Michael W. Alberts, Gastautor / 15.02.2021 / 06:00 / 195 / Seite ausdrucken

Inzidenzwert 35: Regierungs-Intelligenz an der Nachweisgrenze

Vergangene Woche wurde auf achgut.com erläutert, dass die „Britische Mutante“ als letzte Argumentationsreserve zugunsten des Lockdowns wohl nicht mehr taugt. Denn: Es ist völlig normal, dass eine Virenfamilie neue Varianten entwickelt. Könnten Viren das nicht, hätte das menschliche Immunsystem sie längst komplett erledigt. Und, das sei als nicht ganz unwichtiger Sachhinweis noch nachgetragen: Es ist auch normal und zwangsläufig, dass eine Mutation, die eine Ausbreitung begünstigt, anfänglich vor allem auf Superspreader trifft und zunächst höhere Reproduktionsraten erzielt, die aber rasch abflauen. Diese Zusammenhänge sind auf Achgut übrigens schon im Frühsommer letzten Jahres ausführlich erörtert worden. Die politische Hysterie beweist also gerade keine intensive Fürsorge, sondern eher Ignoranz.

Achgut.com-Leser Heinz Gerhard Schäfer hat in einem Kommentar auf einen äußerst interessanten Umstand aufmerksam gemacht (Danke dafür!). Er bringt die Inzidenzwerte, das aktuelle heilige Kalb der Panikherrscher, mit der Falsch-Positiv-Rate bei den PCR-Tests in Verbindung. Seine These, erläutert an Beispielzahlen für eine Großstadt: Eine Inzidenz von 35 (angeblichen Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern) lässt sich mit PCR-Tests überhaupt nicht zuverlässig messen und macht schon deshalb keinen rechten Sinn, als zentrales politisches Kriterium für eine Rückkehr zur Normalität – eine mit tatsächlich geltenden Grundrechten der Menschen.

Diesem Hinweis soll hier noch einmal ausführlicher gefolgt werden, allerdings anhand nationaler Zahlen, auch und gerade direkt vom RKI – und das Ergebnis ist beinahe atemberaubend. Wieder haben wir hier ein analytisches Problem – das eigentlich kaum mehr als die Grundrechenarten erfordert – und ein wenig normale Alltagslogik, aber wieder scheint es so, als sei der gesamte Apparat von Bundesregierung, Ländern, Instituten und Propagandahelfern entweder intellektuell komplett überfordert, oder als stelle er sich dumm und vertraue darauf, dass die Bevölkerung im Wesentlichen tatsächlich so dumm ist, für wie man sie verkaufen möchte. 

Die RKI-Tagesberichte enthalten immer mittwochs Daten zu den Testorgien. Zuletzt am 10. Februar benennt das RKI die Zahl der Testungen je Kalenderwoche mit etwas über einer Million. Das ist aber weit weniger, als die Testlabore alle gemeinsam stemmen könnten; dieser Wert liegt bei deutlich über zwei Millionen. Ende des Jahres sind tatsächlich Summen von 1,4 bis 1,5 und (kurz vor Weihnachten, S. 11) sogar fast 1,7 Millionen erzielt worden.

Epidemiologische Überinterpretation

Die entscheidende Frage ist dann, wie hoch ist die Rate der Falsch-Positiv-Testergebnisse, und damit sind Fälle gemeint, in denen die Testperson in Wirklichkeit überhaupt keinen Viruskontakt hatten und das Testdesign einfach sozusagen technische Fehler aufweist – metaphorisch gesprochen: quasi einen Wackelkontakt, der zu einer falschen Anzeige führt. 

Dann gibt es natürlich noch positive Testergebnisse, wo die Testperson womöglich dem Virus gegenüber exponiert war, das Immunsystem hat die Sache aber längst erledigt und es sind nur ein paar Bruchstücke vom Virus noch übrig, auf die der Test anspringt. Ebenso kann der Test noch anspringen auf ältere Corona-Varianten, die nur eine gewisse Ähnlichkeit mit dem neueren China-Virus aufweisen. (Dagegen gäbe es grundsätzlich Sicherungsmechanismen, aber die werden in Deutschland anscheinend „vorsichtshalber“ bewusst ausgehebelt.)

Außerdem kann der Test erst nach z.B. weit über 30 Verdoppelungs-Zyklen (Ct-Wert) anspringen, entsprechend einer so minimalen Virenlast, dass von einer Erkrankung oder auch Ansteckungsgefahr eigentlich nicht auszugehen ist. Das wäre aber kein Falsch-Positiv-Ergebnis im engeren Sinne, sondern „nur“ eine epidemiologische Überinterpretation, der durch RKI und seine Meldeverfahren allerdings ganz bewusst reichlich Vorschub geleistet wird. (All diese Dinge sind auf Achgut.com schon oft behandelt worden; nicht zuletzt in der verdienstvollen Serie von Thomas Maul, Start hier.)

In allen genannten Fällen handelt es sich bei einem positiven PCR-Testresultat im Grunde um einen Fehlalarm, der es nicht rechtfertigt, irgendjemanden zuhause einzusperren. Aber konzentrieren wir uns gleichwohl auf die „echten“ Falsch-Positiv-Ergebnisse. Angesichts von Laboren, die seit Monaten „auf dem letzten Loch pfeifen“, im 7-Tage-Betrieb festhängen, manchmal nicht vorankommen, weil Reagenzien fehlen, dann wieder reinklotzen, um Rückstände aufzuarbeiten, ist es vermutlich realistisch, die Falsch-Positiv-Rate irgendwo zwischen knapp einem und bis zu zwei Prozent anzunehmen. Wir könnten das vielleicht – theoretisch – genauer wissen, wenn das RKI sich dieser zentralen Frage systematisch und nachdrücklich widmen würde, mit wiederholten Prüfzyklen. Aber leider fehlt der Wille zu echter wissenschaftlicher Transparenz.

Eine Inzidenz aus falschen Ingredienzen

Also gehen wir für eine Proberechnung von einer Fehlerquote von – eher zurückhaltend angesetzt – 1,25 Prozent aus: noch ziemlich nahe dran an dem, was man vermutlich als Minimum ansehen muss. Wie gesagt, vor Weihnachten sind 1,6 Millionen Tests pro Woche locker überschritten worden. Gehen wir davon aus, dass die Regierenden zum Sommer hin ganz, ganz intensiv auf unseren Schutz achten und die Testumfänge wieder hochtreiben. 1,25 Prozent falsch-positiver Resultate von 1,6 Mio. Tests ergibt 20.000 vermeintlicher „Neuinfektionen“.

Der Inzidenzwert rechnet in Fällen per Hunderttausend. In runden Zahlen nehmen wir 80 Millionen Deutsche und müssen durch 800 teilen, damit wir auf 100.000 kommen. Also müssen wir auch die geschätzten 20.000 falsch-positiven Fälle durch 800 teilen, und das Ergebnis ist – Trommelwirbel – 25. In möglichst einfacher Sprache, damit es selbst ein Bundesminister verstehen kann: Allein mit kaputten PCR-Tests kann man ganz leicht auf eine „7-Tage-Inzidenz“ von 25 (von Hunderttausend) kommen.

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das sind einfach nur offensichtliche Tatsachen. Niemand kann behaupten, PCR-Tests arbeiteten fehlerfrei. Das gilt schon deshalb, weil PCR-Tests einen relativ aufwendigen Prozess in den Laboren durchlaufen, der fehleranfällig ist, und weil die Proben schon z.B. in Arztpraxen „angefasst“ werden müssen, und weil das ganze System seit Monaten stark überfordert wird. Und der Rest sind, wie gesagt, Grundrechenarten.

Es geht auch hier, jedenfalls mit Blick auf die Falsch-Positiv-Rate, gar nicht darum, auf den PCR-Test als solchen einzudreschen. Eine Fehlerrate von nahe einem Prozent (wenn es denn damit getan ist) ist eigentlich beinahe erstaunlich niedrig, und man kann und darf die zugrunde liegende Technologie durchaus bewundern. Das Problem ist vielmehr der inkompetente Umgang mit dem Instrument, von Seiten der Politik und natürlich des RKI. 

Das Unmögliche ist für Merkel gerade gut genug

Der PCR-Test wird mit einer Aufgabe befrachtet, die er vernünftigerweise nicht leisten kann. Da wird mit dem Buttermesser gearbeitet, wo diffiziles Operationsbesteck angezeigt ist. Die (geringe) Fehleranfälligkeit des Testverfahrens wird durch das gewaltige Aufblasen auf Millionenumfänge so durchschlagend, dass man (politisch gewollt?) auf eine ganz falsche Spur gerät. Und es bleibt nicht einmal bei dem Wert von 25, der vorhin beispielhaft errechnet worden ist. Denn es ist noch mehr zu beachten: Die Testungen werden nicht bundesweit ganz einheitlich vorgenommen, perfekt gleichmäßig auf die Nation verteilt. Sondern es wird in der einen Stadt mehr getestet als in jenem Landkreis, und das eine Bundesland ist aktiver als das andere. Es wäre überraschend, wenn die Test-Intensität – als Anteil der Getesteten an der jeweiligen Bevölkerung – nicht gehörig um einen bundesweiten Mittelwert schwanken würde, und dabei ist eine Bandbreite von plusminus 20 Prozent sicher nicht zu groß angesetzt. Aber mit 25 plus 20 Prozent (und sei es nur für eine oder zwei Kalenderwochen) kommt man schon auf 30. Damit ist der von der Kanzlerin diktierte Inzidenzwert von 35 schon fast erreicht – kaum zu glauben, aber Tatsache.

Mit den falsch-positiven PCR-Resultaten wird sozusagen ein „Grundrauschen“ von nur vermeintlichen „Infektionen“ erzeugt. Leider kann man nicht einmal ganz exakt sagen, wie hoch dieses Grundrauschen liegt, denn dazu müsste man eben die Falsch-Positiv-Rate exakt messen, was man von vornherein vermeidet, aber selbst dann befände man sich noch auf unsicherem Boden, weil ihr Wert von so vielen schwankenden Faktoren abhängt und deshalb ziemlich stark fluktuieren kann. Wir wissen nur, das Grundrauschen ist da, und es hat eine erhebliche Stärke. Wenn das Grundrauschen mit hoher Wahrscheinlichkeit Werte von 20 bis 30 erzielen kann; wenn es (zumindest in lokalen Ausreißern) sogar Werte von 40 und mehr erzielen kann, bei erhöhter Falsch-Positiv-Rate, dann macht ein Inzidenzwert von 35 absolut keinen Sinn.

Aber nehmen wir höchst wohlwollend an, das Grundrauschen liege stabil bei einem Wert von „nur“ 20. Das heißt immer noch ganz definitiv, dass die Idee eines gewissen Tierarztes, die Inzidenz sei am liebsten auf 10 zu drücken, einfach nur abwegig ist. Aber es heißt auch, dass ein Drücken des Werts von (bis vor kurzem) 50 auf 35 eigentlich bedeutet, dass die möglicherweise halbwegs „echten“ Fälle eben nicht von 50 auf 35 reduziert werden sollen, sondern – da das Grundrauschen „abgezogen“ werden muss – von 30 auf 15. Und wenn das Grundrauschen doch eher bei 30 liegt? Dann müssten wir in Wahrheit von 20 auf 5 kommen, also die schon relativ wenigen verbleibenden Fälle auf nur noch ein Viertel drücken.

Alternative: Testorgien eindampfen, da kontraproduktiv

Noch einmal: Auch die über dem Grundrauschen der falsch-positiven Testresultate liegenden, anderen positiven „Fälle“ dürften zu großen Teilen ebenfalls Fehlalarme sein, wie vorhin erläutert. Am Ende reden wir also über wirklich einzelne Personen, eine Handvoll Menschen pro Großstadt oder Landkreis, die sich wirklich mit dem Virus anstecken und Symptome entwickeln und andere ernsthaft anstecken könnten. Wir reden womöglich über eine einzige Familie in einer richtigen Landeshauptstadt wie Erfurt oder Kiel, die tatsächlich mit einer grippeähnlichen Infektion zuhause bleibt. In einer Millionenstadt wie München mögen es – verteilt auf das gesamte große Stadtgebiet – fünf Familien sein. Die Politik sagt uns kaltlächelnd ins Gesicht, wir müssen uns einsperren und das Leben zerstören lassen, selbst wenn die Zahl der echten Corona-Fälle (wirklich Kranke!) praktisch an der Nachweisgrenze liegt.

Damit wäre die Pandemiepolitik allerdings genau dort angekommen, wo wir umweltpolitisch schon lange sind: Die meisten Grenzwerte, die „zu unserem Schutz“ im Gesetz stehen, sind „schon aus Vorsorgegründen“ so niedrig wie nur möglich angesetzt, nämlich ziemlich nah an der technischen Nachweisgrenze. Eine „7-Tage-Inzidenz“ von 35 je Hunderttausend, wenn auf millionenfach vorgenommenen PCR-Tests basierend, liegt – wenn man das unvermeidbare Grundrauschen falsch-positiver Resultate und weiterer offenkundiger Fehlalarme in Abzug bringt – tatsächlich sehr nah an der Nachweisgrenze, wenn nicht schon darunter. Man kann mit PCR-Tests nicht auf null kommen, nicht einmal nahe dran. 

Diese Probleme, die unvermeidlich bestehen, solange auf Teufel komm raus Millionen getestet werden, ließen sich nur vermeiden, wenn die Testerei um Größenordnungen eingedampft würde. Wenn nur noch getestet würde auf Veranlassung von niedergelassenen oder Krankenhausärzten, und auch nicht einfach auf Vorrat, sondern nur nach spezifischer Diagnose. Und dann sollte auch nicht nur ein 08/15-PCR-Test gemacht werden, sondern dann sollten aufwendigere, mehrstufige Testverfahren zur Anwendung kommen. Leider würde dies unseren Herrschergouvernanten kompletten Kontrollverlust bescheren, also werden sie diesen Weg nicht gehen. Aber dann, wenn sie es bei massenhaften Screening-Testorgien belassen, müssen sie einsehen, dass Schwellenwerte für die Inzidenz deutlich über dem Grundrauschen der falsch-positiven Tests bleiben müssen, und dann sind 50 schon knapp.

Nachtrag: Erläuterung zu den Zahlenwerten und Prozentangaben

Aufgrund von Nachfragen von Seiten aufmerksamer, engagierter und zu Recht grundsätzlich skeptischer Leser hier noch einmal in möglichst klaren Worten die zentralen „mathematischen“ Fakten:

1) Die Prozentangabe zu den „falsch-positiven“ Testergebnissen bezieht sich auf die Gesamtzahl der Testungen. Das sind die „Fehlalarme“, die auch dann stattfinden, wenn man den PCR-Test auf keimfreies Material anwendet.

2) 1,25 Prozent von angenommen 1,6 Millionen Testungen bedeutet, dass man durch 80 teilen muss. Oder man teilt durch 100 und schlägt dann ein Viertel drauf. So kommt man auch per Kopfrechnen eindeutig auf 20.000.

Das sind die falsch-positiven Resultate für die Gesamtbevölkerung und pro Woche.

3) Die „7-Tage-Inzidenz“ bezieht sich natürlich ebenfalls auf eine Woche, insoweit gibt es nichts umzurechnen. Aber sie bezieht sich auf jeweils 100.000 Menschen, nicht auf 80 Millionen Gesamtbevölkerung. Um von 80 Millionen auf 100.000 zu kommen, muss man durch 800 teilen, oder durch 1000 und wieder ein Viertel draufschlagen.

4) Also müssen auch die 20.000 falsch-positiven Resultate rechnerisch entsprechend behandelt werden, um sie auf jeweils 100.000 Menschen beziehen zu können; dann kommt man auf den Eckwert von 25, an dem der Beitrag „aufgehängt“ ist.

5) Die Teiler von 80 aus Punkt 2 und die 800 aus Punkt 3 sind sich wirklich rein zufällig so ähnlich. Der glatte Faktor 10, der zwischen beiden Divisoren steht, hat keine sonstige Bedeutung für die Berechnungen. Aber natürlich sind mehr oder weniger glatte Basiswerte angesetzt worden, damit es tatsächlich ohne Taschenrechner geht.

 

Ergänzender Nachtrag vom 16.02.2021 [(ür die besonders kritischen Leser)

Achgut.com ist keine wissenschaftliche Fachzeitschrift. In einem politisch-journalistischen Beitrag kann man komplizierte – z.B. medizinische, epidemiologische – Sachverhalte nicht so präzise und „wasserdicht“ abhandeln, dass jedes Missverständnis, jede Fehlinterpretation ausgeschlossen ist. Es muss auch umgangssprachlich genug bleiben, um allgemein verständlich und nachvollziehbar zu sein. Vor diesem Hintergrund eine definitorische Klarstellung und möglichst unmissverständliche Erläuterung:

Ein Testverfahren zur Diagnose einer Ansteckung trifft grundsätzlich auf (viele) gesunde und (wenige) infizierte Personen. Die zutreffenden Ergebnisse bedürfen insoweit keiner Diskussion, aber es gibt unvermeidlich auch falsche Ergebnisse: Es können kranke Personen fälschlich als unauffällig angezeigt werden, diese Ergebnisse sind „falsch negativ“. Und es können gesunde Personen fälschlich als infiziert angezeigt werden, dann spricht man von „falsch positiv“. Genau um diese Teilgruppe geht es hier, denn: Die falsch-positiven Testergebnisse täuschen Infektionen vor, die es real gar nicht gibt. Und können im konkreten Zusammenhang missbraucht werden, die Grundrechte durch Lockdown weiter einzuschränken. 

Im Beitrag geht es darum, die einschlägigen Zahlen und Relationen zu erkennen, zu erläutern und rechnerisch abzuschätzen, wobei es nicht um exakte Werte geht, sondern um realistische Bandbreiten. Wenn es eigentlich (so gut wie) keine neuen Infektionen mehr gibt, aber immer noch falsch-positive Testergebnisse, dann ergibt sich deren Anzahl faktisch aus der (ungefähren, angenommenen!) Anzahl aller Tests, wie oben im Text formuliert. Die ganz korrekte, allgemeiner gefasste Definition der Falsch-Positiv-Rate ist demgegenüber: Es geht um die falsch-positiven Ergebnisse in Relation zu allen gesunden, nicht-infizierten Testpersonen.

Der Unterschied zwischen der vereinfachten Definition im Rahmen der Fragestellung, mit der sich der Beitrag in aller Klarheit befasst, und der korrekten Definition laut Lehrbuch ist rechnerisch und vom politischen Ergebnis her unbedeutend: Die Bandbreite der Tests kann z.B. zwischen (aktuell) gut einer Million pro Woche oder zum Sommer hin fast zwei Millionen schwanken. Die Rate der falsch-positiven Tests kann theoretisch auch unter 1 Prozent liegen, oder doppelt so hoch. Beide Bandbreiten kombiniert können Faktoren von drei oder höher ergeben. Ob durch theoretische Berücksichtigung einiger weniger Prozent tatsächlich infizierter Personen bei der Abschätzung (der absoluten Zahl falsch-positiver Fälle bundesweit) eine Differenz von wenigen Prozentpunkten entsteht, macht für die Argumentation des Beitrags keinen Unterschied.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

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Peter Groepper / 16.02.2021

mit Statistik soll man vorsichtig sein, um nicht völlig daneben zu liegen. Hier ein (v. Corona völlig losgelöstes) Beispiel: Ein Test sei zu 99,99% treffsicher, also die Falsch-Positiv-Rate liege bei 1 von 10.000. Ferner sei angenommen, eine Seuche sei so verbreitet, dass etwa 1 Mensch von 10.000 infiziert ist. Es werde nun jemand positiv getestet und seine Nachfrage beim Arzt ergibt: Der Test ist 99,99% treffsicher. Da gibt es keine Hoffnung auf einen Irrtum. Was aber ist Tatsache? Auf besagte 10.000 Getestete angewendet wird der Test genau 2 Posive melden. Den tatsächlich Infizierten (von denen es angenommenerweise etwa 1 unter 10.000 gibt) und einen Falsch-Positiven, weil der Test ja bei 10.000 eine falsche Meldung ausgibt. Daraus resultiert für den vom Arzt als infiziert bezeichneten Menschen, dass für ihn das Ergebnis nur eine Sicherheit von 50% aufweist. Ich möchte das jetzt nicht auf Corona und die Treffsicherheiten und anderen Zahlen übertragen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass bei statistischen Tests die Ergebnisse gut verstanden werden müssen. Wichtig ist eben neber der statistischen Genauigkeit des Tests auch die Häufigkeit dessen, was er untersuchen soll. Hätte von 10.000 Kandidaten jeder Fünfte die Krankheit, so wäre 1 Falsch-Positiver unter 10.000 nicht erheblich. Je geringer das Auftreten der Krankheit aber ist, desto vorsichtiger muss man mit dem Ergebnis umgehen. (Mein Kommentar ist angeregt durch ein Beispiel einer Aids-Erkrankten von Prof. Giegerenzer)

Rudolf Jörres / 15.02.2021

Großen Dank, Herr Alberts. Lassen Sie mich das für diejenigen, welche die Zusammenhänge genauer verstehen möchten, in Formeln fassen. Sei G die Grundgesamtheit, w die Wahrscheinlichkeit, positiv zu sein (wahre Prävalenz). Sei N eine Stichprobe aus G, in der sich n tatsächlich Positive befinden. Hierbei gelte (1): n = w*N*alpha, mit alpha dem Abweichungsfaktor der Stichprobe von der Grundgesamtheit G. In der Stichprobe weisen P Probanden einen positiven Test auf. Dann gilt (2): P = n*Se+(N-n)*(1-Sp) mit der Sensitivität Se und Spezifität Sp. Es folgt (3): n/P = (1-(N/P)*(1-Sp)/(Se+Sp-1) für den Anteil der richtigen Positiven an der Gesamtzahl der Positiven in der Stichprobe. Ein anderes ist die Zahl der positiv Getesteten überhaupt, hier geht die Prävalenz w mit ein, und für den Anteil der Positiven in der Stichprobe folgt aus (1) und (2) die Formel (4): P/N = (1-Sp)+ w*alpha*(Se+Sp-1). Bei sehr kleinem w und/oder alpha überwiegt der erste Term. Beispiel Sp=Se=0.99, also 1-Sp=0,01 und Se+Sp-1=0,98, also P/N=0,01+0,98*w*alpha. Eine „Inzidenz“ von Z, verstanden als Anzahl positiver Tests pro 100.000 Einwohner, geht aus vom Ziehen einer Stichprobe des Umfangs N, in der sich P Positive finden. Es handelt sich aber nicht um eine Re-Skalierung der Art P/N = Z/100.000. Vielmehr wird absurderweise P/G = Z/100.000 gesetzt, mithin Z = 100.000*P/G = 100.000*(N/G)*(P/N), also folgt mit Formel (4) die Formel (5): Z = 100.000*(N/G)*((1-Sp)+w*alpha*(Se+Sp-1)). Es gilt also immer Z >= 100.000*(N/G)*((1-Sp). Mit Sp=0,99 und N/G=0.02 (Anteil Tests N an der Gesamtbevölkerung G) ergibt sich Z >= 20, für andere Zahlen entsprechend. Ein Z von Null erreichen zu wollen ist angesichts dessen ein signum clarum et distinctum animi imbecillitatis

J.Zobel / 15.02.2021

@Fred Burig: “Viel bleibt da zwar nicht zur Auswahl, aber eine “Alternative” gibt es allemal!” aber leider nicht die, die sich gerade Stück für Stück selbst zerlegt anstatt diese Krise als beste Möglichkeit der Profilierung zu nutzen.

Maria Dreiling / 15.02.2021

@Frau Kistler, in der 37 oder 38 (?) Sitzung des Corona-Ausschuß gab ein Dr./Prof. von Konstanz zum besten, daß am Bodensee in einem kleinen Altersheim 18 Heimbewohner positiv getestet wurden und das täglich - so die Anordnung. Und so hat Uhldingen-Mühlhofen in der Woche eben 18x7=126 positive Testungen zur Fehlerquote. Und ich gehe jede Wette ein, daß das in Tirschenreuth und in Hildburghausen genauso gehandhabt wird/gehandhabt werden mußte. Mit einem kleinen Altenheim - täglich getestet - kann man den ganzen Kreis “aushebeln” und vorführen. Richtig: Horror, Panik. RA Giorgiani (39. Sitzung des Corona-Ausschuß (etwa ab 4:00) sagt, daß in der 1. PHASE “Irritationen” geschaffen werden sollen, bewußt Fehler gemacht werden, Freiheitsberaubung durch PCR-Tests, Diagnosefehler -  der große Durchschnitt ist dann “richtig froh”, wenn Gaststätten geschlossen werden.

Edgar Thielsch / 15.02.2021

Eine mögliche Ursache für die besonders niedrigen Inzidenzen im Sommer könnte das ‘Poolen’ sein. In den Labors wurden, um den Ansturm (vor allem in Bayern, wo ja jeder auch ohne Anlass einen Test beanspruchen kann) halbwegs zu bewältigen, erst mal 10 Patientenproben zusammen gemischt und als ‘Pool’ untersucht (Das ist bei medizinischen Tests an sich nicht zulässig, wurde aber aufgrund der von der Politik ausgelösten Lawine vom Hersteller validiert und abgesegnet). Wenn diese Poolprobe negativ war, wurden alle 10 als negativ erklärt, war der Pool-Test positiv, wurde differenziert. Im Grunde wrde also jede Probe auf das zehnfache verdünnt, was natürlich die Empfindlichkeit und damit das Risiko eines falsch-positiven Ergebnisses deutlich verringert. Gleichzeitig dürfte die Zahl der falsch-negativen zugenommen haben, aber das hat bei niedriger Inzidenz weitaus weniger Auswirkungen. Als im Herbst die Zahl der tatsächlich infizierten Patienten anstieg, nahmen wir und wohl auch die anderen Laboratorien vom Pooling bald Abstand, weil es keine Ersparnis mehr brachte, da zu viele Pool-Proben positiv wurden und differenziert werden mussten - Da kann man dann gleich wieder einzeln untersuchen (Kleinere Pools als 10 nutzten nur wenig und bald gar nichts mehr, wie eine einfache stochastische Betrachtung zeigte!).

Karola Sunck / 15.02.2021

Ich wette das nach dem Ausgefallendem Karneval in den diversen Hochburgen des Frohsinns ,die Inzidenzwerte wider drastisch steigen. Schuld sind wieder die Menschen, die in beschaulichen Karnevalskostümen vor dem Fernsehschirm, nicht die vorgeschriebene Abstände von 1.5 m eingehalten haben. Weiterhin wird das Virus ja auch von unserem Corona-Beauftragtem ,,Heiner die Fliege, Lauterbach`` verbreitet. Er braucht nur auf der Mattscheibe erscheinen, schon steigen die Inzidenzwerte, zumindest hat es den Anschein, wenn er den Mund aufmacht und seine schönen Zähne bleckt. Ansonsten nichts neues an der Corona- Front. Merkel verwechselt die 50 mit 35, erst sagt sie 50 und meint 35. Nun ja sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Da kann so etwas schon mal passieren. Vielleicht ist sie zu eitel eine Brille zu tragen. Ich habe sie noch nie mit Brille gesehen Besser nimmt sie gleich ein Mikroskop, dann kann sie die Zahlen besser erkennen und braucht nicht den Söder danach fragen. Denn der kann da auch nichts genaues zu sagen, hat er doch Probleme, weil ihm die Augen so wegen Corona tränen, hat er gesagt. Und ab und zu betet er auch, weil er die Menschen so hinters Licht führen muss, wegen dieser herbeigeredeten Pandemie. Aber dafür braucht er sich nicht zu schämen. Das kann der Kleber Klaus auch und der wird auch ganz gut dafür bezahlt, dass er sich die künstlichen Tränen von Marietta Slomka wegwischen lässt, wenn mal wieder ein Flüchtlingsboot kentert, nachdem die Asylanten von den kirchlichen Rettungsteams bei schwerer glatter See, unter dem Einsatz ihres kirchlichen Auftrages übernommen wurden. Naja, nehmen wir so manches mit Humor, bin mal gespannt ob der politische Aschermittwoch wegen Corona ausfallen wird. Ich habe ihn hiermit etwas vorgezogen. Helau und Alaaf.

Ekbert Kassner / 15.02.2021

Herr Paul Diehl, -richtig. Die Regierung ist alles mögliche, bloß nicht dumm. Die Dummen sind wir (Matth.13,13).

lutzgerke / 15.02.2021

Ich habe noch ein paar Patente auf meinem Recher rumliegen, zum Bleistift das mit der Patentnummer US 7,220,852B1. Das Patent ist am 22. Mai 2007 sozusagen in Kraft getreten und zeigt mit Wackelbildern, die an einen unterbelichteten schwarzweiß Film erinnern, “Coronavirus isolated from Humans”. Mich würde interessieren, wer seine Schnotten zur Verfügung gestellt hat? Schnotten, das ist ja Eiweiß und das A und O der Bundesregierung, vor allem die Schnotten anderer Leute. Die Viren waren damals nicht sehr aggressiv, obwohl sie das, was die heutigen Coronen auszeichnet, als Bausteine schon hatten. Wahrscheinlich waren die Viren Schläfer, die nach geheimnisvollen 13 Jahren aus ihren Gräbern auferstanden sind, um für Unruhe zu sorgen - mit irgendwie denselben Waffen?

Maria Dreiling / 15.02.2021

@Paul Diehl - die Pandemie kommt nicht wie gerufen. Die Pandemie ist bestellt oder wurde in Auftrag gegeben. Diese Gesichter vom “letzten Arbeitswochenende Bundestag” sind so rührend unschuldig”. Herr Spahn guckt grundsätzlich durch uns durch!

Lutz Herzer / 15.02.2021

Wer sich auf die völlig falsche Grundlage zur Berechnung der Inzidenz durch das RKI einlässt, hat schon von Haus aus verloren. Man kann nicht 1,6 Mio. Tests durchführen und dann davon ausgehen, man hätte alle positiven Fälle von 83,1 Mio. Einwohnern erfasst. Das tut man aber, wenn man die Zahl der Neu-Positiven einer Woche durch 831 (83,1 Mio. / 100.000) teilt, statt zunächst durch 16 (1,6 Mio. / 100.000). Würde man letzteres tun, käme man bei 188.283 positiven von 1.672.033 Tests (KW 51) auf eine Inzidenz von 11.261, wobei dies die Inzidenz der strategisch Getesteten wäre. Sie kann keine Auskunft über die Inzidenz der Gesamtbevölkerung geben, welche zwangsläufig niedriger sein muss, da die Strategie des RKI auf eine Vorselektion anhand von Symptomen, Kontaktverfolgung und (ab KW 46 2020) Schnelltests gerichtet ist. Um den Faktor zwischen der strategisch ermittelten Inzidenz und der unbekannten Inzidenz der Gesamtbevölkerung zu ermitteln, müssten separate Tests eines repräsentativen Querschnitts der Gesamtbevölkerung durchgeführt werden, um Hochrechnungen zu ermöglichen. Der Faktor könnte z.B. bei 0,5 liegen, wenn bei zufällig ausgewählten Probanden nur halb so viele positiv wären. Und jetzt kommt die Preisfrage: warum wendet das RKI eine offensichtlich falsche Berechnungsmethode an, um niedrige Inzidenzzahlen produzieren zu können? Die Antworten lauten: 1. niedrige Inzidenzen lassen jede Sterberate umso dramatischer erscheinen. 2. niedrige Inzidenzen werden von Maßnahmenkritikern nicht so schnell in Frage gestellt. 3. Niedrige Zahlen sind von Woche zu Woche volatiler und leichter manipulierbar. Die Kurven erreichen schönere Steigungen.

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