bildungssystem zu studieren, reiste er von November 1948 bis 1950 in die Vereinigten Staaten und kam auch nach New York. Damals war Qutb ein Literaturkritiker, Schriftsteller und Bildungsbeamter, nicht der Salafist, als den man ihn heute kennt.
Was ihn in den USA besonders schockierte, war auch ein populärer Song, der 1950 den Academy Award als bester Filmsong gewann: „Baby, It’s Cold Outside“ von Frank Loesser. Die Szene ist ungefähr so: Eine Frau möchte nach Hause gehen („Ich sollte gehen“). Ein Mann versucht, sie zu überreden, noch zu bleiben, mit dem Argument, dass es draußen kalt und ungemütlich sei. Beide singen abwechselnd – daher wirkt es wie ein flirtendes Wortgefecht. Für Qutb wurde das Lied zum Symbol amerikanischer Dekadenz, vor der es die Gläubigen in der islamischen Welt zu schützen gelte.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.
Beitragsbild: Human Rights Activist News Agency

„Jochen Lindt / 27.07.2026
… Das ist so ähnlich wie in der DDR, wo ja auch Oppositionelle wie Biermann keineswegs am Hungertuch nagten, sondern halt mit dem Kulturminister Dauerclinch hatten. …“ – Ja, das war schon lustig, wie die BRD-Medien das „Berufsverbot“ für Biermann bei jeder Gelegenheit rausposaunten und dabei sicher nur vergessen hatten zu erwähnen, daß er sein Gehalt weiter bekommt, ob er nun auftreten darf oder nicht.
Wie heißt es doch so schön? „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Sitzt, passt, hat Luft. Die Amerikaner sind im Nahen Osten nie durch besondere strategische Finesse aufgefallen. Im Gegenteil: Die Muslimbruderschaft gegen die Sowjets zu fördern, war ein Tritt in die eigenen Weichteile, der kurzfristig nichts gebracht hat außer die Russen von ein paar staubigen Felsen zu vertreiben, langfristig aber einen Ideologie „weaponized“ hat, die uns hier im Westen nun mehr und mehr unterwandert und in die Zange nimmt. An der fortschreitenden Dekadenz, oder sollte ich besser sagen am fortschreitenden Siechtum des Westens ist zwar was dran, das hat aber weder mit offenen Haaren noch mit Musik zu tun, sondern mit ausufernder Korruption, die die Abwehr gegen verfassungsfeindliche Kräfte aus der islamischen Welt gegen fortwährend einfließenden Bakschisch kaum noch zulässt. Die Muslimbruderschaft ist ein illegaler pan-islamischer Geheimdienst, der uns besonders hier in Europa massiv in die Zange nimmt. Die Amerikaner sind noch einigermaßen durch den Atlantik davor geschützt, bei uns wandert das seit Globalisierung und stiefmütterlich gehandhabtem Grenzschutz aber nahezu ungehindert ein. Militärisch ist das kaum zu lösen, denn dabei geht zu viel kaputt, während das Problem davon propagandistisch erst richtig profitiert und auf Vollgas dreht. Das muss man also anders handhaben. Aber dafür braucht es endlich offene Türen an den richtigen Stellen und das Abdanken von Führungspositionen, die nur meinen, sie hätten das Problem verstanden.
@ weis Was den Islam so stark macht, ist die brutale Geschlossenheit nach innen und außen. Abweichler sind nicht zugelassen, Ungläubige schon gar nicht. Zur Not hilft der Baukran. Wenn der Islam in einem Land installiert wurde, wurde er nie abgeschüttelt. Da werden die Linken ganz geil, denn das haben sie nicht hingekriegt. Die scheitern immer als Sozialisten und Diktatoren und endeten auch schon mal an der Laterne.
Wie wäre es mit einer seriösen Quelle ?
@HJ Gille, Ich zitiere Sie: ♦„Original-Leitfaden für Blöde, die Bibel …♦“
Was haben Sie für einen Nutzen davon, die Bibel und die Menschen, die ihr vertrauen, zu verunglimpfen?
Islam mit Koran vertreibt Christentum und Judentum samt Bibel, weil Leute wie Sie daran mitarbeiten.
Was dabei herauskommt, erleben wir doch in Wokistan-Germanistan jeden Tag hautnah.
Warum merken Sie das nicht?
Sind Sie etwa von der „systemischen Lüge als Narrativmacht im Kommunismus, Wokismus, Islam“ infiziert?
Ja, ich mőchte auch nicht dort leben…aber wenn ich hier mit einem „Z“ auf den Rücken marschieren werde…
Was in solchen Berichten nie drinsteht, ist, dass die Mullahs ‚All-inclusive-Provider‘ sind. Mit anderen Worten jeder Iraner kriegt sein Grundeinkommen, auch die Oppositionellen. Das ist so ähnlich wie in der DDR, wo ja auch Oppositionelle wie Biermann keineswegs am Hungertuch nagten, sondern halt mit dem Kulturminister Dauerclinch hatten. Wie das System nach Donnyboys Bombardierungen und den hart unterdrückten Demos weitergeht, weiß ja keiner, da dringt wenig nach draussen, aber dass die Mullahs auf dem absteigenden Ast sind, können wir ausschliessen. (PS: Die DDR haben sie locker überdauert, sie sind jetzt 47 Jahre am Ruder, und wenn man Scholl-Latour glauben darf, können sie 100 Jahre regieren)